Chemo­therapie bei Krebs Meldung

Viele Krebs­patientinnen behelfen sich bei Haar­ausfall zunächst mit einem Tuch. Manchen genügt diese Lösung nicht.

Die Haare fallen aus – viele Brust­krebs­patientinnen belastet diese mögliche Neben­wirkung einer Chemo­therapie. Eine spezielle Sili­konkappe, die die Kopf­haut während der Chemo gleich­mäßig kühlt, kann den Haar­verlust deutlich mindern. Zu diesem Schluss kommen zwei neue Studien. test.de erklärt, für wen die Kühlkappe in Frage kommt, wie sie funk­tioniert und ob es Risiken gibt.

Chemo­therapie greift auch gesunde Zellen an

Wenn aufgrund einer Chemo­therapie die Haare ausfallen, wird die Krankheit Krebs für jeden sicht­bar. Das belastet viele Betroffene – zusätzlich zur ohnehin schon schwer zu verarbeitenden Diagnose. Den Haar­verlust verursachen hoch­wirk­same Krebs­medikamente, sogenannte Zytostatika. Sie zerstören nicht nur Tumor­zellen, sondern auch gesunde, insbesondere schnell wachsende Zellen wie die der empfindlichen Haarwurzeln: Die Haare fallen aus und wachsen kaum oder gar nicht mehr nach.

Kühlung bremst Medikamente aus

Chemo­therapie bei Krebs Meldung

Die Kühlkappen aus weichem Silikon sind mit einem Kühl­system verbunden.

Eine Kühlung der Kopf­haut soll bewirken, dass sich die Gefäße verengen und so die Haarwurzeln schlechter durch­blutet werden. Folge: Geringere Mengen der Zytostatika im Blut gelangen über den Blut­kreis­lauf an die Haarwurzeln, weniger Zellen werden zerstört, Haare fallen kaum noch aus. Nach diesem Prinzip arbeiten die Kappen, durch die ein flüssiges Kühl­mittel zirkuliert – offen­bar recht wirkungs­voll, wie zwei neue hoch­wertige Studien nahelegen, die kürzlich in der amerikanischen Medizin-Fach­zeit­schrift JAMA veröffent­licht wurden.

Bei jeder zweiten Patientin deutlich weniger Haar­verlust

Bislang werden über­wiegend Brust­krebs­patientinnen mit den Kühlkappen behandelt. Auch die Probanden der beiden aktuellen Studien litten an dieser Krebs­art – in einem frühen Stadium. Fazit der aussagekräftigen Scalp Cooling Alopezia Prevention-Unter­suchung, kurz SCALP-Studie genannt: Von den 95 Frauen, die während der Chemo­therapie­zyklen eine Kühlkappe trugen, ging etwa jeder zweiten höchs­tens 50 Prozent ihres Schopfes aus. Außen­stehende bemerken einen solchen Haar­verlust meist gar nicht. Die 47 Frauen in der Kontroll­gruppe ohne Kappe verloren alle mehr Haare.

Reaktion je nach Medikament unterschiedlich

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Bekamen die Frauen ein Krebs­mittel, das den Wirk­stoff Taxan enthielt, zeigte die Kühlhaube bessere Ergeb­nisse als bei einer Anthra­zyklin basierten Chemo­therapie. Das bestätigt die zweite Studie mit 122 Teilnehmer­innen, die ausschließ­lich Taxan-basierte Medikamente erhielten. Allerdings: Ganz verhindern lässt sich der Haar­verlust nicht. Und es ist noch nicht geklärt, ob das Abkühlen der Kopf­haut die Wirkung der Chemo­therapie in diesem Bereich beein­trächtigt. Aufschluss darüber sollen in einigen Jahren weitere Unter­suchungen geben, die die Rück­fall­häufig­keit der Studien­teilnehme­rinnen und das Auftreten von Metastasen im Kopf­bereich erfassen werden.

Kühl­verfahren ist recht aufwändig

Nur wenige der Probandinnen klagten über unangenehme Begleit­erscheinungen der Behand­lung wie Kopf­schmerzen, schmerzende Haut, Übel­keit oder Frösteln. Sieben Frauen brachen jedoch die Kühlung per Kappe vorzeitig ab: Sie ertrugen die Kälte nicht. Tatsäch­lich ist das Verfahren kompliziert und lang­wierig. Für beide Studien musste die Sili­konkappe bereits 30 Minuten vor dem eigentlichen Beginn der Chemo­therapie auf den Kopf – und dort bis zu eineinhalb Stunden nach der Behand­lung bleiben. Die Kappe ist mit einem Kühl­system verbunden, das sich stufen­weise regulieren lässt. So wurde die Kopf­haut der Probandinnen auf 15 Grad Celsius herunter­gekühlt.

Zuschüsse nur auf Anfrage und im Einzel­fall

In Deutsch­land bieten Fach­kliniken- und Praxen die bis zu 2 000 Euro teure Kühlkappenbe­hand­lung an. Zuschüsse gewähren die Krankenkassen – wenn über­haupt – nur im Einzel­fall und auf Antrag, der dann vom Medizi­nischen Dienst der Krankenkassen (MDK) begut­achtet wird. Im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenversicherungen ist die Kühlkappe bisher nicht verzeichnet. Florian Lanz vom Spitzen­verband der Gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen, GKV, erklärt dazu auf Anfrage: „Wenn Produkte nur während der chemo­therapeutischen Behand­lung in der Arzt­praxis oder Klinik einge­setzt werden, dann steht unseres Erachtens bereits dieser Umstand einer Qualifizierung als Hilfs­mittel im Sinne der Gesetzlichen Kranken­versicherung entgegen.“ Laut der gesetzlich fest­gelegten Hilfsmittelrichtlinien sind Hilfs­mittel „sächliche Mittel oder tech­nische Produkte“, die beein­trächtigte Körperfunk­tionen ersetzen, erleichtern oder ergänzen, wie zum Beispiel Brillen, Hörgeräte oder Prothesen.

Tipp: Alle Informationen rund um die Leistungen der gesetzlichen Kranken­versicherung finden sie im Special Krankenkasse und im großen Vergleich Krankenkassen auf test.de.

Perücken aus Kunst­haar werden über­nommen

Auch Haar­ersatz ist im Hilfs­mittel­verzeichnis nicht zu finden. Die meisten Krankenkassen über­nehmen aber die Kosten. Der Anspruch beschränkt sich jedoch auf den Ausgleich des Haar­verlustes, nicht auf modische Anforderungen. Für Perücken aus Echt­haar zahlt die Kasse nur, wenn ein medizi­nischer Grund vorliegt, etwa eine Allergie auf Kunststoffe, sagt Michael Ihly von der Techniker Krankenkasse TK. Es lohnt sich, verschiedene Angebote einzuholen. Besondere Perücken­anfertigungen können schon mal mit mehr als 2 000 Euro zu Buche schlagen. Hierfür zahlen die Kassen jedoch nicht. Und Männer haben lediglich dann Anspruch auf Haar­ersatz, wenn sie beispiels­weise einen deformierten Schädel haben. Normaler­weise ist der Haar­verlust durch eine Chemo­therapie nur vorüber­gehend. Etwa drei Monate nach dem letzten Zyklus sprießt das Haar wieder.

Tipp: Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebs­forschungs­zentrums hat ausführ­liche Informationen zum Thema Haarausfall bei Chemotherapie zusammen­gestellt.

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