Crowdfunding

Crowdfunding: So investieren Sie richtig – 22 Platt­formen im Check

21.08.2017
Crowdfunding - So investieren Sie richtig – 22 Platt­formen im Check
Ostsee-Resort Weissen­haus. 2014 liehen Anleger dem Luxusresort an der Ostsee 3,3 Millionen Euro für mindestens 4 Prozent Zinsen bis Ende 2019 – über die Platt­form Compa­nisto, die ansonsten eher Start­ups vorstellt. Das war damals die höchste Crowdfunding-Summe in Europa. Seither bilden Immobilien das stärkste Markt­segment. © Weissenhaus

Finanztest hat 22 Internetplatt­formen untersucht, die für Anla­gepro­jekte werben. Fazit: Einsteiger können Risiken leicht über­sehen.

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Mit kleinen Beiträgen etwas ganz Neues ermöglichen und dabei noch die Chance auf attraktive Gewinne haben, das ist der Charme des Crowdfunding als Geld­anlage. Begeisterung weckten zum Beispiel ein Kameraball für Rundum-Fotos, ein Luxusresort an der Ostsee, ein von daten­hung­rigen Welt­konzernen unabhängiger Computer­server.

Über Internetplatt­formen stellen sich Projekte und Unternehmen mit der gewünschten Summe vor. Während einer fest­gelegten Zeitspanne entscheiden Anleger, ob sie Geld zusagen. In der Regel verleihen sie es gegen Zinsen und akzeptieren, im Insolvenzfall erst nach­rangig bedient zu werden. Sie sind erst dann an der Reihe, wenn alle vorrangigen Gläubiger befriedigt worden sind.

Wird die Zielsumme in der Funding­phase verfehlt, erhalten Anleger einge­zahltes Geld zurück. Sonst bekommen die Unternehmen und Projekte die Mittel. Über die Platt­formen sollen sie Anleger weiterhin regel­mäßig über den Fortgang informieren.

Platt­formen vermitteln nur

Die Historie ist noch recht kurz, die Zahl abge­schlossener Projekte über­schaubar. In Deutsch­land legten die Schwarm­finanzierer 2011 los. Im Jahr 2016 liehen sich Anbieter nach Angaben des Internet-Informations­portals Crowdfunding.de knapp 64 Millionen Euro. Allein im ersten Halb­jahr 2017 waren es schon knapp 73 Millionen Euro. Der Markt ist also noch klein, wächst aber stür­misch.

Finanztest hat alle Platt­formen zu Konditionen, Auswahl­kriterien und Erfolgen befragt, die bis Früh­jahr 2017 inner­halb von rund 20 Monaten mindestens zwei Projekte vorgestellt haben. 22 Platt­formen antworteten. Das Ergebnis ist ernüchternd. Viele teilten zwar mit, dass sie Projekte auswählen, aber nicht, wie sie dabei genau vorgehen. Das hilft Anlegern wenig, um das Risiko einzuschätzen. Die Kriterien, die ein Projekt oder Unternehmen für ein Funding erfüllen muss, lassen keinen Schluss über die Qualität zu.

Die Platt­formen vermitteln nur zwischen Kapitalhung­rigen und Interes­senten. Sie beraten die potenziellen Geld­geber nicht bei der Frage, ob ein Projekt zu ihnen passt. Das müssen die Anleger selbst entscheiden – und das ist gar nicht so einfach.

Denn der Gesetz­geber gewährte dieser jungen Branche Erleichterungen, als er 2015 fast alle Geld­anlage­angebote strengeren Regeln unterwarf. Hier aber ist bei weniger als 2,5 Millionen Euro Volumen nur ein Vermögens­anlagen-Informations­blatt (VIB) Pflicht. Es beschreibt das Projekt mit Kosten und Risiken auf drei Seiten. Ein sehr viel umfangereicherer Verkaufs­prospekt ist nicht nötig. Anlegern fehlt damit eine wichtige Informations­basis.

Unser Rat

Eignung.
Über­legen Sie gut, ob sich Crowdfunding für Sie eignet. Sie beteiligen sich an Unternehmen oder Projekten ohne Mitspracherechte, binden sich aber häufig für Jahre und tragen höhere Risiken als bei sicheren Geld­anlagen.
Auswahl.
Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Platt­formen gute Projekte auswählen. Setzen Sie sich selbst mit den Projekten auseinander. Machen Sie sich ein Bild der Erfolgs­aussichten.
Streuen.
Investieren Sie lieber kleine Summen in mehrere Projekte als die gesamte geplante Summe in ein einzelnes Projekt.
Risiko.
Ein Total­verlust ist immer möglich. Investieren Sie nur so viel in Crowdfunding-Projekte, dass Sie ein Total­ausfall aller Projekte nicht in Schwierig­keiten bringt.

Aufbereitung uneinheitlich

Unsere Unter­suchung zeigt: Anbieter und Platt­formen sind noch nicht hundert­prozentig firm in der Anwendung der Regeln. So waren Vermögens­anlagen-Informations­blätter oft nicht frei, sondern erst nach einer Registrierung zugäng­lich. Die Aufbereitung war uneinheitlich, etwa beim Ausweis der Umsatz­steuer bei den Kosten. Jahres­abschlüsse waren nicht frist­gerecht im elektronischen Bundes­anzeiger hinterlegt.

Wir stellen die Crowdfunding-Segmente Immobilien, Start-ups und mittel­stän­dische Unternehmen sowie erneuer­bare Energien mit den größten Platt­formen vor und sagen, worauf Interes­senten achten müssen.

Tipp: Weitere Crowdfunding-Formen wie spendenbasiertes Crowdfunding beschreiben wir in unserem Special Crowdfunding: Wer im Internet wofür Geld einsammelt, Finanztest 11/2014.

21.08.2017
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