Cityrad Batavus Ouverture Schnelltest

Da fühlten sich selbst erfahrene test-Radfahrer ziemlich unsicher. Bei Erprobung der neuen Getriebenabe NuVinci am Cityrad Batavus Ouverture waren sie kaum zu stoppen. Die Bremsen am Rad haben viel zu wenig Wirkung. Vor allem bei Abfahrten ist der Bremsweg gefährlich lang. Die Messung im Prüfstand bestätigt: Die Verzögerung reicht nicht aus. test kaufte flugs ein zweites Rad und stellte es ebenfalls auf den Prüfstand. Ergebnis: Es bremst zwar etwas besser, schafft aber auch nicht die nach Norm nötige Verzögerung. Hinzu kommt: Der Bremsenhersteller lässt die Bremse nur für bis zu 100 Kilogramm Gesamtgewicht zu. Das Batavus Ouverture wiegt jedoch schon ohne Fahrer fast 24 Kilogramm.

Begrenzte Bremswirkung

Cityrad Batavus Ouverture Schnelltest

Batavus montiert am Ouverture Shimano Rollenbremsen vom Typ BR-IM 41. Bei Betätigung der Bremse pressen Rollen einen Metallbelag von innen gegen die Bremstrommel. Ein großer Kühlkörper nimmt die Reibungswärme auf und gibt sie an die Luft ab. Vorteil solcher Bremsen: Die Bremsbeläge müssen nie erneuert werden. Die Einstellung ist einfach, der Wartungsaufwand gering und sie sind unempfindlich gegen Nässe und Schmutz. Der Haken allerdings: Ihre Leistungsfähigkeit ist begrenzt. Hersteller Shimano selbst warnt: Bei einem Gesamtgewicht von mehr als 100 Kilogramm kann die Bremse zu schwach sein. Mit anderen Worten: Am fast 24 Kilogramm schweren Batavus Ouverture sind sie nur sicher, so lange der Fahrer nicht mehr als 76 Kilogramm wiegt und er kein Gepäck mitnimmt. Besondere Vorsicht ist bei langen Abfahrten nötig: Bei Dauerbremsung kann die Bremse laut Shimano-Bedienungsanleitung überhitzen und die Wirkung dadurch noch weiter nachlassen.

Herstellerwarnung fehlt

Sehr ärgerlich: Die Original-Shimano-Hinweise zur Benutzung der Bremse liefert Batavus nicht mit. Die Batavus-Bedienungsanleitung enthält keinen Hinweis auf die eingeschränkte Leistungsfähigkeit der Bremsen. Noch schlimmer: Es fehlen wichtige Hinweise zur Wartung. Die Rollenbremsen brauchen Schmierung. Ohne kann die Bremse blockieren und zu schweren Stürzen führen. Shimano empfiehlt bei ungewöhnlichen Geräuschen und ungewohnt starker Bremswirkung: Sofort anhalten und das Rad zur Kontrolle in die Werkstatt bringen. Sie erneuert bei Bedarf die Schmierung der Bremse mit einem speziellen Fett. Mögliche Ursache für einen Mangel an Fett: Die Bremse ist zu heiß gelaufen und das dadurch dünnflüssige Fett herausgetropft. Auch dazu findet sich in der Batavus-Bedienungsanleitung kein Wort.

Werte unterhalb der Norm

Auf dem test-Prüfstand schaffen die Bremsen am Batavus Ouverture nicht die nach DIN EN geforderte Mindestverzögerung von 3,4 Meter pro Sekunde zum Quadrat vorn und 2,2 hinten bei einer Handkraft von 180 Newton. Das erste test-Rad schafft nur 2,2 vorn und 0,8 hinten. Etwas besser schlägt sich die Vorderradbremse am zweiten test-Rad. Die Vorderradbremse erzeugt eine Verzögerung von 3,1 Meter pro Sekunde zum Quadrat. Für die Hinterradbremse ermitteln die test-Ingenieure wiederum einen völlig unzureichenden Wert von 0,8.

Bremshebel und -züge zu schwach

Grund für die Bremsschwäche des Batavus Ouverture ist nicht allein die eigentliche Bremse. Auch die Bremshebel und/oder -züge tragen ihren Teil zum Mangel an Verzögerung bei. Bei Austausch gegen Original-Shimano-Teile verbesserte sich die Bremswirkung bei beiden test-Rädern deutlich. Beim ersten test-Rad blieb die Vorderradbremse nach dem Austausch von Bremshebeln und -zügen allerdings immer noch hinter der Norm zurück. Das zweite test-Rad dagegen schaffte sie mit den Original-Zügen und -Hebeln.

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