Commerzbank mit dünnem Angebot Meldung

Einen besonderen Dreh für die Neukundenwerbung hat sich die Commerzbank ausgedacht. Beim Wahlzins-Sparkonto hängt der Zinssatz von der Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl ab. Wenn am 18. September 80 Prozent der Wähler ihre Stimme abgeben, gibts 2,80 Prozent. Das ist auf den ersten Blick nicht schlecht. Das beste Tagesgeldangebot bringt derzeit 2,75 Prozent. Doch das Commerzbank-Angebot ist trotzdem dürftig. test.de erklärt die Haken und Ösen am Wahlzinssparen.

Nur bis Januar

Erster Haken: Das Angebot gilt für Guthaben von mindestens 1 250 und höchstens 20 000 Euro und nur für Neukunden. Zweiter Haken: Der Zinssatz gilt erst später. Bis zum Wahltag am 18. September gibts nur 2 Prozent Basisverzinsung. Dritter Haken: Der Zinssatz gilt nicht besonders lange. Nur bis Mittwoch, 5. Januar 2006, garantiert die Commerzbank ihren Wahlzins. Was danach noch drin ist, sagt das Unternehmen nicht. Für ihr Standard-Sparkonto zahlt die Commerzbank derzeit einen Zinssatz von nur 0,5 Prozent Zinsen.

Auszahlung nur nach Kündigung

Vierter und fiesester Haken: Das Wahlzinsangebot ist ein Sparbuch und kein Tagesgeldkonto. Das heißt: Nur die Auszahlung von bis zu 2 000 Euro monatlich ist frei. Wer mehr Geld zurück haben will, muss drei Monate vorher kündigen. Vorzeitige Auszahlungen sind zwar auch möglich, werden aber mit einem so genannten Vorschusszins geahndet. Wer sein Guthaben nicht rechtzeitig kündigt, läuft Gefahr, ab 5. Januar nur 0,5 Prozent Zinsen zu bekommen, ohne das Geld verlustfrei umschichten zu können.

Wahltermin noch ungewiss

Ein weiteres Risiko am Wahlzins: Gegen die Auflösung des Bundestags haben verschiedene Abgeordnete vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt. Die Richter dort können die vorgezogene Bundestagswahl noch stoppen. Folge fürs Wahlzinssparbuch der Commerzbank: Die Kunden bekommen 2,79 Prozent Zinsen. Maßstab ist die letzte Bundestagswahl 2002. Damals lag die Wahlbeteiligung bei 79,2 Prozent.

Finanztest-Kommentar

Das Wahlzins-Angebot der Commerzbank ist ein ziemlich kümmerlicher Werbegag. Schon der Zinssatz ist höchstwahrscheinlich kaum besser als bei den attraktivsten Tagesgeldangeboten. Die 2,8 Prozent, die bei 80 Prozent Wahlbeteiligung von 19. September an fällig sind, liegen derzeit nur um 0,05 Prozentpunkte vor den besten Tagesgeldkonten. Das Angebot gilt zudem nur dreieinhalb Monate. Wahlzinssparer mit hohem Guthaben müssen rechtzeitig kündigen. Sie laufen sonst Gefahr, für ihr Geld sehr viel weniger Zinsen zu bekommen, als sonst mit jedem halbwegs anständigen Tagesgeldangebot zu haben ist.

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