Es gibt neue Hinweise, dass cholesterinsenkende Lebens­mittel möglicher­weise das Risiko für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen erhöhen. Dazu gehören Margarine und Jogurt­drinks mit zugesetzten Pflan­zen­stoffen wie Becel pro-aktiv von Uni­lever und Danacol von Danone.

[Update 13.04.2012] Verschiedene Pflanzen­stoffe zugesetzt

In einer älteren Fassung dieses Artikels haben wir im Zusammen­hang mit Hinweisen auf mögliche Risiken neben den Produkten Becel pro-aktiv von Unilever und Danacol von Danone auch das Produkt Benecol der Firma Emmi erwähnt. Das war jedoch nicht korrekt. Die Studie aus den Nieder­landen, aus der sich Hinweise auf erhöhte Risiken für Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen ergeben, zeigte solche möglichen unerwünschten Effekte bei Lebens­mitteln mit zugesetzten Pflanzens­terinen. Diese werden auch Pflanzens­terole genannt. Solche Stoffe sind im Jogurt­drink Benecol von Emmi jedoch nicht zugesetzt, sondern sogenannte Pflanzens­tanole. Sie unterscheiden sich chemisch von Pflanzens­terinen. Für Pflanzens­tanole hat die nieder­ländische Studie jedoch keine Hinweise auf eine gefäß­schädigende Wirkung gezeigt. Gleich­wohl gilt: Sowohl Produkte mit Pflanzens­tanolen als auch mit Pflanzens­terinen sollten ausschließ­lich Menschen verzehren, die ihren Cholesterinspiegel im Blut tatsäch­lich senken möchten und sollten. Auch die Empfehlung, pro Tag nicht mehr als 3 Gramm pro Tag zu verzehren, gilt für beide Typen von cholesterinsenkenden Pflanzen­stoffen. [Update Ende]

Produkte senken Cholesterinspiegel tatsäch­lich

Margarine und Milch­produkte mit zugesetzten Pflanzens­terinen (auch Phytosterine oder Phytosterole genannt) gehören zu den ersten zugelassenen funk­tionellen Lebens­mitteln: Studien hatten belegt, dass sie bei regel­mäßigem Verzehr den Cholesterinspiegel um zehn Prozent senken können. Die Margarine Becel pro-aktiv hat vor über 11 Jahren eine EU-weite Zulassung als „Neuartiges Lebens­mittel“ erhalten. Und die EU-Behörde für Lebens­mittel­sicherheit (Efsa) bestätigte 2009 die cholesterinsenkende Wirkung im Rahmen der Prüfung gesund­heits­bezogener Werbeaussagen (Health Claims).

Neben­wirkungen nicht ausgeschlossen

Allerdings gibt es schon lange Kritik, auch von der Stiftung Warentest Schnelltest Becel pro-aktiv. So können zugeführte Pflanzens­terine die Aufnahme fett­löslicher Vitamine verringern. Weitere Neben­wirkungen und Über­dosierungen beim Verzehr vieler angereicherter Lebens­mittel können nicht ausgeschlossen werden. Foodwatch hat nach eigenen Angaben kürzlich eine Klage gegen den Nahrungs­mittel­konzern Unilever einge­reicht, weil dieser behauptet, es gebe „keinen Hinweis“ auf Neben­wirkungen bei Becel pro-activ. Unilever weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet das Verhalten von Foodwatch als unseriös.

Aktuelle Studie liefert neue Risikohin­weise

Problematisch ist, dass viele Käufer von cholesterinsenkenden Lebens­mitteln gar keinen erhöhten Cholesterinspiegel haben – für sie sind diese Produkte nicht gedacht. Wissenschaftler und Hersteller streiten schon länger darüber, ob ein ständiger Verzehr phytoster­inhaltiger Lebens­mittel womöglich sogar Herz-Kreis­lauf-Erkrankungen begüns­tigen kann. Dafür sprechen neue Hinweise aus einer 2011 veröffent­lichten nieder­ländischen Studie. Das Bundes­institut für Risiko­bewertung (BfR) hat sie jüngst beur­teilt und nun eine Stellungnahme dazu veröffent­licht. Sein Ergebnis: Es sei nicht ausreichend belegt, dass cholesterinsenkende Lebens­mittel für gesunde Personen unbe­denk­lich sind – insbesondere nicht für Kinder. Das Bundes­ministerium für Ernährung, Land­wirt­schaft und Verbraucher­schutz hat deshalb die EU-Kommis­sion darum gebeten, dass die Efsa eine Neube­wertung von Phytosterinen in Lebens­mitteln vornimmt.

Kenn­zeichnung auf dem Prüf­stand

Außerdem wünscht sich das Ministerium eine Über­prüfung der bestehenden Kenn­zeichnung, so eine Sprecherin gegen­über test.de: Sie soll es Verbrauchern unter anderem ermöglichen, ihre Sterin-Zufuhr auf drei Gramm täglich zu beschränken. Das ist vielen Verwendern aber nicht bekannt. Drei Gramm Pflanzens­terine stecken in etwa vier 10-Gramm-Portionen der Margarine Becel pro-aktiv. Viele Konsumenten wissen offen­bar auch nicht, dass cholesterinsenkende Lebens­mittel ausschließ­lich für Personen mit erhöhtem Cholesterinspiegel bestimmt und keinesfalls für Schwangere, Stillende und Kinder unter fünf Jahren geeignet sind.

Fast die Hälfte der Konsumenten ohne Cholesterin­problem

Zwar muss auf den Produkten ein entsprechender Hinweis stehen. Eine Umfrage in Deutschland aus dem Jahr 2007 Jahren ergab aber, dass fast die Hälfte aller Konsumenten nicht zur Zielgruppe gehört. 3,5 Prozent waren sogar Minderjäh­rige, von denen kein erhöhter Cholesterinspiegel bekannt war. In einer flämischen Region verzehrt laut einer belgischen Studie aus dem Jahr 2011 sogar jedes fünfte Vorschulkind regel­mäßig cholesterinsenkende Lebens­mittel. Obwohl auf den Produkten auch der Hinweis stehen muss, dass Patienten, die wegen erhöhter Cholesterin­werte Medikamente nehmen, den Verzehr von cholesterinsenkenden Lebens­mittel mit dem behandelnden Arzt abstimmen sollten, tut das aber nur jeder Dritte. Schließ­lich wirken solche Lebens­mittel wie ein cholesterinsenkendes Medikament.

Was Sie bei erhöhten Cholesterin­werten tun können

Ob Ihre eigenen Cholesterin­werte erhöht sind, können Sie bei Ihrem Haus­arzt oder in der Apotheke mit einer Blut­unter­suchung über­prüfen lassen. Es gelten unterschiedliche Richtwerte – je nach Vorhandensein von Risiko­faktoren wie erhöhtem Blut­druck, Rauchen, Diabetes und familiärer Veranlagung. Wenn das Blut zu viel Cholesterin enthält, lagert sich dieses verstärkt an der Arterieninnenwand ein. Solche arterio­sklerotischen Ablagerungen ziehen arterielle Durch­blutungs­störungen nach sich, die zum Beispiel zu einer koronaren Herz­krankheit, Angina Pectoris oder gar Herz­infarkt führen können. Hohe Cholesterin­werte lassen sich häufig schon mit richtiger Ernährung in den Griff kriegen. Wie das geht, zeigt der am 13. März erscheinende Ratgeber der Stiftung Warentest Gut essen bei erhöhtem Cholesterin.

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