Cookie-Banner im Test Welche Webseiten gut informieren – und welche tricksen

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Cookie-Banner im Test - Welche Webseiten gut informieren – und welche tricksen
Großer Unterschied: Beim Klick auf „Alle akzeptieren“ werden auf chip.de etwa 150 Cookies aktiv. Wählt der Nutzer „Einstel­lungen“ und danach „Auswahl speichern“, sind es rund 25. © Benjamin Pritzkuleit

Per Cookie-Banner lassen sich viele Cookies stoppen. Wie leicht das geht und wie trans­parent die Banner informieren, hat die Stiftung Warentest auf 35 Websites geprüft.

Cookie-Banner im Test Welche Webseiten gut informieren – und welche tricksen

Was sind Cookies?

Kleine Dateien, die beim Besuch einer Website auf dem Rechner abge­legt werden. Ruft der Nutzer die Seite erneut auf, wird sein Rechner am Cookie wieder­erkannt. Cookies können viele nützliche Funk­tionen haben. Oft forschen sie aber das Surf­verhalten von Menschen aus, damit Firmen Werbung auf deren Interessen zuschneiden können. Aus Verbrauchersicht sollten Websites idealer­weise mit möglichst wenigen tech­nisch nicht nötigen Cookies auskommen, im Banner mit neutralen Schalt­flächen arbeiten und ihre Nutzer klar, verständlich und ausführ­lich informieren.

Zwei Klicks für mehr Daten­schutz

Sie mögen viele Nutzer nerven, doch für den Daten­schutz sind sie ein Segen: Cookie-Banner tauchen auf vielen Websites auf, da Seiten­betreiber die Zustimmung des Besuchers brauchen, um dessen Surf­verhalten auszuforschen. Wer seine Privatsphäre online schützen will, klickt nicht auf den „Alle-akzeptieren“-Button, sondern auf „Einstel­lungen“ oder eine ähnlich benannte Schalt­fläche. Dann einfach die dortigen Voreinstel­lungen speichern – und schon sind mit nur zwei Klicks viele Cookies ausgesperrt, manchmal mehr als 100.

Wenn Cookie-Banner gegen Gesetze verstoßen

[Update 17.09.2021] Rund zehn Prozent klar rechts­widrige Cookie-Banner: Das ist das Ergebnis einer Unter­suchung von Verbraucherzentralen, deren Bundes­verband vzbv, des Verbraucher­service Bayern und des Bund der Versicherten. Untersucht wurden 949 Websites von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Die Cookie-Banner oder das Tracking verstießen demnach in rund zehn Prozent der Fälle klar gegen das Telemediengesetz und die EU-Daten­schutz­grund­ver­ordnung (DSGVO). So etwa beim Essens­liefer­dienst Lieferando, dem Streaming­dienst Napster und der Fitness­studio-Kette Ai Fitness. An die verantwort­lichen Firmen seien insgesamt 98 Abmahnungen gegangen, so der vzbv. Neben eindeutigen Verstößen bewegten sich viele Banner in einer Grauzone. Tipps und Infos zum Erkennen manipulativer Cookie-Banner gibts auf verbraucherzentrale.de.

Stiftung Warentest prüft 35 populäre Websites

Der Testbe­richt zeigt mit praktischen Anleitungen, wie genau das funk­tioniert. Doch wie leicht machen es Websites den Besuchern, diese daten­spar­same Variante zu wählen? Und wie informieren sie Verbraucher über Zweck, Herkunft und Lauf­zeit der Cookies? Das hat die Stiftung Warentest auf 35 populären Websites geprüft – darunter etwa die Seiten von Amazon, Deutsche Bahn, Spiegel und Zalando.

Cookie-Banner im Check – das bietet unser Test

  • Test­ergeb­nisse. Zwei Tabellen zeigen, wie nutzerfreundlich die Cookie-Banner von Info-Seiten, Video-Seiten und Onlineshops sind. Zu den 35 von der Stiftung Warentest geprüften Seiten gehören Bild, Check24, Ebay, FAZ, Kicker und Vimeo.
  • Praktische Anleitungen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihre Privatsphäre im Web schützen und nur solche Cookies zulassen, mit denen Sie einverstanden sind.
  • Hintergrund und Tipps. Sie erfahren, warum Gratis-Seiten mehr tracken als Shops, welche Tricks manche Websites anwenden und warum wir Youtube nicht bewertet haben.
  • Heft­artikel. Wenn Sie das Thema frei­schalten, erhalten Sie Zugriff auf die PDFs zum Testbe­richt aus test 5/2021 und zu einem weiteren Artikel zum Thema aus test 12/2020.

Design verleitet viele Surfer

Neben der Frage, ob Websites auch bei daten­spar­samen Einstel­lungen noch tech­nisch nicht nötige Cookies verwenden, haben wir uns im Test unter anderem dem Design der Cookie-Banner gewidmet. Die Banner sind oft so gestaltet, dass sie Nutzer dazu verleiten, weniger daten­spar­same Optionen zu gestatten: So ist der „Alle-akzeptieren“-Button häufig knall­rot, während sich die daten­schutz­freundlichen Einstel­lungen hinter einer relativ unscheinbaren Schalt­fläche verbergen. Wir fanden allerdings auch einige positive Beispiele – etwa Websites, die farblich neutrale Buttons verwenden oder einen Schalter anbieten, der mit nur einem einzigen Klick daten­spar­same Einstel­lungen ermöglicht – wie das übrigens auch bei ­test.de der Fall ist.

Manche Banner erscheinen immer wieder

Zu den Ärger­nissen zählt für viele Surfer auch, dass die Banner mancher Seiten nicht nur beim ersten Besuch erscheinen, sondern immer und immer wieder. Das liegt oft daran, dass die Betreiber in regel­mäßigen Abständen erneut anfragen wollen. Es kann aber etwa auch darauf zurück­zuführen sein, dass die Seite neue Tracker ergänzt hat, dass der Nutzer mit einem anderen Gerät oder Browser surft als zuvor oder dass er den Inkognitomodus des Browsers verwendet.

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Gerichte bremsen Cookies aus

Dass Internetnutzer über die Banner viel leichter etwas gegen Cookies unternehmen können als zuvor, ist übrigens dem Europäischen Gerichts­hof (Az.: C-673/17) und dem Bundes­gerichts­hof (Az.: I ZR 7/16) zu verdanken: Nach Urteilen der beiden Gerichte müssen Websites stan­dard­mäßig fast alle Cookies deaktivieren – tech­nisch notwendige sind aber erlaubt. Erst wenn der Nutzer aktiv zustimmt (Opt-in), darf die Seite weitere Cookies setzen, etwa für Werbe­zwecke. Vor den Gerichts­urteilen lief es meist andersrum: Die Cookies waren vorab akti­viert. Einige ließen sich zwar abschalten (Opt-out), doch viele Surfer wussten nicht, wie das geht. Die neue Regelung ist da deutlich verbraucherfreundlicher.

Tipps für den Umgang mit Cookie-Bannern

Mit nur zwei Klicks blockieren So können Sie viele Daten­sammler aussperren: Klicken Sie nicht auf „Alle akzeptieren“, sondern auf „Einstel­lungen“ oder „Optionen“. Speichern Sie dann die voreinge­stellten Optionen.

Nicht nur auf Blocker vertrauen Falls Sie Tracking-Blocker wie Adblock Plus, Ghostery, uBlock – oder Browser-Einstel­lungen – gegen Daten­sammler einsetzen, sollten Sie trotzdem auch mit Cookie-Bannern dagegen vorgehen. Blocker und Browser helfen nur begrenzt.

Cookies nicht über­all verbieten Gerade bei Seiten, die Ihnen viele Inhalte kostenlos liefern, kann es sinn­voll sein, etwas Tracking zu gestatten. Viele Gratis-Inhalte werden über Tracking und Werbung finanziert. Ohne diese Einkünfte müssten zahlreiche Seiten Geld verlangen. Und je stärker Nutzer gegen Cookies vorgehen, desto eher dürften Anbieter auf andere Tracking-Techniken umsteigen, gegen die Surfer wenig tun können.

Weitere Tipps Was Sie noch für Ihre digitale Privatsphäre tun können, erfahren Sie in unserem Test Privatsphäre im Netz und in unserem Special Sicher surfen: Cookies löschen, Browser richtig einstellen.

Nutzer­kommentare, die vor dem 28. April 2021 gepostet wurden, beziehen sich auf ein früheres Special zum selben Thema.

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24 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

michaelnester am 26.01.2022 um 10:50 Uhr

Kommentar vom Administrator gelöscht. Grund: Schleichwerbung

Profilbild Stiftung_Warentest am 12.01.2022 um 16:56 Uhr
"Design verleitet viele Nutzer"/ Zustimmung ändern

@ket-noi: Sie können Ihre Einstellungen für test.de ändern, indem Sie links unten im Browser auf das Fingerabdruck-Symbol klicken.

ket-noi am 12.01.2022 um 16:42 Uhr
"Design verleitet viele Nutzer"/ Zustimmung ändern

Ich finde den Artikel sehr interessant, wundere mich allerdings, dass
a) beim Aufruf von "test.de" der Alle auswählen-Button auch farbig hervorgehoben und nicht neutral gehalten ist und
b) am Fuß der Seite keine Möglichkeit zur nachträglichen Änderung der Datenschutzeinstellungen zu finden ist.

paulchen23 am 11.08.2021 um 16:44 Uhr
Berechtigte Interessen

Ich war bisher davon ausgegangen, mir die meisten Cookies über den im Heft beschriebenen Weg: "Einstellungen und Speichern" vom Hals zu halten.

Dann sind meist nur die technisch nötigen Cookies aktiviert und alle anderen deaktiviert. Leider reicht auch dies nicht mehr aus, denn hinter "berechtigtem Interesse" sind wieder diverse Cookies standardmäßig AKTIV geschaltet - ein Unding!
Dieses Katz und Maus "Spiel" sollte in einem neuen Test-Artikel publik gemacht werden, am Besten mit Nennung der "kreativen" Firmen.
Für technisch Informierte geht es dann wohl nicht ohne Lösungen wie pi-hole.

dadax am 06.06.2021 um 20:05 Uhr
Mut zur Kritik, liebe "test"-Redaktion! (1von2)

Lob und dank dafür, dass "test" dieses virulente Thema aufgreift -- während in den unendlichen Weiten des WWW bisher kaum jemand sonst auf diese Idee gekommen ist. Unbegreiflich! Mehr Mut zur Kritik an die richtige Adresse sei "test" allerdings anempfohlen: an den Gesetzgeber. Schwer zu verstehen, dass er mit der Datenschutzgrundverordnung selbstzufrieden auf halber Strecke stehen bleibt und Millionen überforderte User einer blühenden Umgehungs-Kreativität des Marktes überlässt.
Die einen bauen ganz einfach und effektiv Fremdsprachenhürden auf, andere verschachteln ihre "Cookie-Informationen" so trickreich, dass Detektivarbeit nötig wird, um hinter scheinbar schon deaktivierten Rubriken noch jede Menge versteckter Zustimmungen zu "Berechtigten Interessen" aufzuspüren und dort mit Glück aufwändig zu deaktivieren. www.n-tv.de ist eines von zahllosen traurigen Beispielen dafür. Schwer zu verstehen, dass ich nach Abwahl aller abwählbaren Optionen immer noch nicht wirklich weiß,
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