Corona – Gesundheit, Schutz­maßnahmen Was Sie jetzt wissen sollten

Corona – Gesundheit, Schutz­maßnahmen - Was Sie jetzt wissen sollten
Mund-Nasen-Schutz. Er ist 2020 in der ganzen Welt alltäglich geworden. © picture alliance / Xinhua News Agency

Bieten Covid-19-Tests Sicherheit? Wie riskant sind Mutationen? Beugt Vitamin D vor? Unsere Gesund­heits­experten beant­worten die wichtigsten Fragen zum Coronavirus.

Aktuelle Behörden-Informationen

Gerüchte, Fake-News, Über­treibungen – zurzeit kursieren einige Falsch­informationen rund um die Corona-Krise im Internet. Unter den folgenden Links finden Sie seriöse Einschät­zungen wichtiger Behörden zum Coronavirus:

Bundesgesundheitsministerium (BMG)

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Robert-Koch-Institut (RKI)

Auswärtiges Amt

Europäische Präventionsbehörde (ECDC)

Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Wo ist das nächste Gesund­heits­amt?

Das zeigt die RKI-Schnellsuche.

Aktuelle Fall­zahlen

Welt­weit: Johns Hopkins University & Medicine, Coronavirus Resource Center

Europa: European Centre for Disease Prevention and Control

Deutsch­land und seine Bundes­länder: Robert-Koch-Institut

Aktuelle recht­liche Informationen
, etwa zu den finanziellen Hilfen und den derzeit gültigen Regeln und Einschränkungen, finden sich auf der Corona-Website der Bundesregierung.
Alle Fragen im Überblick
Corona – Impf­stoffe gegen Covid-19

Coronavirus und Covid-19

Was weiß man über das Virus Sars-CoV-2?

Das Virus Sars-CoV-2 verursacht die als „Covid-19“ bekannt­gewordene Krankheit (kurz für „Corona virus disease 2019“). Das neue Virus gehört zu den sogenannten Beta-Coronaviren. Zwei von ihnen haben in den vergangenen Jahren Epidemien von Atemwegs­erkrankungen ausgelöst: Sars (Severe acute respiratory syndrome) und Mers (Middle East respiratory syndrome).

Was passiert bei Covid-19 im Körper?

Verschiedene Studien und Fall­berichte beschreiben, dass Covid-19 sich auf vielfältige Weise im Körper mani­festiert. Das liegt daran, dass das Virus außer der Lunge auch andere Organe befallen kann. Laut RKI hängt das unter anderem von der Dichte der ACE-2-Rezeptoren im jeweiligen Gewebe ab. Diese Rezeptoren ermöglichen dem Virus, in eine Zelle einzutreten. Ärzte haben bei einigen Patienten auch über­schießende Immun­reaktionen und Durch­blutungs­störungen beob­achtet.

Welche Symptome verursacht das Coronavirus am häufigsten?

Die Krank­heits­verläufe von Covid-19 sind laut RKI unspezi­fisch, vielfältig und variieren stark – einige Erkrankte zeigen gar keine Symptome, andere bekommen etwa schwere Lungen­entzündungen, die mit Lungenversagen und Tod enden können.

Für Europa fasst das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) die häufigsten Symptome zusammen: Fieber, Husten, Hals­schmerzen. Mitunter kommt es auch zu Geruchs- und Geschmacks­störungen.

Zu den weiteren Symptomen zählen allgemeine Schwäche, Schmerzen, laufende Nase, Durch­fall, Kopf­schmerzen, Bauch­schmerzen, Haut­ausschläge, Lymph­knoten-Schwellung, Apathie, Atemnot, Lungen­entzündung.

Nicht selten leiden Covid-19-Patienten unter weiteren Infektionen durch andere Erreger. Zudem wurden in einigen Fällen Super­infektionen mit multiresistenten Bakterien fest­gestellt.

Welche weiteren Symptome sind bekannt?

Hier eine Zusammenfassung, die sich auf das RKI stützt.

Lungen-Erkrankungen. Das Coronavirus verursacht sehr häufig Atemwegs­erkrankungen. Meist in der zweiten Woche kann sich eine Lungen­entzündung entwickeln, die unter Umständen eine Sauer­stoff­gabe oder sogar künst­liche Beatmung nötig macht.

Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen. Bei einem Teil der Covid-19-Patienten ließ sich nach­weisen, dass das Herz bei der Erkrankung beteiligt war – darunter waren auch Kinder und Patienten mit mildem Verlauf. Zunehmend berichten Forscher über Herz-Kreis­lauf-Komplikationen und -Folge­erkrankungen, die vor allem Covid-19-Patienten mit schwerem Verlauf betreffen. Dazu gehören etwa Schädigungen und Entzündungen des Herz­muskels, Herz­infarkt, Herz­insuffizienz, Herz­rhythmus­störungen, Lungen­embolien und Venen­thrombosen.

Neurologische Symptome und Erkrankungen. Neben Schwindel, Kopf­schmerzen und den oft beschriebenen Störungen des Geruchs- und Geschmacks­sinns sind schwere neurologische Erkrankungen in Zusammen­hang mit einer Infektion beschreiben. So liegen laut einer Literaturrecherche des RKI Einzel­fall­berichte über Beein­trächtigungen der Gehirn­funk­tion und Hirnhaut­entzündungen vor. Es gebe auch die These, dass das Virus das zentrale Nerven­system schädigen und so zum Lungenversagen beitragen könne. Es lägen darüber hinaus Fall­berichte von Patienten vor, bei denen eine Infektion durch das Coronavirus mit dem Guillain-Barré-Syndrom – einer akuten Lähmung des gesamten Körpers – in Zusammen­hang stehen könnten.

Magen-Darm-Probleme. Einige Infizierte leiden an Übel­keit, Appetitlosig­keit, Erbrechen, Darm­schmerzen und Durch­fällen.

Hautirritationen. Verschiedene Studien und Fall­berichte beschreiben laut RKI eine relativ große Band­breite an Symptomen der Haut, die aber eher selten auftreten können: juckende, masern­ähnliche Ausschläge, Papeln, Quaddeln, Rötungen, Bläschen, an Frostbeulen erinnernde Haut­ver­änderungen.

Nieren­erkrankungen. Studien beob­achteten bei Covid-19 Patienten im Kranken­haus akutes Nieren­versagen, besonders bei schwer erkrankten, zu beatmenden Covid-19-Patienten.

Hyper­inflammations-Syndrom. Bei einigen Patienten mit schwerem Covid-19 entzünden sich 8 bis 15 Tage nach Krank­heits­beginn mehrere Organe gleich­zeitig. Das kann zu einem Multi­organ-Versagen führen, das nicht selten zum Tod führt.

Wie viel Prozent der Infizierten erleiden einen schweren Verlauf von Covid-19?

Wissenschaftler nehmen laut RKI an, dass die Krankheit bei etwa 81 Prozent der diagnostizierten Patienten milde verläuft, bei etwa 14 Prozent schwer und bei etwa 5 Prozent kritisch.

Was ist Long Covid?

Schät­zungs­weise 10 Prozent der Corona-Erkrankten sollen damit zu tun haben: Long Covid, Wissenschaftler sprechen auch vom Post-Covid-Syndrom. Wochen- oder monate­lang leiden Betroffene dabei unter gravierenden Gesund­heits­beschwerden. Neben vielen Patientinnen und Patienten, die intensivmedizi­nisch behandelt wurden, trifft es auch Erkrankte mit mildem Verlauf, Kinder und Jugend­liche – Frauen öfter als Männer. Teils treten Spät­folgen erst Monate nach der Genesung auf. Die Ursachen sind noch unklar. Vermutet wird, dass das Immun­system eine große Rolle spielen könnte, weil es nach der Infektion nicht zur Ruhe kommt.

Welche Symptome kommen bei Long Covid oft vor?

Ermüdungs­syndrom. Als eine häufige Lang­zeit­folge gilt die anhaltende Erschöpfung, Fatigue genannt. Schonung sei wichtig, raten Fachleute der Charité Berlin. Betroffene sollten Stress meiden. Yoga, auto­genes Training, Meditation und Atem­übungen könnten helfen. Hält die Erschöpfung mehr als vier Wochen nach der Infektion an, sollten Betroffene zum Arzt gehen.

Atem­probleme. Körperlich nicht belast­bar, immer wieder Luft­not – darüber klagen laut der Ruhrlandklinik in Essen auch Patienten, deren Lunge beim akuten Covid-19 nicht schwer geschädigt wurde. Atem­therapien gelten als wichtig, um die Lunge zu stärken.

Neurologische Störungen. Konzentrations-, Riech-, Wort­findungs­störungen, Kribbeln in den Gliedmaßen – die Deutsche Hirnstiftung rät, bei diesen Spät­folgen zum Arzt zu gehen. Auch Depressionen können eine Folge der Infektion sein. Riech­trainings können anhaltende Riech­störungen lindern.

Tipp: Viele Universitäts­kliniken haben Long-Covid-Ambulanzen einge­richtet.

Gibt es Studien über Long Covid?

Ja, etliche. Für eine besonders viel beachtete Studie über Long Covid, die im Fachmagazin The Lancet erschien, haben Forschende 1 733 Patientinnen und Patienten von Januar bis Mai 2020 beob­achtet und im Sommer Nach­unter­suchungen durch­geführt. Die Teilnehmenden waren im Schnitt 57 Jahre alt und wurden im Kranken­haus behandelt.

Die Auswertung der Studie ergibt, dass insgesamt 76 Prozent der Genesenen noch ein halbes Jahr nach der Infektion mindestens eine Spät­folge aufwies:

Müdig­keit und Muskel­schwäche (63 Prozent).

Schlafstörungen (26 Prozent).

Depressionen und Angst­störungen (23 Prozent)

Darüber hinaus war bei gut jedem zweiten Teilnehmenden, der beatmet werden musste, der Sauer­stoff­fluss von der Lunge zum Blut­kreis­lauf vermindert. 29 Prozent dieser Patienten hatten Mühe, wenn sie sechs Minuten gehen sollten. Weiterhin fiel auf, dass bei 13 Prozent der Patientinnen und Patienten erst nach der Entlassung aus dem Kranken­haus Nieren­probleme auftraten.

Weiß man etwas über Long Covid nach mildem Verlauf?

Ja. Die WHO macht in einem Dossier auf Spät­folgen auch bei Erkrankten mit mildem Verlauf aufmerk­sam. Danach können folgende Symptome noch Wochen nach der Erkrankung auftreten: Schäden am Herz­muskel und Herz­insuffizienz, einge­schränkte Lungenfunk­tion, Verlust des Geruchs- und Geschmacks­sinns, erhöhtes Risiko für Embolien, Herz­infarkt und Schlag­anfall, kognitive Beein­trächtigungen wie verschlechterte Konzentrations- und Merk­fähig­keiten, Muskel­schmerzen und Fatigue (anhaltende Müdig­keit und Antriebs­losig­keit) – darüber hinaus können mentale Probleme chro­nisch werden, etwa Angst­zustände, Depressionen, Schlafstörungen und post­traumatischer Stress.

Leiden auch Kinder an Long-Covid?

Auch Kinder können von gesundheitlichen Covid-19-Lang­zeit­folgen betroffen sein, teilt das RKI mit. Unklar sei allerdings noch, wie ausgeprägt und häufig sie betroffen seien. So fänden einige Studien keine oder seltene Lang­zeit­effekte, andere Studien kämen zu anderen Ergeb­nissen – darunter eine aus Italien.

Forscher berichten darin über 129 erkrankte Kinder, von denen mehr als die Hälfte auch mehr als 4 Monate nach der akuten Erkrankung noch über mindestens ein anhaltendes Symptom klagte. Dazu gehörten Müdig­keit, Muskel- und Gelenk­schmerzen, Kopf­schmerzen, Schlaflosig­keit.

Das RKI verweist zudem auf eine britische Studie, wonach etwa 7 Prozent der Kinder im Alter von 2 bis 16 Jahren noch zwölf Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung an Symptomen litten.

Gibt es eine spezielle Reha für Covid-19-Lang­zeit­folgen?

Nein. Es stehen aber genug Reha-Kliniken bereit, die die nötigen Angebote im Programm haben. Dazu zählen Kranken- und Atemgymnastik, Ausdauer- und Kraft­training, um die Atem­funk­tion zu fördern und die Leistungs­fähig­keit zu steigern. Psycho­therapeutische Angebote tun der Seele gut.

Versicherte, die in der Klinik behandelt wurden und an Lang­zeit­folgen leiden, können eine Anschluss­rehabilitation bei der Deutschen Renten­versicherung beantragen. Ihre Erwerbs­fähig­keit muss wegen der Erkrankung gefährdet sein.

Der Sozial­dienst im Kranken­haus hilft beim Ausfüllen des Antrags. Die Reha sollte spätestens 14 Tage nach dem Klinik­aufenthalt beginnen. Der Zeitraum zwischen Entlassung und Start der Maßnahme kann auf ärzt­lichen Rat hin aber auf bis zu sechs Wochen verlängert werden.

Kann man gegen das Coronavirus immun werden?

Laut RKI sind bei Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, in der Regel etwa zwei Wochen nach Symptom­beginn bestimmte Antikörper gegen das Virus nach­weisbar. Sie könnten für Immunität sorgen. Jedoch könne insbesondere bei Menschen mit milder oder symptomfreier Infektion das Maß an neutralisierenden Antikörpern wie auch der Gesamt-Immun­globuline-Antikörper abnehmen. Eine erneute Anste­ckung und ein damit einhergehendes Über­tragungs­risiko auf andere Personen sei nicht mit letzter Sicherheit auszuschließen.

Bei anderen Coronavirus-Erkrankungen wie Sars und Mers hat sich laut RKI angedeutet, dass Infizierte einen teil­weisen Schutz von bis zu drei Jahre hatten.

Wie viele Varianten gelten als besorgnis­erregend?

Zurzeit werden sowohl welt­weit als auch in Deutsch­land verschiedene Varianten beob­achtet, die von der Welt­gesund­heits­organisation WHO als besorgnis­erregend einstuft werden. Sie weisen verschiedene Mutationen auf, die mit besonderen Eigenschaften wie höherer Über­trag­barkeit und einer veränderten Immun­antwort im Zusammen­hang stehen können. Seit Ende Mai 2021 heißen die Varianten nach Buch­staben des grie­chischen Alpha­bets. Der Grund: Bei den früheren Bezeichnungen nach den Ländern, seien Diskriminierungen der jeweiligen Länder sowie ihrer Bevölkerung nicht auszuschließen.

Was ist über die Risiken durch die Varianten bekannt?

Alpha (B.1.1.7): Im Dezember 2020 berichteten britische Behörden von dieser Variante, die erst­mals im September 2020 im Vereinigten Königreich fest­gestellt wurde. Sie ist noch leichter von Mensch zu Mensch über­trag­bar als die zuvor zirkulierenden Varianten. Laut RKI liegen Hinweise vor, dass B.1.1.7 zu mehr Todes­fällen in allen Alters­gruppen führen könnte. Wissenschaftler gehen bislang nicht davon aus, dass die zugelassenen Impf­stoffe weniger gegen diese Variante wirken. Zusätzlich ist in Groß­britannien noch die Sonderform „B.1.1.7 mit E484K“ aufgetreten, die in Deutsch­land derzeit selten vorkommt. Sie könnte das Virus unempfindlicher gegen bereits gebildete neutralisierende Antikörper machen, so dass Impf­stoffe nicht so gut wirken könnten.

Beta (B.1.351): Im Dezember 2020 wurde erst­mals offiziell über diese Virus­variante berichtet. Fest­gestellt worden war sie aber bereits im Mai 2020 in Südafrika. Mehrere Studien weisen laut RKI darauf hin, dass Menschen nach über­standener Infektion mit dem ursprüng­lichen Virus sowie nach einer Impfung mit einem für dieses Virus entwickelten Impf­stoff weniger gut vor einer Infektion mit dieser Variante geschützt sind. Die neutralisierenden Antikörper, die das Immun­system bereits gebildet habe, seien weniger wirk­sam. Auch für diese Variante wird eine höhere Über­trag­barkeit diskutiert.

Gamma (B.1.1.28.1, auch P.1 genannt): Diese Variante wurde erst­mals im November 2020 im brasilia­nischen Staat Amazonas nachgewiesen und ähnelt in ihren Veränderungen der südafrikanischen Mutante. Experimentelle Daten deuten laut RKI auch für Gamma darauf hin, dass neutralisierende Antikörper bei Genesenen und Geimpften weniger wirk­sam seien als gegen das ursprüng­liche Virus. Auch für diese Variante werde eine erhöhte Über­trag­barkeit angenommen.

Delta (B.1.617 mit Unter­varianten B.1.617.1 bis 3): Diese Variante wurde erst­mals im Oktober 2020 im indischen Bundes­staat Maharashtra nachgewiesen und verbreitet sich dort seit dem Früh­jahr stark. Die Unter­variante B.1.617.2 wird seit einigen Wochen häufig in Groß­britannien fest­gestellt. Erste Labor­experimente und Daten von Beob­achtungs­studien aus Groß­britannien deuten laut RKI darauf hin, dass der Impf­stoff bei voll­ständig Geimpften gegen die Delta-Variante gering­fügig schlechter wirkt als gegen die Alpha-Variante. B.1.617.1 bis 3 zeichnet sich durch Mutationen aus, die die Über­trag­barkeit erhöhen könnten.

Wie verbreitet sind die Varianten in Deutsch­land?

Laut RKI liegt der Anteil bei den Proben, die in Deutsch­land auf Virus­varianten sequenziert werden, bei mehr als 95 Prozent. In Woche vom 20 bis 26. Mai 2021 habe der Anteil der Variante Alpha bei 89 Prozent gelegen, die anderen Varianten zusammen hätten einen Anteil von weniger 4 Prozent. Der Anteil der Varianten Beta und Gamma habe sich in den letzten Wochen bei 0,2 bis 2,5 Prozent einge­pendelt. Die Variante Delta hat dem RKI zufolge derzeit einen Anteil von 2,1 Prozent.

Ist das Coronavirus im Winter aktiver als im Sommer?

Wissenschaftlich geklärt ist noch nicht, inwiefern das Klima bei der Viren­verbreitung eine Rolle spielt. Generell verbreiten sich Erkältungs­viren – darunter auch die Gruppe der Coronaviren – bei kühlen Temperaturen besser als bei Wärme und intensiver UV-Strahlung.

Auch bei Sars-CoV-2 beob­achten Wissenschaftler in Europa stärkere saisonale Effekte als in tropischen und subtropischen Regionen, in denen die Jahres­zeiten nicht so stark ausgeprägt sind.

Doch auch hier sei eine starke Über­tragung möglich, weil die die Bevölkerung gegen dieses neue Virus noch keine Grund­immunität aufgebaut hat. Vor allem die Tatsache, dass Menschen im Herbst und Winter mehr Zeit in Innenräumen mit anderen Menschen verbringen, erhöht die Chance auf Verbreitung.

Corona-Infektionen bei Schwangeren und Kindern

Was ist über Coronavirus-Infektionen bei Schwangeren bekannt?

Es liegen laut RKI keine Daten vor, ob Schwangere wegen körperlicher und immunologischer Umstellungs­prozesse empfäng­licher für eine Infektion sind als nicht-schwangere Frauen. Im Fall einer Infektion jedoch scheinen Schwangere häufiger keine Symptome zu entwickeln.

Doch falls die Frauen tatsäch­lich Symptome zeigen, dann deuten laut RKI zwei Studien mit eher wenigen Fällen an, dass Schwangere durch­aus ein erhöhtes Risiko für einen schweren schweren Verlauf haben könnten.

Das relative Risiko für schwerere Krank­heits­verläufe bei gesunden Frauen im gebär­fähigen Alter ist laut RKI aber grund­sätzlich gering. Erste Auswertungen des Cronos-Registers von der Deutschen Gesell­schaft für Perinatale Medizin hätten gezeigt, dass Schwangere mit Covid-19 einen über­wiegend güns­tigen Krank­heits­verlauf gehabt hätten.

Das RKI weist darauf hin, dass Covid-19 und auch die Schwangerschaft an sich die Blut­gerinnung verstärken können. Ärzte sollten bei schwangeren Frauen sorgfältig prüfen, ob eine Prophylaxe gegen Thrombosen sinn­voll sein könnte.

Ist das Ungeborene einer infizierten Schwangeren gefährdet?

Nur wenige Studien haben diese Fragestellung laut RKI untersucht. Bislang sei nur einmal bestätigt worden, dass ein Kind sich wirk­lich vor der Geburt im Mutterleib infiziert habe. Eine Studie aus Texas beob­achtete, dass etwa 3 Prozent der Neugeborenen von infizierten Müttern nach der Geburt infiziert waren – die Anste­ckung könnte auch während oder kurz nach der Geburt passiert sein. Laut RKI zeigen infizierte Kinder nach der Geburt meist keine Krank­heits­anzeichen. „Grund­sätzlich kann hohes Fieber während des ersten Trimenons [Drittels] der Schwangerschaft das Risiko von Komplikationen und Fehl­bildungen erhöhen“, so das RKI.

Kommt es häufiger zu Früh­geburten, wenn Schwangere Covid-19 haben?

Laut RKI wurde noch nicht beob­achtet, dass es bei Schwangeren mit Covid-19 häufiger zu Früh­geburten kommt. Die Behörde verweist auf eine große wissenschaftliche Über­sichts­studie („Review“), die einen möglichen Zusammen­hang untersucht hatte.

Können sich Neugeborene bei ihren Müttern anste­cken?

Die meisten neugeborenen Kinder von Müttern, die mit dem Coronavirus infiziert waren, zeigten nach der Geburt keine Krank­heits­zeichen. Das berichtet das RKI. Bislang seien nur Einzel­fälle von erkrankten Neugeborenen beschrieben. Das könne auf eine Infektion im Mutterleib zurück­gehen, aber auch auf eine Anste­ckung erst nach der Geburt. Ob das Virus in Muttermilch vorkomme und über diese über­tragen werden könne, sei noch nicht umfang­reich erforscht. Eine Veröffent­lichung berichtet, das Virus-Erbgut in Muttermilch nachgewiesen wurde.

Wie empfäng­lich sind Kinder und Jugend­liche für eine Infektion?

Wenn man allein die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen betrachtet, erkranken Kinder seltener als Erwachsene. Allerdings ist bekannt, dass bei Kindern eine Infektion häufig gar nicht auffällt – sie zeigen meist gar keine oder nur milde Symptome. Studien, bei denen das Blut von Kindern auf mögliche Antikörper gegen das Coronavirus untersucht wurde, ergeben laut RKI bisher kein einheitliches Bild über das wirk­liche Infektions­geschehen in dieser Alters­gruppe. Da die Studien meist während des ersten Lock­downs durch­geführt wurden, sei ihre Aussagekraft nur begrenzt.

Tendenziell zeigten sich Kinder­garten­kinder in einigen Studien weniger empfäng­lich für eine Anste­ckung als Schul­kinder. Wieder andere Studien kommen allerdings zu dem Schluss, dass Kinder genauso viele Menschen anste­cken können wie Erwachsene und dass sie bei einer Infektion auch vergleich­bar viele Viren im Nasen-Rachen-Raum haben.

Was weiß man über schwere Verläufe bei Kindern?

Nur sehr wenige Kinder, die an Covid-19 erkranken, benötigen eine intensivmedizi­nische Versorgung. Aber auch bei ganz Kleinen, also Säuglingen und Klein­kindern, sind schwere Verläufe beschrieben. Das Risiko steigt bei Vorerkrankungen, insbesondere von Lunge und Herz. Auch bei Säuglingen und Klein­kindern sind schwere Verläufe beschrieben.

Sehr selten entwickeln Kinder und Jugend­liche eine schwere, aber behandel­bare Entzündungs­reaktion: Sie heißt multi­systemisches inflammatorisches Syndrom. Eine Fall­serie wurde unter anderem in Italien beschrieben. Typische Symptome sind etwa hohes Fieber, Haut­ausschlag, entzündete Bindehäute, Magen-Darm-Probleme. Das Krank­heits­bild ähnelt teil­weise dem Kawasaki-Syndrom, das in Zusammen­hang mit anderen Virus­infektionen beob­achtet wurde.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzt das Risiko für Kinder, am multi­systemischen inflammatorischen Syndrom zu erkranken, als gering ein. Todes­fälle seien sehr selten. Die WHO erklärt zudem, dass Todes­fälle bei Kindern sehr selten seien.

Corona-Risiko­gruppen

Wer gehört zur Risikogruppe für einen schweren Verlauf?

Folgende Personen­gruppen haben laut RKI, basierend auf der aktuellen Studien­lage, ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krank­heits­verlauf:

- Ältere Menschen: Ab 50 bis 60 Jahren steigt das Risiko für einen schweren Verlauf stetig

- Raucher

- adipöse Menschen (Body-Mass-Index: ab 30) und stark adipöse Menschen (Body-Mass-Index: ab 35)

- Menschen mit Down-Syndrom

- Personen mit bestimmten Vorerkrankungen: Dazu gehören Erkrankungen des Herz-Kreis­lauf-Systems wie koronare Herz­erkrankungen und Blut­hoch­druck, chro­nische Lungen­erkrankungen wie COPD, chro­nische Leber­erkrankungen, Diabetes mellitus und Krebs

- Menschen mit geschwächtem Immun­system, etwa durch eine Erkrankung oder durch die regel­mäßige Einnahme von Medikamenten, die die Immun­abwehr beein­flussen und herab­setzen können wie Kortison.

- Männer.

Gehören Asth­matiker zur Risikogruppe?

Laut Lungen­ärzten gibt es Hinweise darauf, dass eine Therapie mit hoch dosiertem Cortison das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen könne. Nach bisherigen Studien habe sich Asthma aber nicht als eigen­ständiger Risiko­faktor für einen schweren Covid-19-Verlauf erwiesen, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Die Deutsche Gesell­schaft für Pneumologie empfiehlt behandelnden Ärzte, bei Patienten mit schwerem Asthma über eine Umstellung der Behand­lung von hoch dosiertem Cortison auf Biologika nach­zudenken. Nied­rig- oder mittel­hoch dosierte Cortison-Sprays, wie sie die meisten Menschen mit Asthma einnehmen, sind nach Einschät­zung des Lungen­informations­dienstes dagegen unbe­denk­lich.

Asth­matiker sollten auf keinen Fall eigenmächtig auf ihre inhalativen Medikamente mit Cortison verzichten oder die Dosis selbst ändern. Unsere Daten­bank Medikamente im Test informiert im Kapitel zu Asthma über die Unterschiede zwischen cortisonhaltigen Medikamenten zum Inhalieren und solchen zum Einnehmen.

Beein­flusst meine Blutgruppe das Risiko für einen schweren Verlauf?

Mehrere Studien deuten laut RKI darauf hin, dass die Blut­gruppen A, B und 0 das individuelle Infektions­risiko beein­flussen könnten. Dies betreffe sowohl die Wahr­scheinlich­keit, sich zu infizieren, als auch die Schwere der Symptome. Allerdings lägen noch keine einheitlichen Ergeb­nisse vor, die Fach­welt diskutiere die Studien noch.

Unter anderem hatten Forscher des Universitäts­klinikums Schleswig-Holstein, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Universität Oslo in einer großen genetischen Studie einen Zusammen­hang zwischen Blutgruppe und Krank­heits­verläufen von Covid-19-Patienten fest­gestellt. Danach könnten Menschen mit der Blutgruppe A ein um 50 Prozent höheres Risiko für einen schweren Covid-19 Verlauf haben als Menschen mit anderen Blut­gruppen; Menschen mit Typ-0-Blut sind womöglich um fast 50 Prozent besser vor einer ernsten Covid-19-Erkrankung geschützt.

Welche Mecha­nismen hinter den häufigeren schweren Verläufen bei Patienten mit Blutgruppe A liegen könnten – etwa in Bezug auf Immun­reaktion und Gerinnungs­faktoren – müsse noch näher untersucht werden. Die Unter­suchung bestätigt laut Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zwei frühere Studien mit ähnlichem Ergebnis.

Allerdings erwähnt das RKI auch Unter­suchungen aus den USA, die keinen Zusammen­hang zwischen Blutgruppe und Covid-19-Verlauf herstellen konnten. Auch nach einer Studie aus der Türkei beein­flusst die Blutgruppe A nicht das Risiko für einen schweren Verlauf, könnte aber die Wahr­scheinlich­keit einer Infektion erhöhen.

Liegen gesicherte Erkennt­nisse darüber vor, dass bestimmte Mittel gegen Blut­hoch­druck das Risiko für Covid-19 erhöhen?

Nein. Neuere wissenschaftliche Artikel haben mögliche Zusammenhänge zwischen der Einnahme von bestimmten Blut­druck­senkern und der Erkrankung an Covid-19 thematisiert. Im Fokus standen ACE-Hemmer und Angiotension-II-Rezeptor­blocker (ARB).

Das Bundes­institut für Arznei­mittel und Medizin­produkte (BfArM) sagt dazu: „Diese Zusammenhänge sind theoretischer Natur, wobei einige auf ein Komplikations­risiko und andere auf eine schützende Wirkung dieser Medikamente hinweisen.“ Derzeit gebe es keine wissenschaftlichen Beweise, die beide Behauptungen stützen. Sollten sich neue Erkennt­nisse ergeben, werde die Öffent­lich­keit informiert.

Wichtig: Patientinnen und Patienten sollen die Arznei­mittel nicht eigenmächtig absetzen und sich bei Fragen an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden. Mehr Infos über Blut­druck­senker bietet unser Test von Medikamenten gegen Bluthochdruck. Im Test von Blutdruckmessgeräten finden Sie die besten Geräte zum Blut­druck­messen.

Unterschiede zwischen Covid-19 und Grippe

Gibt es Unterschiede bei der Anste­ckung?

Ja. Die Weltgesundheitsorganisation WHO führt einige der Unterschiede zwischen Grippe und Covid-19 aus: Die Inkubations­zeit von Grippe liegt danach im Durch­schnitt bei etwa 3 Tagen, die von Covid-19 bei 5 bis 6 Tagen. Influenza sei vor allem in den ersten 3 bis 5 Tagen nach Ausbruch der Krankheit anste­ckend, wohl auch schon vorher. Coronavirus-Infizierte sind schon vor Ausbruch der Krankheit infektiös, als besonders kritisch gelten die 24 bis 48 Stunden vor Einsetzen der ersten Symptome.

Sterben mehr Patienten an Covid-19 als an Grippe?

Ja. Laut RKI ist der Anteil beatmungs­pflichtiger und verstorbener Patienten bei Covid-19 in Krankenhäusern hier­zulande während der ersten Welle deutlich höher gewesen als üblicher­weise bei Grippe-Patienten.

Das RKI stützt sich bei dieser Aussage auf eine eigene Studie. Dafür wurden die Daten von 1 426 Covid-19-Patienten erfasst, die zwischen Anfang März und Anfang Mai 2020 wegen schwerer Atemwegs­erkrankungen in einem Kranken­haus in Deutsch­land behandelt werden mussten. Diese Daten wurden mit den Krank­heits­verläufen von 69 573 Grippepatienten aus den Jahren von 2015 bis 2019 verglichen, die unter ähnlich gravierenden Atem­problemen litten und stationär aufgenommen worden waren.

Der Vergleich offen­bart, dass in der Gruppe der Covid-19-Patienten 22 Prozent beatmet werden mussten und 21 Prozent verstarben. Dagegen wurden in der Gruppe der Grippekranken nur 14 Prozent der Patienten beatmet und 12 Prozent starben. Die Patienten aus beiden Gruppen waren ähnlich alt: im Mittel 81 Jahre.

Coronavirus – Anste­ckungen von Mensch zu Mensch

Wie wird das Coronavirus über­tragen?

Die Über­tragung des Coronavirus erfolgt nach aktuellem Wissen­stand über­wiegend über Tröpf­chen oder Aerosole, die beim Sprechen, Husten und Niesen, aber auch beim Singen und bei sport­licher Aktivität von einem Menschen auf den anderen über­tragen werden.

Wie lange bleiben Viren in Aerosolen vermehrungs­fähig?

In einer Studie mit experimentell hergestellten, mit Sars-CoV-2-Viren angereicherten Aerosolen waren vermehrungs­fähige Viren nach drei Stunden noch im Aerosol nach­weisbar. Darüber berichtet das RKI.

Wie anste­ckend ist das Coronavirus?

Sehr. Ohne Gegen­maßnahmen würde jemand, der mit dem klassischen Coronavirus infiziert ist, laut RKI (gerundet) zwei bis drei Menschen anste­cken. Bei Mutationen, vor allem bei B.1.1.7 gehen Wissenschaftler von einer höheren Infektiosität aus.

Wie viel Zeit liegt zwischen Anste­ckung und Erkrankung?

Die Zeit von der Anste­ckung bis zum Erkrankungs­beginn – Inkubations­zeit genannt – liegt laut RKI im Mittel bei 5 bis 6 Tagen. Die Spann­weite dabei betrage 1 bis 14 Tage.

Wie lange sind Infizierte anste­ckend?

Das Robert-Koch-Institut geht aufgrund der Daten­lage davon aus, dass Infizierte das Virus in relevantem Maße zwei Tage vor den ersten Symptomen weitergeben. Modellierungen wiesen darauf hin, dass 9 Prozent der Über­tragungen mehr als drei Tage vor Symptom­beginn erfolgten. Am Tag vor dem Symptom­beginn sei die Infektiosität am höchsten.

Verschiedene Studien ermittelten, wie lange Infizierte nach Symptom­beginn das Virus über­tragen können. Der Durch­schnitt liegt demnach bei fünf bis sieben Tagen, wobei die Infektiosität nach und nach abzu­nehmen scheint. Die Zeiträume der Infektiosität variieren teils erheblich. Sie könnten bei symptomfreien Infizierten und Kindern kürzer sein, bei schwer Erkrankten länger.

Anste­ckung über Kontakt mit Dingen und Lebens­mitteln

Kann man sich über Gegen­stände mit dem Coronavirus infizieren?

Über­tragungen könnten durch Schmier­infektionen erfolgen, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Das kann passieren, wenn jemand einen infizierten Gegen­stand oder eine Oberfläche mit der Hand berührt und diese dann in Kontakt mit Schleimhäuten – etwa von Nase, Mund und Auge – kommt. Über die Schleimhäute kann das Virus dann in den Körper dringen. Das BfR verweist aber darauf, dass es derzeit keine belast­baren Belege für Anste­ckungen über Oberflächen gäbe

Wie lange kann das Coronavirus auf Oberflächen über­leben?

Die Stabilität von Coronaviren in der Umwelt hängt laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von vielen Faktoren ab, dazu gehören Temperatur, Luft­feuchtig­keit, Beschaffenheit der Oberfläche, Licht, Virus­stamm und Virusmenge. Im Allgemeinen seien Coronaviren, die über den Menschen auf trockene Oberflächen gelangten, nicht besonders stabil.

Unter­suchungen in einem Labor einer amerikanischen Arbeitsgruppe zeigten, dass das Coronavirus (Sars-CoV-2) auf verschiedenen Oberflächen unterschiedlich lang vermehrungs­fähig blieb: auf Kunststoff bis zu 72 Stunden, auf Edelstahl bis zu 48 Stunden, auf Karton bis zu 24 Stunden und auf Kupfer bis zu 4 Stunden. In früheren Studien zu einem anderen Coronavirus, dem Sars-CoV-1, blieben die Viren auf Papier, Baumwoll­gewebe oder Einwegschutz­kitteln bis zu 24 Stunden infektiös – bei hoher Viruslast gar bis zu zwei Tage.

Reisen die Viren in Cars­haring-Autos, Bussen und Bahnen mit?

Das Lenk­rad im Carsharing-Wagen oder Haltegriffe in Bus und Bahn – auch das sind Oberflächen, auf denen sich die Viren einige Zeit halten können (siehe vorherige Frage). Sicher ist: Wo viele Menschen direkt oder indirekt in Kontakt kommen, gilt besonders: Abstand halten, Nies- und Händehygiene wahren, nicht ins Gesicht fassen. Fürs Cars­haring empfiehlt es sich zusätzlich, vor der Fahrt gut durch­zulüften.

Können Viren ins Essen geraten?

Das hängt davon ab: Sollte ein infizierter Koch versehentlich beim Kochen ins heiße Essen husten, würde die Hitze die hitze­empfindlichen Viren abtöten. Bei kalten Gerichten wie Obst, einem Brötchen oder einer Scheibe Käse wäre das nicht der Fall – bei Berührung könnte es zu Schmier­infektionen kommen.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sind derzeit keine Fälle bekannt, in denen sich jemand durch den bloßen Verzehr kontaminierter Lebens­mittel wie Back­waren Obst, Gemüse mit dem Coronavirus infiziert hätte. Wer Speisen zubereitet, sollte dennoch die Hygiene­regeln einhalten.

Bleiben Coronaviren in Tiefkühl­kost anste­ckend?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verweist auf eine Studie, die zeigt, dass Sars-CoV-2-Viren auf gefrorenem Fleisch nach drei Wochen nur wenig von ihrer Infektiosität einge­büßt haben. Zuvor war bereits bekannt, dass auch die Coronaviren Sars und Mers kälteun­empfindlich sind und bei minus 20 Grad Celsius bis zu 2 Jahre im gefrorenen Status infektiös bleiben können.

Sicher­heits­halber sollten Verbraucher Tiefkühl­kost durch­erhitzen – mindestens zwei Minuten lang bei mindestens 70 Grad Celsius. Bisher gibt es laut BfR keine Hinweise, dass sich Menschen über den Kontakt mit tiefgekühlten Lebens­mitteln mit dem Coronavirus infiziert haben.

Können Coronaviren über Tassen und Gläser in der Gastronomie oder Pfle­geeinrichtungen über­tragen werden?

Das BfR hat davon eigenen Angaben zufolge keine Kennt­nis. Theoretisch könnte eine infizierte Person ein Glas über die Berührung mit der Hand oder über Speichel mit dem Virus belasten. Wenn eine weitere Person aus diesem Glas tränke, wäre eine Über­tragung möglich – voraus­gesetzt, das Glas würde zwischen­durch nicht ausreichend gereinigt (siehe weiter unten, Frage zum Thema Spülen).

Können Coronaviren das Leitungs­wasser belasten?

Das ist nach derzeitigem Kennt­nisstand höchst unwahr­scheinlich, vermeldet das Umweltbundesamt. Leitungs­wasser, das unter Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik gewonnen, aufbereitet und verteilt werde, sei sehr gut gegen alle Viren, einschließ­lich Coronaviren, geschützt.

Sind Coronaviren im Stuhl infektiös?

Das ist noch nicht geklärt. Bei Covid-19-Patienten wurde vereinzelt Virus im Stuhl identifiziert. Für eine Anste­ckung müssten Viren jedoch vermehrungs­fähig sein, was Studien bisher erst selten zeigten.

Anste­ckungs­risiken in besonderen Situationen

Kann ich mich beim Schwimmen anste­cken?

„Generell ist eine direkte Über­tragung von Sars-CoV-2 über Schwimm- und Bade­wasser höchst unwahr­scheinlich“, erklärt das Umweltbundesamt (Uba). Die Behörde verweist auf eine Einschät­zung der WHO, wonach keine Hinweise für eine Über­tragung über den Wasserweg vorlägen, und beschreibt die Situation für verschiedene Badegewässer:

Frei- und Hallenbäder: Das Wasser wird dort ständig aufbereitet. Filtration und Desinfektion sind laut Uba wirk­same Verfahren, um einge­tragene Bakterien und Viren zu inaktivieren. Coronaviren seien als behüllte Viren leichter durch Desinfektions­verfahren zu inaktivieren als unbe­hüllte Viren wie Noro- und Adenoviren. Schwimm­bäder müssen Hygienepläne aufstellen. Diese legen etwa fest, wie viele Bade­gäste höchs­tens einge­lassen werden, dass nur jede zweite Dusche in Betrieb ist oder dass das Personal Oberflächen und Tür­klinken regel­mäßig desinfiziert.

Bäder mit biologischer Aufbereitung: In diesen Bädern wird das Wasser nicht mit Desinfektions­mitteln desinfiziert, sondern durch natürliche Verfahren und Pflanzen. Laut Uba geht vom Wasser dieser Bäder generell ein gewisses Infektions­risiko mit Mikro­organismen aus.

Meere, Seen, Flüsse: In größeren Naturgewässern könnten infizierte Menschen das Coronavirus zwar einbringen, aber eine Anste­ckungs­gefahr gilt wegen der Verdünnung im Wasser als äußerst gering. Steigende Wasser­temperaturen und erhöhte Sonnen­einstrahlung im Sommer dürften zudem laut Uba dazu führen, dass etwaige Viren noch schneller unschädlich werden.

Tipp: Beachten Sie an Bade­stellen die Abstands­regeln – also im Wasser, auf der Liegewiese, am Strand, an der Schlange vor Rutschen, Kiosken und dem Sanitär­bereich. Bleiben Sie zu Hause, wenn Sie sich krank fühlen oder Kontakt zu Infizierten hatten.

Was ist, wenn vor mir ein infizierter Jogger läuft und stark ausatmet?

Das ist unklar. Ein belgisch-nieder­ländisches Forscher­team der Universitäten Eindhoven und Leuven hat einen Aufsatz zu einer animations­basierten Untersuchung veröffent­licht, wonach Jogger eine Atemwolke mit möglicher­weise anste­ckenden Tröpf­chen hinter sich zurück­lassen. Wenn dann etwa kein Wind herr­sche und Menschen direkt in den Wind­schatten des infizierten Läufers gerieten, könnten sie sich anste­cken – trotz einer Distanz von 1,5 Metern.

Die Autoren sind keine Virologen, sondern Ingenieure. Sie haben ihre Erkennt­nisse durch Laborsimulationen gewonnen. Kritiker der Studie vermissen unter anderem Daten zum Einfluss des Windes auf die Tröpf­chen­konzentration.

Wie oft sollen Sport­treibende Hallen und Studios lüften?

Wer Sport in Innenräumen treibt, muss für ausreichende Lüftung sorgen – mahnt die Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) am Umwelt­bundes­amt. Schon bei geringer körperlicher Belastung sei die Atemfrequenz gegen­über Ruhephasen deutlich erhöht. Die Menge an ausgeatmeten Partikeln steige mit zunehmender Aktivität weiter an. Deswegen sollte in Sport­hallen und -studios die verbrauchte Luft in jeder Stunde mindestens fünf­mal durch frische Luft ersetzt werden.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann Sport im Freien treiben. Mehr dazu in unserem Special Sport im Winter: Warum Training in der Kälte gut tut. Inwieweit tech­nische Geräte dabei helfen können, eine zu hohe Virenlast in der Raum­luft zu vermeiden, klären unsere Tests von Luftreinigern und CO2-Messgeräten (siehe auch weiter unten, Abschnitt „Innenräume richtig lüften“).

Wie kann ich mich bei der Über­gabe eines Pakets durch den Paketboten vor einer Infektion schützen?

Das Bundesministerium für Gesundheit stuft die Über­tragung des Coronavirus durch Pakete als sehr unwahr­scheinlich ein und rät, nach dem Auspacken die Hände zu waschen. Eine Desinfektion des Pakets sei nicht nötig.

Praktisch alle Paket­dienste haben ihre Sicher­heits­vorkehrungen angepasst, um Mitarbeiter und Kunden vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen: Die Zusteller übergeben das Paket nicht mehr direkt, sondern stellen es in einem Sicher­heits­abstand vor dem Empfänger auf den Boden. Inzwischen unterzeichnen die Zusteller selbst auf dem Eingabegerät, dass sie das Paket abge­liefert haben.

Alternativen sind Paket­stationen und Pack­shops. Die meisten Paket­dienste bieten an, das Paket an einem vereinbarten Ort zur Abholung zu hinterlegen – etwa Garage, Terrasse oder Haus- beziehungs­weise Wohnungs­tür.

Die passende Maske finden

Was ist der Unterschied zwischen medizi­nischen Masken und Alltags­masken?

Seit Anfang des Jahres 2021 ist das Tragen medizi­nischer Masken in Geschäften und im öffent­lichen Nahverkehr Pflicht. Zu den medizi­nischen Masken zählen sogenannte OP-Masken und filtrierende Halb­masken, auch FFP-Masken genannt. Diese Modelle müssen bestimmte Normen erfüllen. Die Stiftung Warentest hat im Jahr 2021 insgesamt 20 FFP2-Masken getestet. Für Alltags­masken, die häufig Stoff­masken sind, gelten keine Normen und spezi­fische gesetzliche Anforderungen. Weitere Infos zu den unterschiedlichen Masken­typen erhalten Sie unter Corona-Masken: Die unterschiedlichen Typen im Vergleich.

Schnell- und Selbst­tests – wie sicher und sinn­voll sie sind

Wie funk­tionieren Schnell­tests?

Sogenannte Antigen-Schnell­tests, die medizi­nische Laien durch­führen können, kommen derzeit in Pfle­geheimen, Krankenhäusern oder Schulen zum Einsatz, um Personal oder Bewohner regel­mäßig zu testen. Seit Anfang März können sich alle Bürgerinnen und Bürger mindestens einmal wöchentlich mit einem Schnell­test testen lassen. Anders als bei den Selbst­tests führt eine andere Person ihn durch: Dabei wird ein langes Watte­stäbchen tief in die Nase oder in den Rachen einge­führt und ein Abstrich gemacht.

Diese Tests sollen inner­halb von wenigen Minuten eine akute Infektion mit dem Coronavirus anzeigen. Der Fach­begriff heißt dann: Der Test war „positiv“ das heißt, der Getestete ist demnach mit Covid-19 infiziert. Zeigt der Schnell­test das an, muss durch einen PCR-Test nachgetestet werden, ob tatsäch­lich eine Infektion vorliegt.

Wie funk­tionieren Selbst­tests für Laien?

Das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte Bfarm hat Ende Februar die ersten Sonder­zulassungen für Selbst­tests erteilt. Damit soll sich jeder selbst auf eine Coronavirus-Infektion testen können. Es handelt sich dabei um so genannte Antigen-Tests, die ähnlich funk­tionieren wie Schnell­tests (siehe oben). Es reicht bei ihnen aus, wenn Anwender mit dem Watte­stäbchen bei sich selbst eine Probe im vorderen Nasen­bereich entnehmen. Wie bei den Schnell­tests muss jedes positive Ergebnis – also eines, dass eine Infektion anzeigt – durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Die Selbst­tests werden zum Beispiel in Apotheken und Supermärkten verkauft. Die Namen der zugelassenen Tests zur Eigen­anwendungen finden sich auf einer Liste des Bfarm, die laufend aktualisiert wird.

Wie zuver­lässig sind Schnell- und Selbst­tests?

Laut RKI und Bundesgesundheitsministerium sind Schnell- und Selbst­tests nicht so empfindlich wie PCR-Tests und können sowohl zu falsch-negativen als auch falsch-positiven Ergeb­nissen führen – allerdings sehr viel häufiger zu falsch-negativen Befunden (jemand ist eigentlich infiziert, bekommt aber ein negatives Ergebnis – und denkt erst einmal, er sei nicht erkrankt). Das zeigt eine aktuelle Auswertung voAuswertung von 64 Studien; sie hat aber auch ergeben, dass die Antigen-Tests bei Menschen, die sich angesteckt haben und schon Krank­heits­symptome zeigen, besser geeignet sind, eine Infektion verläss­lich fest­zustellen als bei infizierten Personen ohne Symptome.

Bei Infizierten ohne Symptome lieferten die Antigen-Tests im Durch­schnitt nur in 58 Prozent der Fälle ein korrektes Ergebnis, bei infizierten Personen mit Symptomen wurde Covid-19 immerhin in 72 Prozent der Fälle richtig erkannt. Am zuver­lässigsten waren die Tests bei Menschen, die zwar Covid-19-ähnliche Symptome hatten, das Virus aber nicht in sich trugen: In 99,5 Prozent der Fälle zeigten die Tests hier ein korrektes Ergebnis.

Das heißt: Ein negatives Ergebnis schließt eine Corona-Infektion nicht aus. Wer sich in falscher Sicherheit wiegt und sich sorglos verhält, steckt im schlechtesten Fall seine Mitmenschen an. Außerdem ist die Aussagekraft der Antigen-Tests zeitlich begrenzt.

Aufgrund der Fehler­rate sind negative Schnell- und Selbst­test somit kein Persilschein dafür, auf sämtliche Vorsichts­maßnahmen zu verzichten. Halten Sie, auch wenn Sie gerade ein negatives Test­ergebnis bekommen haben, weiter die AHA-Formel ein: Abstand halten, Hygiene beachten, Alltags­masken tragen (siehe weiter oben).

Die Tests, und zwar auch die Selbst­tests, sind aber trotzdem sinn­voll: Sie erhöhen die Wahr­scheinlich­keit, dass Sie früh­zeitig entdecken, ob Sie sich angesteckt haben. Zudem geben sie zusätzliche Sicherheit in Alltags­situationen, zum Beispiel bei Kontakten zu Freunden und Angehörigen – aber eben immer in Kombination mit den Maßnahmen der AHA-Formel.

Ist das Ergebnis eines Schnell- oder Selbst­tests positiv, müssen Sie in jedem Fall einen PCR-Test vornehmen lassen, um einigermaßen sicher zu wissen, ob Sie sich tatsäch­lich angesteckt haben.

Welche Tests gibt es sonst noch, um das Coronavirus nach­zuweisen?

Eine Infektion mit dem Coronavirus lässt sich mit verschiedenen Methoden nach­weisen. Hier die wichtigsten:

Poly­merase-Chain-Reaction (PCR)-Test. Dieser Test gilt als am zuver­lässigsten. Dabei weisen Labore das Erbgut des Virus über hoch-sensitive, molekulare Test­systeme nach. Die reine Test­zeit beträgt laut RKI etwa 4 bis 5 Stunden. Doch von der Probenent­nahme bis zur Ergeb­nismitteilung können ein bis zwei Tage verstreichen, falls große Mengen an Proben vorliegen, auch mehr.

Liegt die Infektion noch nicht lange zurück, gelten Abstriche aus den oberen Atemwegen – also aus Rachen oder Nase – als besonders geeignet für den Test. In späteren Phasen der Infektion können auch Sekrete aus den unteren Atemwegen untersucht werden. Der Nach­weis des Coronavirus ist auch im Stuhl und seltener im Blut möglich. Noch ist aber nicht geklärt, wie aussagekräftig diese Befunde sind.

Virus­anzucht. In der Forschung spielt die Virus­anzucht von Patienten­proben in Zell­kultur­systemen eine große Rolle. Sie können helfen, die Infektiosität eines Patienten einzuschätzen. Die Virus­anzucht setzt jedoch Fach­kunde und dafür speziell ausgestattete Labore voraus.

Antikörper-Test. Einen Test auf spezi­fische Antikörper gegen das Coronavirus im Blut/Serum hält das RKI aus epidemiologischer Sicht für sinn­voll, weil sich damit zusätzliche Erkennt­nisse über die tatsäch­liche Verbreitung des Virus in der Bevölkerung gewinnen lassen. Zwischen den ersten Symptomen und der Nach­weisbar­keit spezi­fischer Antikörper vergehen etwa ein bis zwei Wochen.

Die Antikörper können sowohl während der Erkrankung, nach Abklingen der Symptome als auch nach dem Verschwinden des Virus aus dem Körper nachgewiesen werden. Wie lange und wie robust nach einer Coronavirus-Infektion mess­bare Antikör­pertiter vorliegen, ist laut RKI derzeit unklar.

Bild­gebende Diagnostik. Zur Ergän­zung der molekularen Diagnostik sollte bei schweren Krank­heits­verläufen auch eine radio­logische/bild­gebende Diagnostik der Atemwege erfolgen. Das kann aber stets nur in Kombination mit einem Nach­weistest erfolgen.

Wer hat Anspruch auf einen kostenlosen PCR-Test?

Verschiedene Personen­gruppen ohne Symptome einer Covid-19-Erkrankung haben Anspruch auf einen kostenlosen präventiven PCR-Test als vertrags­ärzt­liche Leistung. Das betrifft Patienten, die in eine stationäre Einrichtung aufgenommen werden sollen, etwa eine stationäre Reha oder Klinik, oder bei denen eine ambulante Operation oder Dialyse ansteht. Das sehen die Test­ver­ordnung der Bundes­regierung (Paragraf 4 Absatz 1 Nr. 1 TestV) und die Nationale Test­strategie vor.

Ihren Anspruch können Patienten bei einem Leistungs­erbringer, beispiels­weise Haus­arzt, Gesund­heits­amt oder in einem Testzentrum, das hierfür zertifiziert ist, geltend machen. Die Abrechnung des PCR-Tests erfolgt durch den Leistungs­erbringer gegen­über der zuständigen Kassen­ärzt­lichen Vereinigung.

Achtung: Die Schnell­test­stellen (Test-to-go) sind für betroffene Patienten nicht der richtige Ansprech­partner für einen kostenlosen PCR-Test. Diese Test­stellen können den PCR-Test nicht mit der Kassen­ärzt­lichen Vereinigung abrechnen. Die Schnell­test­stellen bieten PCR-Tests in der Regel kosten­pflichtig an.

Tipps fürs Desinfizieren, Spülen und Waschen

Was ist bei Desinfektions­mitteln zu beachten?

Grund­sätzlich reicht es im Alltag, sich mit Seife gründlich die Hände zu waschen und Oberflächen mit gängigen Haushaltsreinigern zu desinfizieren. In Ausnahme­fällen kann der gezielte Einsatz von Desinfektions­mitteln auch in Privathaushalten angemessen sein, wenn dies ärzt­lich empfohlen wird. Wer zusätzlich Desinfektions­mittel für Flächen oder Hände benutzen will, sollte darauf achten, dass sie wirk­sam gegen Coronaviren sind. Erkenn­bar ist das laut RKI an der Auslobung „begrenzt viruzid“ (wirk­sam gegen behüllte Viren), „begrenzt viruzid Plus“ oder „viruzid“.

Wie temperatur­beständig ist das Coronavirus eigentlich?

Das Virus weist eine hohe Temperatur­beständig­keit auf. Das RKI verweist auf Daten, die die Entwick­lung des Virus in unterschiedlich warmen Flüssig­keiten beschreiben. Danach verringere sich die Virenlast bei einer Temperatur von 56 Grad Celsius inner­halb von 5 bis 20 Minuten um mehr als eine Vierer­potenz. Bei 60 Grad Celsius würden die Viren in 15 bis 30 Minuten bis unter die Nach­weis­grenze deaktiviert, bei 65 Grad inner­halb von 10 Minuten und bei 70 Grad inner­halb von 5 Minuten. Ein kompletter Verlust der Infektiosität werde bei Temperaturen von 56 bis 65 Grad in 90 Minuten und bei 75 Grad in 30 bis 40 Minuten erreicht.

Setzt Spülen mit der Hand oder im Geschirr­spüler das Virus auf Geschirr schachmatt?

Coronaviren, deren Erbgut von einer Fett­schicht umhüllt ist, reagieren laut BfR empfindlich auf fett­lösende Substanzen wie Alkohole und Tenside in Seifen und Geschirr­spül­mitteln. Auch wenn für Sars-CoV-2 noch keine spezi­fischen Daten vorliegen, sei es wahr­scheinlich, dass die fett­lösenden Substanzen die Virus­oberfläche beschädigten und das Virus inaktivierten. Das BfR verweist auf eine Studie mit dem verwandten Virus Sars-CoV-1, in der dieses durch eine fünf­minütige Behand­lung mit handels­üblichem Spül­mittel voll­ständig inaktiv wurde.

Höhere Temperaturen und noch längerer Kontakt mit den fett­löslichen Substanzen bieten noch mehr Sicherheit, das Virus auszuschalten – zum Beispiel beim Reinigen von Trinkgefäßen im Geschirr­spüler bei mindestens 60 Grad Celsius. Wer mit der Hand spült, sollte möglichst heißes Wasser nutzen – mindestens 45 Grad Celsius und maximal 50 Grad Celsius, um die Haut der Hände nicht zu strapazieren.

Wie lassen sich Coronaviren aus Textilien entfernen?

Es ist noch unklar, wie lange Coronaviren auf Textilien oder in der Wasch­maschine über­leben, teilt das BfR mit. Weil das Erbgut von Coronaviren von einer Fett­schicht umhüllt sei, reagierten sie generell empfindlich auf fett­lösende Substanzen wie Tenside. Diese sind als Fett­löser in Wasch­mitteln enthalten.

Das BfR rät Privathaushalten, die Wäsche wie gewohnt zu waschen. Wenn ein Haus­halts­mitglied erkrankt sei, sollten dessen Kleidung, Bett­wäsche, Unter­wäsche, Hand­tücher und Wasch­lappen sicher­heits­halber bei einer Temperatur von mindestens 60 Grad Celsius in einer Wasch­maschine mit Voll­wasch­mittel gewaschen und gründlich getrocknet werden.

Hilft seifenfreie Wasch­lotion genauso gut gegen Coronaviren wie normale Seife?

Ja. Solche Wasch­lotionen, auch Syndets genannt, enthalten ebenfalls wasch­aktive Substanzen, allerdings sind diese synthetisch hergestellt – im Gegen­satz zu den Salzen aus natürlichen Ölen und Fetten in vielen Seifen. Wie Seife lösen die wasch­aktiven Substanzen die Fett­hülle der Coronaviren auf, so spülen Wasser plus Wasch­lotion die Viren leichter weg. Syndets eignen sich meist für empfindliche Haut.

Ich habe vom vielen Hände­waschen trockene Hände. Wie pflege ich sie am besten?

Mit Hand­creme. Die Stiftung Warentest hat Ende 2018 Handcremes gegen trockene Haut geprüft. Darunter waren Produkte von Body Shop, Nivea und dm sowie einige Naturkosmetik­produkte. Viele pflegten gut, aber nur wenige zogen schnell ein. Wer Probleme mit trockenen Händen hat, sollte sie lieber mit milden Wasch­lotionen und Syndets waschen als mit herkömm­licher Seife und beim Putzen Haus­halts­hand­schuhe tragen.

Innenräume richtig lüften

Durch­zug oder Stoß­lüften?

Wenn sich mehrere Leute aus unterschiedlichen Haushalten in einem Raum aufhalten, ist häufiges Lüften angesagt. Das Umwelt­bundes­amt hält das sogenannte Querlüften für optimal. Dafür wird zum Beispiel zwischen einem geöff­neten Fenster und einem weiteren offenen Fenster oder einer Tür Durch­zug hergestellt. Raum- und Frisch­luft tauschen sich dann schnell aus.

Alternativ geht auch Stoß­lüften: Dabei wird das Fenster für einige Minuten weit geöffnet. Im Winter reichen 5 Minuten Stoß­lüftung, weil die Temperatur­unterschiede zwischen drinnen und draußen den Luft­austausch beschleunigen. Im Sommer dauert das nicht selten 20 bis 30 Minuten. Als wenig wirk­sam gilt es, die Fenster nur teil­weise zu öffnen oder ununterbrochen auf Kipp zu stellen.

Schulen empfiehlt die Innenraum­luft­hygiene-Kommis­sion am Umwelt­bundes­amt (IRK) beispiels­weise, Klassenräume regel­mäßig alle 20 Minuten für etwa 3 bis 5 Minuten zu lüften – und in jeder Unterrichts­pause durch­gehend.

Tipp: Gutes Lüften allein kann Infektionen mit dem Coronavirus nicht verhindern. In Innenräumen, die von mehreren Personen genutzt werden, sind zusätzliche Maßnahmen wie das Tragen notwendig – Abstand halten und möglichst ein Mund-Nasen-Schutz.

Wie viel bringt das Lüften über­haupt?

Laut der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zeigen Berechnungen, dass das Risiko einer Corona-Infektion durch regel­mäßiges Stoß­lüften etwa um die Hälfte sinkt. Zusätzliches Maskentragen könne das Risiko sogar um einen Faktor fünf bis zehn verringern.

Muss ich sofort lüften, wenn jemand im Raum hustet oder niest?

Ja, sofort. Das empfiehlt die Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) am Umwelt­bundes­amt.

Was bringen mobile Luft­reiniger?

Mobile Luft­reiniger stellen nach Einschät­zung der Innenraumlufthygiene-Kommission (IRK) am Umwelt­bundes­amt keinen Ersatz für konsequentes Lüften dar. Luft­reiniger mit HEPA-Filtern könnten aber unterstützend etwas bringen und zum Beispiel in Klassenräumen die Zahl an virushaltigen Partikeln senken.

Die Geräte sollten mit sogenannten hoch­abscheidenden Filtern der Filterklassen H 13 oder H 14 ausgerüstet sein. Nur sie gewähr­leisteten eine wirk­same Reduktion von Viren in der Luft. Feinfilter der Klassen F 7 bis F 9 reichten nicht aus.

Wer mobile Luft­reiniger aufstellt, sollte nach Empfehlung der IRK auf die Raumgegebenheiten achten. Der Luft­durch­satz müsse sich an die Raumgröße und die Personenzahl im Raum anpassen lassen.

Vorrichtungen zum Ansaugen und Abblasen der Luft sollten so ausgerichtet sein, dass diese nicht zusätzlich verwirbelt werde und die Viren sich erst recht im Raum verteilen könnten.

Die IRK lehnt es ab, Luft mit chemischen Wirk­stoffen wie Ozon zu behandeln. Ozon etwa sei selbst ein Reizgas für die Atem­luft und könne zudem mit anderen chemischen Stoffen in der Luft reagieren kann und unbe­kannte, eventuell giftige Folge­produkte bilden.

Was sind die besten Luft­reiniger in Tests der Stiftung Warentest?

Die Stiftung Warentest hat Anfang 2021 die drei besten Luft­reiniger aus dem Luft­reiniger-Test von 2020 nachgetestet (Coronavirus – so gut filtern die Testsieger Aerosole). Zum Zeit­punkt des ursprüng­lichen Tests spielte Corona noch keine Rolle.

Die neue Prüfung zeigt, dass bei den ausgewählten Geräten von Philips, Rowenta und Soehnle winzige Partikel in Virusgröße in den Fasern der Filter hängen bleiben. Mit neuen Filtern waren – umge­rechnet auf einen Raum mit 16 Quadrat­metern Grund­fläche, 2,5 Meter Höhe – nach 20 Minuten die meisten Aerosol­partikel mit 0,12 Mikro­meter Durch­messer weg. Doch die Geräte altern bei Bean­spruchung, die Reinigungs­leistung lässt nach – bei einem der geprüften Modelle sogar stark.

Allerdings sind die Filter der geprüften Luft­reiniger insgesamt zu klein, um die Luft eines 50 Quadrat­meter großen Klassen­zimmers mit knapp 30 Schülern zu reinigen.

Was nutzen CO2-Ampeln?

CO2-Sensoren können keine Coronaviren erkennen – aber sie zeigen an, wann es Zeit zum Lüften ist. Die Stiftung Warentest hat in einem Test elf CO2-Mess­geräte untersucht, darunter sogenannte CO2-Ampeln und smarte Geräte, die mit App funk­tionieren. Sieben Geräte schneiden gut ab, drei sind mangelhaft (Test CO2-Ampeln und Messgeräte).

Corona – Impf­stoffe gegen Covid-19

Was gibt es Neues rund um die Impfung gegen Covid-19?

Seit Ende 2020 werden in Deutsch­land Menschen gegen Covid-19 geimpft. In unserem FAQ zum Impfstoff erfahren Sie alles Wichtige zu den zugelassenen Impf­stoffen, zu möglichen Neben­wirkungen und wer sich wann impfen lassen kann.

Welche anderen Impfungen sinn­voll sind

Soll ich mich gegen Pneumokokken impfen lassen?

Das kommt darauf an. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt bestimmten Personen­gruppen, sich in Corona-Zeiten gegen Pneumokokken impfen zu lassen: Personen mit Immun­schwäche, Menschen mit chro­nischen Erkrankungen des Herzens oder der Atmungs­organe, Senioren ab 70 Jahre, Babys und Klein­kinder bis zwei Jahre.

Die Impfung schützt zwar nicht vor Covid-19, aber vor möglichen zusätzlichen Infektionen durch Pneumokokken-Bakterien, die den Krank­heits­verlauf erschweren. Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass in Deutsch­land schon zu normalen Zeiten jähr­lich rund 5 000 Menschen an einer Pneumokokken-Infektion sterben.

Die Impf­experten der Stiftung Warentest haben den Nutzen und die Risiken der Impfung bewertet. Unser kostenloser Test zur Pneumokokken-Impfung informiert über die generelle Einschät­zung und coronabe­dingte Besonderheiten. Wenn Sie sich allgemein über Impfungen informieren wollen, empfehlen wir unsere Tests Impfungen für Erwachsene und Impfungen für Kinder

Für wen ist die Grippeimpfung sinn­voll?

Die Impf­experten der Stiftung Warentest raten gefähr­deten Personen­gruppen dazu, etwa chro­nisch Kranken mit Atemwegs­erkrankungen wie COPD, mit Blut­hoch­druck, Diabetes, Herz­leiden sowie Immun­geschwächten. Anders als die Ständige Impf­kommis­sion empfehlen unsere Experten die Grippeimpfung aber nicht generell für über 60-jährige Menschen, die gesund sind. Mehr über unsere Einschät­zung zur Grippeimpfung in unserem Grippe-Special.

Sollen Kinder weiter nach dem empfohlenen Impf­plan ihre Impfungen bekommen?

Ja. Laut Robert-Koch-Institut sollten Eltern ihre Babys wie vorgesehen und mit hoher Priorität grund­immunisieren lassen. Das umfasst die Sechs­fach-Impfung gegen Tetanus, Polio, Diph­therie, Hepatitis B, Keuchhusten und Haemophilus influenzae Typ b (Hib), die Impfung gegen Pneumokokken und die Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln und eventuell gegen Wind­pocken. Wenn weitere allgemein empfohlene Impfungen anstehen, sollen diese ebenfalls gegeben werden.

Tipp: Impfungen und Vorsorgeunter­suchungen lassen sich um zwei Wochen verschieben, wenn das Kind Symptome einer Atemwegs­infektion zeigt. Die Begleit­person darf nicht an akuter Atemwegs­infektion oder Fieber leiden und sollte möglichst allein – auch ohne Geschwisterkind – mit dem Impf­ling zum Termin erscheinen. Alle unsere Impf­empfehlungen haben wir im Special Impfungen für Kinder zusammen­gestellt. Infos über Impfungen gegen Covid-19 ab 12 Jahre finden Sie im FAQ Impfungen gegen Corona.

Kontakt mit Arzt, Therapeut, Krankenkasse und Co

Muss ich persönlich zum Arzt gehen, wenn ich eine Krank­schreibung brauche?

Wer eine leichte Atemwegs­erkrankung hat, kann auch weiterhin telefo­nisch vom Arzt für bis zu sieben Tage krank geschrieben werden. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat diese corona-bedingte Sonder­regel bis zum 30. Juni 2021 verlängert. Die Krank­schreibung kann danach einmalig für weitere sieben Tage per Telefon ausgestellt werden. Die Regelung gilt sowohl für Patienten, die dem Arzt bekannt als auch unbe­kannt sind. Dabei müsse sich der Arzt im Telefonat persönlich vom Krank­heits­zustand des Anrufenden über­zeugen.

Alternativ können Krank­schreibungen auch per Video­sprech­stunde erfolgen. Der Arzt kann dann eine erste Krank­schreibung für maximal sieben Kalendertage per Video ausstellen.

Können sich Eltern erkrankter Kinder auch telefo­nisch die Bescheinigung für Krankengeld-Bezug bekommen?

Ja. Die Ausstellung einer ärzt­lichen Bescheinigung für den Bezug von Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes ist auch telefo­nisch möglich. Außerdem gibt es jetzt länger Kinder­krankengeld: Es sind 20 Tage pro Eltern­teil und Kind (unter 12 Jahre) im Jahr und 40 Tage für Allein­erziehende. Mehr dazu in unserem Special zum Kinderkrankengeld.

Ärzte können mehr Video­sprech­stunden anbieten. Was muss ich dazu wissen?

Patienten haben deutlich mehr Möglich­keiten, mit ihrem Arzt per Video­chat zu sprechen, als vor der Corona-Krise. Die Voraus­setzung dafür ist natürlich, dass der Arzt diese Möglich­keit über­haupt anbietet. Ärzte müssen sich für die Videosprechstunde einen zertifizierten Video­dienst­anbieter aussuchen.

Was ist mit meinen Sitzungen beim Psycho­therapeuten? Finden diese in der Praxis statt?

Teils, teils. Auch psycho­therapeutische Sprech­stunden sind per Video­sprech­stunde möglich. Das gilt ebenso für sogenannte probatorische Sitzungen, also die anfäng­lichen Sitzungen vor Beginn der eigentlichen Therapie. Diese Regelung schließt auch neuro­psychologische Therapien mit ein. Darauf haben sich die Kassen­ärzt­liche Vereinigung und der GKV-Spitzen­verband geeinigt. Zuvor war eine Video­sprech­stunde nur unter bestimmten Voraus­setzungen möglich.

Grund­sätzlich bleibt es bei der Psycho­therapeutischen Sprech­stunde weiterhin wichtig, dass Patienten persönlich in die Praxis kommen. Das ist vor allem für die Eingangs­diagnostik, Therapie­empfehlung und Aufklärung wichtig. Diese Sprech­stunden sollten aber auf ein Mindest­maß reduziert werden, um Infektions­risiken zu minimieren. In Einzel­fällen soll nun auch eine diagnostische Einschät­zung oder eine Einleitung der Psycho­therapie per Video­sprech­stunde möglich sein.

Generelle Infos zum Thema finden Sie in unserm Test von Online-Psychotherapien

Ich habe mit meinem Kind Vorsorgetermine beim Kinder­arzt. Hingehen oder den Termin lieber verschieben?

Der Verband der Kinder- und Jugend­ärzte rät, vor jedem Arzt­besuch telefo­nisch in der Praxis nach­zufragen. Vorsorgetermine in den ersten zwei Lebens­jahren und Impfungen von Klein­kindern sollten möglichst nicht verschoben werden. Bis auf Weiteres müssen die Vorsorgeunter­suchungen U6, U7, U7a, U8 und U9 nicht mehr in begrenzten Zeit­fens­tern statt­finden, die Unter­suchungen können also auch später statt­finden.

Zudem sollten Kinder möglichst nur noch mit einem Eltern­teil in die Praxis kommen – wenn möglich auch ohne Geschwister. Begleit­personen, die älter als 60 Jahre sind, oder chro­nisch Kranke sollten die Praxis möglichst nicht aufsuchen.

Wichtig: Rufen Sie vorher in der Praxis an, wenn Ihr Kind an akuten Beschwerden leidet.

Kinder­arzt­praxen können Rezepte, Über­weisungen oder Krank­schreibungen auch per Post schi­cken. Weitere Infos zum Thema Impfen finden Sie in unserem Special Impfungen für Kinder.

Ich bin pflegebedürftig und habe einen Antrag zur Einstufung in einen Pfle­gegrad gestellt. Finden Begut­achtungen über­haupt statt?

Nein. Während der Corona-Epidemie besuchen die Mitarbeiter der Medizi­nischen Dienste der Kranken­versicherung (MDK beziehungs­weise MDS) keine Menschen mehr zu Hause oder in einer Pfle­geeinrichtung, um einen möglichen Pfle­gegrad fest­zustellen.

Statt­dessen führen die Gutachtenden mit den Betroffenen, ihren Angehörigen oder dem Pflege­personal Telefon­gespräche. Dabei soll fest­gestellt werden, wie selbst­ständig die potenziell pflegebedürftige Person ihren Alltag noch bewältigen kann und ob sie Unterstüt­zung benötigt. Mehr dazu in unserem Special Pflege­versicherung. Mehr dazu in unserem Special Pflegeversicherung.

Corona – Behand­lungs­möglich­keiten

Welche Behand­lungs­möglich­keiten gibt es?

Schwer erkrankte Patienten werden über­wiegend durch unterstützende Maßnahmen behandelt: Sie erhalten zum Beispiel Sauer­stoff oder bei Super­infektionen Antibiotika oder der Flüssig­keits­haushalt im Körper wird ausgeglichen. Eine spezi­fische Therapie gegen das Coronavirus steht derzeit noch nicht zur Verfügung.

Gibt es Medikamente gegen andere Krankheiten, die auch gegen Covid-19 helfen könnten?

Mittel mit mono­klonalen Antikörpern. Die Bundesregierung hat Ende Januar 2021 beschlossen Medikamente mit sogenannten mono­klonalen Antikörpern für bestimmte Covid-19-Erkrankte zu beschaffen. Die Mittel sollen ab Ende Februar für Patienten zur Verfügung stehen, die einer­seits milde bis moderate Symptome und anderer­seits Risiko­faktoren für einen schweren Verlauf aufweisen.

Die Präparate sind aber in der EU noch nicht zugelassen. Die Europäische Arznei­mittel­agentur Ema über­prüft gerade die Antikörper-Kombination Regn-CoV2 mit den Antikörpern Casirivimab und Imdevimab in einem beschleunigten Zulassungs­verfahren, einem sogenannten Rolling-Review.

Bei mono­klonalen Antikörpern handelt es sich laut Paul-Ehrlich-Institut (Pei) um Proteine, die an bestimmten Oberflächen­strukturen des Coronavirus anbinden. Sie sollen sich dort gegen das Oberflächen-Spike­protein richten, mit dem das Coronavirus in Körperzellen eindringt. Die Therapie mit mono­klonalen Antikörpern könne möglicher­weise helfen, die Virusmenge bei Patienten zu verringern.

Allerdings liegen laut Pei bisher nur begrenzt Informationen über Sicherheit und Wirk­samkeit der Anwendung zur Behand­lung von Covid-19 vor. Nach den Ergeb­nissen einer klinischen Prüfung wurden Patientinnen und Patienten nach einer Behand­lung seltener ins Kranken­haus einge­liefert oder hatten seltener eine Notaufnahme aufgesucht.

Remdesivir. Die Welt­gesund­heits­organisation WHO hat im Herbst seine Einschät­zung zum antiviralen Wirk­stoff Remdesivir aktualisiert und empfiehlt ihn seither nicht mehr, um Menschen mit schwerer Covid-19-Erkrankung zu behandeln. In der EU ist Remdesivir seit dem Sommer für bestimmte Covid-19-Patienten zugelassen. Die Europäische Arzneimittelbehörde Ema hat angekündigt, die Studien­lage erneut zu prüfen.

Remdesivir wurde eigentlich gegen Ebola entwickelt und zeigte auch Effekte gegen Sars und Mers – beide Krankheiten werden auch von Coronaviren ausgelöst. Der Wirk­stoff ist in einem Medikament namens Veklury enthalten und darf nur unter erheblichen Auflagen einge­setzt werden, um Covid-19-Patienten zu behandeln. Diese müssen mindestens 12 Jahre alt sein, mindestens 40 Kilogramm wiegen und an einer Lungen­entzündung erkrankt sein, die eine zusätzliche Sauer­stoff­zufuhr erfordert.

Erste Studien hatten gezeigt, dass Remdesivir bei einigen Covid-19-Patienten mit schwerem Verlauf die Genesung beschleunigen und Klinik­aufenthalte verkürzen kann.

Dexa­methason. Mitte Juni 2020 hat die WHO den Wirk­stoff Dexa­methason als viel­versprechend für Patienten mit schwerem Covid-19-Verlauf beur­teilt. Anlass für den Optimismus geben die vorläufigen Ergeb­nisse der sogenannten Recovery-Studie, die von der Universität Oxford koor­diniert wird.

Danach könnte der Wirk­stoff aus der Gruppe der Glucocorticoide etwa einem Drittel von mecha­nisch beat­meten Covid-19-Patienten das Leben retten und bei Patienten, die Sauer­stoff bekommen, etwa ein Fünftel. Dexa­methason wird schon seit Jahr­zehnten etwa bei schwerem, akutem Asthma oder anaphylaktischem Schock einge­setzt.

Im Internet kursieren Angebote für Medikamente und Nahrungs­ergän­zungs­mittel. Was ist davon zu halten?

Nichts. Die Europäische Medikamentenbehörde EMA warnt davor, Fake-Arznei­mittel von nicht auto­risierten Online-Shops und anderen unseriösen Anbietern zu kaufen. Sie werben damit, dass ihre Produkte Covid-19 vorbeugen oder gar heilen könnten.

Laut EMA sehen die Fake-Arznei­mittel oft aus wie zugelassene Präparate. Sie enthielten aber falsche, falsch dosierte, unwirk­same oder für Medikamente nicht zugelassene Substanzen. Die Inhalts­stoffe könnten der Gesundheit sogar schaden. Verbraucher sollten in stationären Apotheken oder registrierten Versand-Apotheken kaufen (mehr Infos in unserem Test von Versandapotheken).

Ergänzend warnt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vor Nahrungs­ergän­zungs­mitteln, die als Mittel zur Vorbeugung gegen Covid-19 angepriesen werden. Es gebe keine Nahrungs­ergän­zungs­mittel, die eine Infektion mit dem Virus verhindern könnten. Die kritisierten Nahrungs­ergän­zungs­mittel enthalten laut Verbraucherzentrale NRW zum Beispiel Grüntee – beziehungs­weise den Inhalts­stoff Epigallocatechinagallat – Rhodiola (Rosenwurz), Cistus (Zistrosenkraut), Propolis, Kapuzinerkresse, Schwarze Johannis­beere, Kurkuma oder Zimt.

Was ist mit kolloidalem Silber, das einige Anbieter gegen das Coronavirus empfehlen?

Vereinzelt empfehlen Anbieter von kolloidalem Silber – auch Silber­wasser genannt –, ihre Produkte zum Schutz vor dem Coronavirus zu schlu­cken.

Achtung: Solche Wirkungen sind nicht belegt. Bei kolloidalem Silber handelt es sich aus einem Mix von Silber­partikeln und Wasser, der etwa um die Jahr­hundert­wende als äußerlich angewendetes Desinfektions­mittel bekannt war. Die Einnahme von Silber­wasser kann in hohen Dosen sogar kritisch wirken: Erst kürzlich haben die Firmen Kolloidales Silver und Ökonova Natur­kost ihre Flaschen zurück­gerufen. Nach Einnahme der Produkte könnten „gesund­heits­schädliche Wirkungen“ auftreten. Als häufigste Neben­wirkung nennen Behörden grau verfärbte Haut, Schleimhäute und Nägel.

Das Schmerz- und Fieber­mittel Ibuprofen steht unter Verdacht, Covid-19-Verläufe zu verschlimmern. Was ist dran?

Zu Beginn der Pandemie kursierten verschiedene Meldungen, wonach Ibuprofen einen Covid-19-Verlauf verschlimmern könnte. Die Europäische Arzneimittelagentur Ema stellte damals klar: „Es besteht kein wissenschaftlich erwiesener Zusammen­hang zwischen der Einnahme von Ibuprofen und einem schwereren Verlauf einer Corona-Erkrankung.“

Anlass der ganzen Diskussion ist ein Leser­brief vom 11. März 2020 im Fachmagazin The Lancet. Dieser fasst erste Beob­achtungen von Patienten zusammen, die schwer an Covid-19 erkrankt oder daran verstorben waren. Danach litten einige von ihnen an schweren Vorerkrankungen wie etwa Herz­erkrankungen, Blut­hoch­druck oder Diabetes. Die Autoren schließen aus ihren Beob­achtungen und Ergeb­nissen aus der Grund­lagen­forschung, dass bestimmte Medikamente eine Infektion mit Coronaviren befördern könnten. Dazu gehört auch Ibuprofen.

Fazit: Der Artikel aus The Lancet formuliert lediglich Hypothesen, die auf Labor­unter­suchungen und Beob­achtungen einiger weniger Patienten basieren. Es war unklar, ob das Ganze tatsäch­lich eine klinische Bedeutung hat. Wer an Fieber – einem typischen Symptom von Covid-19 – leidet, sollte es ohnehin nicht gleich senken. Fieber unterstützt das körper­eigene Immun­system, Viren abzu­wehren. Wer sehr hohes Fieber senken möchte und sicher­heits­halber eine Alternative zu Ibuprofen sucht, kann auch Paracetamol nehmen – sofern dieser Wirk­stoff für ihn geeignet ist. Paracetamol ist etwa nicht geeignet für Menschen mit Leber­krankheiten und muss genau dosiert werden. Mehr Infos über Nutzen und Risiken von Paracetamol finden Sie in unserer Datenbank Medikamente im Test.

Generell auf Ibuprofen verzichten sollten Patienten, die aufgrund ihres hohen Blut­drucks neben blut­druck­senkenden ACE-Hemmern oder Sartanen auch noch Diuretika einnehmen. Die Kombination der drei Wirk­stoffe kann die Nieren stark schädigen. Ibuprofen ist auch nicht gut für alle, die an Magen- oder Zwölffingerdarm­geschwüren oder Nieren­einschränkungen leiden oder allergisch auf andere nicht­steroidale Antirheumatika (NSAR) reagieren. Patienten sollten vom Arzt verordnete Medikamente keinesfalls auf eigene Faust absetzen – statt­dessen sollten sie mit ihm über ihre Sorgen sprechen.

Können Vitamin-D-Präparate eine Corona-Infektion verhindern?

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) zeigen Beob­achtungs­studien, dass ein Zusammen­hang zwischen einem nied­rigeren Vitamin-D-Status und einem erhöhten Risiko für eine Coronavirus-Infektion sowie für einen schweren Krank­heits­verlauf bestehen könnte. Die Ergeb­nisse reichten jedoch noch nicht für eindeutige Aussagen aus.

Die DGE empfiehlt daher nicht pauschal, Vitamin-D-Präparate einzunehmen – doch im Winter könnten sie möglicher­weise vorbeugende Effekte gegen eine Corona-Infektion und schweres Covid-19 haben. Gerade in den dunklen Monaten sind viele Menschen in Deutsch­land nicht gut genug mit Vitamin-D versorgt, weil das Tages­licht für eine angemessene Vitamin-D-Bildung im Körper nicht reicht.

Die Einnahme von 20 Mikrogramm (800 Interna­tionale Einheiten) an Vitamin D pro Tag kann zur besseren Vitamin-D-Versorgung beitragen und gilt als unbe­denk­lich. Tages­dosen ab 100 Mikrogramm sollten ärzt­lich abge­stimmt sein. Mehr zum Thema in unseren FAQ Vitamin D.

Über­tragungs­risiken zwischen Mensch und Tier

Wie gefähr­lich ist es, wenn das Virus in Nerzen mutiert?

In Dänemark ist im November 2020 aufgefallen, dass auf zahlreichen Nerzfarmen Nerze mit einer Variante von Sars-CoV-2 infiziert waren. Einige Menschen mit Kontakt zu den Farmen hatten sich bereits damit angesteckt – allerdings verliefen die Infektionen ungewöhnlich. Experten befürchteten zunächst, dass die derzeit entwickelten Impf­stoffe nicht gegen die mutierten Viren wirken könnten. Doch dafür fehlen laut Friedrich-Löffler-Institut belast­bare wissenschaftlich Beweise.

Es sei noch offen, ob die beob­achteten Varianten wirk­lich weitergehende Veränderungen der Biologie von Sars-CoV-2 zur Folge hätten. Vorsorglich haben die dänischen Behörden das Keulen von Millionen von Nerzen ange­ordnet, um eine Ausbreitung der Variante in der Region Jütland einzudämmen.

Können Hunde und Katzen das Coronavirus auf den Menschen über­tragen?

Bisher haben sich laut Friedrich-Löffler-Institut Hunde, Katzen, Kanin­chen, Gold­hamster und Frett­chen als empfäng­lich für Sars-CoV-2 erwiesen. Meer­schweinchen ließen sich nicht mit dem Virus infizieren. Trotzdem gäbe es bisher keine Hinweise darauf, dass Haustiere wie Hunde oder Katzen eine Rolle bei der Verbreitung von Sars-CoV-2 spielen.

Können sich Hunde und Katzen bei infizierten Menschen anste­cken?

Da gibt es Unterschiede. Während für Hunde laut Friedrich-Löffler-Institut (FLI) keine wissenschaftlich belast­baren und epidemiologisch relevanten Hinweise vorliegen, dass der Mensch sie infizieren könnte, gibt es für Katzen inzwischen verschiedene Nach­weise: Mehrere Länder haben virus­positive Katzen gemeldet, welche zum Teil Krank­heits­symptome zeigten.

In experimentellen Studien aus China ließen sich Katzen sowie marder­artige Frett­chen mit Sars-CoV-2 infizieren. Diese Tiere konnten das Virus unter besonderen Versuchs­bedingungen an Artgenossen weitergeben. Das hat das FLI eigenen Angaben zufolge ebenfalls für Frett­chen nachgewiesen.

Das FLI betont: „Diese Studien und gemeldeten Fälle erlauben allerdings keine Rück­schlüsse darauf, ob Katzen und Frett­chen Virusmengen ausscheiden, die für eine Infektion des Menschen ausreichen.“

Tipp: Infizierte Personen sollte beim Kontakt zu ihren Haustieren besonders auf Hygiene achten, engen Kontakt möglichst vermeiden, die Tiere nicht anhusten oder anniesen und sich von den Tieren nicht durchs Gesicht lecken lassen.

Was hat es auf sich mit der Melde­pflicht für Haustiere, die mit dem Coronavirus infiziert sind?

Seit Juli 2020 gilt eine Verordnung, nach der positive Befunde von Corona-Tests bei Haustieren melde­pflichtig sind. Das heißt, dass die Halter dieser Tiere die Infektion etwa dem zuständigen Veterinär­amt melden müssen. Es besteht aber keine Pflicht, seine Tiere testen zu lassen.

Ein Test gilt laut Bundes­ministerium für Land­wirt­schaft nur unter bestimmten Bedingungen als sinn­voll – zum Beispiel, wenn eine Katze in einem Haushalt mit infizierten Menschen lebe und typische Symptome zeige. Wer ein erkranktes Tier hat, soll direkt mit seinem Tier­arzt, der Veterinärbehörde oder dem Gesund­heits­amt vor Ort Kontakt aufnehmen. Dort erfahren die Tierhalter, ob und wo ein Tier getestet werden kann.

Positiv getestete Tiere sollten mindestens 14 Tage isoliert werden und keinen engen Kontakt zu Menschen und anderen Tieren mehr haben. Die zuständigen Behörden vor Ort sollen positive Test­ergeb­nisse an das Bundes­land­wirt­schafts­ministerium weiter melden. Die Infos sollen helfen, mehr Klarheit über das Vorkommen und die Ausbreitung von Corona-Infektionen bei Haustieren zu erhalten.

Können Nutztiere das Coronavirus auf den Menschen über­tragen?

Laut Friedrich-Löffler-Institut (FLI) liegen bislang keine Hinweise vor, dass Nutztiere wie Schweine und Hühner eine Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Das Institut hat Studien durch­geführt, wie empfäng­lich die Tiere gegen­über Sars-CoV-2 sind. Die Ergeb­nisse zeigten, dass sich weder Schweine noch Hühner, Enten und Puten infizieren lassen. Rinder jedoch wiesen eine geringe Empfäng­lich­keit auf, könnten das Virus aber nicht weitergeben.

Dieses Special wird regel­mäßig aktualisiert. Jüngstes Update: 4. Juni 2021.

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