Haarspülungen im Test

„Ein Haar wie neu kriegen wir leider nicht hin“

Haarspülungen im Test - Güns­tige Conditioner vor teuren Marken­produkten
Professor Thomas Gassenmeier ist Dekan des Fach­bereichs Life Science Technologies an der Hoch­schule Ostwest­falen-Lippe. © Arthur Isaak

Professor Thomas Gassenmeier lehrt im Studien­gang „Technologie der Kosmetika und Wasch­mittel“. Er weiß, was Haare schädigt, wie Spülungen helfen können und wo ihre Grenzen liegen.

Haarspülungen im Test Testergebnisse für 17 Haar­spü­lungen 02/2019

Inhalt

Herr Gassenmeier, wie unterscheidet sich gesundes von geschädigtem Haar?

Haar ist aus zwei großen Struktur­elementen aufgebaut. Innen haben wir den sogenannten Kortex, der wesentlich aus Keratinen besteht, und außen die Kutikula, eine Schuppen­schicht. Die dachziegel­artig ange­ordneten Schuppen sind bei gesundem Haar an der Oberfläche angelegt. Bei geschädigtem Haar spreizen sie sich vermehrt ab. Im Haar­inneren kann das Keratin geschädigt sein. Beides hat verschiedene Effekte.

Welche sind das?

Ist das Haar äußerlich geschädigt, lässt es sich zum Beispiel schwerer kämmen. Außerdem wird weniger Licht an der Haar­oberfläche reflektiert, dafür aber mehr gestreut. Dadurch glänzt das Haar weniger. Und es fühlt sich rauer an als gesundes Haar. Sind die Keratine im Inneren geschädigt, nimmt die Haar­festig­keit ab, also die mecha­nische Widerstands­fähig­keit des Haares. Die Folge sind Haarbruch oder Spliss.

Was sind die häufigsten Ursachen für geschädigte Haare?

Eine große Rolle spielen zum Beispiel Anwendungen wie Blondier­mittel, permanente Haar­farben oder Dauer­well­mittel. Neben dem erwünschten Effekt, etwa dem Entfärben der Haare beim Blondieren, schädigen diese harscheren kosmetischen Behand­lungen immer auch die Haar­struktur.

Haarspülungen im Test Testergebnisse für 17 Haar­spü­lungen 02/2019

Wer kein gefärbtes oder dauer­gewelltes Haar hat, ist auf der sicheren Seite?

Nein, auch der normale Alterungs­prozess unserer Haare ist relevant. Dazu muss man wissen, dass Haare ganz lang­sam wachsen. Das Kopf­haar nur etwa einen Zenti­meter pro Monat. Dreißig Zenti­meter langes Haar ist in den Spitzen also älter als zwei Jahre. In dieser Zeit wird das Haar unzäh­lige Male gewaschen, gekämmt und mitunter auch oft geföhnt. Außerdem hat es zwei Sommer erlebt und damit viel Sonne und UV-Licht abbe­kommen. All das führt zu ähnlichen Schädigungen wie durch die kosmetischen Anwendungen. Auch ohne jedes Blondier­mittel werden Haare über die Jahre natürlicher­weise strapaziert.

Was ist der Unterschied zwischen einem Shampoo und einem Conditioner?

Kurz gesagt: Shampoo reinigt die Haare. Haupt­zweck eines Conditioners ist es, Haare zu pflegen oder auch zu konditionieren, also ihren Zustand zu verbessern.

Wie funk­tioniert ein Conditioner im Gegen­satz zum Shampoo?

Ein Shampoo reinigt mit negativ geladenen, wasch­aktiven Substanzen, sogenannten anio­nischen Tensiden. Beim Conditioner sind dagegen katio­nische Tenside wert­bestimmend, also positiv geladene Substanzen. Sie werden von der Haar­oberfläche quasi angezogen, gerade da, wo der Schaden am größten ist. Die Haar­oberfläche ist nämlich negativ geladen. An geschädigten Stellen ist die negative Ladung am stärksten.

Was bewirkt ein Conditioner im Haar?

Das Nützlichste ist die starke Reduktion der Kamm­kräfte, also der Kraft, die aufgewendet werden muss, die Haare zu kämmen. Ein guter Conditioner kann sie bei nassem Haar um mehr als 80 Prozent reduzieren.

Kann geschädigtes Haar wirk­lich repariert werden?

Da muss man differenzieren. Ich halte es nicht für möglich, ein geschädigtes Haar durch eine Spülung wieder in einen Zustand wie neu gewachsen zu bringen. Das kriegen wir leider nicht hin. Aber die Eigenschaften können wir dem wieder annähern, zum Beispiel beim Kämm­verhalten, Haarbruch oder Glanz. Das Haar dauer­haft und voll­ständig zu reparieren, ist nicht zu erreichen, aber temporär. Daher sollen Conditioner auch regel­mäßig angewendet werden.

Kann Haar auch zu viel gepflegt werden?

Ja, speziell dünneres Haar ist gegen zu viel Pflege schon etwas empfindlich.

Woran erkennt man über­pflegtes Haar?

Vor allem am reduzierten Haarvolumen. Das Haar liegt eng an der Kopf­haut an – wie gekochte Spaghetti. Es hängt und sieht strähnig aus, obwohl es noch nicht fettig ist.

Eignen sich Conditioner auch für kurze Haare?

Je länger die Haare sind, umso größer ist der Effekt. Kämm­arbeit heißt ja auch Kraft mal Weg. Längere und damit ältere Haare haben daher größeren Pflegebedarf als kurze.

Mehr zum Thema

  • Trockens­hampoo im Test Sprühen statt waschen – klappt das tatsäch­lich?

    - Trockens­hampoos haben ihr Image entstaubt. Nach einem Boom in den 70er Jahren sind sie wieder zurück – viele in knall­bunten Spraydosen und puristisch aufgemachten...

  • Weich­spüler im Test 6 von 21 Weich­spülern sind gut

    - Für manche sind Weich­spüler schlicht über­flüssig, für andere unver­zicht­bar. Im Test schneiden die meisten eher mittel­mäßig ab. 21 Weich­spüler hat die Stiftung...

  • Haare schneiden Milli­meter­arbeit hand­gemacht

    - Wer seine Frisur selbst in Form bringen möchte, sollte nicht zu Bastel- oder Haus­halts­scheren greifen – das klappt nicht. Haar­schneidescheren gibts online oder in gut...

3 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Juliaw83 am 05.03.2019 um 22:30 Uhr
Schade keine "festen" Produkte

Schade dass im Test keine Alternativen zu flüssiger Haarspülung in Flaschen gezeigt wurden. Es gibt so tolle Produkte wie z.B. fester conditioner von lush der noch dazu ganz ohne Verpackung (bzw. Nur in einer Papiertüte) daher kommt. Was Angesicht der wachsenden Bereitschaft der Leute auf Plastik zu verzichten ein wertvoller Tipp gewesen wäre.

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.02.2019 um 09:45 Uhr
Produktauswahl

@IrisGruber: Wegen des vielfältigen Produktangebots müssen die Tester im Vorfeld eines jeden Warentests eine Marktauswahl treffen. Sie suchen die Prüfprodukte nach objektiven Gesichtspunkten wie Marktbedeutung, spezielle Anwendungseignung und Preisklasse aus. Bei der Auswahl der zu untersuchenden Produkte soll die Relevanz für ein möglichst breites Zielpublikum gewährleistet werden.
Leider können wir nicht das ganze Sortiment prüfen. Wollte die Stiftung Warentest alle Produkte, die zum Zeitpunkt des Einkaufs der Prüfmuster auf dem Markt sind, unter die Lupe nehmen, würde dieser Test unsere Kapazitäten über Gebühr belasten.
Die Nichteinbeziehung eines Produktes oder einer Dienstleistung in eine Untersuchung stellt keine Bewertung dar.(cr)

IrisGruber am 05.02.2019 um 11:32 Uhr
17 getestete Haarspülungen deutlich zu wenig!

Für mich ist ein Test, in dem die meisten Hersteller noch nicht mal mit einem einzigen Produkt vertreten sind nicht aussagekräftig und dadurch auch nicht mehr seriös. Wie kann es z. B. sein, dass ein Hersteller wie Paul Mitchell, den viele Friseure anbieten und der bestimmt mehr als 10 verschiedene Haarspülungen im Programm hat, mit keinem einzigen Produkt berücksichtigt wurde? Aber auch fast alle Bio Anbieter wurden einfach nicht getestet - noch nicht einmal das Konkurrenzprodukt von Rossmann zur einzigen getesteten Bio Haarspülung von dm.
Wie kann es so Testsieger geben? Und dann werben Hersteller wieder mit angeblichen Testsiegern als Siegel auf ihren Produkten!
Können Sie so eine geringe Stichprobe überhaupt noch mit Ihren Leitlinien vereinbaren? Als Verbraucherin und langjährige test-Abonnentin fühle ich mich durch Ihre Tests zunehmend unzureichend informiert. Ich kann mir keine auch nur annähernd objektive Meinung mehr bilden, was ich sehr schade finde.