Der ETF-Anbieter Coms­tage bietet künftig nur noch ausschüttende Fonds an, um Anlegern die „Steuerbürokratie“ zu erleichtern. Die Fonds­gesell­schaft begründet die Maßnahme mit der kürzlich in Kraft getretenen Investmentsteuerreform. test.de sagt, was die Umstellung für Anleger bedeutet und wie sie darauf reagieren können.

Steuerreform als Begründung

Coms­tage hatte bisher sowohl ausschüttende als auch thesaurierende Fonds im Angebot. Bei ausschüttenden Fonds werden die vor allem aus Aktiendividenden stammenden Erträge dem Verrechnungs­konto des Anlegers gutgeschrieben, bei thesaurierenden verbleiben sie im Fonds­vermögen. Ab 12. März 2018 stellt Coms­tage alle thesaurierenden ETF auf ausschüttend um (siehe Mitteilung Comstage). Die Fonds­gesell­schaft begründet die Maßnahme mit der Anfang 2018 einge­führten Investmentsteuerreform, insbesondere mit der sogenannten Vorabpauschale. Sie wird künftig jähr­lich bei thesaurierenden Fonds erhoben. Laut Coms­tage soll sich mit der Umstellung die „Steuerbürokratie für den Investor in Grenzen halten“.

Das sind ETF

Exchange-traded funds sind börsen­gehandelte Fonds, die einen Börsen­index nach­zeichnen. Eine Einführung in das Thema finden Sie in unserem Special ETF für Einsteiger: In fünf Schritten an die Börse sowie in den FAQ ETF für Einsteiger. Wie Anleger mithilfe von ETF-Depots eine vernünftige Rendite erwirt­schaften, zeigt unser Test ETF: Einmalanlage, Sparplan und Auszahlplan mit Pantoffel-Portfolio.

Bei den meisten Fonds gibt es eine volle Ausschüttung

Eine voll­ständige Ausschüttung gibt es bei allen Coms­tage-ETF, die den Index mit dessen Original­aktien abbilden und bei den meisten sogenannten Swap-Fonds. Diese ETF enthalten andere Aktien als der Index und zeichnen seine Entwick­lung über Tausch­geschäfte (Swaps) nach. Bei Swap-ETF, die zum Beispiel einen Aktien­index abbilden, wird eine Ausschüttung in Höhe der Indexrendite ausgeführt. Einige spezielle Coms­tage-ETF, wie etwa der auf den ShortDax, haben keine Erträge. Hier nimmt die Fonds­gesell­schaft eine Ausschüttung in Höhe der Vorabpauschale vor. *

Tipps für ETF-Sparer

Die Umstellung ist gerade für ETF-Sparpläne relevant. Sie dienen häufig lang­fristiger Vermögens­bildung, dafür ist eine Wieder­anlage der Erträge sehr zu empfehlen. So können sich Anleger behelfen:

  • Sie stocken die Sparplanrate am Jahres­ende einmalig auf – und zwar um die Summe aller Ausschüttungen, die übers Jahr zusammenge­kommen sind.
  • Sie lassen Ausschüttungen auto­matisch wieder­anlegen. Das ersetzt die Thesaurierung. Dieser Service wird von folgenden Bank­häusern und Fonds­banken angeboten: Consors­bank, Deutsche Bank Maxblue, Finvesto, Ebase. Auch bei Flatex und ING Diba ist dies möglich, allerdings erst ab 25 beziehungs­weise 75 Euro.

Fonds­wechsel bei manchen Banken eine Option

Für manche ETF-Sparer ist auch ein Fonds­wechsel über­legens­wert. Wenn ihre Bank den gewünschten Index auch von einem anderen Anbieter als thesaurierende Version anbietet, können sie den alten Sparplan still­legen und einen neuen Sparplan auf den anderen ETF abschließen. Viele Banken haben den MSCI World von verschiedenen Fonds­gesell­schaften im Angebot – manchmal sogar ohne Neben­kosten. Die bereits gekauften Fonds­anteile können nach einem Sparplan­wechsel im Depot bleiben.

Frei­stellungs­auftrag für Sparpläne einsetzen

Unabhängig davon, ob ein ETF ausschüttet oder thesauriert, sollten Anleger ihren steuerlichen Sparerpausch­betrag (801 beziehungs­weise bei Ehepaaren 1 602 Euro pro Jahr) nutzen, um die Erträge ohne Steuer­abzug reinvestieren zu können.

Tipp: Solange Sie noch keine größeren Summen in die Sparpläne investiert haben, ist es ratsam, den Pausch­betrag an dieser Stelle nur anteilig einzusetzen.

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* Wir haben die Ausführungen zur Ausschüttungs­praxis am 5. März 2018 präzisiert.

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