Dachdämmung Test

Guter Wärmeschutz spart Heiz­kosten und sorgt für Wohl­fühl­klima im Haus. Aber nicht jede Dämmung lässt sich so einfach einbauen wie erhofft. Wir haben es probiert.

Es beginnt mit einem Plopp: Kaum ist die Kunst­stoff­hülle entfernt, kommt Leben in die komprimierte Mineralwolle. Die Fasern dehnen sich aus. Passt der Heim­werker nicht auf, entrollt sich der Dämm­stoff im Nu ungebremst über den Dachboden. Im nächsten Arbeits­schritt greift der Hobby-Hand­werker zu Zenti­metermaß und Messer und zerteilt die lange Dämm­stoff­bahn in hand­liche Stücke. Die drückt er in die Hohlräume zwischen den Dach­sparren. Nach und nach entsteht eine lückenlose Dämm­schicht. Aber nur auf den ersten Blick. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich manches Detail als Flop.

Thermo­grafie zeigt Wärmebrü­cken

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Pingelig: Exakter Zuschnitt und Einbau der Glaswolle sichert den Dämm­erfolg.

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Thermo­grafie: Sie zeigt Wärmebrü­cken in Dunkel­violett – hier bei Hanf­fasern.

Wenn etwa zwischen Holz­sparren und Dämm­stoff eine kleine Lücke klafft, geht Wärme verloren. Unsere Prüfer haben nach solchen Schwach­stellen gefahndet und sie sogar mit einer Wärmebild­kamera aufgespürt. Die Thermo­grafie zeigt die kühlen Bereiche in dunkel­violetter Farbe. Ziel war es, Dämm­stoffe zu finden, die auch Heim­werker gut anbringen können.

Übrigens: Die schlecht gedämmten kalten Stellen in der Außenhülle eines Gebäudes nennen Experten Wärmebrü­cken. Weil Wärme über sie entweicht, heißen sie nicht Kältebrü­cken, wie manche meinen.

Tipp: Vermeiden Sie solche Wärmebrü­cken unbe­dingt. Die kalten Stellen gefährden den Erfolg der Wärmedämmung. Im schlimmsten Fall verursachen sie sogar Feuchte und Schimmel.

In der Werbung siehts einfacher aus

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Unter den Sparren: Zwischen den Latten findet der Dämm­stoff einigermaßen Halt. Als Nächstes folgt die Innen­verkleidung, etwa mit Gips­kartonplatten.

Zu kleinen Wärmebrü­cken kann es schneller kommen als gedacht. Das zeigte sich im Praxis­test an einer Modell­dach­konstruktion. Die hand­werk­lich geübten Heim­werker in unserem Test arbeiteten gewissenhaft. Dennoch tauchte die dunkel­violette Farbe bei den Kontrollen mit Thermo­grafie mehr­fach auf.

Dämmen ist ganz offensicht­lich nicht so einfach, wie es die Werbefotos der Anbieter vermuten lassen. Die Schwierig­keiten beginnen für Heim­werker schon bei der Planung. Die Material­auswahl für die Dachdämmung ist kompliziert. Es gibt eine Fülle von Materialien mit verschiedener Wärmeleit­fähig­keit. Geprüft haben wir vor allem Glas- und Steinwolle, aber auch Produkte aus nach­wachsenden Rohstoffen: Holz- und Hanffasern.

Für Heim­werker ist es besonders wichtig, dass sich Baumaterialien möglichst leicht verarbeiten lassen. Im Unterschied zu Profis fehlt Laien die Erfahrung im Umgang mit schwierig zu verarbeitenden Materialien. Im Mittel­punkt unseres Tests stehen deshalb die Hand­habungs­prüfungen. Große Unterschiede im Schwierig­keits­grad stellten die Prüfer beim pass­genauen Zuschneiden fest. Mehrere Anbieter verkaufen spezielle „Dämm­stoff­messer“. Damit lassen sich die Glas- und Mineralfasermatten relativ leicht zerteilen.

Anders bei Holz- und Hanffasern: Die waren so widerborstig, dass die Schnitt­flächen recht ausgefranst aussahen. Die Prüfer fluchten. Besser klappte es mit einem professionellen Elektrofuchs­schwanz.

Tipp: Bringen Sie die Holz­latten bei der Untersparrendämmung (siehe Skizze) am besten so an, dass Sie die Holz- oder Hanffasermatten nicht zuschneiden müssen. Beachten Sie die Empfehlung der Anbieter und bemessen Sie den Latten­abstand etwas geringer als die Mattenbreite. So lässt sich der Dämm­stoff mit leichtem Druck dazwischenklemmen.

Im Test haben wir sowohl zwischen als auch unter den Sparren gedämmt. Das ist die „große Lösung“. In der Praxis ist sie oft erforderlich, wenn die Sparren nicht genug Tiefe bieten. Damit es unterm Dach trotzdem schön kuschelig wird, ist dann eine zweite Lage Dämm­stoff unter­halb der Sparren notwendig.

Tipp: Achten Sie auf die unterschiedliche Wärmeleit­fähig­keit. Best­werte versprechen hier die Dämm­stoffe von Isover und Ursa. Im Vergleich zum Thermo-Hanf ist der Heiz­energie­verlust bei gleicher Dämm­stoff­stärke um rund ein Fünftel geringer.

Kein Dämmen ohne Dichten

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Dampf­brems­folien: Aufgedruckte Hilfs­linien und Schablonen erleichtern den exakten Zuschnitt erheblich.

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Klebeband: Mit einem flexiblen Band lässt sich auch eine Problem­stelle wie diese Rohr­durch­führung gut abdichten.

Früher haben manche Bauherren die Dämm­schicht raumseitig einfach mit Platten abge­deckt – und fertig. Eine solche Bauweise ist aber gefähr­lich. An Steck­dosen und undichten Rand­anschlüssen kann Luft aus der Wohnung durch die Dämm­schicht nach draußen strömen. Mit der warmen Luft entweicht auch viel Luft­feuchtig­keit. Im Winter kondensiert diese Feuchte in der kalten Dämm­schicht. Schwere Bauschäden können die Folge sein.

Ein zusätzliches Luft­dicht­system ist deshalb ein Muss: Eine lückenlos verklebte Dampf­brems­folie soll verhindern, dass Luft hinein- oder heraus­pfeift. Acht solcher Systeme – das sind sowohl Folien als auch die dazu­gehörigen Klebeband­rollen und Klebemassen – haben wir einge­kauft. Beim Verarbeiten bewährten sich vor allem nutzerfreundlich gestaltete Produkte. So erleichterten die Markierungen auf den Folien von Isover, Pro clima und Siga den exakten, schnellen Zuschnitt.

Die wichtigsten Bindeglieder sind die Klebebänder. Einige Anbieter verkaufen ein Band für alles, ein Multi­funk­tions­band. Andere bieten Spezialbänder für verschiedene Zwecke. Der Test zeigt, dass dies kein Vorteil sein muss. Im Gegen­teil: Für Heim­werker kann ein zu vielfältiges Sortiment verwirrend sein. Praktisch verarbeiten lassen sich die etwas flexiblen Bänder. Sie passen sich unebenen Untergründen an. Bei langen geradlinigen Klebe­verbindungen erlaubt ihre Dehn­barkeit auch kleine Richtungs­korrekturen, falls das Band am Start­punkt etwas schief angesetzt wurde. Das erspart lästiges Stückeln.

Wenn der Sturm rüttelt

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Die Klebematerialien müssen auch halten, wenn sich im Sommer die Hitze unterm Dach staut oder kurz nach dem Einbau Sturmböen auf sie einwirken. Bei den Klebe­prüfungen schneiden Isover, Pro clima und Rock­wool am besten ab.

Bei Ampack hingegen kann es zu Undichtig­keiten kommen: Im Praxis­test löste sich das Klebeband Ampacoll XT zum Teil bereits nach kurzer Zeit von der Resano-Folie. Betroffen waren Abschnitte, an denen die Prüfer die Klebebänder beim Einbau nicht fest auf die Folie drücken konnten. Bei der Klebe­prüfung im Labor hielt das angepresste Band zumindest befriedigend. Besser klebte an Problem­stellen das Ampack Butyl­kautschuk­klebeband BK535.

Die meisten Klebebänder schwächeln auf Holz. Da haften die geprüften Klebemassen aus der Kartusche meist deutlich besser. Alleskönner sind aber auch sie nicht. Auf Ziegeln oder auf Porenbeton­steinen hielt nur Pro clima sehr gut. Nicht prüfen konnten wir, wie sicher die Klebe­verbindungen auf Dauer halten.

Tipp: An kritischen Stellen wie Wand­anschlüssen sollten Profis und Heim­werker auf Nummer sicher gehen und eine zusätzliche Anpress­latte (siehe Skizze) anbringen.

Nur dürftig informiert

Unser Test zeigt: Richtig dämmen und abdichten ist nicht einfach. Umso wichtiger wären gute Verarbeitungs­hinweise. Doch nützliche Informationen auf den Produkten oder beigefügte Anleitungen suchten wir häufig vergeblich.

Tipp: Machen Sie sich unbe­dingt schlau, bevor Sie als Bauherr oder Heim­werker ein Dämm­projekt starten. Nutzen Sie die oft deutlich besseren Infos der Anbieter im Internet (siehe Adressen). Rufen Sie auch deren Hotlines an. Hier geben oft Dämm­profis detaillierte Auskunft.

Kontrolle ist besser

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Klebemasse: Für Anschlüsse an Balken oder Seiten­wände eignet sich der Kleber aus der Kartusche.

Egal ob der Heim- oder Hand­werker dämmt – Fehler können sich immer einschleichen. Es empfiehlt sich sehr, den Luft­dich­teer­folg kontrollieren zu lassen, am besten mit dem „Blower-Door-Test“. Der funk­tioniert so: Ein kräftiger Ventilator erzeugt Über- oder Unter­druck. Dabei lassen sich Leckagen prima erkennen. Bester Zeit­punkt: Sobald alles abge­dichtet ist und der Kleber einige Tage trocknen konnte. Aber unbe­dingt noch vor Montage der Innen­verkleidung. Sie legt ansonsten den Mantel des Schweigens über kleine Fehler genauso wie über groben Pfusch.

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