Computer, Software & Co Meldung

Jetzt haben es Steuerzahler leichter, ihren Computer abzuschreiben. Sie können wie beim Telefon berufliche und private Ausgaben aufteilen.

Mit Computern ist es wie mit der Mode: Topmodelle gehören spätestens nach einem halben Jahr zum alten Eisen. Eine Informatikerin konnte deshalb nicht verstehen, warum sie ein Notebook über vier Jahre abschreiben sollte. Aus ihrer Sicht ist das Gerät bereits nach zwei Jahren wirtschaftlich verbraucht, weil es dann mit neuesten Computerprogrammen nicht mehr mithält. Doch das Finanzamt blieb in dieser Frage stur.

Kürzere Abschreibungszeiten genehmigen die Beamten ausnahmsweise. Und das nur, wenn eine schriftliche Begründung sie von der kürzeren Nutzungsdauer hieb- und stichfest überzeugt. Solchen Aufwand wollte die Informatikerin nicht betreiben. Pech, dass sie das Notebook schon im vorigen Jahr anschaffte. Denn seit 1. Januar haben sich die Abschreibungszeiten für privat angeschaffte Computer und Notebooks von vier auf drei Jahre verkürzt. Auch dazugehörige Peripheriegeräte wie Drucker oder Scanner sind nun schon nach drei Jahren abgeschrieben.

Abschreibungshürde gekippt

Computer, Software & Co Meldung

Doch während die Informatikerin ihre Computerkosten wenigstens über vier Jahre mit dem Finanzamt teilen kann, scheiterten bisher die meisten Arbeitnehmer völlig an der 90-Prozent-Hürde: War der heimische Computer weniger als 90 Prozent für dienstliche Zwecke in Betrieb, winkte die Behörde ab und genehmigte nicht mal den anteiligen Kostenabzug.

Die straffen Zügel muss die Finanzverwaltung jetzt lockern. Wie bei den Telefonkosten oder der Fahrzeugnutzung ist neuerdings auch bei Computern eine Aufteilung der Kosten entsprechend der beruflichen und privaten Nutzung erlaubt.

Kritische Fragen

Ihre pingelige Prüfung geben die Finanzbeamten aber vorerst nicht auf. Wie eh und je müssen Steuerzahler den Umfang der beruflichen Nutzung ihres Privatcomputers in der Steuererklärung nachweisen oder glaubhaft machen.

Computer mit hoher Speicherkapazität, schneller Zentraleinheit, professionellem Monitor, Farblaserdrucker und Spezialsoftware sprechen dafür, dass sie nur oder fast ausschließlich beruflichen Zwecken dienen. Dies gilt umso mehr, wenn die Software mit dem Computer des Arbeitgebers kompatibel ist und der Arbeitgeber sich an den Anschaffungskosten beteiligt hat.

Besonders achten die Finanzbeamten auf das Innenleben des Computers. Stecken in ihm Video- oder Fernsehkarte, vermuten sie eine erhebliche private Nutzung. Kritisch beurteilt das Finanzamt auch den Standort des Geräts. Steht der Computer etwa im Wohnzimmer, kann es Probleme geben. Dies erst recht, wenn Kinder zum Haushalt gehören, die mit dem Computer spielen könnten. Doch diesen Einwand schmettern Eltern ab, wenn ihre Kinder einen eigenen PC haben.

Häufiger Zankapfel

Die strengen Maßstäbe des Finanzamts beschäftigen zunehmend die Gerichte. Längst haben einige Finanzgerichte eine Lanze für den Abzug der modernen Technik gebrochen. So erlaubte das Finanzgericht Sachsen-Anhalt einem EDV-Dozenten die steuerliche Abschreibung (Az. 2 K 114/99). Und das, obwohl er seinen heimischen PC von 70 Stunden in der Woche etwa 10 Stunden privat gebrauchte. Das letzte Wort ist in dieser Sache aber noch nicht gesprochen worden. Endgültig muss darüber der Bundesfinanzhof (BFH) entscheiden (Az. VI R 30/00).

Beim BFH ist auch gerade der Streit anhängig, ob der Computer mit seinen Zusatzgeräten wie Drucker oder Scanner in einer Summe abzuschreiben ist oder jedes Teil einzeln (Az. VI R 91/00). Dazu kommt in diesem Fall eine weitere interessante Frage: Ist die ausschließliche berufliche Nutzung eines Privatcomputers bereits dann bewiesen, wenn das Gerät im steuerlich anerkannten Arbeitszimmer steht? Dem Finanzgericht Rheinland-Pfalz reichte das als Indiz und es erkannte die Ausgaben für einen Privatcomputer ohne weiteres an (Az. 6 K 1960/98).

Auch beim Internet scheiden sich die Geister. So versagt das Finanzgericht Baden-Württemberg schon den steuerlichen Abzug, wenn der PC einen Internetanschluss hat (Az. 1 K 167/99). Freie Fahrt bei steuerlicher Förderung haben dagegen Surfer in Rheinland-Pfalz. Das Finanzgericht sprach einem EDV-Lehrer ohne weiteres die Abschreibung seines internetfähigen PC zu, weil offenkundig berufliche Motive die Anschaffung begründeten (Az. 5 K 2776/ 98). Bei einem Berufsschullehrer tolerierte das Gericht die steuerliche Abschreibung, obwohl sein Computer eine Soundkarte hatte (Az. 2 K 2340/98).

Nachweis ist das A und O

Die positive Entscheidung für den Berufsschullehrer war jedoch kein Zufall, denn der Lehrer überzeugte die Richter mithilfe von umfangreichen Unterlagen und Ausdrucken. Sie bewiesen, dass er den Computer zu Hause ständig für Schule und Unterricht einsetzte.

Wer mit dem neu angeschafften Heimcomputer Steuern sparen will, sollte sich also die Mühe machen und ein Fahrtenbuch für den PC führen. Denn im Streitfall muss grundsätzlich der Steuerzahler die berufliche Nutzung beweisen.

Will das Finanzamt die berufliche Ausgabe auch nicht anteilig anerkennen, sollten Betroffene Einspruch einlegen. Ohnehin haben die Finanzverwaltungen ihre Finanzämter wie zum Beispiel die Oberfinanzdirektion Hannover (S 2354 ­131 ­ St H 214) angewiesen, die Neuregelung abzuwarten und anhängige Einsprüche und Klagen offen zu halten.

Wie der Nachweis für den beruflichen Gebrauch eines Privatcomputers in Zukunft aussehen soll, überlegen derzeit die Bundesländer. Möglich ist ­ wie beim Privattelefon ­ eine Strichliste über beruflich geführte Gespräche oder wie beim Auto ein detailliertes Fahrtenbuch. Denkbar ist genauso eine pauschale Lösung für alle wie bei der neuen Entfernungspauschale. Stattdessen könnte es auch eine berufsbezogene Pauschale geben.

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