Dachfonds Test

Vor der Abgeltungsteuer schützen Dachfonds die Diplom-Psychologin Renate Briese nicht besser als andere Fonds. Kursgewinne bleiben steuerfrei, wenn sie noch im Jahr 2008 kauft.

Bequemen Anlegern ersparen sie die Mühe, selbst Fonds zu kombinieren. Doch nur wenige Dachfonds brachten gute Renditen.

Die Finanzbranche preist Dachfonds als Wunderwaffe gegen die Abgeltungsteuer. Das ist falsch. Doch auch bei nüchterner Betrachtung sind die Fonds für Langfristanleger interessant, wenn es die richtigen sind.

Wir haben untersucht, wie sich Dachfonds, die seit mindestens fünf Jahren auf dem Markt sind, im Vergleich zu gewöhnlichen Fonds behaupten und welche Dachfonds in ihrer Fondsgruppe am besten abgeschnitten haben.

Vorteil bei reinen Aktienfonds

Dachfonds Test

Bei reinen Aktienfonds geht die Dachfonds-Idee am ehesten auf. Offenbar wirkt es auf die Wertentwicklung stabilisierend, wenn Aktienfonds statt Einzelaktien kombiniert werden.

Zwar sind Anleger nicht völlig vor Abstürzen gefeit, aber die Wahrscheinlichkeit, einen Flop-Fonds zu erwischen, ist deutlich geringer als bei herkömmlichen Aktienfonds (siehe Grafik).

Die Ausschläge nach oben wie nach unten halten sich in Grenzen. Dadurch ist es allerdings auch schwieriger, echte Renditeperlen zu finden. Unter den Top-Fonds der weltweit anlegenden Aktienfonds sind Dachfonds rar gesät. Die besten zeigt unsere Tabelle „Die besten Dachfonds aller Fondsgruppen“.

Falsche Hoffnungen geweckt

Dachfonds Test

Karl Bauer hat schlechte Erfahrungen mit neu- aufgelegten Fonds gemacht. Der Selbstständige hat zwei Dachfonds der Postbank gekauft, als sie erst kurz auf dem Markt waren, den Strategie Flex und den Strategie Chance. Sie bescherten ihm hohe Verluste und wurden vor kurzem aufgelöst. Auch von einem weiteren Dachfonds, dem DekaStruktur: Chance, ist er enttäuscht. In der Finanztest-Bewertung, die es erst nach fünf Jahren am Markt gibt, schnitten die Postbank-Fonds miserabel ab. Bauer: „Meine Altersrückstellungen sind zum Teil zerbröselt.“

Die starke Werbung für Dachfonds weckt bei vielen Anlegern falsche Vorstellungen. „Dachfonds“ bedeutet nichts anderes, als dass der Manager eines Fonds in andere Fonds investiert. Er kauft also nicht einzelne Aktien oder Anleihen, sondern Aktien- oder Rentenfonds. Viele Dachfonds investieren sogar ausschließlich in Aktienfonds.

Wenn Anleger an die Abgeltungsteuer denken, suchen sie in der Regel etwas anderes: Sie wollen einen Fonds als Vermögensverwaltung. Der Fondsmanager soll das angelegte Geld je nach Börsenlage mal sicherer, mal spekulativer anlegen und dabei so geschickt vorgehen, dass ein kontinuierlich hoher Vermögenszuwachs herausspringt.

Dieser Vorstellung kommen Mischfonds am nächsten. Mischfonds gibt es zwar auch in Gestalt von Dachfonds, doch die meisten Mischfonds, die Finanztest regelmäßig untersucht, sind herkömmliche Fonds aus Einzelaktien und -anleihen.

Im Hinblick auf die Abgeltungsteuer ist es egal, ob ein Fonds als Dachfonds aufgelegt ist oder nicht. In beiden Fällen bleiben die Umschichtungen innerhalb des Fonds steuerfrei. Diesen Vorzug genießen auch Mischfonds unabhängig davon, ob sie nun Aktien in Anleihen oder Aktienfonds in Rentenfonds umschichten.

Viel wichtiger als die Konstruktion des Fonds ist sowieso sein Anlageerfolg. Nur wenn er über viele Jahre eine überzeugende Wertentwicklung bringt, wird ihn der Anleger mit gutem Gefühl im Depot lassen.

Und nur in diesem Fall hat er sein Ziel, die Abgeltungsteuer zu vermeiden, erreicht. Wenn dagegen ein Fonds schlecht läuft und zwischenzeitlich durch einen anderen ersetzt werden muss, sind die Kursgewinne des nach dem 1. Januar 2009 gekauften Fonds steuerpflichtig.

Viele Fonds enttäuschten

Wie unsere Auswertung zeigt, gibt es für Anleger keinen zwingenden Grund, beim Kauf eines Mischfonds einen Dachfonds zu bevorzugen.

Finanztest teilt Mischfonds in sechs Risikogruppen ein, die vor allem von der Aktienquote abhängen. In den meisten Gruppen sind Dachfonds keinen Deut besser als ihre Konkurrenten, die Einzelwerte kombinieren. Es gibt jedoch rühmliche Ausnahmen wie die Mulit-Opportunities-Fonds der DWS (siehe Porträt).

Viele Anleger, wie unser Leser Karl Bauer, erlebten mit Dachfonds, die ihnen von renommierten Banken ans Herz gelegt worden waren, böse Reinfälle.

Gerade bei neuaufgelegten Dachfonds sollten Anleger auf der Hut sein. Selbst wenn der Bankberater das Fondskonzept in höchsten Tönen lobt, ist das keine Garantie für eine gute Wertentwicklung. Wir raten, lieber einen bewährten Fonds zu kaufen.

Kosten nicht immer problematisch

Dachfonds gelten als Kostentreiber, da sie doppelte Managementkosten haben: Neben dem Management für den Fonds selbst müssen ja indirekt auch die Manager der gekauften Fonds finanziert werden.

Zumindest für schlechte Dachfonds gilt tatsächlich: Außer Spesen nichts gewesen. Doch es gibt genügend Gegenbeispiele. Die Renditen der oben aufgeführten Fonds sind auch unter Berücksichtigung aller Gebühren völlig in Ordnung. Nur die Kaufkosten gehen extra.

Vor allem die beiden Multi-Opportunities-Fonds der DWS beweisen, dass Managementgebühren gut angelegt sein können. In den vergangenen fünf Jahren bescherten sie ihren Anlegern durchschnittlich über 11 Prozent pro Jahr. Für Fonds mit solchen Renditen kann die Finanzbranche mit Fug und Recht die Werbetrommel rühren.

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