Container

P&R-Pleite: Antworten auf Ihre Fragen

Container - Insolvenz­anträge beim Markt­führer P&R

Am 19. März 2018 hat das Amts­gericht München das vorläufige Insolvenz­verfahren über drei Gesell­schaften aus der P&R-Unter­nehmens­gruppe eröffnet, am 26. April folgten zwei weitere Gesell­schaften. Sie haben Privat­anlegern viele Jahre lang neue oder gebrauchte Container verkauft, sie von ihnen gemietet und ihnen nach der vereinbarten Lauf­zeit den Rück­kauf angeboten. P&R führte den Containermarkt mit weitem Abstand an. Die Geldexperten der Stiftung Warentest beant­worten die wichtigsten Fragen zur Pleite.

Inhalt

Finanztest bewertete Container­angebote als mangelhaft

Nach Insolvenz der drei Gesell­schaften P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, P&R Gebraucht­container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH sowie P&R Container Leasing GmbH hatten die vorläufigen Insolvenz­verwalter von der Kanzlei Jaffé in München angekündigt, den Betrieb erst einmal fortführen zu wollen. Die Wirt­schafts­prüfungs­gesell­schaft PricewaterhouseCoo­pers arbeitet das Zahlen­werk auf. Auch für die am 26. April in Insolvenz gegangenen P&R Trans­port-Container GmbH und P&R AG strebt die Kanzlei Jaffé als vorläufiger Insolvenz­verwalter die Fortführung an.

Die P&R Trans­port-Container GmbH hatte bis März 2018 Container­angebote an Privat­anleger aufgelegt, zwei hat Finanztest im Dezember 2017 mit mangelhaft bewertet (Test Container kaufen).

Alles über die P&R-Insolvenz

Grund­legende Informationen zur Pleite

Informationen. Die insolventen Gesell­schaften informieren im Internet unter Frachtcontainer-inso.de über den aktuellen Stand.

Eigentum. Achten Sie vor allem darauf, ob die (vorläufigen) Insolvenz­verwalter Sie als Eigentümer der Container anerkennen. Versuchen Sie aber nicht, Ihre Container selbst zu verwerten.

Gläubiger. Als Kunde einer insolventen P&R-Gesell­schaft sind Sie Gläubiger und sollten Ihre Forderungen anmelden, wenn das Insolvenz­verfahren eröffnet ist. Sie dürfen an Gläubiger­versamm­lungen teilnehmen und mit abstimmen.

Warum haben die genannten P&R-Gesell­schaften Insolvenz angemeldet?

Nach eigener Darstellung können die Gesell­schaften fällige Mieten nicht zahlen und Container nicht zu den Preisen zurück­kaufen, die sie Anlegern in Aussicht gestellt hatten: „Trotz der sich verschlechternden Wirt­schafts­lage hatten die P&R Gesell­schaften den Anlegern in den letzten Jahren weiterhin die bei Vertrags­schluss prognostizierten hohen Rück­kaufs­preise bezahlt. Dabei wurden die vorhandenen stillen Reserven aufgebraucht.“ P&R hat Anlegern also jahre­lang mehr gezahlt, als am Markt erziel­bar war.

Hätten Anleger merken können, dass P&R so vorging?

Anleger hatten wenig Einblick, denn P&R hielt sie mit Informationen kurz. Als Warnzeichen hätte aber ein Makel dienen können: Der Wirt­schafts­prüfer schränkte jahre­lang den Bestätigungs­vermerk bei den drei insolventen Gesell­schaften ein, weil sie in ihren Jahres­abschlüssen nicht einmal alle Angaben zu finanziellen Verpflichtungen veröffent­lichten. Selbst in den umfang­reichen Verkaufs­prospekten der P&R Trans­port-Container GmbH war nichts Konkretes zu Markt­preisen und -mieten zu finden.

Droht Anlegern wegen der Container eine Privat­insolvenz?

In Unterlagen zu P&R-Container­angeboten ist die Rede vom Risiko eines Total­verlusts und sogar der Gefähr­dung des sons­tigen Vermögens des Anlegers bis hin zur Privat­insolvenz. Das hat viele aufgeschreckt. Sie haften aber nicht für Schulden der P&R-Gesell­schaften, sondern höchs­tens für direkte Kosten ihres Containers, zum Beispiel Stand­gebühren und Versicherungs­prämien. Die vorläufigen Insolvenz­verwalter beruhigten auf Finanztest-Nach­frage: Eine Haftung der Anleger für die Container erscheine „aus heutiger Sicht unwahr­scheinlich“.

Verlieren Anleger ihr ganzes Geld, das sie investiert haben?

Sie müssen sich auf Einbußen einstellen, aber ein Total­verlust ist eher unwahr­scheinlich. Die Container erzielen Miet­einnahmen und haben einen Wert. Rechnen müssen die Anleger aber mit Querelen. Als der Containeranbieter Magellan Maritim Services 2016 insolvent wurde, zweifelte der Insolvenz­verwalter zunächst an, dass den Anlegern die Mieten und das Eigentum an den Containern zustehen. Nach heftigem Protest setzten sie sich durch. Rechts­anwalt Peter Mattil aus München, der als Vertreter der Anleger dem Gläubiger­ausschuss bei Magellan angehört, resümiert: „Falls die Insolvenz­verwalter das Eigentum der Anleger anerkennen, müssen die Anleger zwar mit Einbußen rechnen, aber nicht unbe­dingt mit einem Total­verlust.“

Im Fall P&R bleibt aber eine weitere Hürde: Das operative Geschäft betreibt die P&R Equipment & Finance Corp. aus der Schweiz. Sie kauft und verkauft die Container am Markt und vermietet sie an Containernutzer. Es steht zu erwarten, dass nicht insolvente P&R-Gesell­schaften, die (vorläufigen) Insolvenz­verwalter und Anleger darum streiten werden, wem welche Vermögens­werte zustehen. Dass P&R Equipment & Finance im Ausland sitzt, macht die Lage nicht einfacher.

Müssen Anleger von P&R ausgezahltes Geld zurück­zahlen?

Insolvenz­verwalter haben unter bestimmten Umständen das Recht, Zahlungen aus der Zeit vor dem Insolvenz­antrag zurück­zufordern. In diesem Fall beruhigen sie: Das erscheine, „aus heutiger Sicht unwahr­scheinlich“.

Können Anleger ihre Container selbst verkaufen?

Verwertungs­versuche auf eigene Faust sind sinn­los. Mit Eigentümern weniger Container geben sich die Markt­teilnehmer nicht ab. Ein anderer Weg ist gerade versperrt: Seit Herbst 2017 bot die Deutsche Zweitmarkt AG in Hamburg an, Direkt­investments wie Container über ihre Platt­form zu handeln. Das ist bei den P&R-Angeboten aber derzeit nicht mehr möglich. Der Handel ist wegen der unklaren Lage ausgesetzt.

Seit 2017 gelten strengere Regeln für Container. Was bringt das?

Der Fall P&R zeigt, dass die strengere Regulierung über­fällig war. In den Jahr­zehnten zuvor speiste P&R Interes­senten mit wenig Informationen ab. Erst durch die Verkaufs­prospekte bekamen sie mehr Einblick in das Geschäft und Zugang zu aktuel­leren Unter­nehmens­zahlen, auch wenn immer noch Fragen offenblieben. Welche Probleme Anleger des insolventen Containeranbieters Magellan hatten, lesen Sie im Special Direktinvestments in Container, Finanztest 8/2016.

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4 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Profilbild Stiftung_Warentest am 04.05.2018 um 09:12 Uhr
P&R

@ahviny12: Es haben alle DEUTSCHEN P&R-Gesellschaften Insolvenz angemeldet, nicht aber die Schweizer P&R Equipment & Finance, die das operative Geschäft durchführte. (TK)

ahviny12 am 03.05.2018 um 18:14 Uhr
P&R Bankruptcy

So have all the P&R companies filed for insolvency at this point? BTW I am looking to connect with investors of P&R. My email is ahviny1@gmail.com

Xamalion am 03.04.2018 um 01:42 Uhr
An GerdGandalf

Meinem Vater geht es genauso, allerdings hat er das Geld bereits abgeschrieben und sich damit abgefunden. Da er es investiert hatte und das Modell 20 Jahre gut lief, verhungert er deswegen jetzt nicht. Sollte doch noch etwas über die Insolvenzverwaltung zu machen sein wäre es schön. Ich vermute mal es geht Ihnen ähnlich, wenn sie so viel Geld im Kreislauf halten haben sie es ja nicht bitter nötig, war wohl eher ein schöner Notgroschen. Daher würde ich Ihnen empfehlen das erstmal hinzunehmen. Diese ganzen Kanzleien stürzen sich jetzt wie die Aasgeier auf die Insolvenzopfer, aber das sollte man ignorieren. Letztlich ist das wie mit Aktien, wenn sie mal nichts mehr wert sind ist die Kohle eben auch futsch. Nichts ist ohne Risiko.

GerdGandalf am 28.03.2018 um 20:45 Uhr
P&R-Pleite

Hallo, habe ebenfalls in Container investiert. Über viele Jahre ohne Probleme. Mit der Pleite droht mir ein Verlust im mittleren 5-stelligen Bereich. Viele Anwaltskanzleien bieten bereits „Unterstützung“ an. Fühle mich hier aber völlig hilflos, da ich einerseits den drohenden Verlust sehe und andererseits zusätzliche Kosten durch möglicherweise unseriöse Kanzleien. Weiterhin gibt es unterschiedliche Ratschläge wie schnell Betroffene und wie reagieren sollen. Wer weiß Rat?