Klobige Videokassetten haben ausgespielt. Heute werden Fernsehprogramme auf handtellergroße Silberscheiben oder auf Festplatte aufgezeichnet. Doch die digitalen Rekorder können noch viel mehr.

Sonntagabend, TV-Tatortzeit. Die Spannung steigt, doch plötzlich klingelt das Telefon. Wer abhebt, verpasst wichtige Filmpassagen und verdirbt sich den kurzweiligen Krimispaß. Mit einem DVD-Festplattenrekorder ist die erzwungene Pause kein Problem: Auf Knopfdruck wird der Film aufgezeichnet. Nach dem Telefonplausch steigt man wieder genau da ein, wo man aufgehört hat. Denn die Geräte können gleichzeitig aufnehmen und wiedergeben.

Dieses zeitversetzte Fernsehen ist nur ein Vorteil der digitalen Bildaufzeichner gegenüber herkömmlichen VHS-Rekordern. Der sichtbarste Unterschied ist das wesentlich brillantere Bild der gespeicherten Fernsehsendungen bei DVD-Laufzeiten bis zwei Stunden. Auch der Ton klingt deutlich besser. Auf die konservierten Programme kann der Nutzer zudem einfach und schnell zugreifen. Lästiges Hin- und Herspulen des Videobandes ist Vergangenheit. Die Aufnahmen auf den Silberscheiben verlieren nichts an Qualität, egal wie oft sie abgespielt werden. Doch damit nicht genug: Die Multitalente können nicht nur TV-Programme auf Festplatte oder DVD in hoher Qualität speichern – im Fachjargon „brennen“ genannt –, sondern meist auch Aufnahmen bearbeiten, zum Beispiel Werbeblöcke löschen. Sie spielen Kauf-DVDs, Audio-CDs und CDs mit MP3-Musik. Außerdem können sie Digitalfotos und oft auch mit dem digitalen Camcorder aufgenommene Videos wiedergeben und speichern.

Kombigerät leicht vorn

Die 15 Festplattenrekorder im Test für 250 bis 700 Euro boten insgesamt eine recht gute Vorstellung. Einen Tick besser war ein DVD-VHS-Kombigerät, das wir zum Vergleich mitgeprüft haben. Kombi­rekorder waren in letzter Zeit stark gefragt. In vielen Haushalten schlummern offenbar umfangreiche VHS-Videosammlungen, die weiter genutzt werden sollen – am besten mit einem Gerät. Der Panasonic DMR-EX95V ist dafür ein gut geeignetes Modell. Mit 890 Euro nicht gerade billig, hat es wie vier andere DVD-Rekorder im Test neben dem Analogtuner für den Kabelanschluss noch einen weiteren Tuner für digitalen Antennenempfang. Das erspart die Set-Top-Box. Den VHS-Betrieb haben wir mit „befriedigend“ bewertet, eine bessere Bild- und Tonqualität gibt dieses System nun mal nicht her.

DVD-Formate verwirren

Eine Einschicht-DVD kann eine Datenmenge von 4,7 Gigabyte (GB) speichern, was für etwa zwei Stunden Spielzeit in Standardqualität ausreicht. Doppellagig bespielbare DVDs (Dual oder Double Layer, DL) schaffen die doppelte Laufzeit und können damit auch schon mal zwei Spielfilme ohne Werbepausen festhalten.

Die fünf DVD-Formate verwirren:

  • R (+ und –) bedeutet recordable, das heißt einmal beschreibbar.
  • RW (+ und –) steht für rewritable: Die Scheiben können mehrmals beschrieben werden, etwa bis zu 1000 Mal.
  • RAM (Random Access Memory) arbeitet ähnlich wie eine Festplatte. Alle Daten können beliebig kopiert und verschoben werden. DVD-RAMs sollen bis zu 100 000 Mal wiederbeschreibbar sein.

Da die getesteten Rekorder oft mit Multiformatbrennern ausgestattet sind, akzeptieren sie fast alle DVD-Rohlinge. Nur die Samsung- und Yamakawa-Modelle verarbeiten lediglich zwei Formate, was beim Kauf der Rohlinge zu beachten ist.

Die Aufnahmen können meist auf drei verschiedene Arten programmiert werden. Wenig komfortabel ist das manuelle Verfahren, bei dem das Programm und die Anfangs- und Endzeit der Sendung eingegeben werden müssen. Einfacher geht es mit ShowView. Hier tippt man nur eine Kodezahl ein, die in Fernsehzeitschriften oder im Videotext zu finden ist.

Programmierung kinderleicht

Mit dem elekronischen Programmguide (EPG), den mittlerweile auch preiswertere Geräte bieten, wird das Programmieren zum Kinderspiel. Ein Knopfdruck zum Aufruf der elektronischen Programmzeitschrift und einer auf die gewünschte Sendung genügen. Fertig.

Zuvor muss man festlegen, ob die Aufnahme auf der Festplatte (HDD) oder auf einer DVD gespeichert werden soll und in welcher Qualität. Stark komprimierte Daten brauchen weniger Platz. Das verlängert natürlich die Spielzeit, allerdings bei sichtbar abnehmender Bildqualität. Die getesteten DVD-Rekorder bieten zwischen vier (Hitachi, LG) und neun Qualitätsstufen (Sony). Die höchste Stufe wird meist mit HQ oder XP bezeichnet, die niedrigste mit EP, SEP oder SLP.

Beispiel Panasonic: Wenn von den fünf Qualitätsstufen die höchste gewählt wird, passt auf eine DVD eine Stunde Programm und die Festplatte ist nach 55 Stunden voll. Auf niedrigstem Qualitätslevel gehen acht Stunden Programm auf die DVD und die Festplatte kann 443 Stunden lang bespielt werden. Ein guter Kompromiss zwischen Aufnahmedauer und Qualitätsstandard dürfte die Stufe 2 (SP) sein, die zwei Stunden DVD-Spielzeit und 111 Stunden auf Festplatte bietet.

Qualitätsstufe möglichst hoch

Die Festplatte dient in erster Linie als komfortabler Zwischenspeicher. Vor dem Archivieren auf DVD können die Aufnahmen bearbeitet, zum Beispiel störende Werbung entfernt werden. Eine Einschränkung bei den Modellen von Philips und Yamakawa: Die Qualitätsstufe beim Überspielen auf DVD kann nicht mehr verändert werden. Die anderen getesteten Rekorder sind da flexibler.

Tipp:Vorausgesetzt es gibt genügend Platz auf der Festplatte, stets mit höchster Qualität aufnehmen. Beim Überspielen kann man die Aufnahmequalität entsprechend der DVD-Laufzeit immer noch herunterstufen. Neun Modelle im Test passen die Qualität automatisch an, wenn die Festplatte nur noch begrenzt Platz bietet.

Kopieren im Schnellgang

Das Überspielen von Festplatte auf DVD braucht nicht so viel Zeit wie die Aufnahme selbst. Alle Rekorder können auch in einer höheren Geschwindigkeit kopieren (High-Speed), aber oft mit Einschränkungen.

Besitzer moderner LCD- oder Plasmafernseher sollten sich für Rekorder mit HDMI-Ausgang entscheiden, über den die Daten ohne Umwandlung digital übertragen werden. Der Sehtest ergab damit durchweg „sehr ­gute“ Ergebnisse. Über Scart und andere Verbindungen muss die Qualität aber nicht schlechter sein. Vor allem beim Empfang mit Digitaltuner gab es kaum Unterschiede.

Trotz ausgereifter Technik sind die getesteten DVD-Rekorder nicht unbedingt zukunftssicher. Die Nachfolger der DVD, Blu-Ray und HD-DVD, stehen schon in den Startlöchern. Sie bieten sich mit ihrem Speicherplatz von bis zu 50 GB für hochauflösende Filme im HDTV-Format an. Passende Rekorder werden aber noch eine Weile auf sich warten lassen, und ob man damit wirklich HDTV-Filme aufnehmen kann, ist noch fraglich.

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