Chat Zahn Meldung

Im Chat auf test.de: Dr. Gunnar Schwan, Ulrike Steck­könig und Jennifer Panhans (v.l.n.r.).

Früher oder später erwischt es fast jeden: Ein Zahn oder gleich mehrere müssen über­kront oder gezogen werden. Zahn­ersatz kann mehrere Tausend Euro kosten – und die Kasse zahlt oft nur einen geringen Teil. Damit die Zahn­arzt­rechnung nicht mehr schmerzt als der Zahn­arzt­besuch, ist es wichtig, gut informiert zu sein. Die Expertinnen und Experten der Stiftung Warentest haben zahlreiche Nutzerfragen beant­wortet. Hier das Protokoll des Chats vom 30. Juli 2014.

Die Top-3-Fragen aus dem Pre-Chat

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die TOP-1-Frage aus dem Pre-Chat:

AWe: Ich bin weiblich, 55 Jahre alt und hatte in den letzten Jahren, trotz sehr guter Pflege, richtig viel Pech mit meinen Zähnen: Stein im Müsli, Olivenkern, Riss im Zahn etc. Letzt­endlich habe ich nun 4 Implantate und einen über­kronten Backenzahn. Frage: Lohnt sich für mich über­haupt noch eine Zahn­zusatz­versicherung? Gelten Implantate als fehlende Zähne?

Jennifer Panhans, test.de: Als Zahnlücke gelten nicht grund­sätzlich alle Zähne, die man mal verloren hat. Ist der Zahn durch Zahn­ersatz ersetzt, handelt es sich nicht um einen fehlenden Zahn, sondern um einen Lücken­schluss. Somit ist eindeutig: Brücken, Kronen, Implantate, Inlays sind ersetzte Zähne und sind nicht als fehlende Zähne zu betrachten. …

Ulrike Steck­könig, test.de: Trotzdem empfehlen wir, im Antrag alles wahr­heits­gemäß zu beant­worten, wonach der Versicherer fragt. Stellen Sie Anträge bei mehreren Versicherern, da die Versicherungs­gesell­schaften die Anträge unterschiedlich bewerten und mit Vorschäden unterschiedlich umgehen.

Moderator: ... und hier die Top-2-Frage:

Gerhard: Die ERGO Direkt Versicherung zahlt auch bei laufenden Behand­lungen. Was ist davon zu halten?

Ulrike Steck­könig: Aus dem Tarif ZEZ der Ergo Direkt erhalten Versicherte Leistungen, wenn sie den Vertrag inner­halb von 6 Monaten nach Behand­lungs­beginn abschließen – also wenn der Schaden bereits einge­treten ist. Das ist eine große Ausnahme, denn normaler­weise ist so etwas nicht mehr versicher­bar. Allerdings muss man einschränkend dazu sagen, dass die Leistung sehr begrenzt ist. Der Versicherer verdoppelt nur den Fest­zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse, beteiligt sich also nur an den Kosten der Regel­versorgung. Für teureren Zahn­ersatz wie z. B. Implantate nutzt das wenig. Der Beitrag für diese Versicherung ist dagegen sehr hoch: Kunden ab 21 Jahren bezahlen monatlich rund 30 Euro. Das ist weit mehr als einige Tarife mit sehr guten Zahn­ersatz-Leistungen aus unserem aktuellen Test kosten.

Moderator: ... und die Top-3-Frage:

Krankenkasse: Die Kosten­über­nahme der gesetzlichen Krankenkassen ist m.E. falsch dargestellt. Nach § 55 Abs. 1 und 2 SGB V über­nehmen die Krankenkassen, je nach eigener Vorsorge 50 %, 70 % bzw. 80 % des Fest­zuschusses der Regel­versorgung. Sie geben jedoch nur 50 bis 65 % an. Ist Ihre Recherche somit falsch?

Dr. Gunnar Schwan, test.de: Wenn das Bonus­heft in den letzten 5 Jahren gefüllt ist, dann gibt es einen Extra-Bonus von 20 %. Dieser bezieht sich auf den ursprüng­lichen Fest­zuschuss von 50 %, beträgt also 60 % insgesamt. Bei 10 Jahren gefülltem Bonus­heft gibt es 30 % extra, insgesamt also 65 %. Man bleibt also in jedem Fall auf mindestens 35 % der Kosten der Regel­versorgung sitzen.

Für wen sich eine private Zahn­zusatz­versicherung lohnt

Dr. Best: Grund­sätzlich gefragt: für wen und für welches Alter lohnt sich der Abschluss einer privaten Zusatz­versicherung?

Ulrike Steck­könig: Eine private Zahnzusatzversicherung lohnt sich insbesondere, wenn Sie sich auch hoch­wertigen und ästhetisch schöneren Zahn­ersatz leisten können wollen. Eine solche Versicherung schließt man am besten ab, so lange das Gebiss noch in Ordnung ist. Denn in der Regel gilt eine Warte­zeit von 8 Monaten, bis man erst­mals Leistungen in Anspruch nehmen kann. Außerdem sind die Leistungen in den ersten Vertrags­jahren auf bestimmte Höchst­summen begrenzt. Statistisch gesehen werden Zahn­ersatz-Behand­lungen ab etwa Mitte 30, Anfang 40 häufiger. Zahnzusatzversicherung: 189 Policen im Test

Robbi59: Ist es mit meinen 59 Jahren (gesetzlich versichert) und meinem Gebiss­zustand (durch Krebs­erkrankung und Strahlen­therapie Verlust aller Zähne bis auf 5 im Oberkiefer mit Voll­prothese und 3 Implantaten auf Voll­prothese im Unterkiefer) möglich, eine private Zusatz­versicherung abzu­schließen, um meine hohen Kosten in einigen Jahren abzu­fangen? Ich rechne mit dem Verlust meiner restlichen Zähne und dadurch bedingten Kosten von 12 000 Euro für 4 Implantate im Oberkiefer. Und worauf muss ich bei der Implantat­versorgung achten?

Ulrike Steck­könig: Wir empfehlen Ihnen, sich an einen Versicherungs­makler oder an einen unabhängigen Versicherungs­berater zu wenden, der für Sie bei mehreren Gesell­schaften anfragt. Es ist allerdings zu befürchten, dass Ihre Situation von den Versicherern als laufende Behand­lung angesehen wird, die damit nicht versicher­bar ist. …

Dr. Gunnar Schwan: Falls Sie erst einen Heil- und Kostenplan erhalten haben, holen Sie auf jeden Fall noch eine Zweit- oder vielleicht auch eine Dritt­meinung ein.

Was die gesetzliche Krankenkasse (GKV) bezahlt

Zahnfee: Bei meinem hintersten Backenzahn ist die Wurzel tief unten entzündet mit (noch) leichten Schmerzen. Mein Zahn­arzt kann ihn mangels Spezialmikroskop nicht behandeln und verweist mich an eine Spezialistin, die aber nur privat abrechnet. Gibt es auch Zahn­ärzte, die das als Kassen­leistung anbieten? Kann es wirk­lich sein, dass die Kasse für die Behand­lung (mindestens 1 800 €) über­haupt nichts bezahlt? Ich lebe an der Armuts­grenze. Eine Extraktion bedeutet ja weitere Behand­lungen und damit höhere Kosten.

Dr. Gunnar Schwan: Am besten die Krankenkasse fragen, ob es wirk­lich keine Kassen­leistung ist. Ein weiterer Ansprech­partner ist die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) – wenn es eine Kassen­leistung ist, egal von welchem Zahn­arzt, dann muss diese Behand­lung als Kassen­leistung abge­rechnet werden.

Zahnfee: Das habe ich bereits getan; wurde an den Medizi­nischen Dienst weitergeleitet; Antwort steht noch aus. Auf eine ggf. negative Antwort wollte ich vorbereitet sein; daher die Frage an Sie. Danke für die beiden wert­vollen Tipps!

Dr. Gunnar Schwan: Danke für die positive Rück­meldung.

Schlappi: Laut Ihres Tests wird bei Inlays von der Kranken­versicherung die Pauschale für Amalgamfül­lungen über­nommen. Wie werden Amalgamfül­lungen abge­rechnet? Ich hatte eine Behand­lung mit Inlays und bekam vom Zahn­arzt eine Privatrechnung ohne Verrechnung der Amalgamfüllung. Als ich versuchte, die Pauschale über die Kranken­versicherung zu bekommen, kam die Auskunft, Privatrechnungen würden nicht gezahlt. Was muss man tun, um die Pauschale zu bekommen?

Dr. Gunnar Schwan: In der Regel verrechnet die Krankenkasse direkt mit dem Zahn­arzt die Kassen­leistung (Amalgam-Füllung). Fragen Sie bitte noch einmal bei Ihrem Zahn­arzt nach.

Jennifer Panhans: Dabei handelt es sich nicht um eine Pauschale. Die Kassen­leistung ist in diesem Fall unter anderem abhängig von der Menge des verwendeten Materials.

Härtefall­regelung der GKV

Karin M.: Wird bei der Härtefall­regelung der GKV nur das Einkommen oder auch das Vermögen berück­sichtigt? Wie viel darf man haben? Muss man Konto­auszüge vorlegen?

Ulrike Steck­könig: Bei der Härtefall­regelung wird nur das laufende Einkommen zum Lebens­unterhalt gezählt, allerdings gehen die Kassen vom Haus­halts­brutto­einkommen aus, Vermögen zählt nicht mit. Den doppelten Fest­zuschuss erhalten Versicherte, wenn sie zum Beispiel Hartz IV, Bafög oder Grund­sicherung beziehen oder wenn ihre monatlichen Brutto­einnahmen die Grenze von 1 106 Euro (für eine Einzel­person) nicht über­steigen. Mit einem Angehörigen sind es 1 520,75 Euro, mit zwei Angehörigen sind es 1 797,25 Euro. Wer gering­fügig über dieser Grenze liegt, sollte ebenfalls Kontakt mit seiner Krankenkasse aufnehmen: Es gibt eine so genannte gleitende Härtefall­regelung, über die Sie auch in diesem Fall einen höheren Zuschuss bekommen können. Die Kassen sind verpflichtet, Sie zu beraten und für Sie auszurechnen, auf welchen Zuschuss Sie Anspruch haben.

Wann die Zusatz­versicherung einspringt

Elmex: Ab wann gilt ein Zahn denn eigentlich als „in Behand­lung“ und damit vom später abge­schlossenen Versicherungs­schutz ausgeschlossen? Was ist also, wenn ein Zahn zum Zeit­punkt des Abschlusses der Versicherung gesund ist, aber in absehbarer Zukunft eine Behand­lung erforderlich sein wird?

Ulrike Steck­könig: In dem Moment, in dem der Zahn­arzt ein Zahn­problem diagnostiziert, gilt die Behand­lung als begonnen.

chapken: Ich interes­siere mich auch für den Abschluss einer Zahnzusatzversicherung. Ich vermisse bei jeder Versicherung im Test die Kosten­über­nahme einer Brücke. Es wird nur Zahn­ersatz für Implantate aufgeführt. Wie werden die Kosten bei einer Brücke über­nommen? Ich bin 44 Jahre alt, meine Zähne sind völlig in Ordnung; ich habe keine Füllungen; bin zu regel­mäßigen Kontroll­unter­suchungen beim Zahn­arzt und gehe jähr­lich zur professionellen Zahn­reinigung. Welche Versicherung würde sich für mich lohnen?

Jennifer Panhans: Falls Ihnen eine teil­verblendete Brücke reicht, orientieren Sie sich an dem Einzel­ergebnis für die Regel­versorgung. Soll die Brücke komplett zahn­farben verblendet sein, dann über­prüfen Sie die Tarife, die gute Regel­versorgung und Privatversorgung leisten. Schauen Sie in unseren aktuellen Test Zahnzusatzversicherung.

Wofür der Zahn­arzt haftet

Gast: Bei einer Wurzelkanalbe­hand­lung ist meinem Zahn­arzt eine Nadel abge­brochen, die er selbst nicht mehr aus dem Wurzelkanal entfernen kann. Das könnten nur auf Endodontie spezialisierte Praxen als Privatleistung. Erst nach dem Miss­geschick hat er mich über das Risiko aufgeklärt. 1. Stimmt das oder ist das Entfernen, ganz oder teil­weise, eine Kassen­leistung? 2. Müsste das wegen der fehlenden Aufklärung nicht sowieso der Verursacher bezahlen? 3 .Welche Risiken bestehen, wenn man das abge­brochene Stück im Zahn belässt?

Dr. Gunnar Schwan: Der Zahn­arzt ist für die Behand­lung komplett verantwort­lich, das heißt, er hätte Sie im Vorfeld ausführ­lich auch über die Risiken informieren müssen und er hätte einen schriftlichen Kosten­vertrag für diese Privatleistung vereinbaren müssen. Unser Ratschlag: Versuchen Sie, noch einmal mit dem Zahn­arzt zu reden, suchen Sie vielleicht auch Rat bei der UPD und holen ggf. eine Zweitmeinung bei einem anderen Zahn­arzt ein. Sollten Sie mit dem Zahn­arzt nicht weiterkommen, ist gegebenenfalls eine recht­liche Beratung sinn­voll.

Tarifwechsel inner­halb der privaten Zusatz­versicherung

Stadt­musikant: Ich habe einen uralten Zahn­zusatz­tarif (723) bei der Allianz. (20 % für Zahn­ersatz bis zu den Höchst­sätzen der GOZ, ohne Einschränkung). Den alten Tarif möchte ich behalten. Wenn ich bei der Allianz einen zusätzlichen Tarif abschließe, muss ich dann trotzdem Warte­zeiten einhalten? Und richtet sich der Tarif nach dem Eintritts­alter der alten Versicherung oder nach dem jetzigen Alter? Ich bin 64.

Jennifer Panhans: Bei einem Tarifwechsel (Sie bleiben beim Versicherer) werden nur für die neu hinzukommenden Leistungen erneut Warte­zeiten fest­gelegt. Sie zahlen den Beitrag, der jetzt für Ihr Alter bzw. für das Eintritts­alter gilt. Da bei den Allianz­verträgen unter Umständen Höchst­eintritts­alter gelten, setzen Sie sich bitte mit Ihrem Ansprech­partner bei der Versicherung in Verbindung.

Mehr Informationen auf test.de

Moderator: Die Chat-Zeit ist auch schon fast um: Wollen Sie noch ein kurzes Schluss­wort an die User richten?

Dr. Gunnar Schwan: Mehr Informationen zum Thema Zahn­ersatz, beispiels­weise zu Brücken oder Implantate, erhalten Sie in unserem aktuellen Test Zahnersatz sowie in unserem Special Zähne: Vorbeugen, pflegen, behandeln.

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