Cobold- und Colibri-Anleihen Special

So wie der schöne Tropenvogel heißt eine Serie von Anleihen der Commerzbank: „Colibri“. Etliche sind in der Krise abgestürzt.

Jetzt kommen Tücken vieler Wertpapiere ans Licht. Cobold-Anleihen der DZ-Bank und Colibris der Commerzbank sind abgestürzt. Viele Anleger können noch Geld retten.

Schöne Bescherung! Zwei Monate nach der Pleite von Lehman Brothers hat die DZ-Bank Anlegern eine Anleihe der amerikanischen Bank ins Depot gebucht. Betroffen sind Käufer sogenannter Cobolde, das sind strukturierte Anleihen, die seit acht Jahren vor allem über die Volks- und Raiffeisenbanken vertrieben wurden.

Der schlechte Tausch war kein Willkürakt der DZ-Bank. Er war in den Bedingungen der Cobold-Anleihe für den Fall vorgesehen, dass Lehman pleitegeht. Der Schaden ist groß: Für ihre Cobolde, die sie für 1 000 Euro gekauft haben, bekommen die Anleger jetzt weniger als 100 Euro.

Im November hatten wir unsere Leser aufgerufen, ihr Depot durchzuchecken und uns zu schreiben, wenn sie eine ihrer Geldanlagen nicht verstehen. Einige haben sich gemeldet, weil sie Cobold- oder die ähnlich gebauten Colibri-Anleihen haben.

Die meisten von ihnen können wir beruhigen: Ihre Papiere haben mit Lehman nichts zu tun. Sichere Anlagen sind es aber auch nicht.

Der Cobold ist eine Pleitewette

Die Cobolde sind keine gewöhnlichen Anleihen. Die Rückzahlung hängt nicht nur davon ab, ob der Herausgeber, in diesem Fall die DZ-Bank, zahlungsfähig bleibt. Vielmehr sind diese Papiere so strukturiert, dass sie von anderen Unternehmensanleihen abhängen.

Unternehmensanleihen heißen englisch „corporate bonds“. Daher stammt auch der Name „Corporate Bond Linked Debt“, abgekürzt Cobold, wie das gewitzte Fabelwesen.

Der Anleger wettet darauf, dass keine der an die Cobold-Anleihe gekoppelten Firmen zahlungsunfähig wird. Wenn eines der Unternehmen seine Anleiheschulden aber doch nicht bezahlt, tauscht die DZ-Bank die Cobold-Anleihe gegen die Anleihe der Pleitefirma aus. In der Sprache der Bank heißt das: „Es tritt ein Kreditereignis ein.“

Das geschah beim Cobold 62. Cobold 62 (Isin DE 000 DZ8 F2A 8) war mit fünf Anleihen verbunden, eine von der Deutschen Bank, die anderen von den US-Banken Merrill Lynch, JP Morgan Chase, Morgan Stanley und von Lehman Brothers.

Für ihr Ausfallrisiko bekamen die Anleger höhere Zinsen als für sichere Anleihen. Für den Cobold 62 gab es 3,2 Prozent pro Jahr. Das ist nicht viel – auch wenn die Anleihe 2005 auf den Markt kam, als die Zinsen niedrig waren. Aber damals galten die genannten Banken auch noch als sehr kreditwürdig.

Jahrelang lief alles gut. Jedes Jahr gab es Zinsen und zur Fälligkeit im September 2010 hätte die DZ-Bank das Geld zurückgezahlt. Doch dann ging Lehman Brothers pleite und die Bank tauschte Cobold 62 gegen die Anleihe von Lehman aus (Isin XS 018 394 464 3).

Zinsen gibt es keine mehr, weder für den Cobold noch für die Pleiteanleihe von Lehman. Hinzu kommt der Wertverlust.

Aus 1 000 Euro wurden 62,50 Euro

An der Börse notierte die Lehman-Anleihe Mitte Dezember bei einem Kurs von 6,25 Prozent vom Nennwert. Das heißt: Aus 1 000 Euro sind 62,50 Euro geworden.

Wer zu diesem Preis nicht verkaufen will, kann warten, bis das Insolvenzverfahren abgeschlossen ist und er vielleicht mehr Geld zurückbekommt. Sicher ist das aber nicht.

Außer Cobold 62 sind fünf weitere mit Lehman-Papieren verknüpfte Cobolde betroffen, und zwar die Nummern 64, 74, 75 und 76 sowie Cobold Plus 8. Auch für diese Papiere haben die Anleger kürzlich Lehman-Anleihen erhalten.

Noch viele Papiere im Umlauf

Die DZ-Bank hat rund 150 verschiedene Cobold-Anleihen ausgegeben. Das Grundprinzip ist immer gleich. Die Papiere beziehen sich jedoch auf unterschiedliche Firmen.

Wie viel Geld die privaten Anleger investiert haben, sagt die Bank nicht. Aufgelegt wurden viele Anleihen mit einem Volumen von jeweils 50 Millionen Euro.

Anleger, die einen Cobold gekauft haben, sollten nachschauen, mit welchen Firmen ihre Anleihe verknüpft ist und wie wahrscheinlich es ist, dass eine dieser Firmen pleitegeht. Einen Hinweis darauf gibt der aktuelle Kurs.

Als besonders gefährdet stufen die Marktteilnehmer zurzeit die Cobolde auf Auto- und Luftfahrtkonzerne ein. Nummer 112 mit Continental, Lufthansa, Siemens, RWE und VW notiert bei rund 75 Prozent des Nennwerts. Cobold 70 kostet sogar nur rund 65 Prozent. Diese Anleihe bezieht sich auf Daimler, BMW, Renault, Michelin und ebenfalls auf Continental.

Zurzeit sind nach Angaben der Internetseite www.dzbank.de noch zwölf Anleihen im Angebot. Eine davon bezieht sich auf fünf Telekomkonzerne, zwei weitere sind mit Anleihen mehrerer Auto- und Reifenhersteller verknüpft, ein paar mit Unternehmen verschiedener Branchen.

Meistens sind die Cobolde mit dem Schicksal von mehreren Unternehmen verknüpft. Lediglich vier aus dem aktuellen Angebot beziehen sich auf eine einzige Firma, einer auf BMW, die anderen auf Porsche. Die Anleihen mit nur einem verknüpften Papier sind weniger riskant als die anderen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen pleitegeht, ist geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass es eines von fünf Unternehmen erwischt.

Auch Freddie Mac ist dabei

Als „Kreditereignis“ wertete die DZ-Bank auch die Verstaatlichung von Freddie Mac. Der US-Immobilienfinanzierer ist Bestandteil von Cobold 54 (DE 000 DZ2 AXX 5). Für diesen Cobold haben die Anleger am 19. Dezember eine Freddie-Mac-Anleihe erhalten.

Damit sind sie glimpflich davongekommen. Freddie Mac ist nicht pleite, die Anleihe notiert zurzeit bei einem Kurs von 111 Prozent des Nennwerts.

Das Problem ist nur, dass es sich jetzt um eine Dollar-Anleihe handelt. Zinsen und Rückzahlung gibt es in Dollar. Wie viel das in Euro ist, hängt vom aktuellen Kurs ab. Im Moment würden Anleger für 1 110 Dollar nur rund 800 Euro bekommen.

Genau wie Anleger, die direkt in ihre Freddie-Mac-Anleihe investiert haben, bekommen auch die unfreiwilligen Freddie-Mac-Gläubiger regelmäßig Zinsen und am Ende der Laufzeit – sofern nichts Dramatisches passiert – den Nennwert in Dollar.

Colibri stürzte ab

Auch die Commerzbank hat strukturierte Anleihen angeboten, die vom Wohl und Wehe mehrerer Unternehmen abhängig sind. Der Name Colibri ist die schillernde Abkürzung für „Corporate Linked Bond with Return Improvement“.

Anders als die Cobolde beziehen sich die Colibris nicht auf eine Unternehmensanleihe, sondern auf die Firma. Geht sie pleite, wird die Colibri-Anleihe sofort fällig und mit Verlust zurückgezahlt.

Einen der Colibris hat die Lehman-Pleite voll erwischt. Es ist der Colibri Plus 22 (DE 000 CB4 GYM 8). Er war auf fünf US-Banken bezogen, darunter auch Lehman Brothers.

Die Commerzbank hat den Anlegern ihr Geld bereits im November überwiesen. Viel war es nicht: Je 1 000 Euro Nennwert gab es 80,47 Euro zurück, rund 8 Prozent. Errechnet hat sich dieser Betrag aus den bis dahin aufgelaufenen Zinsen und der sogenannten „recovery rate“, der Rückzahlungsquote.

Eine offizielle Rückzahlungsquote gibt es zwar erst, wenn der Insolvenzverwalter das Verfahren abgeschlossen hat. Doch Profis schätzen die Quote schon vorab, damit sie weiter handeln können: 7,833 Prozent.

Für die Anleger der Colibris heißt das: Mehr als diese Quote plus Zinsen – insgesamt rund 8 Prozent – bekommen sie nicht zurück. Sollte sich später herausstellen, dass die tatsächliche Rückzahlungsquote aus der Lehman-Insolvenz größer ist, haben sie keine Ansprüche mehr.

Anleger hatten laut Commerzbank jeweils zwischen 100 000 und 200 000 Euro in den Colibri Plus 22 investiert.

Freud und Leid dicht beieinander

Von den Colibris sind rund drei Dutzend unterwegs. Wie viel Anleger insgesamt in diese Papiere gesteckt haben, verrät auch die Commerzbank nicht. Sie weist darauf hin, dass die Papiere nur nach ausführlicher Beratung verkauft worden seien.

Einer unserer Leser hat den Colibri Plus 5 (Isin DE 000 CB1 C1W 7) im Depot, der sich auf Daimler, VW, Ford und General Motors bezieht. Die Anleihe wurde zwei Tage vor Weihnachten 2008 fällig und wird zum Nennwert ausgezahlt.

Da hat unser Leser Glück gehabt, dass keine Firma vorher pleiteging. Noch kurz vor Fälligkeit der Anleihe ist der Kurs des Papiers wegen der Krise der US-Autobauer Achterbahn gefahren.

Flügel gestutzt

Einige Colibris sind abgestürzt. Der Colibri Plus 7 notierte Mitte Dezember bei rund 45 Prozent des Nennwerts. In seinem Portfolio liegt zum Beispiel General Motors.

Für die Anleihe Colibri Plus 24 wollte die Commerzbank Mitte Dezember sogar nur rund 25 Prozent bezahlen. Sie bezieht sich auf Continental, Degussa, HeidelbergCement, ThyssenKrupp und Tui.

Hier bereiten gleich drei Unternehmen Probleme: Der Reifenhersteller Continental steht schlecht da, ebenso die Firma HeidelbergCement, die zum Imperium des verstorbenen Adolf Merckle gehört. Merckle hatte sich mit VW-Aktien verspekuliert. Und auf Tui könnten wegen der Wirtschaftslage schwierige Zeiten zukommen.

Nur noch ein Drittel wert ist der Colibri Plus 18. Der bezieht sich gleich auf 15 Unternehmen verschiedener Branchen, unter anderem Öl, Banken und Autos – alle von der Krise betroffen.

Wer jetzt verkauft, macht zwar Verlust, kann aber einen Rest seines Geldes retten. Sollten alle Firmen bis zur Fälligkeit der Anleihe überleben, würde er sein ganzes Geld zurückbekommen.

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