Container als Geld­anlage sind ein Milliardenmarkt. Unser erster Test zeigt aber: Fast alle aktuellen Angebote sind mangelhaft.

Container sind angeblich für Privat­anleger „solide Kapital­anlagen“ und „Investitionen in den Wachs­tums­markt interna­tionale Logistik“ – jedenfalls in der Werbung der Anbieterin Solvium Capital GmbH. Auch die beiden anderen Anbieter solcher Trans­portbehälter umgarnen Interes­senten mit zum Teil festen Auszahlungen und über­schaubaren Lauf­zeiten.

Das Geschäfts­modell: Anleger kaufen Container. Ihre Vertrags­partner kümmern sich für zwei bis gut fünf Jahre um alles rund um die Vermietung und bieten an, die Trans­portbehälter danach zurück­zukaufen. Abwerfen soll das etwa 3 bis 5 Prozent pro Jahr. Über die Jahre haben Zehn­tausende Anleger Container-Anbietern Milliarden in dem lange völlig unregulierten Markt anver­traut.

Seit Jahres­beginn sind Verkaufs­prospekte nach festen Regeln Pflicht. Finanztest hat erst­mals alle aktuellen Angebote der drei Anbieter auf dem Markt untersucht. Trotz Regulierung kam nur eines knapp über ein Mangelhaft hinaus. Fazit: Die Risiken im Verhältnis zu den Rendite­chancen sind zu hoch.

Unser Rat

Investment. Nur ein Container-Direkt­investment im Test erhielt die Note ausreichend, die anderen vier sind mangelhaft (Testergebnisse). Wir raten ab. Wenn Sie aber in Container investieren wollen, lesen Sie mindestens das Vermögens­anlagen-Informations­blatt, besser noch den Verkaufs­prospekt. Beachten Sie vor allem die Beschreibung der Risiken und die Informationen zur wirt­schaftlichen Lage des Unter­nehmens, das Mieten, Leasingraten oder Rück­kauf­preise zahlen soll.

Risiko. Container-Direkt­investments sind riskant und sollten höchs­tens einen kleinen Teil Ihres Vermögens ausmachen. Gerät der Welt­handel in die Krise, sinkt die Nach­frage nach Containern, das Preis- und Miet­niveau sinkt. Ihr Anbieter kann bei Vertrags­ende eventuell den Rück­kaufs­preis nicht oder nicht in erwarteter Höhe zahlen.

Lauf­zeit. Investieren Sie nur, wenn Sie das Geld während der Lauf­zeit nicht brauchen und Sie dessen Total­verlust verkraften könnten. Bei Direkt­investments ist es in der Regel schwierig, unmöglich oder zumindest sehr unvor­teilhaft, vorzeitig auszusteigen.

Anleger haben keinen Einfluss

Im Prüf­punkt „Investitions­objekt und Vermietung“ gab es über­all nur ein Ausreichend. Container und Wechselkoffer sind zwar vielfältig einsetz­bare Investitions­objekte. Das Geschäft bestimmen aber nicht die Anleger als Eigentümer. Sie sind abhängig von den Emittenten der Vermögens­anlage, also den Anbietern selbst oder einer Gesell­schaft aus ihrem Unter­nehmens­verbund, und von deren Vertrags­part­nern. Denn Containernutzer wie Reedereien und große Logistikfirmen geben sich nicht mit Privat­anlegern ab, denen einzelne Stahlkisten gehören.

Wenig über­zeugend war auch das Ergebnis im Prüf­punkt „Ertrag und Risiko“. Nur die Wechselkoffer von Solvium waren ausreichend, weil sie in der Euro-Zone einge­setzt werden. Bei den anderen Anbietern besteht ein Wechsel­kurs­risiko, denn interna­tional dominiert der US-Dollar im Container-Geschäft. Und eine ausreichende Währung­absicherung war nicht erkenn­bar.

Angaben zur Finanzlage im Prospekt

Für Anleger ist entscheidend, ob ihre Vertrags­partner die Mieten und die Rück­kauf­preise zahlen können. Angaben zur finanziellen Lage sind daher Pflicht.

Die Emittenten weisen darauf hin, dass sie ihre Zahlungs­verpflichtungen nur erfüllen können, wenn dies ihre Vertrags­partner tun, die die Mieten erwirt­schaften und sich um die Finanzierung der Rück­käufe kümmern. Die Angaben zu deren wirt­schaftlicher Lage waren bei Buss und Solvium so mager, dass Anleger sie nicht beur­teilen können.

Bei P&R ließen sie Fragen offen. Der wichtigste Vertrags­partner P&R Equipment & Finance Corp. aus der Schweiz muss künftig hohe finanzielle Verpflichtungen erfüllen (siehe Special Direktinvestments in Container). P&R betonte auf Nach­frage, seit mehr als 40 Jahren alle Versprechen erfüllt zu haben, äußert sich aber nicht dazu, woher die Mittel für die Verpflichtungen kommen sollen.

Das finanzielle Risiko ist keineswegs bloße Theorie: Im Verbund von Buss hatten Anleger schon Einbußen. Ihre Offshore-Container zur Versorgung von Ölbohr­platt­formen erzielten bei Weitem nicht die erhofften Mieten. Ein anderer Anbieter, Magellan, meldete sogar Insolvenz an (siehe Interview).

Die Emittenten sind zudem oft in irgend­einer Form mit Gesell­schaften verbunden, von denen sie die Container beziehen oder über die sie sie weitervermieten (siehe Grafik und Special Direktinvestments in Container). Das birgt die Gefahr, dass Entscheidungen nicht im Sinne der Anleger ausfallen – auch das floss negativ bei „Ertrag und Risiko“ ein.

Anleger dürfen nichts mitbestimmen

Schlecht sieht es auch bei den Verträgen und Rechten aus (Prüf­punkt „Kontrolle und Vertrag“). Anleger haben keine Informations- und Mitbestimmungs­rechte. Sie müssen sogar eine Zustimmung einholen, wenn sie ihre Trans­portbehälter jemandem über­tragen wollen. Nur Buss verzichtet darauf. Es gibt keine Mittel­verwendungs­kontrolleure.

In keinem Fall waren alle wichtigen Verträge im Prospekt abge­druckt, zum Beispiel die mit den Gesell­schaften, die sich um die Vermietung kümmern. Bei Buss und Solvium enthielten sie nur Jahres­abschlüsse der Emittenten selbst, nicht aber die wesentlicher Vertrags­partner. Nur Buss schafft hier knapp ein Ausreichend – durch ein Prospekt­gut­achten. Ein Wirt­schafts­prüfer hat also über­prüft, ob die Darstellung im Prospekt mit den zugrunde liegenden Unterlagen wie Miet- und Kauf­verträgen über­einstimmt.

Das ist nicht vorgeschrieben, wir halten es aber für wichtig, weil sonst keiner die Prospekt­angaben so genau über­prüft. Containeranbieter müssen zwar ihre Prospekte der Bundes­anstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (Bafin) vorlegen. Diese prüft aber nur formal, ob Mindest­angaben enthalten, verständlich und wider­spruchs­frei sind. Die Trag­fähig­keit des Geschäfts­modells unter­suchen weder Bafin noch Wirt­schafts­prüfer.

Wechsel­kurs­risiko weggelassen

Vorgeschrieben sind Vermögens­anlagen-Informations­blätter (VIB), die auf drei Seiten die wesentlichen Angaben bündeln. Das erfüllen die Blätter im Test nicht. So fehlen Merkmale wie Alter und Zustand der Container, Rendite­angaben und Informationen, wie sich Abweichungen bei wichtigen Faktoren auswirken. P&R lässt das Währungs­risiko weg. Vertrauen­erweckend ist das alles nicht.

Mehr Informationen finden Sie in unserem Special Direktinvestments in Container.

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