Christstollen Test

Weihnachten kann kommen: Es gibt jede Menge „gute“ Stollen. Geschmack und Preis machen den Unterschied – und der ist manchmal beträchtlich.

Stollen kann ich nicht ausstehen“, sagt der eine. „Ich kann es kaum abwarten“, freut sich der andere schon das ganze Jahr über. Am Stollen scheiden sich die Geister – und doch gehört er zu Weihnachten wie der Tannenbaum. Jahr für Jahr kommt der kalorienreiche Kuchen auf den weihnachtlichen Kaffeetisch. Was ist dran am Mythos Christstollen und was steckt drin? Im Test: 26 Butter-, Dresdner, Marzipan- und sonstige Stollen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. 10 von 26 Stollen sind „gut“.

Karriere

Christstollen Test

Im Labor: Die Zutaten werden getrennt, gewogen, analysiert.

Die Erfolgsgeschichte des Stollens beginnt schon im Mittelalter. Doch dem heutigen Kuchen ähnelte er damals kaum. Weil die Adventszeit in katholischen Gegenden als Fastenzeit galt, durfte neben Hefe, Mehl und Wasser nur Öl, zum Beispiel Rübenöl, zum Backen verwendet werden – und das schmälerte den Genuss. Erst der berühmte „Butterbrief“ des Papstes erlaubte den Sachsen 1474 Butter zum Stollenbacken.

Der Dresdner Christstollen gilt heute noch als einer der berühmtesten. Und im Test hat er am besten abgeschnitten: Gleich vier der fünf Dresdner sind „gut“. Nur für das Dresdner Backhaus heißt es „befriedigend“: Zwar war Erdnussfett als Zutat angegeben – nicht aber, dass es gehärtet war. Streng genommen gehört Erdnussfett gar nicht hinein. Denn der Schutzverband Dresdner Stollen verlangt in seiner Satzung Butter – und davon reichlich: 500 Gramm auf ein Kilogramm Mehl. Das sind übrigens 100 Gramm mehr als im Butterstollen. Der Kunde erkennt die Qualität der herkunftsge­schützten sächsischen Spezialität am Siegel mit dem „Goldenen Reiter“. Und oft auch am Preis: Denn Dresdner Stollen gehören eher zur oberen Preisklasse. Genauso wie die beiden anderen Traditionsmarken Lebkuchen Schmidt Nürnberger Christstollen und Niederegger Marzipan-Stollen. Bei denen stimmt die Qualität auch (siehe Tabellen).

Spitzenreiter

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Zur Kontrolle: Der Fett- und der Was­sergehalt werden in jedem einzelnen Stollen bestimmt.

Am wichtigsten ist, dass ein Stollen nach Stollen schmeckt: rein, vollaromatisch, vollmundig und harmonisch abgerundet. Auch in Aussehen, Mundgefühl und Schneidbarkeit darf er keine Fehler haben, um in der sensorischen Fehlerfreiheit die Höchstnote „sehr gut“ zu erreichen. Nur vier haben es geschafft: Emil Reimann, Eisold, Niedereg­ger und Lebkuchen-Schmidt. Alle anderen, oft günstigeren Stollen waren hier „gut“ oder nur „befriedigend“.

Figurbewusste

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Keimgehalte: Bis auf Bahlsen Edelmarzipan Stollen waren alle anderen unauffällig.

So gut Stollen auch schmeckt: Er ist eine wahre Kalorienbombe. Eine Scheibe von 100 Gramm hat bis zu 426 Kilokalorien – zu viel für eine Zwischenmahlzeit. Selbst Buttercremetorte hat weniger Kalorien. Auch unsere Prüfer hatten nach dem Verkosten manches Gramm mehr auf den Hüften. Schuld daran sind die Zutaten: Zucker, Mehl, Rosinen, Mandeln und jede Menge Fett. Das geht nicht nur auf die Figur, es wirkt sich auch ungünstig auf den Cholesterinspiegel aus. Grund sind die Transfettsäuren. In geringen Mengen kommen sie auch in Butter vor, entstehen aber vor allem beim Härten von Fetten. Entscheidend ist die richtige Fettauswahl. Meist stimmte sie. Nur bei Der Frischebäcker und Harry war der Gehalt an Transfettsäuren zu hoch.

Stulle statt Stolle muss es ja trotzdem nicht gleich heißen. Schließlich stehen genug „Gute“ zur Auswahl. Denn eins ist klar: Weihnachten ganz ohne Stollen ist kein richtiges Weihnachten.

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