DVB-T2 Test

Das grüne Logo. Es signalisiert: Das Gerät hat einen DVB-T2-Empfänger für HD-Fernsehen über Antenne.

Pünkt­lich zur Europameisterschaft können Fußball­freunde auch über Antenne Fernsehen in hoher Auflösung empfangen. Es bringt schärfere Bilder. test hat exemplarisch drei DVB-T2-HD-Empfänger geprüft und sagt, was Zuschauer, die via Antenne fernsehen, künftig beachten müssen.*

Pilot­phase in 18 Metro­pol-Regionen

Der Rasen ist gestochen scharf und die Spieler wirken so nah, dass viele Fans keinen Kommentar mehr brauchen. Sie sind optisch näher dran. High Definition (HD) ist per Satellit und Kabel längst Stan­dard. Zur Fußball-EM im Juni startet HD-Fernsehen in Deutsch­land auch über Antenne – zunächst in 18 Groß­städten und Ballungs­räumen mit den Programmen ARD, ZDF, RTL, ProSieben, Sat1 und Vox.

Spätestens 2019 ohne Empfänger kein Antennen­fernsehen mehr

Um HD genießen zu können, brauchen Zuschauer einen DVB-T2-HD-Empfänger. Das Kürzel steht für Antennen­fernsehen der zweiten Generation: statt Stan­dard nun hohe Auflösung. Wir haben drei passende Geräte geprüft, schon im März, als HD in Berlin im Test­betrieb lief. Auch wer nicht HD schauen möchte, muss handeln: Das bisherige Antennen­fernsehen DVB-T wird bis Mitte 2019 abge­schaltet. Spätestens dann gibt es ohne den neuen HD-Empfänger über Antenne kein Bild mehr.

Tipp: Antworten auf die wichtigsten Fragen zum neuen Antennen­fernsehen finden Sie in unseren FAQ DVB-T2 HD.

Ab 2017 Bezahl­fernsehen

Während ARD und ZDF wie bisher frei empfang­bar bleiben, werden Privatsender wie RTL und ProSieben ihre HD-Programme verschlüsseln. Wer Let‘s Dance oder The Voice of Germany über Antenne sehen möchte, muss ab 2017 dafür bezahlen. Das Abo für die Privaten soll etwa 5 Euro im Monat kosten. In der Test­phase 2016 ist die Entschlüss­lung noch kostenlos. Zur Entschlüsselung der privaten HD-Programme muss das Fernsehgerät oder die Empfangs­box aber schon mit einge­bautem Decoder oder mit einem CI-Steck­platz (Common Inter­face) und einem Decodermodul ausgerüstet sein. Das sogenannte CI+Modul kostet rund 80 Euro. Ab Mai soll es auch preis­werte Empfangs­boxen mit einge­bautem Decoder geben: für rund 65 Euro aufwärts.

Übrigens: Tests von über 850 Fernsehgeräten bietet Ihnen unser Produktfinder Fernseher auf test.de.

Antennen­fernsehen hat Vorteile

Einen Vorteil hat Antennen­fernsehen im Unterschied zum Kabel- oder Satelliten­empfang: Es bleibt preisgünstig, auch mit Bezahl­programmen. Beim Kabel­empfang sind die monatlichen Kosten höher: etwa 12 bis 21 Euro mit HD. Beim Fernsehen via Satellit summieren sich Satellitenschüssel, Antenne und Montage schnell auf mehrere Hundert Euro. Dazu kommen auch beim Sat-Empfang Abo-Gebühren für private HD-Programme. Der tech­nische Aufwand beim Antennen­fernsehen ist dagegen gering: In guter Empfangs­lage genügt eine Zimmer­antenne für 10 bis 50 Euro. Infos online unter: ueberallfernsehen.de.

Drei DVB-T2-HD-Empfänger im Test

Im Test­labor standen neben der Antenne drei Geräte bereit: ein neuer Fernseher mit einge­bautem DVB-T2-HD-Empfänger und zwei separate Empfangs­boxen zum Nach­rüsten von älteren Fernsehern. Bis zum endgültigen Start des HD-Antennen­fernsehens empfangen die drei auch die alte DVB-T-Norm.

Separate Box. Die billigste Lösung, um HD-Fernsehen zur Fußball-EM im Juni auszupro­bieren, ist eine separate Box wie die Xoro HRT 7620. Sie kostet 50 Euro und empfängt nur freie Programme. Bezahl­fernsehen kann sie nicht entschlüsseln.

Geräte mit CI-Slot. Das können der Samsung-Fernseher UE55JS8090 im Test und der separate Dreifach­empfänger Isio STC+i für Antenne, Sat und Kabel von Technisat. Beide haben einen CI-Slot für das notwendige Decodermodul. Der Technisat kostet stolze 350 Euro, das Decodermodul für HD-Privatsender nochmal 50 Euro extra. Gute Satelliten­empfänger mit CI-Slot gibt es aber schon um 100 Euro. Ähnliche Geräte für Antennen­empfang sind nur eine Frage der Zeit.

Guter Empfang ab 50 Euro

Das Test­ergebnis ist schnell erzählt. Alle drei Geräte liefern ein gutes HD-Bild über Antenne, auch die Billigbox von Xoro. Ihr Bild wirkt sogar besonders detailreich und natürlich – im Test eine Spur besser als das vergleich­bare HD-Signal über Satellit. Das Ergebnis gilt aber nur für ein optimales Signal mit hoher Band­breite. Was im Live­betrieb zur Fußball-EM und ab 2017 schritt­weise auf allen Kanälen beim Zuschauer ankommt, hängt vor allem von den Sende­anstalten und dem Netz­betreiber Media Broad­cast ab. Tech­nisch ermöglicht DVB-T2 hohe Qualität. Je mehr Sender sich aber ein Frequenzband teilen, desto schmaler die Band­breite und Bild­qualität für jeden. Ab 2017 könnten 25 bis 40 Sender über DVB-T2 ausgestrahlt werden – je nach Region, sicher nicht alle in höchster Qualität. Dafür ist der Frequenzraum zu klein. Der Gesetz­geber hat einen Teil der Fernsehfrequenzen an Mobil­funk­betreiber verkauft, damit sie mobiles Internet ausbauen.

Die alte Antenne darf bleiben

Bei der Antenne ändert sich nichts. In guter Empfangs­lage in der Nähe von Fernsehturm oder Sendemast reicht die alte DVB-T-Zimmer­antenne auch für HD. In mitt­lerer und schlechter Empfangs­lage ist eine Außen­antenne angesagt – wie bisher. Sie sollte möglichst hoch, in freier Sicht­achse zum Sendemast montiert sein, etwa auf dem Dach. Je größer die Entfernung zum Sendemast und je dichter die Bebauung, desto stör­anfäl­liger der Empfang. Unsere Messungen mit optimalem Signal zeigen, dass DVB-T2-Empfänger im Vergleich zu DVB-T-Geräten ein etwas stärkeres Antennen­signal benötigen. Aktive Antennen mit Strom­versorgung und Verstärker können das Signal bei Bedarf elektronisch anheben. Für die meisten Zuschauer dürfte es ausreichen, den Verstärker der alten Antenne etwas höher zu regeln, wenn das HD-Bild noch nicht flüssig läuft. Wenn nicht, hilft eine Außen­antenne mit größerer Leistung.

Neue Technik für die Zukunft

Fernsehen in High Definition und mehr Sender auf weniger Frequenzen, das funk­tioniert durch starke Komprimierung der Signale. Die hoch­effiziente Video­kodierung heißt HEVC (High Efficiency Video Coding) oder auch H.265. Der neue Stan­dard, auf den das Antennen­fernsehen in Deutsch­land bis Mitte 2019 umge­stellt wird, ist im Prinzip auch für Kabel- und Satelliten­fernsehen nutz­bar. Über Satellit bringt H.265 heute schon UHD-Fernsehen in vierfacher HD-Auflösung. Der geprüfte Samsung-Fernseher und der Technisat-Empfänger taugen dafür. Die vier UHD-Programme, die sich derzeit über Astra empfangen lassen, sind allerdings kein Hit: Tele­shopping, Democlips, Mode und Reality-TV. Die Zukunft fängt manchmal selt­sam an.

* Diese Meldung ist am 9. Mai 2016 auf test.de erschienen. Wir haben Sie am 31. Oktober 2016 aktualisiert.

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