Chronisch Kranke auf Reisen Meldung

Wer chronisch krank ist, muss auf eine Urlaubsreise nicht verzichten. Allerdings sollte er sie gründlich planen und gut organisieren. Beachtet er während der Reise noch einige Regeln, steht der Erholung nichts mehr im Weg.

Herz- und Krebskranke, Diabetiker und Immungeschwächte müssen regelmäßig Medikamente einnehmen, oft Diäten einhalten und sind manchmal in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Viele sind deshalb unsicher, ob sie sich den Strapazen einer Reise unterziehen sollen oder gar dürfen. Doch wenn sie besondere Vorsichtsmaßnahmen beachten, spricht nichts gegen einen Erholungsurlaub.

Zunächst sollten sie mit dem Hausarzt oder eventuell einem Reisemediziner abklären, ob die geplante Reise eine Verschlimmerung der Leiden mit sich bringen kann ­ sei es durch einen Flug, ungewohntes Klima, fremde Kost oder starke körperliche Beanspruchung. In manchen Fällen können auch Untersuchungen zur Feststellung der Reisefähigkeit sinnvoll sein. Mithilfe seines Hausarztes sollte ein Patient dann einige spezielle Reiseunterlagen zusammenstellen: eine kurze schriftliche Zusammenfassung der Krankengeschichte, eine Liste der benötigten Medikamente, die Verordnung der Arzneimittel, eine Kopie des Rezepts, die Telefonnummer des Arztes sowie Namen, Adressen und Telefonnummern von Ärzten oder Kliniken am Urlaubsort.

Tipp

: Notieren Sie bei Auslandsreisen wichtige Begriffe (Arzt, Apotheke, Krankheitsmerkmale, Spritze, etc.) in der Landessprache.

Medikamente sollten immer in der Originalverpackung und mit dem Beipackzettel mitgenommen werden ­ hier finden sich wichtige Hinweise auf den Wirkstoff, falls einmal Ersatz besorgt werden muss. Noch vor der Reise sollte geklärt werden, ob die üblichen Präparate Hitze und Feuchtigkeit vertragen, ob man auf andere Produkte ausweichen oder ob im Zug oder Flugzeug der Bordkühlschrank genutzt werden kann.

Wichtig ist es auch, sich darüber zu informieren, ob für das Reiseland Impfungen notwendig sind oder empfohlen werden. Auch Auffrischimpfungen können sinnvoll sein, zum Beispiel gegen Diphterie, Tetanus und Kinderlähmung. Besonders älteren Menschen werden auch Impfungen gegen die Influenzagrippe sowie eine schwere Form der Lungenentzündung empfohlen (weitere Informationen beim Robert-Koch-Institut). Auch sollten einige Versicherungen in Erwägung gezogen werden. Sinnvoll sind eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rücktransport und eine Reiserücktrittsversicherung.

Herzkranke

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Patienten mit Herzerkrankungen, die keine wesentlichen Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit haben, können reisen. Das gilt sowohl für Patienten mit Herzschrittmacher, Defibrillator oder künstlichen Herzklappen als auch für Menschen mit Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt. Nach einem Infarkt oder einer Operation sollten sie allerdings drei Monate warten, bevor sie auf Reisen gehen, nach Einsetzen eines Herzschrittmachers oder Erweiterung der Herzarterien reichen drei Wochen.

Extremsituationen wie etwa schwere Bergtouren, Wüstensafaris oder Grönlandtouren sollten Herzkranke meiden. Am Urlaubsort sollten sie sich langsam eingewöhnen und dann leichte bis mittlere Belastungen wählen, zum Beispiel Wandern oder Ausdauersport.

Tipp: Bei der Herzstiftung erhalten Sie ein Faltblatt mit Hinweisen für verschiedene Erkrankungen. Wer nicht allein verreisen möchte oder sich sogar ärztliche Begleitung wünscht, kann sich in Reisebüros, bei Reiseveranstaltern und Fachorganisationen nach Spezialangeboten erkundigen.

Rund 40 Reha-Kliniken bieten in Deutschland einen Urlaubsservice an: Patienten verbringen ihren Urlaub am Ort einer solchen Klinik oder sogar direkt in der Klinik und können bei Bedarf deren Freizeit-, Sport- und Therapieeinrichtungen nutzen (Informationen bei der Herzstiftung).

Diabetes

Chronisch Kranke auf Reisen Meldung

Nach Reiseantritt Blutzuckerwert alle vier Stunden kontrollieren.

Diabetiker können nahezu uneingeschränkt in alle Gegenden der Welt reisen. Jede Reise bringt aber Veränderungen mit sich: einen anderen Tagesrhythmus, andere Essgewohnheiten und Nahrungsmittel, mehr Bewegung. Darauf muss sich ein Patient einstellen. Vor einer Reise ist eine individuelle Beratung durch den Arzt sinnvoll, besonders beim insulinabhängigen Diabetiker. Je nach Art der Therapie ­ ob konventionell mit langwirksamem Insulin oder intensiviert konventionell mit zusätzlichen Gaben von kurz wirksamem Insulin ­ ist die Behandlung genau zu planen, vor allem, wenn bei Langstreckenflügen mehrere Zeitzonen überflogen werden und sich Injektions-Zeitpunkte oder Mengen verschieben. Folgende allgemeine Grundregeln lassen sich aber aufstellen:

- Es ist günstig, für Notfälle bereits vor der Abreise einen zuverlässigen Arzt am Urlaubsort ausfindig zu machen (über Reiseveranstalter, Tropeninstitute, Vertrauensärzte der Fluggesellschaften, Auswärtiges Amt).

- Nehmen Sie ein Attest zum Nachweis Ihrer Krankheit mit, möglichst auch in der Sprache des Reiselandes (wegen der Spritzen könnte bei den Beamten am Flughafen sonst womöglich der Verdacht auf Drogenkonsum aufkommen).

- Informieren Sie bei Beschwerden Ihren Reiseleiter oder Mitreisende über Ihre Zuckerkrankheit und Notfallmaßnahmen. Machen Sie Ausflüge möglichst nicht allein ­ wenn doch, informieren Sie das Hotel oder den Reiseleiter darüber, wo Sie sich aufhalten und wann Sie zurückzukommen beabsichtigen.

- Achten Sie auf einen ausreichenden Vorrat an Nadeln, Einwegspritzen, Insulin beziehungsweise Antidiabetika, Glucagon und Traubenzucker sowie Materialien zur Urin- und Blutuntersuchung. Deponieren Sie Ersatzgeräte und -insulin an einem sicheren Ort, zum Beispiel im Hotelsafe.

- Alle Medikamente und Hilfsmittel, die Sie am Reisetag benötigen, sollten ins Handgepäck.

- Für den Fall eines geplatzten Anschlussfluges und wegen Diebstahlgefahr des Handgepäcks nehmen Sie am besten eine dreifache Ration mit in die Maschine und verteilen sie auf sich und Ihre Reisebegleiter.

- Bei Fernflugreisen nach Westen verlängert sich der Tag, nach Osten verkürzt er sich. Bei einer Zeitverschiebung von vier oder mehr Stunden muss die Insulinmenge entsprechend erhöht oder verringert werden.

Beispiel: sechs Stunden Zeitverschiebung. Die in 24 Stunden verabreichte Insulinmenge erhöht oder verringert sich am Reisetag um 6 Stunden geteilt durch 24 Stunden. Am Reisetag müssen 6/24 gleich 1/4 Insulin mehr oder weniger gegeben werden. An den folgenden Tagen gibt man wieder die übliche Insulinmenge.

Faustregel für Westreisen: bei 4 bis 7 Stunden Zeitverschiebung ­ einmal schnell wirkendes Altinsulin zusätzlich geben, 8 bis 12 Stunden ­ einmal Intermediär-Insulin mit mittlerer Wirkdauer zusätzlich geben.

Faustregel für Ostreisen: bei 4 bis 7 Stunden Zeitverschiebung ­ einmal schnell wirkendes Altinsulin weglassen oder einmal Intermediär-Insulin durch schnell wirkendes Altinsulin ersetzen, 8 bis 12 Stunden ­ einmal Interme- diär-Insulin mit mittlerer Wirkdauer beziehungsweise Mischinsulin weglassen.

Tipp:

Bei den Insulinherstellerfirmen gibt es Broschüren zu dieser Problematik.

Nach Reiseantritt sollte der Blutzuckerwert alle vier Stunden kontrolliert und gegebenenfalls kurzwirksames Insulin zugespritzt werden.

Insulin ist temperaturempfindlich und sollte nicht bei über 40°C oder unter 0°C (Flugzeug-Gepäckraum) aufbewahrt werden. Packen Sie das Insulin für den Transport am besten in ein Thermosgefäß. Insulinpatronen im Pen sind unter normalen Tragebedingungen in der Jacke oder Tasche drei Wochen haltbar.

Falls Sie Insulinpräparate im Ausland nachkaufen, achten Sie auf die Konzentrationen. Sie können von der gewohnten Insulinmenge pro Milliliter in Deutschland abweichen. Dann müssen Sie Ihren Bedarf umrechnen.

Auch Kohlenhydratangaben unterscheiden sich von den bei uns üblichen Einheiten. Die Broteinheit (12 Gramm Kohlenhydrat) gibt es im Ausland nicht. Dort rechnet man stattdessen mit "carbohydrate exchange" (CE). Das entspricht 10 Gramm Kohlenhydrat.

Vorsicht bei unbekannten Lebensmitteln. Der Kohlenhydratgehalt ist aber meist grob abzuschätzen durch Vergleich mit ähnlichen europäischen Lebensmitteln. Kontrollieren Sie nach unbekannten Speisen den Blutzuckerspiegel.

Achten Sie auf ungewöhnliche Anstrengungen oder ausfallende Mahlzeiten, die Ihren Blutzuckerspiegel sinken lassen.

Wenn Sie an Durchfall oder Erbrechen leiden, sind Sie gefährdeter als Menschen ohne Diabetes. Ihr Mineralhaushalt gerät leichter durcheinander, sie nehmen weniger Nahrung auf und benötigen weniger Insulin. Suchen Sie unbedingt einen Arzt auf.

Bei hohen Außentemperaturen muss der höhere Flüssigkeitsverlust ausgeglichen werden, gespritztes Insulin wird beschleunigt vom Körper aufgenommen. Denken Sie an eine Unterzuckerung und halten Sie Traubenzucker bereit.

Für Typ-II-Diabetiker ohne Insulinpflicht gilt: Patienten, die Acarbose und Methformin einnehmen, brauchen an der Medikation während eines Langstreckenfluges nichts zu ändern, Sulfonylharnstoffe sollten während des Fluges reduziert werden (Gefahr der Unterzuckerung).

Dialyse

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Kreuzfahrtschiff Delphin mit Dialysestation.

Wer dialysepflichtig ist, muss sich an Orten aufhalten, an denen er regelmäßig die Blutwäsche durchführen kann. Auch wer die Bauchfelldialyse (CAPD) gewählt hat, muss zumindest zuverlässig mit Dialysematerial beliefert werden, was zu Ferienzeiten schon zum Problem werden kann. Für Notfälle sollte ein Dialysezentrum zur Betreuung erreichbar sein.

Im Fichtelgebirge, in Florenz oder Florida dürfte es mit guten, hygienisch einwandfreien Dialyseeinrichtungen wenig Probleme geben. Mit denen ist man eher bei Reisen in Entwicklungs- oder Schwellenländer konfrontiert. Zwar gibt es auch dort zuverlässige Dialysepraxen und -kliniken, aber die Suche nach ihnen gestaltet sich schwieriger. So werden in manchen weniger vertrauenswürdigen Dialyseeinrichtungen zum Beispiel infektiöse Patienten (Hepatitis) nicht getrennt von den anderen behandelt. Gute Vorbereitung und Organisation ist in jedem Fall (lebens)wichtig. Hier eine Checkliste der wichtigsten Vorbereitungen:

- Mit dem Dialysearzt den Urlaub besprechen und medizinische Unbedenklichkeit sicherstellen und für eine zusätzliche Reise-Krankenversicherung bestätigen lassen.

- Bei der Krankenkasse den Leistungszeitraum und -umfang sowie die Abrechnungsmodalitäten im betreffenden Reiseland klären und schriftlich bestätigen lassen. Nicht übernommene Kosten klären, denn dialysespezifische Risiken sind nicht immer im Leistungsumfang der Krankenkasse enthalten, zum Beispiel Rücktransport wegen Komplikationen. Eventuell Zusatzversicherung abschließen.

- Klären Sie vorab die Kostenübernahme. Mit vielen Ländern bestehen Sozialversicherungsabkommen. Hier müssen die Kosten der Feriendialyse nicht vorgestreckt werden. Bei anderen Ländern wie den USA und der Schweiz erteilen die Krankenkassen in der Regel Kostenübernahmeerklärungen bis zu sechs Wochen. Bei einer dritten Ländergruppe müssen die Kosten zumindest vorgestreckt werden, teilweise wird die vollständige Kostenübernahme abgelehnt.

- Nehmen Sie mit der Feriendialyse-Einrichtung Kontakt auf, regeln Sie die Kostenverrechnung, lassen Sie sich die Dialysetermine bestätigen.

- Lassen Sie die Krankendaten von Ihrem Arzt an die Feriendialyse-Einrichtung schicken.

- Falls Sie auf der Transplantations-Warteliste stehen, hinterlassen Sie in Ihrem heimischen Dialysezentrum Ihre Telefonnummer.

- Besprechen Sie als Bauchfelldialyse-Patient mit Ihrem Heimat-Dialysezentrum frühzeitig Ihre Reisepläne und koordinieren Sie die Belieferung mit Materialien. Hinterlassen Sie die Adresse Ihrer Unterkunft.

Eine Reihe von Institutionen gibt Feriendialyse-Broschüren heraus. Sie enthalten Adressen von Dialysezentren und niedergelassenen Nephrologen im In- und Ausland, bei denen die Feriendialyse prinzipiell möglich ist. Die Broschüren sind in den Dialysezentren zu beziehen oder über die Geschäftsstellen der verschiedenen Institutionen.

Krebs und Immunschwäche

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Vor Reiseantritt können verschiedene Impfungen sinnvoll sein.

Ob ein Krebspatient kurz nach seiner Erkrankung oder in einer Therapiepause ohne Gefährdung seiner Gesundheit in den Urlaub fahren kann, sollte er am besten mit den behandelnden Ärzten besprechen. Denn viele Fragen lassen sich nur individuell klären. Wie lange die letzte Behandlung zurückliegt, ob das Immunsystem mitspielt und wie die versicherungsrechtliche Situation ist, hat Einfluss auf diese Entscheidung.

So sollten zum Beispiel Patienten nach einer Operation in der Bauchhöhle oder im Brustraum mindestens zwei bis sechs Wochen mit dem Fliegen warten, nach Eingriffen am Schädel sogar sechs Monate. Neben dem behandelnden Arzt erteilen auch die flugmedizinischen Dienste vieler Fluggesellschaften Auskunft. Krebskranke, denen viele Lymphknoten entfernt oder die bestrahlt wurden, reagieren empfindlich auf Hitze und Sonne. Auch Chlor- oder Meerwasser kann Hautreizungen zur Folge haben.

Wie jeder chronisch Kranke sollten auch Immungeschwächte mit ihrem Arzt abklären, ob das gewünschte Reiseziel überhaupt vertretbar ist, zum Beispiel wegen der notwendigen Impfungen. Immungeschwächte Personen sollten nach Möglichkeit nur mit Tot-Impfstoffen geimpft werden. Diese sind für das geschwächte Immunsystem in der Regel kein Problem, da sie nur deaktivierte Erreger oder Teile von ihnen enthalten, die sich nicht mehr vermehren können. Viele Impfstoffe gegen typische Reise-Infektionen sind heute solche Tot-Impfstoffe.

Allgemeine Informationen rund um das Impfen hält das Robert-Koch-Institut bereit, zum Beispiel auch über eventuell bedenkliche Lebendimpfstoffe oder neuartige Impfstoffe, die auch für immungeschwächte Patienten geeignet sind.

Wer aufgrund einer Organtransplantation dauerhaft immununterdrückende Medikamente einnehmen muss, kann sich bei Fragen rund um Impfen und Malaria-Prophylaxe unter anderem an das Institut für Tropenmedizin in Berlin wenden. Es verfügt über Spezialkenntnisse auf diesem Gebiet.

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