Sich coachen zu lassen, ist meist teuer. Schnell können dafür ein paar hundert Euro anfallen. Wer arbeitslos oder von Arbeits­losig­keit bedroht ist, kann bei seiner Arbeits­agentur aber einen Gutschein für ein berufliches Coaching bekommen. Hier lesen Sie Details. Ausführ­liche Informationen zu vielen weiteren Weiterbildungs­themen bietet das Special Weiterbildung finanzieren der Stiftung Warentest.

Nach­hilfe in Sachen Bewerbung

Das Telefon­interview mit dem potenziellen Arbeit­geber lief miserabel. Nach dem Gespräch war für Lena Holl­stein* klar: Nach­hilfe in Sachen Bewerbung muss her. „Ich hatte mich von einigen Fragen sehr verunsichern lassen“, erzählt Holl­stein rück­blickend. Bei ihrer zuständigen Arbeits­agentur fragte die damals arbeits­lose Journalistin um Rat und Unterstüt­zung. Diese half unkompliziert mit dem sogenannten Akti­vierungs- und Vermitt­lungs­gutschein, kurz AVGS, für ein individuelles Bewerbung­scoaching.

Einsetz­bar für ein berufliches Coaching

Mit einem AVGS sagt die Arbeits­agentur zu, dass sie die Kosten für ein Coaching über­nimmt. Der Gutschein wird nur nach einer Beratung ausgestellt und ist für berufliche Coachings unterschiedlicher Art erhältlich. Die Maßnahmen können zum Beispiel bei der beruflichen Neuorientierung, bei einer Existenz­gründung oder in Bewerbungs­phasen unterstützen. Auch Coachings, die durch die erste Zeit in einem neuen Job begleiten, sind mit dem AVGS förderbar.

Ein Rechts­anspruch besteht nicht

Den Gutschein gibt es sowohl für Arbeits­lose als auch für Beschäftigte, denen die Arbeits­losig­keit droht, zum Beispiel weil eine Kündigung ausgesprochen wurde oder weil der Arbeits­vertrag ausläuft. Voraus­setzung ist, dass Antrag­steller bei ihrer zuständigen Arbeits­agentur oder ihrem Jobcenter gemeldet sind. Kleiner Wermuts­tropfen: Ein Rechts­anspruch auf den Gutschein besteht nicht. „Es liegt im Ermessen des Mitarbeiters der Arbeits­agentur, ob er den AVGS für ein Coaching ausstellt“, sagt Susanne Eikemeier, Pressereferentin der Bundes­agentur für Arbeit. „Die Förderung muss notwendig sein, um den Kunden bei der beruflichen Einglie­derung zu unterstützen.“

Mit guten Argumenten in die Beratung

Lena Holl­stein wusste damals genau, was sie wollte: ein kompaktes Bewerbung­scoaching, möglichst an ein bis zwei Tagen. „Mir war wichtig, Vorstellungs­gespräche mit dem Coach durch­zuspielen“, so Holl­stein. „Außerdem wollte ich ein Feedback auf meine Bewerbungs­unterlagen bekommen.“ Die für sie zuständige Mitarbeiterin der Arbeits­agentur ließ sich schnell über­zeugen, notierte Inhalte und Dauer des Coachings auf dem Gutschein und wie lange er gültig ist. Damit der AVGS zeit­nah einge­löst wird, ist die Gültig­keit in der Regel auf maximal drei Monate begrenzt.

Tipp: Bereiten Sie sich auf das Gespräch bei der Arbeits­agentur vor. Über­legen Sie sich gute Argumente, warum das Coaching für Sie wichtig ist.

Den Coach muss sich jeder selbst suchen

Da die Mitarbeiter der Arbeits­agenturen keine Coaches empfehlen dürfen, muss sich jeder, der den Gutschein erhalten hat, selbst auf die Suche begeben. „Das war mühsam“, sagt Lena Holl­stein. Der ausgewählte Coach muss nämlich von der Arbeits­agentur auto­risiert sein, den AVGS einzulösen. Auch sein Coaching-Angebot muss zugelassen sein. „Das ist bei vielen Anbietern aber nicht auf Anhieb erkenn­bar“, so Holl­stein. „Ich musste ganz schön im Internet surfen, um passende Kandidaten zu finden.“

Tipp: Kombinieren Sie bei Ihrer Suche im Internet sinn­volle Schlagwörter, zum Beispiel „Coaching Bewerbung AVGS Berlin“ oder „Coaching Existenz­gründung AVGS München“. Antworten finden Sie auch im Special Nicht nur die Chemie muss stimmen.

Buchung erst nach Zusage der Arbeits­agentur

Wer einen passenden Coach gefunden hat, muss bei ihm ein Angebot für das Coaching einholen und es dann bei seiner Arbeits­agentur einreichen. Diese prüft, ob Inhalte und Dauer des Angebots mit den Gutschein­konditionen über­einstimmen. Nach der Zusage des zuständigen Mitarbeiters der Agentur darf der Coaching-Interes­sierte buchen.

Welche Kosten die Agentur über­nimmt

Ist die Teil­nahme bewil­ligt, rechnet die Arbeits­agentur das Coaching mit dem jeweiligen Anbieter ab. Gutschein-Empfänger müssen also nicht in Vorleistung gehen. Darüber hinaus können weitere Kosten „in angemessener Höhe“ über­nommen werden, zum Beispiel für Fahrten, für Kinder­betreuung während der Maßnahme und manchmal auch für Über­nachtungen und Verpflegung. Diese Kosten werden aber in der Regel erst nach der Maßnahme auf Antrag erstattet. Wichtig dafür: unbe­dingt alle Belege aufheben!

Über­zeugender als gedacht

Lena Holl­stein hat das Bewerbung­scoaching eher wenig gebracht. „Die Chemie zwischen dem Coach und mir stimmte einfach nicht“, erzählt sie. Die gute Nach­richt: Inzwischen arbeitet Holl­stein als freie Journalistin, und zwar unter anderem für den Arbeit­geber, mit dem sie das vermeintlich verpatzte Telefon­interview hatte. Sie war in dem Gespräch wohl doch über­zeugender, als sie dachte.

* Name von der Redak­tion geändert

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