Fernsehen nach Programm war gestern, heute kann jeder sein eigener Programmdirektor sein.

Der Fachhandel für Unterhaltungselektronik freut sich: DVD-Re­kor­der mit Computerfestplatte verkaufen sich wie geschnitten Brot. Das verwundert wenig. Die starke Seite der Geräte ist ihre Vielfalt an Funktionen: Die Festplatte ist ein Zwischenspeicher für Fernsehsendungen und das DVD-Laufwerk archiviert Filme auf DVD. Außerdem gibt das Gerät Musik, Filme und Fotos von CDs oder DVDs wieder. Es existiert kaum ein Video- oder Audioformat, das von diesen Tausendsassas nicht gespielt werden kann. Und zum Aufnehmen auf DVD können meist unterschiedliche DVD-Formate genutzt werden (siehe Spalte „Aus­stat­tung / Technische Merkmale“ in der Tabelle „DVD-Rekorder“). Der Liteon LVW und das Fujitsu-Siemens-Media-Center aus dem vorliegenden Test brennen sogar Musik- oder Video-CDs.

Doch damit nicht genug: Mit den Festplattenmodellen kann der Zuschauer sogar den Programmablauf selbst gestalten. Zum Beispiel durch zeitversetztes Fernsehen. Auf Knopfdruck wird das Fernsehprogramm gestoppt, wenn beispielsweise ein wichtiger Anruf den Fernsehzuschauer ablenkt. Wiederum auf Knopfdruck wird das Programm danach nahtlos fortgesetzt. Oder man sieht sich die Sendung erst ein paar Tage später an, ganz nach Belieben. Außerdem kann der Zuschauer die Aufzeichnung von der Festplatte auf DVD brennen – fürs Archiv.

Weitere Stärken, aber auch einige Schwächen stellten sich in unserem Test heraus. Wir haben DVD-Festplattenrekorder geprüft, die zwischen 274 Euro und 625 Euro kosten. Als DVD-Festplattenrekorder bietet der 1100 Euro teure Activy Media Center von Fujitsu Siemens zwar akzeptable Qualität, aber er ist vergleichsweise viel zu teuer. Seinen Mehrwert spielt dieser Multimedia-PC erst als Medienzentrale für Bilder und Töne aus (siehe „Media-Center“).

Ein Relikt aus der Ära der VHS-Bandre­korder ist der analoge Empfangstuner fürs TV-Kabel oder für analoges Antennenfernsehen. Das Multime­dia Center hat sogar zwei. Nur einen modernen digitalen Tuner für Kabel, Satellit oder digitales Antennenfernsehen (DVB-T) sucht man im Testfeld leider vergeblich. Wer den analogen Tuner nutzt, muss bei einzelnen Geräten mit Einbußen in der Bildqualität rechnen. Die Tuner-Aufnahmen der Billigspieler von Yamada und Yakumo geraten etwas zu dunkel. Das Empfangsteil des Daewoo ist weniger empfindlich. Das führt bei schwachem Empfang zu leichtem Rauschen.

Aufnahmequalität nicht nur „gut“

Tipp. Wenn über hochwertige Videoquellen wie einen digitalen Sat- oder DVB-T-Receiver oder von einem digitalen Camcorder aufgenommen wird, ist die Aufzeichnungsqualität auf DVD fast durchweg „gut“. Nachteil: Timer gesteuerte Aufnahmen von einer externen Programmquelle sind ziemlich umständlich.

Voraussetzung für gute Qualität ist, dass die Aufnahmedauer so gewählt wird, dass auf eine DVD bis zu zwei Stunden Videoprogramm passen. Spielfilme im werbedurchsetzten Privatfernsehen laufen aber eher zweieinhalb Stunden. Die Bildqualität ist dann nur „befriedigend“. Positive Ausnahme: Der 625 Euro teure JVC bietet auch dann noch „gute“ Bilder.

Aufnahmedauer verdoppeln

Doch es gibt neue Wege zu guter DVD-Bildqualität bei längeren Laufzeiten. Liteon, Panasonic, Philips und Fujitsu Siemens bespielen auch doppellagige Double-Layer- oder Dual-Layer-DVDs. Damit verdoppelt sich die Aufnahmedauer bei gleich bleibender Qualität: zwei Sunden Aufnahme statt einer, vier Stunden statt zwei und so weiter. Was derzeit noch gegen die Langläufer spricht, sind die Kosten. Standard-DVDs sind ab etwa 20 Cent zu haben, für die doppellagigen werden ab zwei Euro verlangt. Da ist es deutlich billiger, einen Film in hoher Qualität auf zwei oder drei herkömmliche Scheiben zu brennen. Dabei hilft die Festplatte.

Festplatte mit bis zu 62 Stunden Film

Je nach Kapazität passen bis zu 62 Stunden Film in bester Qualität auf die Festplatten der Rekorder im Test. Das reicht locker für über 20 Spielfilme samt Reklame. Wer jetzt Filme auf DVD archivieren will, braucht die Werbung nur mithilfe eines Bildschirmmenüs und der Fernbedienung zu markieren und überspielt den Krimi werbefrei per Knopfdruck auf die DVD. Übrig bleiben oft weniger als zwei Stunden und die passen auf eine Scheibe.

Zur Not kann der Film auch in etwas verminderter Qualität auf die DVD gebrannt werden, wenn der Streifen denn unbedingt auf eine einzige Platte passen muss. Doch Achtung: Diese Abmagerungskur klappt nur bei zwei Rekordern aus dem Testfeld: beim Panasonic und beim JVC.

Kopieren planen

Die anderen Geräte überspielen Videos nur in der Qualitätsstufe von Festplatte auf DVD, in der sie zuvor auf Festplatte aufgezeichnet wurden. Ein in der höchsten Stufe aufgenommenes Video kann mit ihnen also auch nur in der höchsten Qualität auf die DVD überspielt werden.

Nur eine Stunde im Extremfall

Im Extremfall passt also nur eine Stunde Film auf eine DVD. Panasonic, Liteon, Philips und das Media Center bespielen immerhin noch doppelschichtige Platten. Die genügen dann für zwei Stunden Film. Das ist aber ein teurer Spaß. Der Nutzer des Rekorders kommt also kaum umhin, schon die Festplattenaufzeichnung in einer niedrigeren Qualitätsstufe zu starten, wenn er sich beim Archivieren Schwierigkeiten ersparen will.

Bei Flachfernsehern leidet das Bild

Zur Wiedergabe der Videos auf dem Bildschirm wird meist ein Scart-Kabel benutzt. Das leitet Bild und Ton an den TV-Empfänger weiter. Wer einen herkömmlichen Röhrenfernseher nutzt, braucht sich darüber keine Gedanken zu machen.

Die Bildqualität stimmt, sofern der angeschlossene Fernsehapparat von Hause aus eine brauchbare Bildqualität bietet. Probleme gibt es mit den aktuellen Flach-TV-Geräten. Das Scart-Kabel reicht die Bildsignale als Analogsignale weiter. LCD- und Plasmamonitore digitalisieren diese Analogsignale. Außerdem wird das Fernsehsignal noch auf die Zeilenzahl des jeweiligen Bildschirms angepasst, fachchinesisch: „skaliert“. Doch diese Umwandlung zehrt an der Bildqualität.

In unserem letzten Fernsehgerätetest kam kein LCD- oder Plasmamonitor bei der Videowiedergabe über eine „befriedigende“ Note hinaus, wenn das Signal analog per Scart-Kabel zugeliefert wurde. Bewegtbilder wurden flächig und verloren ihre Strukturen. Durch das Bild huschende Gegenstände bekamen Kometenschweife, das Bild ruckelte und löste sich im Extremfall in kleine Rechtecke auf. Erst wenn zum Überspielen eine digitale Schnittstelle verwendet wurde, ging sinnbildlich die Sonne auf und die Bildqualität wurde wieder „gut“.

HDMI für bessere Bilder

Wer sich also passend zu seinem neuen DVD-Festplattenrekorder noch einen LCD- oder Plasmafernseher anschaffen möchte, sollte darauf achten, dass sowohl Fernseher als auch Videorekorder eine Digitalschnittstelle haben. Von den getesteten DVD-Rekordern bieten nur JVC und Philips einen passenden HDMI-Ausgang (High Definition Multimedia Interface). Die Crux bei der Geschichte: Einen HDMI-Eingang besitzen längst nicht alle Fernsehempfänger.

Wer sicherstellen will, dass sein neuer Fernsehapparat auch mit HDMI ausge­stattet ist, braucht beim Kauf nur auf das Logo „HD-ready“ zu achten. Geräte ohne HDMI dürfen das Logo nicht tragen. Es gibt zwar Fernsehgeräte ohne dieses Logo, die dennoch eine HDMI-Schnittstelle besitzen, aber der Aufdruck erspart den Blick auf die Geräterückseite oder in die Bedienungsanleitung.

Und noch einen Vorteil hat das Zeichen: HD-ready-Geräte sind zumindest technisch für das sich langsam verbreitende höher auflösende HDTV (High Definition TeleVision) vorbereitet.

2,50 oder 21 Euro für Stand-by

Ein altes Thema bei Videorekordern ist der Stromverbrauch, speziell der Stand-by-Verbrauch, wenn das Gerät abgeschaltet seiner nächsten Aufgaben harrt. Bis über 13 Watt (Philips) verbraten die Geräte – völlig nutzlos. Das kann im Jahr, je nach Stromtarif, mehr als 20 Euro kosten.

Der Panasonic-Rekorder zeigt, dass solch ein hoher Stromverbrauch nicht sein muss. Er begnügt sich mit 1,6 Watt. Das macht rund 2,50 Euro pro Jahr. Bis auf Panasonic und Liteon mussten wir alle Geräte wegen ihres hohen Stromverbrauchs abwerten. Das trifft insbesondere die Rekorder von JVC und Philips, was die Anbieter wenig freuen dürfte. Ihre Geräte wären dem Testsieger Panasonic sonst in der Gesamtnote recht nahe gekommen.
Tipp:Weitere Informationen erhalten Sie in unserem aktuellen Fernseher-Test.

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