Das analoge Antennenfernsehen quittiert noch in diesem Jahr seinen Dienst. Dann heißt es aufs Digitalfernsehen umsteigen. Wir haben aktuelle Empfangsgeräte für digitales Antennen- und Kabelfernsehen getestet.

Analoges Fernsehen wird seit einer Weile von digitalen Nachfolgern verdrängt: von DVB-S, DVB-T und DVB-C. Hinter dem Kürzel DVB steckt das englische Digital Video Broadcasting, frei übersetzt: Digitalfernsehen. Das S steht für Satellit, T für terrestrial (erdgebunden), C für Cable (Kabel). Hauptvorteil: Die Digitaltechnik ermöglicht mehr Programme und eine stabilere Bildqualität. Digitale Sat-Receiver haben wir zuletzt im Novemberheft getestet. Jetzt sind DVB-T- und DVB-C-Geräte dran.

Wer muss auf digital umsteigen?

Wenn Sie zu den wenigen Menschen gehören, die noch analog per Antenne fernsehen, führt für Sie an einem baldigen Umstieg kein Weg vorbei. Noch in diesem Jahr sollen die letzten analogen Übertragungen von Antennenfernsehen in Deutschland eingestellt werden. Für Kabelkunden besteht dagegen noch kein Grund zur Eile. Das digitale DVB-C ist zwar schon fast flächendeckend verfügbar, eine Abschaltung der analogen Übertragung ist aber kurzfristig nicht in Sicht.

Was ist besser, DVB-T oder DVB-C?

Großer Vorteil des digitalen Antennenfernsehens DVB-T: Es entstehen keine laufenden Kosten – abgesehen von der GEZ-Gebühr. Ein digitaler Kabelanschluss kostet dagegen je nach Anbieter und Anschlusstyp um die 17 Euro im Monat. Dafür bietet er aber auch mehr. Im Grundpreis sind je nach Netz ab 60 bis über 200 Fernsehprogramme sowie zahlreiche Radioprogramme enthalten. Gegen Aufpreis kann man noch weitere Bezahlsender dazubestellen. DVB-T bietet dagegen je nach Region nur 8 bis maximal 29 Fernsehsender, vielerorts ist kein Privatsender dabei (siehe DVB-T-Empfangsgebiete). Damit ist DVB-T eher für genügsamere Zuschauer geeignet – oder für den Zweitfernseher im Gästezimmer, in der Ferienwohnung oder im Wohnmobil.

Was brauche ich zum Empfang?

Gerade ältere Fernseher und Videorekorder sind in der Regel nur mit analogen Empfangsteilen ausgerüstet. Darum braucht man fürs Digitalfernsehen zusätzlich passende Empfangsgeräte. Wichtig: Für jedes Endgerät ist ein eigener Empfänger erforderlich. Wer zum Beispiel zwei Fernseher hat, braucht auch zwei Digitalempfänger, um fernzusehen. Und für das digitale Antennenfernsehen DVB-T ist außerdem eine geeignete Antenne wichtig (siehe Test DVB-T-Antennen).

Funktioniert jeder Receiver überall?

Die DVB-T-Geräte funktionieren bundesweit. Bei Kabelreceivern ist es komplizierter: Die Kabelanbieter nutzen unterschiedliche Verschlüsselungen. Das betrifft nicht nur das Bezahlfernsehen, auch normale Privatsender gibt es meist nur „grundverschlüsselt“. Ausnahme: Kabel BW bietet in Baden-Württemberg über 200 Programme unverschlüsselt. Die Kabelreceiver im Test beherrschen ab Werk die Verschlüsselung von Kabel Deutschland, dem größten Kabelnetzbetreiber. Ob sie auch in anderen Netzen laufen, erfragt man am besten beim jeweiligen Kabelanbieter. Der Technisat und der HD-fähige Humax, der auch hochaufgelöste HDTV-Sendungen empfangen kann, haben CI-Schnittstellen (Common Interface). Damit kann man zusätzliche Verschlüsselungsmodule nachrüsten.

Wer hat das beste Bild?

Im Testlabor ist die Bildqualität vieler DVB-T-Empfänger so hoch wie die der digitalen Kabelreceiver. Doch im wirklichen Leben hängt die Bildqualität nicht nur vom Receiver ab, sondern auch von der Qualität, in der die TV-Programme ausgestrahlt werden. Und die ist bei digitalen Kabelangeboten oft deutlich höher als bei der Ausstrahlung per DVB-T.

Wie kann ich die Qualität optimieren?

Wichtig ist die Verbindung zwischen Receiver und Fernseher: Die meisten Receiver im Test haben nur Scart-Anschlüsse. Man kann aber auswählen, welches Signal darüber läuft. RGB oder S-Video sind besser als das voreingestellte FBAS-(„Composite“-)Signal, wenn der Fernseher sie verarbeitet. Die beiden HD-Receiver haben eine digitale HDMI-Schnittstelle. Wenn auch der Fernseher über eine solche verfügt, ist sie die beste Wahl.

Lohnt sich ein HDTV-Receiver?

Auf einem richtig großen Flachbildfernseher mit über einem Meter Bilddiagonale sind die hochaufgelösten HD-Fernsehbilder schon beeindruckend. Doch noch sind sie echte Mangelware. In den meisten Kabelnetzen gibt es derzeit gerade mal einen oder zwei HD-Sender, und das sind kostenpflichtige Zusatzangebote von Premiere. Für die meisten Zuschauer wird HDTV wohl erst dann interessant, wenn in zwei Jahren auch die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten damit anfangen.

Wie steht es um die Tonqualität?

Bei fast allen Geräten im Test ist sie „gut“ oder „sehr gut“. Einzig der Schwaiger hat Probleme: Die beiden Stereokanäle sind unterschiedlich laut, was den Raumeindruck stört. Die meisten anderen Empfänger haben übrigens digitale Audioausgänge, mit denen man den Ton verlustfrei an einen entsprechend ausgestatteten Verstärker weitergeben kann.

Muss ein Receiver eine Kiste sein?

Die meisten DVB-Empfänger sind „Settop-Boxen“, die man auf oder unter den Fernseher stellt. Die DVB-T-Receiver von Grundig und Viola dagegen gleichen einfachen Scart-Steckern, die hinter dem Fernseher verschwinden. Nur der externe Infrarotempfänger für die Fernbedienung liegt dann noch auf oder neben dem Fernseher, wo er kaum auffällt.

Kann ich Digital-TV aufnehmen?

Alle Receiver im Test ermöglichen Timer-Programmierungen. Die meisten haben auch einen zweiten Scart-Ausgang, um damit einen Videorekorder anzusteuern. Allerdings können alle im Test immer nur ein Programm anzeigen. Will man eine Sendung ansehen und gleichzeitig eine andere aufnehmen, braucht man für den Rekorder einen zweiten Receiver. Wer Fernsehsendungen nicht archiviert, sondern sie später nur ansehen und dann löschen will, kann das besonders komfortabel mit einem Receiver mit eingebauter Festplatte tun. Drei Festplattenreceiver für DVB-T aus dem letzten Test sind noch erhältlich (siehe Tabelle „Noch zu haben“).

Wo hapert es mit der Handhabung?

Am besten lassen sich die beiden Kabelreceiver von Humax handhaben. Alle anderen sind im täglichen Gebrauch „befriedigend“ oder schlechter. Oft sind die Anschlüsse undeutlich beschriftet, viele Receiver haben keine Kanalanzeige am Gerät. Nur die beiden großen HD-Receiver zeigen sogar Programmnamen an. Dafür hat der von Philips andere Macken: So kann man die Reihenfolge der Programme nur für die ersten 100 Speicherplätze frei einstellen, Favoritenlisten gibt es nicht. Beim Zappen ist der DVB-T-Empfänger von Skymaster am schnellsten, der von Viola am langsamsten. Die Struktur von Menüführung und elektronischem Programmführer (EPG) sollte man sich im Laden zeigen lassen, um zu sehen, welche Lösung einem am besten gefällt.

Was ist mit dem Stromverbrauch?

Der ist bei vier der fünf Kabelreceiver so hoch, dass es Punktabzug gab. Besonders heftig sind die beiden HD-Receiver: Sie verbrauchen im Standby über 13 Watt – fast viermal so viel wie selbst der stromhungrigste DVB-T-Receiver.

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