Historische Christbaumständer: Kunstschätze vom Trödelmarkt

Christbaumständer Test

oben: Vor 1905: Gusseisen, Alexanderwerk, Remscheid.
rechts: Anonymes Kunstwerk aus Pappmaschee, undatiert.
unten: Um 1910: Spieluhrständer, vernickelt, von Gruoner & Bullinger, Winterbach.
rechts: Um 1910: Zusammenlegbarer Bandeisenständer, L. & C. Arnold, Schorndorf.

Bei einem Bummel über den Stuttgarter Trödelmarkt stach Gerhard Wermescher aus der Daimlerstadt Schorndorf ein alter Weihnachtsbaumständer ins Auge. Er erstand ihn für 25 Mark. Das war 1994. Der heute 72-jährige gelernte Konditormeister und Hobbykünstler entdeckte die Vielfalt und den ästhetischen Reiz dieser Gebrauchsgegenstände.

Er begann, bundesweit nach ihnen Ausschau zu halten und hat inzwischen eine wohl einzigartige Sammlung von mehr als 250 historischen Christbaumständern zusammengetragen. Nur ein Teil besteht aus robustem Gusseisen; auch aus Bandeisen, Holz, Glas oder Pappmaschee wurden Ende des 19. Jahrhunderts Haltevorrichtungen gefertigt, als der Christbaum in unsere Bürgerhaushalte und bald auch in die Kirchen einzog.

Ständer mit Spieluhr

Christbaumständer Test

Gerhard Wermescher

Aufmerksam auf Wermeschers Schätze wurde Dr. Wolfgang Morlok, Leiter des Stadtmuseums Schorndorf. Er stellte 2001 in der Weihnachtszeit 180 Objekte zu einer Sonderausstellung zusammen. Eines der ältesten Stücke der Sammlung Wermescher entstand 1871 in der Schorndorfer Eisenmöbelfabrik L. & C. Arnold. Das wohl aufwendigste Exemplar stammt aus der Manufaktur Gruoner & Bullinger im benachbarten Winterbach. Es ist ein um 1910 gefertigter, vernickelter Ständer mit eingebauter Spieluhr. Die Tülle dreht sich zum Klang von „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „O du fröhliche, o du selige“.

Selbst der erfahrene Kunsthistoriker Morlok staunt über die gestalterische Vielfalt und handwerkliche Qualität dieser industriellen Serienprodukte, die als Massenware für eine möglichst breite Käuferschicht bestimmt waren. Er wundert sich aber auch, dass über diesen Bereich der Industriegeschichte keine Literatur zu finden ist.

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