Interview: Kalt waschen reicht nicht

Color­wasch­mittel Test

Dr. Helmut Mucha, Mikrobiologe am Institut für Hygiene und Biotechnologie bei den Hohen­stein Laboratories, rät bei anste­ckenden Krankheiten zu höheren Wasch­temperaturen.

Wie reagieren Keime auf verschiedene Wasch­temperaturen?

Je nach Art reagieren sie unterschiedlich auf Temperatur und Wasch­mittel. Sporen von Bakterien, Pilzen und unbe­hüllte Viren wie das Norovirus sind besonders widerstands­fähig. Fußpilz­sporen können bei Wasch­temperaturen unter 30 Grad auf andere Textilien übergehen und sich so verbreiten. Unbe­hüllte Viren über­stehen auch 40 Grad mit Voll­wasch­mittel in relevanter Konzentration. Erst ab 60 Grad ist ausreichende Desinfektion möglich. Das haben unsere Unter­suchungen mit vier Testkeimen, die Wund- und Schleimhaut­infektionen verursachen, gezeigt.

Gefährden wir unsere Gesundheit, wenn wir nur bei 20 Grad waschen?

Bei nur leicht verschmutzter Wäsche von gesunden Menschen sehe ich keine Gefähr­dung, wohl aber bei stark verschmutzter Wäsche oder bei Wäsche von Menschen mit anste­ckenden Krankheiten wie Magen-Darm-Infekten. Noroviren zum Beispiel sind hoch anste­ckend. Bereits 10 bis 100 Partikel können eine Infektion auslösen. In einem Gramm Kot können aber bis zu 100 Milliarden Viren enthalten sein. Beim Waschen mit 20 Grad lässt sich die Belastung kaum unter 1 000 Partikel bringen.

Was kann der Verbraucher für hygie­nisch saubere Wäsche tun?

Gesunde Menschen tolerieren durch­aus ein gewisses Quantum an Mikroorga­nismen, ohne krank zu werden. Aber bei stark verschmutzter Wäsche wie Putztüchern, Hand­tüchern oder wenn Kranke im Haushalt gepflegt werden, empfiehlt es sich aus hygie­nischer Sicht, bei 60 Grad mit einem Voll­wasch­mittel zu waschen.

Was bringen Hygienespüler?

Sie bieten mehr Sicherheit. Ein Hygienespüler bewirkt eine zusätzliche Keimreduktion bei Bakterien um etwa zwei bis drei Zehner­potenzen – so viel, wie Waschen ohne Wasch­mittel.

Was hilft gegen schlechte Gerüche?

Ursache für übel riechende Wäsche sind oft das Alter und der tech­nische Zustand der Maschine, aber auch mangelnde Pflege. Im Laufe der Zeit bilden sich darin Biofilme aus Bakterien, die diese Gerüche verursachen. Sie können sich auf die Textilien über­tragen. Es empfiehlt sich, hin und wieder mit einem Voll­wasch­mittel bei maximaler Temperatur ohne Wäsche zu waschen. Außerdem sollte man den Einspül­schacht nach dem Waschen reinigen, trocknen und die Trommel zum besseren Austrocknen offen stehen lassen.

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