Check24 Portal weist deutlicher auf Maklerstatus hin

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Check24 - Portal weist deutlicher auf Maklerstatus hin
Das OLG München hat Check24 dazu verurteilt, stärker auf seine Versicherungs­maklertätig­keit hinzuweisen. © imago / R. Peters

Das Ober­landes­gericht (OLG) München hat dem Internet-Vergleichs­portal Check24 kürzlich auferlegt, seine Kunden klarer über die eigene Maklertätig­keit zu informieren. Nun hat das Portal seine Internet­seiten geändert und präsentiert jetzt deutlicher als vorher den Link „Erst­information“. test.de erklärt die Hintergründe des Rechts­streits und informiert über die von Check24 vorgenommenen Änderungen.

Internetseite umge­baut

Im Rechts­streit mit dem Bundes­verband Deutscher Versicherungs­kaufleute (BVK) hat das Onlineportal Check 24 Anfang September 2017 erklärt, den Richter­spruch des Ober­landes­gerichtes München (Az. 29 U 2139/16) akzeptieren und keine Berufung einlegen zu wollen. Damit ist ein rund zwei Jahre dauernder Rechts­streit beendet. Check24 hat das Urteil inzwischen umge­setzt und die Internetseite umge­baut. Der umstrittene Link auf die Erst­information steht nun auf jeder Versicherungs-Start­seite des Portals und ist für Kunden sicht­barer als vorher.

BVK sah unlauteren Wett­bewerb

Der Bundes­verband der Versicherungs­kaufleute, der rund 40 000 Versicherungs­vermittler vertritt, hatte im Jahr 2015 der Check24 Vergleichs­portal GmbH unlauteren Wett­bewerb vorgeworfen: Verbraucher würden in die Irre geführt, weil das Portal als neutraler Dienst­leister auftrete und sich als Verbraucherportal darstelle. Der Kunde sehe erst auf den zweiten Blick, dass es sich um ein provisions­pflichtiges Geschäft handle. Dass Check24 ein Online-Makler ist, erfuhren Nutzer der Website nur versteckt in der unteren Fußzeile unter dem Button „Erst­information“. Diese Platzierung war ein Verstoß gegen die gesetzliche Mitteilungs­pflicht, stellte das Gericht fest.

Erst­information: Kunden müssen wissen, mit wem sie Geschäfte machen

Wer Versicherungen vermittelt und verkauft, muss einen Kunden beim ersten Geschäfts­kontakt darüber informieren, mit wem er es zu tun hat (Paragraf 11 Versicherungs­vermitt­lungs­ver­ordnung). Die so genannte Erst­information muss dem Kunden so präsentiert werden, dass er nicht danach suchen muss. Sie muss in Text­form über­mittelt werden, also per Brief­post, E-Mail oder in Form eines Downloads.

Individuellen Kunden­wunsch erfragen

Im Prozess ging es auch darum, ob Check24 der gesetzlich vorgeschriebenen Beratungs­pflicht nach­kommt (Paragraf 61 Versicherungs­vertrags­gesetz). Grund­sätzlich erfüllt das Portal seine Befragungs- und Beratungs­pflicht. „Die Richter sahen jedoch in drei Fällen Änderungs­bedarf,“ sagt Daniel Friedheim, Presse­sprecher von Check24 auf Anfrage von test.de. Hintergrund: Wer Versicherungen vermittelt, muss den individuellen Kunden­wunsch und -bedarf genau erfragen.

Fragemasken über­arbeitet

Auch Online-Makler müssen daher ihre Fragen an den Versicherungs­interes­senten genau auswählen und ihr Angebot an den Antworten auf diese Fragen ausrichten. Online-Makler arbeiten in der Regel mit Fragemasken und bieten Kunden Auswahl­möglich­keiten an. Check24 hat die Fragemasken im Internet nun über­arbeitet. BVK-Präsident Michael H. Heinz zeigte sich sehr zufrieden, „dass Online-Anbieter nunmehr an die gleichen hohen Stan­dards heran­geführt werden, denen stationäre Vermittler seit langem genügen müssen.“

Ehren­amt in der Privathaft­pflicht­versicherung mitversichern

Check24 hatte zum Beispiel bei der Suche nach einer privaten Haft­pflicht­versicherung in der Fragemaske Kunden nicht explizit die Auswahl­option „Ehren­amtliche Tätig­keit“ angeboten. In vielen Privathaft­pflicht-Tarifen sind Ehren­amtliche geschützt, wenn sie bei Ausübung des Ehren­amtes eine andere Person aus Versehen verletzen oder Sachen beschädigen. Das Land­gericht hatte fest­gestellt, dass ehren­amtliche Tätig­keiten in zahlreichen Bereichen zum gesell­schaftlichen Alltag gehören, daher bedarf diese Frage der Abklärung. Die Muster-Versicherungs­bedingungen des Gesamt­verbandes der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft e.V. sehen die Einbeziehung der ehren­amtlichen Tätig­keit in den Privathaft­pflicht­schutz vor.

Tipp: Die Stiftung Warentest hat aktuell Haftpflichtversicherungen getestet. Dabei zeigte sich: Die Verträge sind in vielen Fällen besser geworden – oft lohnt ein Wechsel.

Kaum ein Portal ist wirk­lich gratis

Kunden, die über das Internet Versicherungs­tarife vergleichen, sollten sich darüber im Klaren sein, dass Online-Portale in der Regel gegen Provision Verträge zwischen Kunden und Anbieter vermitteln. Ein Versicherungs-Vergleichs­portal, das (wie Check24) gleich­zeitig Makler ist, verdient Geld über die Provisionen, die ihm ein Versicherer bei erfolg­reichem Abschluss zahlt. Andere Portale bekommen Geld, wenn Nutzer Links auf bestimmte Seiten folgen. Am Ende zahlt der Nutzer für das vordergründig kostenlose Portal.

Stiftung Warentest bietet Vergleiche ohne Provisions­zahlungen

Auch die Stiftung Warentest bietet Versicherungs­vergleiche an, etwa den Kfz-Versicherungsvergleich oder den Vergleich Haftpflichtversicherung. Anders als andere Vergleichs­portale kassiert sie allerdings keine Provisionen von Versicherern. Vielmehr zahlt der Kunde selbst ein geringes Entgelt, für die Analyse Auto­versicherung etwa werden 7,50 Euro fällig. Die Stiftung Warentest schließt auch keine Anbieter aus und vergleicht fast alle aktuellen Tarife am Markt. „Gratis­vergleiche“ hingegen sind teils lückenhaft, zum Beispiel weil ein Versicherer nicht bereit ist, eine Provision zu zahlen. Mitunter fehlen selbst große und preisgüns­tige Versicherer.

Alle individuellen Versicherungsvergleiche der Stiftung Warentest im Überblick

* Diese Meldung ist erst­mals am 14. Juli 2016 auf test.de erschienen. Sie wurde seitdem mehr­fach aktualisiert, zuletzt am 22. September 2017. Ältere Nutzer­kommentare beziehen sich auf einen früheren Stand.

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4 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Gelöschter Nutzer am 25.09.2017 um 08:52 Uhr
@Helmut136

Wo suchen sie? Einschlägige Medikamentensuchportale wie medizinfuchs.de oder medipreis.de ermöglichen das Sortieren der Fundstellen und sortieren standardmäßig von billig zu teurer.

Helmut136 am 23.09.2017 um 13:18 Uhr
Etliche Vergleichsportale

dürften eher in die eigene Tasche wirtschaften z.Bs. Medizinsuche ,
bei Magentropfen sin die teuersten sind immer an erster Stelle,
das ist mir das System St. Warentest lieber ,man zahlt für den Test bzw. Suche

Profilbild Stiftung_Warentest am 22.09.2017 um 14:55 Uhr
Zwischenüberschrift

@Deee
Sie haben Recht: Vergleichen lassen sich Versicherungen auch bei Nafi. Wir haben die Zwischenüberschrift bei unserer heutigen Aktualisierung entsprechend geändert. Vielen Dank für Ihren Hinweis!
(aci)

Deee am 11.04.2017 um 14:21 Uhr
"Kein [Vergleichs-]Portal ist wirk­lich gratis"

Hm, ich war der Meinung, dass z.B. Nafi Auto https://www.nafi-auto.de/ (KFZ-Versicherungsvergleich) wirklich kostenlos ist. Über die genannte Plattform lassen sich aber auch keine Versicherungen abschließen, sondern wirklich NUR vergleichen. Dementsprechend sind auch Versicherungen ohne Werbeprovisionen aufgelistet. Geld verdient wird hier wohl damit, dass Maklern das Vergleichstool zur Verfügung gestellt wird, wenn ich das richtig verstanden hab.
Ich wollte hiermit nur anmerken, dass "Kein [Vergleichs-]Portal ist wirk­lich gratis" in diesem Fall vermutlich zu pauschal formuliert ist.