Ohne Betriebssystem läuft kein Rechner. Aber welches soll es sein: Linux, Mac OS oder Windows? Im Wettstreit der Systeme zeigt jeder Kontrahent Vor- und Nachteile. Die Wahl entscheidet über Internetsicherheit und Nutzerfreundlichkeit des Rechners.

Microsoft-Gegner schwören auf das freie Betriebssystem Linux unter dem Symbol des freundlichen Pinguins, Apple-Fans scharen sich unter einem angebissenen Apfel, dem Apple-Logo. Doch die meisten Computernutzer spielen und arbeiten mit Windows. Können Millionen irren? Die Diskussion über das „richtige“ Betriebssystem weckt unter ansonsten eher kühlen Kennern der Materie zuweilen mehr Emotionen als das Superbowl im heißen Jacksonville. Wir sehen das gelassener, denn jedes Betriebssystem hat seine Stärken, aber auch seine Schwächen. Einen Favoriten für alle Anwender gibt es nicht.

Auf sachlicher Ebene, so ohne Emotionen, sind sich die Betriebssysteme ähnlicher denn je. Mausbedienung und Fenstertechnik, der das Betriebssystem Win-dows den Namen verdankt, sind obligatorisch. Linux und Windows können gemeinsam auf einem PC genutzt werden. Diese Symbiose ist für viele Computernutzer mit Windows-Rechner sehr interessant. Auf dem Mac können sogar alle drei Betriebssysteme zusammen laufen.

Was sind denn die Vor- und Nachteile?

Die Steckbriefe stellen Vor- und Nachteile der drei Betriebssysteme im Detail dar. Zusammengefasst liest sich das so: Zu Windows haben Computerspieler keine Alternative – abgesehen von Spielekonsolen – und es überzeugt durch das vielfältige Angebot auch preiswerter Geräte und Programme. Mac OS ist leistungsfähig, läuft stabil, aber nur auf vergleichweise teuren Geräten. Im Internet surft der Nutzer recht sicher. Mac OS lässt sich besonders einfach für mehrere Nutzer mit unterschiedlichen Rechten (Eltern, Kinder) einrichten. Linux ist so sicher wie Mac OS und läuft wie Windows auch mit preiswerter Technik. Es verlangt aber Spaß am „Administrieren“ des Systems – insbesondere, wenn der Anwender mit Zusatzgeräten wie beispielsweise Scannern experimentiert.

Ist Mac OS besonders einfach?

Im Alltag, insbesondere bei mehreren Benutzern – zum Beispiel in Familien –, ist Mac OS im besten Sinne des Wortes simpel. Probleme mit Zusatzgeräten und Software gibt es aber auch auf dem Mac. Die Hilfefunktion holt ihr Wissen stets aktuell aus dem Internet. Doch wehe, das Problem betrifft den Internetzugang! Da müssen erfahrene Mac-Freunde her, doch die sind rar.

Wie sichere ich den Familien-PC?

Benutzerkonten sorgen für Sicherheit. Sie lassen sich unter jedem Betriebssystem einrichten. Vater, Mutter, Sohn, Tochter müssen sich dann mit ihrem eigenen Passwort anmelden und nicht jeder darf alles mit dem Rechner machen: Der „Administrator“ darf alles, er bekäme hier das fünfte Benutzerkonto. Linux und Mac OS X geben dem Anwender nicht die vollen Administratorenrechte, das ist ein echtes Sicherheitsplus.

Surft jemand mit Administratorenrechten im Internet, können sich Schadprogramme besonders einfach ins Betriebssystem einnisten, Schutzsoftware ausschalten und Automatikfunktionen des Betriebssystems für sich nutzen. Da ist es also sicherer, nicht als Administrator, sondern als anderer Nutzer im Internet unterwegs zu sein. Weitere Vorteile der Benutzerkonten: Eigene Dateien werden für jeden Nutzer separat gespeichert, unsichtbar für alle anderen außer dem Administrator. Das klappt am besten beim Mac. Dort kann der Administrator Nutzern sogar das Ausschalten des Rechners verwehren. Unter Windows laufen manche Programme nur beim Administrator und „hakeln“ bei den anderen.

Sind Linux und Mac absolut sicher?

Der Internetalltag ist für Linux- und Mac-Nutzer tatsächlich entspannt. Den größten Schutz bietet der Nischenstatus beider Betriebssysteme. Die Autoren von Computerviren und anderen Schadprogrammen wetteifern darum, möglichst schnell möglichst viele Rechner zu infizieren. Wegen seiner Verbreitung bietet sich vor allem Windows als Ziel an. Doch absolut sicher sind Linux und Mac OS nicht. Immerhin werden ihre Sicherheitslücken schneller gestopft als bei Windows.

Ist Linux wirklich kostenlos?

Nein. Profis mit einem schnellen Internetzugang können sich die für eine Linux-Installation erforderlichen Daten natürlich aus dem Internet herunterladen. Aber Neueinsteiger brauchen das Betriebssystem „fertig“ auf CD und Hilfestellung per E-Mail oder Telefon. Das gibt es im Paket, „Distribution“ genannt, ab etwa 40 Euro. Das OS X gibt es zu jedem Mac und Wind­ows XP fast immer „gratis“ zum PC dazu.

Ist es mit Windows am billigsten?

Jein. Windows-Rechner sind zwar unschlagbar günstig, doch hinzu kommt noch der hohe Aufwand für die Sicherheit im Internet. Zumindest zeitlich und für die Aktualisierung der Schutzsoftware über das Internet. Hier sind Linux und Mac OS X deutlich besser. Im Gesamtpaket – einschließlich der Kosten für hochwertige Anwendungsprogramme – sind Linux-Anwender ganz klar im Vorteil.

Holt Linux mehr Leistung aus dem PC?

Nein. Jede grafische Benutzeroberfläche (Programme laufen in „Fenstern“, Mausbedienung) macht die Betriebssysteme vergleichbar langsam. Ein leistungsfähiger Rechner und viel Arbeitsspeicher sind dafür unverzichtbar. Nur wer unter Linux wie früher unter DOS mit eingetippten Befehlen arbeitet, schaltet den Turbo ein.

Wer integriert das Internet besser?

Am besten gelingt das mit Mac-Rechnern. Zum Beispiel bei Musik: Der MP3-Spieler iPod, die Musikverwaltungssoftware iTunes und das Internet (Musiktitel einkaufen) arbeiten ausgesprochen harmonisch zusammen. Der Nutzer merkt kaum den Unterschied zwischen dem Musikimport von einer CD und dem Download eines Titels aus dem Internet. Genauso elegant ist das Internetportal „.Mac“ (sprich dot Mac) mit Mac OS X verzahnt. Wichtige Daten sichern oder Fotos aus der Bildbearbeitung heraus in eine Galerie im Internet einstellen – das geht schön einfach, doch die Dienste von .Mac kosten 99 Euro jährlich. Und so etwas gibt es unter Linux und Windows natürlich auch. Nur eben nicht so perfekt aufeinander abgestimmt und intuitiv bedienbar wie beim Mac. Da spielt alles so erfolgreich zusammen wie ein Siegerteam im Sport.

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