Jung und Alt fahren auf das Cityrad ab. Der bequeme Lastesel für die Stadt kann aber auch ganz schön bockig sein, und manchmal bricht er sogar zusammen.

Cityräder gehören zu den Kassenschlagern im Fahrradhandel. Rund eine Million verkauft er jährlich. Vor allem Frauen fahren auf diese Räder ab. Jetzt hat der Handel aber eine neue Zielgruppe gesichtet – die „Generation 50 Plus“. Hintergrund: In zwei Jahren wird etwa jeder vierte Europäer über 50 Jahre alt sein. In zehn Jahren schon jeder zweite. Aus Sicht des Shimano-Managers Hans van Vliet sind die Konsequenzen klar: „Diese Käuferschicht wird ganz andere Anforderungen stellen als die Jungen“, zitiert ihn die „Radwelt“ des ADFC.

Den Älteren ist demnach nicht nach aggressiven Sportmaschinen oder Langstreckenläufern für die Nordkaptour zumute, sondern nach bequemen, einfach bedienbaren und sicheren Modellen.

Am ehesten entspricht das Cityrad diesem Bild eines alltagstauglichen Fahrrads für die „Generation 50 Plus“: Es ist robust, hat meist eine Fünf- oder Siebengang-Nabenschaltung, ist zunehmend auch mit einfachen Federungen ausgestattet und lässt sich durch die offene Rahmenform leicht besteigen.

Maßgeschneidert für die Stadt

Natürlich eignet sich das Cityrad nicht nur für Frauen und die „Generation 50 Plus“, sondern für alle, die bequemes Vorankommen vor allem im Stadtbetrieb favorisieren. Diese Stadträder sind maßgeschneidert für den Weg zur Arbeit, den Transport von Kindern im Fahrradsitz oder die Einkaufsfahrt zum Supermarkt. Aber auch auf kleineren Landpartien sind sie ganz gut zu gebrauchen. Sie haben meist stabile Gepäckträger, bequeme Sättel, Kleiderschutz, Kettenkasten und möglichst einen Zweibeinständer.

Kennzeichnend für Cityräder ist außerdem ihre Bauart (Rahmengeometrie), bei der ein verkürzter Abstand zwischen Sattel und Lenker für die typische aufrechte Haltung des Radlers sorgt. Das bringt mehr Übersicht im Verkehr als die stark gekrümmte Haltung bei anderen Fahrradtypen, hat aber den Nachteil, dass nicht ganz so viel Kraft auf die Pedale übertragen werden kann. Eine gefederte Sattelstütze sorgt dafür, dass Fahrbahnstöße die Bandscheiben nicht unnötig belasten. Das ist beim aufrechten Fahren eher der Fall als beim vorn übergebeugten, bei dem man sich noch stark mit den Armen am Lenker abstützt.

Wer es dann noch bequemer haben will, der kann sich auch gleich für ein Elektrorad entscheiden. Es unterstützt den Radler durch einen meist in der Nabe untergebrachten Elektromotor, der bei Bedarf aktiviert werden kann. Den Strom holt sich der kleine Motor aus einem Akku, der, je nach Modell, an verschiedenen Stellen des Rades angebracht ist. Wir haben für unseren Test neben den 14 Cityrädern noch drei Elektrobikes eingekauft. Zwei von ihnen sind so genannte Pedelecs.

Für die höherwertigen Cityräder mit 7 Gängen (in einem Fall sogar 24), mit gefederten Sattelstützen und Gabeln sowie Halogen- und (teilweise) Standlicht sind schon ein Paar Geldscheine lockerzumachen: Zwischen 600 Euro und knapp 1 000 Euro kosten die von uns geprüften Cityräder im Schnitt.

Nur ein Modell (Kettler City-Tour) lag mit relativ bescheidenen 560 Euro nahe an der ehemaligen Preis-Schallmauer von etwa 1 000 Mark. Für die schon recht saftigen Preise wird aber längst nicht nur Qualität geliefert. Über die Hälfte der Räder genügt höheren Ansprüchen nicht und musste mit bestenfalls befriedigenden Beurteilungen vorlieb nehmen.

Zusammenbruch bei Kilometer 500

Wie so oft in den letzten Fahrradtests wurde diesmal auch einigen Cityrädern ihre schlappe Konstitution angekreidet. Als es im Labor daran ging, die sicherheitsrelevanten Teile wie Rahmen, Lenker und Sattelstützen auf ihre Belastbarkeit zu prüfen, machten sie vorzeitig schlapp.

Vor allem die gefederten Sattelstützen erwiesen sich als bruchgefährdet. Sie verabschiedeten sich mal früher, mal später. In je einem Fall gingen der Rahmen beziehungsweise der Lenker zu Bruch. Insgesamt acht mal (darunter zweimal bei Elektrorädern) mussten wir gelbe und rote Karten zeigen. Am schlimmsten unter den Cityrädern traf es das Modell der Fahrradmanufaktur und Gudereit Comfort Plus, deren Sattelstützen schon nach (simulierten) 500 Kilometern und bei jeweils einem zweiten Modell nach 3 000 Kilometern hinüber waren.

Nun wird ein Cityrad in aller Regel nicht so hart rangenommen wie beispielsweise ein Trekkingrad oder gar ein Mountainbike. Das haben wir sowohl bei den Prüfungen als auch bei den Beurteilungen berücksichtigt. Deshalb sind die bruchgefährdeten Cityräder bei den Endurteilen für die Qualität insgesamt auch noch mit einem blauen Auge davongekommen. Die meisten Punktabzüge gab es bei sehr frühzeitigem Bruch der Sattelstütze und beim Bruch des Lenkers, der unmittelbar einen schweren Sturz zur Folge haben kann. Rahmenbrüche kündigen sich dagegen meist frühzeitig an, sodass gefährliche Überraschungen relativ selten sein dürften. Bei den schlechten Sattelstützen empfehlen wir einen vorsorglichen Austausch.

Nicht alle gut für Kindertransport

Sechs Männer und zwei Frauen stellten die Testmannschaft für die praktischen Prüfungen. Bei den Touren fuhren sie ohne, aber auch mit Gepäck. Da gerade Cityräder gern als Gefährt für den Kindertransport zur Schule oder in den Kindergarten eingesetzt werden, ließen wir bei den Stadtfahrten außerdem Kindersitze montieren und bestückten sie mit zehn Kilogramm schweren Dummys, die einen lebendigen Dreijährigen ersetzten. Wir wollten wissen, wie sich das Fahr­verhalten durch die Fracht verändert und ob wichtige Funktionen wie beispielsweise das Einschalten der Lichtanlage erschwert werden. Auch die Montagemöglichkeit für Kindersitze wurde beurteilt. Im Test kamen zwei Fabrikate von Römer und Hamax zum Einsatz.

Ergebnis: Nicht alle Räder eignen sich gleich gut für den Kindertransport. Am schlechtesten schnitt Bianchi Spillo Pisa ab. Die Testmodelle von Hercules, Göricke, Epple (auch das Elektromodell), Rabeneick und Gudereit sind zwar nicht ungeeignet, aber doch eher zweite Wahl. Wer also häufig mit den lieben Kleinen unterwegs ist, sollte auf diesen Aspekt besonders achten.

Tipp: Haben Sie schon einen Kindersitz, nehmen Sie ihn zum Fahrradkauf mit, um gleich vor Ort auszuprobieren, ob er sich auch umstandslos montieren lässt und gut auf den Gepäckträger passt. Ansonsten stehen Sie vielleicht mit zwei Teilen da, die nicht zusammenpassen.

Schaltungen und Bremsen

Einige weitere Erkenntnisse aus unseren Testfahrten und Laborprüfungen:

  • Die heute übliche Siebengang-Nabenschaltung reicht in der Stadt völlig aus. Die Kettenschaltung des Bianchi Spillo Pisa mit ihren 24 Gängen kam zwar „gut“ weg, ist aber, besonders für Ältere, problematisch, weil Kettenschaltungen generell mehr Schaltaufwand verlangen und damit in der Stadt für viele ziemlich unpraktisch sind. Im Vergleich der Nabenschaltungen untereinander lagen meist die von Shimano durch ihre gleichmäßigere Abstufung vorn.
  • Viele Vorderradbremsen sind mit Vorsicht zu genießen, weil sie so effektiv arbeiten, dass bei starkem Zugriff ein Abflug über den Lenker droht.
  • Allein auf die Rücktrittbremsen der Räder sollte sich der Fahrer besser nicht verlassen. Oft erfüllen sie die Norm bei der Verzögerung gerade einmal so. Ratsamer ist es, in brenzligen Situationen immer zusätzlich das Vorderrad mit abzubremsen.
  • Zwiespältig sind auch die drei geprüften Räder mit so genanntem Bullen- oder Multifunktionslenker. Die „Brezel“ ermöglicht mehrere Griffpositionen, was aber eher bei Langstreckenfahrten von Belang sein dürfte. Last, but not least: Am Bullenlenker kann man nicht einmal schnell seine Einkaufstüte anhängen. Das vermindert zwar die Verkehrssicherheit, ist aber bei Modellen ohne Transportkorb gern geübte Praxis beim Spontaneinkauf.

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