Chat zum Thema Steuer­bescheid Meldung

Finanztest-Expertin Aenne Riesen­berg.

Jeder Steuerzahler sollte seinen Bescheid gründlich prüfen, denn Finanzämter und Steuerzahler machen Fehler. Fast zwei Drittel aller Einsprüche haben Erfolg. Wo die häufigsten Fehler zu finden sind und wie man erfolg­reich dagegen vorgeht, erklärt die Finanztest-Expertin Aenne Riesen­berg im Chat auf test.de. Lesen Sie hier das Chat-Protokoll.

Die Top-3-Fragen

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die Top-1-Frage aus dem Pre-Chat:

gartens­teps: Kranken­versicherungs­beiträge für minderjäh­rigen Sohn in Berufs­ausbildung? Habe 840,00 Euro für Kranken/Pflegebeiträge für meinen Sohn in der Anlage Kind einge­tragen, weil er noch nicht lohn­steuer­pflichtig ist (Auszubildener). Als Beweis habe ich die Dezember-Abrechnung seines Arbeit­gebers beigefügt, aus der diese Werte hervorgehen. Laut Aussage des Finanz­amtes ist dieser Eintrag falsch, weil die Abzüge direkt von seinem Gehalt einbehalten werden. Ist das so in Ordnung (siehe Vorsorgeausgaben fehlen im Bescheid)?

Aenne Riesen­berg, test.de: Generell ist es so: Wenn ich die Kranken­versicherungs­beiträge für mein Kind bezahlt habe, kann ich diese absetzen als Vorsorgeaufwendungen. Wenn die Basisbeiträge für die Kinder über­nommen wurden, die kein Kinder­geld bekommen, dann tragen Sie das ein in der Anlage Vorsorgeaufwand in Zeile 42. Bekommen Sie noch Kinder­geld, dann tragen Sie die Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge für die Basis­vorsorge des Kindes in die Anlage Kind ein, in Zeile 31–37. Das Finanz­amt muss diese Beiträge anerkennen, wenn das Kind selbst diese Beiträge nicht geltend macht. Bei Kindern, gegen­über denen die Eltern unter­halts­pflichtig sind, muss das Finanz­amt die Ausgaben auch anerkennen, selbst wenn die Eltern es nicht unmittel­bar bezahlt haben. Tipp: Die besten Tipps für Arbeitnehmer, Familien, Rentner und Anleger bietet das Finanztest Spezial Steuern 2014. Das Heft zeigt Schritt für Schritt, wie jeder die Formulare schnell und richtig ausfüllen kann.

Moderator: ... und hier die Top-2-Frage:

Gelita: Wenn ich im Dezember 2013 eine Arzt­rechnung erhalte und erst im Januar 2014 bezahle, in welchem Jahr muss ich sie aufführen?

Aenne Riesen­berg: Im Steuerrecht zählen die Ausgaben immer in dem Jahr, in dem Sie die Kosten bezahlt haben; in Ihrem Fall können Sie also die Arzt­rechnung als außergewöhnliche Belastung im Jahr 2014 geltend machen, da Sie diese Rechnung im Januar bezahlt haben.

Moderator: ... und die Top-3-Frage:

meyer: Wie berechnet sich die Kirchen­steuer und das Kirchgeld in einer Ehe verschiedenen Glaubens? Wird in der Diözese Trier bereits das Kirchgeld für diesen Personen­kreis berechnet? Wird zur Berechnung das gesamte zu versteuernde Einkommen heran­gezogen oder nur die Einkommens­hälfte des der Kirche angehörigen Ehengatten?

Aenne Riesen­berg: Zum Solidaritäts­zuschlag müssen Kirchen­steuer­pflichtige noch die Kirchen­steuer zahlen. Sie beträgt je nach Bundes­land 9 oder 8 Prozent der Einkommens­steuer. Verheiratete und gesetzliche Lebens­partner müssen statt­dessen oft Kirchgeld zahlen, wenn sie keine oder nur sehr geringe Einkünfte haben und ihr Partner nicht kirchen­steuer­pflichtig ist. Alle Verfassungs­beschwerden dagegen hatten bisher keinen Erfolg. Das Bundes­verfassungs­gericht hält das Kirchgeld für verfassungs­gemäß. Das Kirchgeld hängt vom gemein­samen zu versteuernden Einkommen der Partner ab. Bei Einkommen zwischen 60 000 Euro und 62 499 Euro beläuft es sich zum Beispiel auf 276 Euro.

Abrechnung von Dienst­reisen

syncromaster: Guten Tag! Ich habe für 2011 erfolg­reich Spesen einge­reicht und abge­rechnet bekommen, für den Aufenthalt länger als 8 Std. entfernt von zu Hause. Für 2012 wurde dies abge­lehnt mit der Begründung, dass man auf Dienst­reise sein muss, um diesen Satz abrechnen zu können. Habe ich 2011 nur Glück gehabt, oder ist die Begründung für 2012 nicht richtig?

Aenne Riesen­berg: Je nach Dauer der Abwesenheit von zu Hause oder vom Arbeits­platz gilt für Reisen inner­halb Deutsch­lands pro Dienst­reisetag: 6 Euro ab 8 Stunden Abwesenheit,12 Euro ab 14 Stunden Abwesenheit und 24 Euro bei 24 Stunden Abwesenheit. Diese Pauschale gibt es aber bei einer länger­fristigen auswärtigen beruflichen Tätig­keit an derselben Tätig­keits­stätte nur für höchs­tens drei Monate. Das gilt für 2013 und frühere Jahre. Seit 2014 sind die Regeln für die Verpflegungs­pauschalen güns­tiger. Sind Sie zum Beispiel länger als 8 Stunden am Tag abwesend von zu Hause oder vom Arbeits­platz, können Sie nun 12 Euro – statt bis Ende 2013 nur 6 Euro – geltend machen.

Gemein­same oder getrennte Veranlagung

McJohann: Ich bin Rentner, meine Frau arbeitet noch – ist da eine gemein­same Steuererklärung sinn­voll oder besser getrennt?

Aenne Riesen­berg: Das lässt sich nicht pauschal beant­worten. Sie sollten erst­mal eine gemein­same Steuererklärung machen, zum Beispiel mithilfe eines Computer­programms, das Ihnen die Steuererstattung genau ausrechnet. Danach ist es bei den meisten Programmen möglich, zu vergleichen, ob eine Einzel­ver­anlagung möglich ist. Ab 2013 können Ehepaare und gesetzliche Lebens­partner und Singles die Einzel­ver­anlagung wählen. Darin kann jeder Partner nur seine eigenen Sonder­ausgaben, außergewöhnlichen Belastungen, Ausgaben für Dienst­leister und Hand­werker im Haushalt absetzen. Die Posten können Partner 2013 nicht mehr – wie in der früheren, getrennten Veranlagung – beliebig aufteilen.

Steuerliche Behand­lung von Rentnern

Mitt­woch: Ich habe bisher meinen PC bei den Werbungs­kosten abge­schrieben. Seit Mitte letzten Jahres bin ich Rentner. Wie verfahre ich mit der Rest-Abschreibung? Der PC wäre erst Mitte 2014 restlos abge­schrieben.

Aenne Riesen­berg: Als Rentner können Sie keine Werbungs­kosten wie Arbeitnehmer geltend machen, es sei denn Sie haben einen Neben­job und brauchen dafür Ihren Computer. Dann können Sie ihn dafür weiter abschreiben.

dickyvan: Ich bin Rentner. Ich verdiene was dazu. Was darf ich insgesamt verdienen, ohne Steuern zahlen zu müssen? Vielen Dank, Dicky van Gelderen.

Aenne Riesen­berg: Als Renter können Sie 450 Euro steuerfrei in einem Minijob ohne Steuerkarte dazu verdienen. Das können Sie übrigens auch, wenn Sie noch nicht in Rente sind. Der Arbeit­geber über­nimmt dann die Abgaben.

Kosten für medizi­nische Leistungen

mybluestone: Das Finanz­amt lehnt die Aufwendungen für die Musiktherapie meines (damals 7-jährigen) Sohnes ab, mit der Begründung, dass Aufwendungen der Unterstüt­zung der geistigen/körperlichen Kindes­entwick­lung normaler­weise nicht abzugs­fähig seien. Was kann ich dagegen tun?

Aenne Riesen­berg: Das Finanz­amt muss Kosten für ärzt­liche Behand­lungen oder Therapien, die nicht von der Schulmedizin anerkannt sind, dann anerkennen, wenn Sie ein amts­ärzt­liches Gutachten oder eine Bescheinigung des medizi­nischen Dienstes der Krankenkasse einholen. Wichtig ist, dass dies vor Beginn der Behand­lung geschieht. Das gilt auch für psycho­therapeutische Behand­lungen. Leichter haben Sie es mit Kosten für anerkannte medizi­nische Eingriffe, Arznei­mittel, Heil- und Hilfs­mittel wie Brillen und Hörgeräte. Hier genügt eine ärzt­liche Verordnung.

sc48ma: Betrifft die außergewöhnlichen Belastungen, hier Krank­heits­kosten. Sollte man die Kosten einreichen, auch wenn sie inner­halb der zumut­baren Belastung liegen?

Aenne Riesen­berg: Ja, auf jeden Fall. Auch wenn Ihre zumut­bare Belastung höher ist, sollten Sie die Rechnung oder die Ausgaben in Ihrer Steuererklärung geltend machen. Zwar wird das Finanz­amt sie derzeit im Steuer­bescheid nicht berück­sichtigen. Aber es ist strittig, ob es künftig die Ausgaben auch unter­halb der zumut­baren Belastung anerkennen muss. Der Bundes­finanzhof muss erst dazu entscheiden. Das Finanz­amt hält deshalb den Steuer­bescheid in dieser Frage von sich aus offen. Geht das Verfahren zugunsten der Steuerzahler aus, muss das Finanz­amt die zu viel bezahlte Steuer erstatten.

Eltern­geld und Progressions­vorbehalt

Schokohase: Ich habe Eltern­geld aus 2012 in 2014 nachgezahlt bekommen (Gerichts­urteil für Zwillinge). Wann muss ich das versteuern?

Aenne Riesen­berg: Eltern­geld ist eigentlich steuerfrei. Allerdings ist da noch ein Haken. Sie müssen das Geld in Ihrer Steuererklärung mit angeben, weil es in die Berechnung des Steu­ersatzes mit einfließt. Das ist der sogenannte Progressions­vorbehalt. Sie müssen also das Eltern­geld von 2014 in Ihrer Steuererklärung für 2014 angeben.

Aktien­verkäufe und Verlust­vorträge

mclamure: Ich habe 2013 Aktien verkauft und Verluste und auch Gewinne gemacht. Die Verluste haben über­wogen. Die Bank sollte doch die Gewinne mit den Verlusten unterjäh­rig verrechnen. Sie hat es nicht gemacht. Der Verlust wird nach 2014 verschoben. Da ich jedoch keine Aktien in 2014 verkaufen werde, also die Verluste nicht verrechnen kann, muss es doch eine Lösung geben, die Verluste noch 2013 zu verrechnen, oder?

Aenne Riesen­berg: Sie können Ihre Anlage­verluste aus dem Jahr 2013 nur über die Steuererklärung für 2013 verrechnen lassen, wenn Sie bei Ihrer Depot­bank bis zum 16. Dezember 2013 eine Verlust­bescheinigung beantragt hatten. Auch wenn Sie den Termin verpasst haben, kann der Verlust noch Steuer­vorteile bringen. Denn in dem Fall hat die Bank den Verlust auto­matisch in das Jahr 2014 vorgetragen. Erzielen Sie dann Erträge, die sich mit dem Vorjahres­minus verrechnen lassen, gleicht die Bank die Posten direkt aus. Wenn Sie 2014 nichts zu verrechnen haben, bleibt der Verlust für künftige Jahre stehen, geht also nicht verloren. Haben Sie mit dem Verkauf von Aktien Minus gemacht, dürfen Sie ihn nur mit Gewinn aus Aktien­verkäufen verrechnen. Es ist also nicht erlaubt, den Aktien­verlust zum Beispiel mit Zinsen oder Gewinn aus dem Verkauf von Fonds­anteilen auszugleichen.

Unterlagen nach­reichen

Elster: Thema Nach­reichen: Seit diesem Jahr kann man als User auch Bescheide, die an das Finanz­amt über­mittelt werden, elektronisch über ein Elster-Zertifikat abrufen. Wenn man (1) die Werte abruft, (2) dort noch nicht alle Werte durch Arbeit­geber und Banken über­mittelt waren (z.B. Einnahmen aus Vermögen), (3) die Steuererklärung so abgibt, ... muss man dann auch „nach­melden“ oder berück­sichtigt das Finanz­amt diese Werte auto­matisch? Was ist generell beim Nach­reichen zu beachten? Gibt es Fristen?

Aenne Riesen­berg: Wenn Sie den Steuer­bescheid erhalten haben, und das heißt nicht nur elektronisch, sondern auch auf Papier, haben Sie eine Einspruchs­frist. Sie können nach Erhalt des Bescheids inner­halb von vier Wochen Einspruch einlegen. Wenn Sie zum Beispiel erwarten, von Ihrer Bank noch fehlende Belege zu erhalten; oder Sie die Neben­kosten­abrechnung für Ihre Wohnung noch nicht haben, um haus­halts­nahe Dienst­leistungen abzu­rechnen; oder Arbeit­geber noch Lohn­steuerzah­lungen melden müssen, kann der Steuer­bescheid noch korrigiert werden. Wenn Sie inner­halb der Einspruchs­frist die Ausgaben noch nicht nach­reichen können, sollten Sie dem Finanz­amt schreiben, dass der Steuer­bescheid vorläufig fest­gesetzt wird, weil Sie in bestimmten Punkten derzeit die Belege noch nicht liefern können. Bis zum Ende des vierten Jahres, das nach der Abgabe der Steuererklärung folgt, lässt sich der Steuer­bescheid korrigieren, wenn er unter dem Vorbehalt der Nach­prüfung steht. Erfährt das Finanz­amt neue Dinge, kann es inner­halb der vierjäh­rigen Fest­setzungs­frist den Steuer­bescheid auch zum Nachteil ändern. Das gilt aber nicht, wenn das Finanz­amt etwas falsch bewertet hat.

Fort­bildungs­kosten und Werbungs­kostenpauschale

chris81: Meine Frau war 2013 nicht berufs­tätig und hatte keine Einnahmen. Kann ich für sie trotzdem die Werbungs­kostenpauschale und ihre Fort­bildungs­kosten bei der Lohn­steuererklärung angeben?

Aenne Riesen­berg: Wenn Ihre Frau arbeitslos war, können Sie ihre Fort­bildungs­kosten als vorweggenom­mene Werbungs­kosten geltend machen.

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