Bis in die Spitzen. Einmassieren, kurz wirken lassen, auswaschen – alle geprüften Spülungen sind leicht anzu­wenden.

Ob aus der Drogerie oder dem Friseurbedarf: Alle 17 Conditioner im Test pflegen geschädigtes Haar gut. Sechs enthalten aber einen kritischen Duft­stoff.

Verbessern. Das ist die Aufgabe eines Conditioners, eng­lisch für Haarspülung. Experten sprechen auch vom Konditionieren der Haare. Das klingt eindrucks­voller als Spülen, meint aber dasselbe. Die Mittel versprechen „Aufbau & Glanz“ oder „Intensiv-Pflege“, viele tragen das Wort „Repair“ im Namen – wollen kaputtes Haar also reparieren. Sind solche Produkte wirk­lich Haar­verbesserer?

Wir haben 17 Spülungen für geschädigtes Haar geprüft – von güns­tigen Produkten aus Drogerie und Discounter über klassische Marken wie Gliss Kur, L‘Oréal und Nivea bis zum teuren Redken-Conditioner aus dem Handel für Friseurbedarf. Tatsäch­lich verbessern alle die Haar­eigenschaften – sowohl im Labor als auch im Praxis­test, für den 22 Frauen zwischen 21 und 63 Jahren den Kopf für uns hinhielten. Zwar machen die Mittel aus geschädigten Haaren keine Mähne wie neu gewachsen (Interview). Doch nach dem Spülen lässt sich das Haar leichter kämmen, ist griffiger und fliegt weniger.

Fast jedes dritte Mittel verpasst allerdings eine gute Gesamt­note, weil es kritische Stoffe enthält, darunter sowohl güns­tige als auch teure Mittel. Rundum gute Pflege ist keine Frage des Preises. Am Ende über­holen güns­tige Eigenmarken der Discounter und Drogerien sogar viele teure Markenklassiker (Testergebnisse Haarspülungen).

Unser Rat

Viele Haarspülungen im Test über­zeugen mit guten Pfle­geeigenschaften und guter Gesamt­note. Knapp vorn liegt die Spülung von Aldi Nord für 52 Cent. Noch güns­tiger und fast genauso gut pflegt das Produkt Balea von dm für 18 Cent. Auch auf Platz zwei landet die teurere Pfle­gespülung von Pantene Pro-V für 93 Cent. Eine gute Naturkosmetik-Spülung bietet Drogerie­konzern dm mit Alverde für 98 Cent (alle Preise pro 100 Milliliter).

Silikone machen Haare nicht schwer ...

Conditioner enthalten vor allem Wasser. Wesentlich für ihre Wirkung sind verschiedene Pfle­gestoffe. Eine wichtige Rolle spielen positiv geladene Substanzen – katio­nische Tenside. Sie bleiben an geschädigten Stellen der Haar­oberfläche haften und bilden eine dünne Schicht an den betroffenen Haarflächen aus (siehe Grafik und Interview). Dadurch lässt sich das Haar besser kämmen, wird glänzender und geschmeidiger. Elf Produkte im Test enthalten zudem Silikone. Sie unterstützen diesen Effekt – stehen aber in der Kritik.

Das macht eine Spülung mit dem Haar

Geschädigtes Haar ist rau und lässt sich schwer kämmen. Es fehlt ihm an Glanz und Volumen. Pfle­gestoffe in Conditionern helfen, die Haar­struktur wieder zu glätten.

Im Internet finden sich seit Jahren viele Negativbe­richte über Silikone. Der Vorwurf: Sie lagern sich mit der Zeit am Haar an und beschweren es so. Wir können das nicht bestätigen. Im Labor haben wir an Natur­haar­strähnen gemessen, wie sich ihr Volumen inner­halb von zehn Spülgängen verändert. Egal, ob mit oder ohne Silikone – die meisten Produkte schnitten dabei gut ab. Sie steigern das Volumen der Haare, beschweren sie also nicht. Vier sili­konhaltige Produkte fielen im Vergleich allerdings etwas ab: Pantene Pro-V, Gliss-Kur, Nivea und Syoss. Das Volumen der Haare war bei diesen vier Produkten auf Dauer etwas geringer als bei den anderen. Sie sind aus unserer Sicht nicht so optimal für feines Haar.

... reichern sich aber in der Umwelt an

Auch Umwelt­schützer kritisieren Sili­konverbindungen in Pfle­gepro­dukten. „Silikone sind schwer abbaubare Stoffe, die sich in der Umwelt anreichern können“, sagt Marcus Gast, Experte für Wasch- und Reinigungs­mittel beim Umwelt­bundes­amt. Nach dem Ausspülen landen sie im Abwasser. Klär­anlagen filtern sie weit­gehend heraus, sie bleiben im Klär­schlamm hängen. Land­wirte nutzen diesen allerdings teil­weise als Dünger, wodurch die Silikone in die Umwelt gelangen. „Über die länger­fristigen Wirkungen von Silikonen in der Umwelt ist nur wenig bekannt“, sagt Gast. Schwer abbaubare Stoffe sollten aus seiner Sicht in abwasser­relevanten Produkten wie Haarspülungen möglichst nicht enthalten sein.

Da die Umwelt­wirkung von Silikonen wegen fehlender Daten schwer abzu­schätzen ist, bewerten wir es noch nicht, wenn ein Mittel sie enthält. Mit einer Ausnahme: Die Spülung von Lidl enthält Cyclopentasiloxan, kurz D5. Über dieses Silikon ist bekannt, dass es sich in Organismen anreichern kann. Ab 2020 ist D5 in Rinse-off-Kosmetik verboten – das sind Produkte wie Haarspülungen, die ausgewaschen werden. Wir bewerten die Lidl-Spülung im Punkt „kritische Stoffe“ mit ausreichend.

Für alle Produkte geben wir in der Tabelle an, ob sie Silikone enthalten oder nicht. Eine Reihe von guten kommt ohne aus. Wichtigste Wirk­stoffe in Conditionern sind katio­nische Tenside. Doch auch sie sind nicht ganz frei­zusprechen. Ihre Abbaubar­keit ist sehr unterschiedlich und hängt vom einge­setzten Stoff ab, sagt Umwelt­experte Gast. „Eine Regelung wie bei Wasch- und Reinigungs­mitteln, wo zumindest der voll­ständige biologische Abbau der einge­setzten Tenside gesetzlich vorgeschrieben ist, gibt es für kosmetische Mittel nicht.“

Sechs mit kritischem Duft­stoff

Etwa jeder dritte Conditioner enthält den Duft­stoff Butylphenyl Methyl­propional, bekannt unter dem Namen Lilial. Es ist nicht abschließend geklärt, ob der Stoff beim Menschen das Erbgut verändern oder die Fort­pflan­zungs­fähig­keit beein­trächtigen kann. Daher hat Lilial unserer Ansicht nach in Kosmetika nichts zu suchen. Sechs Produkten kostet der Duft­stoff ein gutes test-Qualitäts­urteil: Lidl, L‘Oréal, Nivea, Rausch, Syoss und Fructis von Garnier.

Naturkosmetik als Alternative

Wer zu zertifizierter Naturkosmetik greift, ist auf der sichereren Seite – künst­liche Duft­stoffe wie Lilial sowie Silikone und synthetische Tenside sind bei ihr tabu. Die Spülung Alverde von dm trägt als einzige im Test ein Naturkosmetik-Siegel. Auch sie pflegt die Haare über­zeugend – ist also eine gute Alternative zu konventioneller Kosmetik. Mit rund einem Euro pro 100 Milliliter ist sie etwa so teuer wie Marken­produkte von Pantene Pro-V, Garnier oder Nivea.

Am besten schwarz auf weiß

Wichtig für alle, die auf Inhalts­stoffe achten, sind die Angaben auf der Verpackung. Sie sollen „leicht lesbar und deutlich sicht­bar“ sein, so schreibt es die EU-Kosmetik­ver­ordnung vor. Mit schwarzer, großer Schrift auf weißem Grund macht Testsieger Aldi Nord das am besten. Besonders schlecht lesbar ist dagegen die weiße, enge Schrift auf der orangefarbenen Flasche von Garnier Fructis. Da besteht noch Konditionierungs­bedarf.

Dieser Artikel ist hilfreich. 56 Nutzer finden das hilfreich.