Cis Deutsch­land AG Meldung

Das Land­gericht Leipzig hat den Finanz­vertrieb Carpediem, die Cis Deutsch­land AG, die Cis Fonds­verwaltungs AG & Co. KG sowie die Treu­hand­kommanditistin Grützmacher Gravert GmbH wegen Falsch­beratung verurteilt. Ein Vermittler des Vertriebs Carpediem hatte einer Anlegerin eine riskante Beteiligung als Alters­vorsorge empfohlen. Nun haften alle beteiligten Firmen für die schlechte Beratung.

Als Alters­vorsorge nicht geeignet

Die riskante Beteiligung an der Garantie Hebel Plan ’08 Premium Vermögensaufbau AG & Co. KG sei unter anderem aufgrund des bestehenden Total­verlustrisikos nicht als Alters­vorsorge geeignet, urteilte das Gericht. Über viele andere Prospekt- und Beratungs­fehler habe das Gericht dann gar nicht mehr entschieden, erklärte Rechts­anwalt Seimetz aus Ottweiler gegen­über test.de. In einem Parallel­verfahren habe das Gericht ebenfalls zugunsten eines Anlegers entschieden. Auch hier habe das Gericht die Vermitt­ler­empfehlung des Fonds zur Alters­vorsorge als fehler­hafte Anla­geberatung kritisiert, erklärte Seimetz. Beide Urteile sind nicht rechts­kräftig (Land­gericht Leipzig, Urteil vom 13.05.2013, Az. 4 O 3411/11 und Land­gericht Leipzig, Urteil vom 13.05.2013, Az. 4 O 3412/11)

Gesell­schaften müssen Anlegerin Verluste erstatten

Die Cis Deutsch­land AG, die Cis Fonds­verwaltungs AG & Co. KG sowie die Treu­hand­kommanditistin GGV GmbH (früher Grützmacher Gravert GMBH) und der Finanz­vertrieb Carpediem GmbH müssen der Anlegerin nun alle bislang an die Garantie Hebel Plan ’08 Premium Vermögens­aufbau AG & Co. KG geleisteten Zahlungen plus Zinsen erstatten. Im Gegen­zug muss die Anlegerin ihre Fonds­anteile zurück­geben. Außerdem müssen die Firmen der Frau auch die vorgericht­lichen Anwalts­kosten sowie die Kosten des Rechts­streits ersetzen. Insgesamt sollte die Anlegerin binnen 19 Jahren knapp 70 000 Euro in monatlichen Raten von 300 Euro einzahlen. Die monatlichen Raten muss sie nun nach dem Urteil des Gerichts nicht mehr zahlen.

Gericht: Alle beteiligten Gesell­schaften müssen haften

Das Land­gericht machte alle beteiligten Gesell­schaften für die Fehlberatung der von Rechts­anwalt Seimetz vertretenen Anlegerin haft­bar. Als Gründungs­gesell­schafter der Garantie Hebel Plan ’08 Premium Vermögens­aufbau AG & Co. KG hätten die Cis Deutsch­land AG, die Cis Fonds­verwaltungs AG & Co. KG sowie die Treu­hand­kommanditistin GGV GmbH die Pflicht gehabt, interes­sierten Anlegern ein zutreffendes Bild über das Beteiligungs­objekt zu vermitteln. Dazu gehöre insbesondere die verständliche und umfassende Aufklärung über Nachteile und Risiken der Fonds­beteiligung. Über­ließen die Beteiligten die Aufklärung – wie im vorliegenden Fall – dem Vermittler eines Finanz­vertriebs, müssten sie für unrichtige und unzu­reichende Aussagen haften, begründete das Gericht seine Entscheidung. Den Einwand, dass der Carpediem-Vertrieb im Ausgut 2012 aus dem Handels­register gelöscht wurde und deshalb nicht mehr haften müsse, ließ das Gericht nicht gelten.

Urteile können auch anderen Anlegern helfen

Sollten die Urteile des Land­gerichts rechts­kräftig werden, könnten sie vielen Anlegern helfen, denen die Fonds zur Alters­vorsorge empfohlen wurden, erklärt Rechts­anwalt Seimetz. Wie mehr­fach berichtet, hatten die Carpediem-Vermittler die Beteiligungen an verschiedenen so genannten Garantie-Hebel-Plänen jahre­lang mit zweifelhaften Methoden vermittelt.

Finanztest warnt seit Jahren

Finanztest hat in den letzten Jahren immer wieder vor den dubiosen Vermitt­lungs­methoden des Vertriebs Carpediem sowie den riskanten Fonds der Cis Deutsch­land AG gewarnt und in die Warnliste Geldanlage aufgenommen.

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