Anläss­lich des Deutschen Weiterbildungs­tages am 24. September 2010 veranstaltete die Stiftung Warentest ein Chat zum Thema Weiterbildung. Die Fragen beant­worten Alrun Jappe und Dr. Michael Cordes.

Aktion zum Deutschen Weiterbildungs­tag

Moderator: So, es ist 12 Uhr und Alrun Jappe und Dr. Michael Cordes sind soeben einge­troffen. Wie sieht es aus, können wir starten?

Alrun Jappe: Jawoll! Gerne.

Moderator: Die Stiftung Warentest nimmt ja zum ersten Mal am Deutschen Weiterbildungs­tag teil. Wie bringen Sie sich ein?

Alrun Jappe: Erstens gibt es bei uns heute die Tests zum Thema Weiterbildung aus diesem und dem letzten Jahr kostenlos zum Download. Zweitens machen wir diesen Chat und beant­worten hoffentlich zahlreiche Ihrer Fragen und drittens nimmt einer unserer Kollegen heute bei der zentralen Veranstaltung im Deutschen Bundes­tag teil.

Moderator: Wir haben auch schon zahlreiche Fragen unserer Chatte­rinnen und Chatter erhalten. Hier gleich die Erste.

Weiterbildungs­kosten sind steuerlich absetz­bar

Baie: Ich bilde mich neben dem Job weiter. Meine Weiterbildung ist sehr eng verwandt mit meinem aktuellen Beruf und soll mir dabei mehr Chancen für die Zukunft eröffnen (Aufstieg, mehr Verdienst, bessere Chancen auf dem Arbeits­markt). Eine finanzielle Förderung von staatlicher Seite oder vom Arbeit­geber erhalte ich nicht. Kann ich die Kosten für meine Weiterbildung steuerlich geltend machen? Es handelt sich um circa 9 000 Euro über zwei Jahre.

Alrun Jappe: Auf jeden Fall. Ausgaben für berufliche Weiterbildungen sind Werbungs­kosten. Pauschal werden dafür 920 Euro anerkannt. 9 000 Euro liegen ja deutlich darüber – da lohnt es sich Belege zu sammeln und die tatsäch­lichen Kosten nach­zuweisen. Bei einem Steu­ersatz beispiels­weise von 35 Prozent können Sie im Laufe von zwei Jahren etwa 2 800 Euro Steuern sparen. Übrigens: Das Finanz­amt erkennt nicht nur die Lehr­gangs­gebühren an. Absetzen kann man auch Fahrt­kosten, Über­nachtungs­kosten, Ausgaben für Arbeits­mittel, beispiels­weise Bücher­regal oder auch Aktentasche und sogar das Arbeits­zimmer.

Eine gute Beratung finden

Schull: Wer bietet Beratungen zum Thema Fern­studium und Weiterbildung an?

Dr. Michael Cordes: Informationen bekommt man am ehesten auf der Seite der Zentral­stelle für Fern­unter­richt ( www.zfu.de). Dort findet man Angebote, typische Fragen im Zuge des Fern­unter­richts, Links et cetera. Ansonsten können wir auf unseren Leitfaden „Wohin zur Beratung“ hinweisen, in dem auch nochmal einige grund­legende Informationen zu diesem Thema dargelegt sind.

Maria-Magda: Ich suche eine Weiterbildung als Coach oder Trainer. Welches Unternehmen hat ein gutes Preis-Leistungs­verhältnis und bietet eine Zertifizierung an?

Dr. Michael Cordes: Ich würde hier über Berufs­verbände gehen. Es gibt mehrere Trainer-Verbände oder Coaching-Verbände in Deutsch­land. Auf deren Webseiten findet man Informationen zu einschlägigen Zertifikaten und oft auch über Anbieter, die diesbezügliche Maßnahmen durch­führen.

Bato: Gibt es große Preis­unterschiede im Vergleich zum Angebot und unterscheiden sich die Leistungen sehr voneinander unter den Fern­studien?

Dr. Michael Cordes: In unserer Markt­über­sicht „Fern­unter­richt BWL“ haben wir gesehen, dass es in der Tat sehr unterschiedliche Angebote gibt. Letzt­endlich hängt das von der Ausrichtung des einzelnen Angebotes und vom Abschluss ab. Im Fern­unter­richts­bereich gibt es allerdings auch einige Angebote, die fast identisch sind. So gehören zum Beispiel das Institut für Lern­systeme (ILS), die Hamburger Akademie für Fern­studium, die Studien­gemeinschaft Darm­stadt (SGD) und die Fern­akademie für Erwachsenen­bildung zur Klett-Gruppe. Auch andere Anbieter bedienen sich unserer Erfahrung nach zuweilen der Materialien der Klett-Gruppe.

Oskar: Gibt es Berufs­berater für Ältere? Bin 48 Jahre und muss beziehungs­weise will mich neu orientieren. Angesichts des demogra­fischen Wandels und Voll­rente mit 67 sollten öffent­lich-recht­liche Stellen entsprechende Angebote machen.

Dr. Michael Cordes: Es gibt zum Beispiel in Berlin eine Arbeits­gemeinschaft für die wissenschaftliche Weiterbildung Älterer. Dies wäre eine Anlauf­stelle. Ansonsten würden wir an die üblichen Beratungs­stellen verweisen müssen.

In 12 Bundes­ländern gibt es Bildungs­urlaub

Hansi: Gibt es einen Rechts­anspruch auf Bildungs­urlaub?

Alrun Jappe: In den meisten Bundes­ländern ja. In zwölf Bundes­ländern gibt es einen Rechts­anspruch. Meist beträgt dieser fünf Tage im Jahr oder zehn Tage im Laufe von zwei Jahren. Der Chef kann aber aus betrieblichen Gründen diesem nicht zustimmen. Keinen Anspruch gibt es in Baden-Württem­berg, Bayern, Sachsen und Thüringen. Eine Über­sicht finden Sie in unserem Artikel zum Thema Bildungs­urlaub.

Baldur: Kurzes Nach­haken: Der Stand­ort des Unter­nehmens ist Berlin, welche Art von Bildungs­urlaub könnte ich denn beantragen?

Alrun Jappe: Den Bildungs­urlaub müssen Sie bei Ihrem Arbeit­geber beantragen. In Berlin gibt es zehn Arbeits­tage inner­halb von zwei Kalender­jahren. Wer unter 25 ist, hat sogar Anspruch auf zehn Arbeits­tage pro Jahr. Das Thema der Weiterbildung ist nicht vorgegeben und nicht zwingend beruflich.

Weiterbildung für Arbeits­lose

Interes­sent30: Weiterbildung­möglich­keiten für HartzIV-Empfänger? Wird sich in Zukunft etwas ändern? Derzeit wird vom Jobcenter alles abge­lehnt.

Dr. Michael Cordes: Im Grunde sind die Arbeits­agenturen die Ansprech­partner. Wie sich die Förderungen entwickeln werden, wissen wir natürlich auch nicht.

Trends in der Weiterbildung

Markus Jung: Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach das Thema Fern­studium heute und morgen? Worauf sollen Interes­senten achten, um ein Angebot zu finden, das ihnen später für die Karriere wirk­lich weiter hilft?

Dr. Michael Cordes: Da zeigen die Statistiken, dass Fern­unter­richt schwer im Kommen ist. Wohl weil es eine Möglich­keit darstellt, sich parallel zum Job und außer­halb der Arbeits­zeit weiterzubilden. Voraus­setzung ist natürlich, dass man genug Zeit hat – als grober Richt­wert sollte man zehn Stunden die Woche einplanen. Allerdings hängt der Aufwand natürlich stark vom Angebot, vom Thema und von Vorkennt­nissen ab. Achten sollten Sie außerdem auf den Abschluss, den Sie erwerben können und ob dieser wirk­lich zu ihren Zielen passt. Klären Sie außerdem die Fragen nach Präsenz­phasen oder e-Learning-Anteilen ab. Gerade der Austausch mit anderen Teilnehmern wird von vielen als moti­vierend empfunden. Einige Themen lassen sich vor allem auch im Präsen­zunter­richt am besten darstellen.

Sascha: Sollten in Weiterbildungs­szenarien mehr e-Learning-Elemente zum Einsatz kommen?

Dr. Michael Cordes: Der Trend geht zumindest dahin. Ob es sinn­voll ist, hängt natürlich vom Angebots­konzept ab. Generell würde ich behaupten, dass die Möglich­keiten noch nicht ausgeschöpft sind, die das e-Learning bietet.

Durch­blick bei den Fern­studien­angeboten

Angel: Wie findet man eine geeignete Fern­universität und wo erhalte ich Rat über mögliche Finanzierungs­hilfen?

Dr. Michael Cordes: Zum Einen: Fern­studium und Fern­unter­richt wird häufig synonym verwendet. Wenn man Fern­studium als Hoch­schul­angebot betrachtet, gibt es Informationen unter www.hochschulkompass.de oder, im Bereich der weiterbildenden Studien­gänge, unter www.dgwf.net. Zum Anderen: Natürlich besteht, wie gesagt, die Möglich­keit der steuerlichen Anerkennung. Ansonsten gibt es jede Menge verschiedener Finanzierungs­instru­mente. Informationen gibt es dazu in unserem Leitfaden Weiterbildung finanzieren oder unter www.foerderdatenbank.de.

Mkrueger: Ist die Qualität eines Fern­studium in der Regel besser, wenn es stärker auf Wochen­endblöcke oder ganze Wochenblöcke setzt als andere? Wirkt sich also das intensive Zusammen­arbeiten mit Dozenten und anderen Studenten grund­sätzlich positiv aus?

Alrun Jappe: Das ist natürlich eine individuelle Frage. Es gibt Leute, die haben keine Möglich­keit, an vielen Präsenz­phasen teil­zunehmen. Da bietet sich als Alternative ein Kurs an mit vielen e-Learning-Anteilen, beispiels­weise ein Online-Forum, über das man sich austauschen kann, und dann gibt es sicher Leute, die von sich aus ein Selbst­studium auch ohne Mitschüler gut meistern.

CKrakau: Die Hamburger Akademie bietet sogenannte Fern­studien an, mit einem eigenen Zertifikat oder einem Industrie- und Handels­kammer-Abschluss. Ist das ein echtes Fern­studium, vergleich­bar mit denen, die mit einem Bachelor abschließen? Wonach entscheide ich?

Dr. Michael Cordes: Der Begriff „Fern­studium“ ist recht­lich nicht geschützt, aber die Hamburger Akademie ist keine Hoch­schule. Dementsprechend kann hier zum Beispiel kein akademischer Abschluss erworben werden.

Bato: Ist es sinn­voll auch ein Fern­studium-Anbieter zu nutzen, um sich komplett neue Kennt­nisse in einem Beruf anzu­eignen wie geprüfter Werbegrafiker?

Dr. Michael Cordes: Grund­sätzlich ist das möglich und unter Umständen auch sinn­voll. Es hängt ein Stück weit davon ab, mit welchen Fach­kräften man auf dem Arbeits­markt konkurriert.

Sbberlin: Bei Fern­studiengängen bin ich „nur“ auf die Fernuni Hagen gestoßen. Allerdings interes­sieren mich doch fachlich spezialisierte Bereiche (Design, Kommunikation). Gibt es andere Fernunis oder ähnliches? Als Mutter mit Teil­zeitjob und berufs­tätigem Mann, möchte ich nicht die Wochen­enden für die Weiterbildung nutzen.

Dr. Michael Cordes: Der www.hochschulkompass.de der Hoch­schulrektoren­konferenz bietet einen umfassenden Über­blick. Alternativ empfehlen wir, Fern­unter­richt­sangebote oder Fern­lerngänge über www.zfu.de oder aber im akademischen Bereich über www.dgwf.net zu recherchieren.

Fördermittel richtig nutzen

Moderator: Vorab konnten die Chatte­rinnen und Chatter auch bereits Fragen einsenden und über die Fragen anderer Nutzer abstimmen. Diese hier gehörte zu den Fragen mit den meisten Stimmen:

Chamaelion80: Warum ist eine Weiterbildung über eine Verwaltungs- und Wirt­schafts­akademie (VWA) noch immer nicht staatlich anerkannt, so dass beispiels­weise die Förderung über „Meister-Bafög“ möglich wäre, wie dies mitt­lerweile im Pflegesektor erfolgt ist?

Alrun Jappe: Die Verwaltungs- und Wirt­schafts­akademie ist eine privatrecht­liche Institution, die keine öffent­lich-recht­lichen Prüfungen abnehmen kann. Grund­sätzlich ist es denk­bar, einen Kurs bei der Verwaltungs- und Wirt­schafts­akademie zu absol­vieren und danach eine öffent­lich-recht­liche Prüfung beispiels­weise bei den Kammern zu absol­vieren. Aber darauf bereiten die Kurse der Verwaltungs- und Wirt­schafts­akademie in der Regel nicht gezielt vor.

Axel: Verwaltungs- und Wirt­schafts­akademie (VWA) ist doch mehr als ein Kurs bei der Kammer? Als Absolvent der VWA kann ich auch an einem Master of Business Administration-Studium teilnehmen, muss dies allerdings privat finanzieren!

Dr. Michael Cordes: Die VWA ist ein eigen­ständiger Anbieter der mit den Kammern auch zunächst nichts zu tun hat. Die Wertig­keit der Abschlüsse ist natürlich schwer mess­bar und hängt unter anderem von der Markt­gängig­keit auf dem Arbeits­markt ab.

Unterstüt­zung vom Arbeit­geber

Baldur: In meinem Unternehmen wird erwartet, dass ich mich auf eigene Kosten und in meiner Frei­zeit weiterbilde. Kann ich trotzdem auf betrieblicher Unterstüt­zung finanzieller Art bestehen?

Dr. Michael Cordes: Je nach Stand­ort kann Bildungs­urlaub in Anspruch genommen werden. Ein finanzieller Anspruch besteht normaler­weise nicht, wenn er nicht in irgend­einer Art und Weise vertraglich fest­gelegt ist.

Stern: Gibt es eine vernünftige Empfehlung, wie hoch der Weiterbildungs­aufwand in einer Firma sein soll?

Dr. Michael Cordes: Nein, weil das von den Gegebenheiten der Firma oder der Situation abhängt.

Stefan: Gehalts­anpassung bei berufs­nahem Fern­studium? Ich habe bei einem Betrieb eine Ausbildung gemacht (+ aktuelle 3 Jahre Berufs­erfahrung), arbeite momentan auch in diesem Betrieb weiter und studiere nebenher einen Studien­gang an der Fernuni Hagen, der sehr dicht mit meiner Ausbildung und meiner betrieblichen Tätig­keit verzahnt ist. Das Einstiegs­gehalt meines Berufs liegt mit Ausbildung deutlich unter dem mit Studium. Ist es sinn­voll mit dem Chef über eine schritt­weise Gehalts­anpassung an das Einstiegs­gehalt eines Universitäts-Absolventen zu sprechen, oder sollte man das lieber bleiben lassen?

Alrun Jappe: Das hängt natürlich sehr von der Situation ab. Grund­sätzlich ist es immer besser vor der Weiterbildung mit seinem Chef zu sprechen. Manche beteiligen sich ja sogar an den Kosten für die Weiterbildung. Aber natürlich können Sie auch jetzt oder vielleicht nach erfolg­reichem Abschluss mit ihrem Chef ein Gespräch über Ihre Zukunft im Unternehmen führen. Ganz wichtig ist: Wenn Sie auf Ihre Weiterbildung zu sprechen kommen, dass Sie ihrem Chef deutlich machen, wo für ihn der betriebliche Nutzen dieser Weiterbildung liegt. Dann sind ihre Chancen auf eine schritt­weise Gehalts­anpassung zumindest gegeben. Tipp: Wenn Sie ein Gespräch zur Laufbahn­entwick­lung führen, können Sie das Thema „Gehalt“ in diesem Zusammen­hang anschneiden, ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen.

Kuko: Ist es juristisch korrekt, im Zusammen­hang mit einer Weiterbildung, die mein Arbeit­geber finanziell unterstützt, einen Verpflichtungs­vertrag einzugehen?

Alrun Jappe: Das ist durch­aus üblich, gerade wenn der Arbeit­geber einen großen Teil der Weiterbildung finanziert. Normaler­weise vereinbart man, dass man die Unterstüt­zung zurück­zahlt, sollte man früher aus dem Unternehmen ausscheiden. Üblich ist zum Beispiel sich für zwei Jahre nach Abschluss der Ausbildung an das Unternehmen zu binden.

Ausbildung zum Bildungs­lotsen

Lotse: Wo kann man sich zum sogenannten Bildungs­lotsen bewerben? Dies ist vom Bundes­ministerium für Bildung und Forschung nicht kommuniziert worden und im Netz findet man auch nichts dazu.

Alrun Jappe: Darüber haben wir auch keine konkreten Informationen. Am besten wendet man sich an die Arbeits­agenturen.

Maria-Magda: Was ist das? Wer bildet aus? Gibt es einen zertifizierten Abschluss?

Moderator: (zum Thema Bildungs­lotse)

Dr. Michael Cordes: Es ist ein relativ neues Programm, in dem es darum geht, insbesondere Haupt­schülern Orientierungen bei der Ausbildungs­suche zu geben. Unseres Wissens nach gibt es dort noch keine gefestigten Strukturen, auf die man sich berufen kann.

Qualität erkennen

Joachim F-: Einige Bildungs­träger haben ein Anerkennungs- und Zulassungs­ver­ordnung Weiterbildung (AZWV)-Zertifikat. Kann man davon ausgehen, dass die Verwaltung und die Seminarqualität bei diesen Bildungs­trägern zumindest nicht auf unterstem Niveau ist? Gibt es sonst noch Zertifikate, an denen man sich orientieren kann?

Dr. Michael Cordes: Die AZWV ist eine Zulassungs­ver­ordnung und nicht mit einem Zertifikat zu verwechseln. Sie besagt, dass, wer AZWV zugelassen ist, ein Qualitäts­management­system besitzen muss. Typische Systeme sind DIN ISO 9000 oder Lern­orientierte Qualitäts­steigerung in der Weiterbildung (LQW). Es gibt aber noch mehr. Auch zertifizierte Anbieter sind natürlich kein Garant dafür, dass die Qualität immer top ist. Von einem gewissen Niveau kann man aber sicherlich ausgehen. Wir testen auch regel­mäßig Weiterbildungs­angebote. Wer sich über unsere aktuellen Tests in dem Bereich informieren möchte, sollte unseren kostenlosen Newsletter bestellen. Rubrik „Bildung und Soziales“ auf test.de ankli­cken. Aktuell sind die Tests, wie gesagt, von diesem und letzten Jahr kostenlos zum Download verfügbar.

Jeder Abschluss ist anders

Schwartzer: Worin besteht der Unterschied zwischen Weiterbildungen mit dem Abschluss „staatlich geprüfte(r)....“ und „staatlich anerkannte(r)...“? Diese verschiedenen Bezeichnungen treten zum Beispiel beim Betriebs­wirt auf.

Alrun Jappe: Wir haben eine Markt­über­sicht zum Thema „ Betriebswirtschaftliche Abschlüsse“ erstellt, die auch heute zum kostenlosen Download zur Verfügung steht. Daran sieht man zum Beispiel, dass der staatlich geprüfte Betriebs­wirt eine gesonderte Ausbildung ist. Der Betriebs­wirt an sich ist nicht geschützt. So gibt es zum Beispiel auch Fern­studien­angebote, die zum Abschluss Betriebs­wirt führen, aber Achtung: Nur wenn ein „geprüft“ davor­steht, legt man auch wirk­lich eine Prüfung ab. Beispiels­weise bei der Industrie- und Handels­kammer. Staatlich geprüft heißt, dass die Prüfung durch ein Institut oder einen Prüfer abge­nommen wird, der im staatlichen Auftrag handelt. Staatlich anerkannt basiert auf Prüfungs­ordnungen, die Prüfung muss aber nicht von einem staatlichen Beauftragten abge­nommen werden. Häufig ist das bei Kammern der Fall.

Chamaelion: Es werden sehr viele verschiedene Möglich­keiten angeboten einen Bachelor zu machen, zwischen zwei und sechs Semestern. Sind diese Abschlüsse alle gleich zu bewerten?

Alrun Jappe: Das hängt sicher davon ab, wie viel Vorbildung man mitbringt. Wer in zwei Semestern seinen Bachelor macht, muss vermutlich in der Regel höhere Zugangs­voraus­setzungen erfüllen.

Alexander: Hallo, mich würde ein Fern­lehr­gang zum Fach­informatiker interes­sieren, dieser Lehr­gang wird aber nicht mit Industrie- und Handels­kammer-Abschluss angeboten. Deshalb stellen sich mir die Fragen: 1.) Kann man dann an der Industrie- und Handels­kammer einen externen Abschluss nach­holen und 2.) das Abschluss­zertifikat Anerkennungs- und Zulassungs­ver­ordnung Weiterbildung (AZWV), was bedeutet das? Wird es als regulärer Abschluss anerkannt?

Dr. Michael Cordes: Sie sollten bei der Kammer nach­fragen, inwieweit Ihre Qualifikationen für Kamm­erweiter­bildungen anerkannt werden. Ein nach AZWV zugelassener Lehr­gang bedeutet nur, dass der Anbieter über ein Qualitäts­sicherungs­system verfügt. Eine Zulassung gemäß AZWV brauchen Anbieter, um durch die Bundes­agentur für Arbeit über Bildungs­gutscheine geförderte Weiterbildungs­maßnahmen anzu­bieten. Die AZWV ist also weder ein Zertifikat noch eine Abschluss­bezeichnung.

Mirko: Inwieweit wird eine Ausbildung zum Fachwirt anerkannt? Welchen „Stellen­wert“ hat diese Ausbildung?

Alrun Jappe: Grund­sätzlich genießen die Industrie- und Handels­kammer-Ausbildungen nach wie vor Anerkennung bei vielen Arbeit­gebern.

Kompetenzen sicht­bar machen

Andre: Ich bin 50 Jahre alt, habe studiert und dann circa alle sechs bis sieben Jahre neue Heraus­forderungen angenommen und die jeweilige Ausbildung dazu, oft nebenher absol­viert. Fragt mich heute jemand nach einer Bilanz, wird es schwer oder aber umfang­reich. Wie soll ein solcher Erfahrungs­schatz bilanzier­bar werden?

Dr. Michael Cordes: Um die im Laufe einer Karriere erworbenen Kennt­nisse und Kompetenzen darzustellen, ist der Profilpass ein gutes Instru­ment. Dieser wird gemein­sam mit einer professionellen Begleitung in Form von Beratungs- und Kurs­angeboten durch­geführt. Im Rahmen dieser Begleitung können Sie dann einen Profilpass „Kompetenz­nach­weis“ erhalten. Nähere Infos und Angebote finden Sie unter www.profilpass-online.de.

Frau B.: Ich habe keine abge­schlossene Ausbildung, aber sehr umfassende berufliche Erfahrungen und zahlreiche Weiterbildungen absol­viert. Gibt es die Möglich­keit, mit einer Beratungs­stelle oder ähnlichem eine Kompetenz­bilanz zu erstellen, die bei einer Bewerbung anerkannt wird?

Alrun Jappe: Wie schon eben gesagt, empfiehlt sich in solch einem Fall einen Profilpass gemein­sam mit einem Berater zu erstellen. Hier nochmal der Link: www.profilpass-online.de.

Sprachen lernen

Nella: Bin Spät­aus­iedlerin, 51 Jahre alt und möchte Eng­lisch lernen. Versuche über die Volks­hoch­schule waren erfolg­los, da selbst die Anfänger­kurse von Leuten mit Vorkennt­nissen besucht wurden. Was würden Sie mir empfehlen? Zum Beispiel Rosetta Stone? Oder doch ein anderes Programm? Danke

Dr. Michael Cordes: Zunächst auf e-Learning-Angebote zurück­zugreifen ist sinn­voll. Ich würde darauf achten, dass es sich nicht um zum Beispiel Vokabeltrainer, sondern um umfassende Sprach­lern­angebote handelt und dass sie sich natürlich an Anfänger richten. Wir haben zum Thema Eng­lisch Fort­geschrittene und Spanisch Anfänger Tests durch­geführt. Mit Lernsoftware­programmen kann man sich sicherlich einen guten Grund­stock erwerben, um dann gezielter in Angebote und Kurse hinein­zugehen.

Xyz: Seit langem möchte ich neben­beruflich meine Spanisch- und Eng­lisch­kennt­nisse auffrischen (unter anderen um mich beruflich weiterzuqualifizieren). Ich finde mich aber bei Software-Produkten im Vergleich nur schwer zurecht beziehungs­weise weiß ich nicht, welche qualitativ hoch­wertige Inhalte bietet. Preislich liegen zum Teil Welten dazwischen! Haben Sie eine Empfehlung für wirk­lich gute Lernsoftware?

Dr. Michael Cordes: Wie gesagt, wir haben zuletzt vor drei Jahren mehrere Tests zu diesen Themen veröffent­licht. Nicht alle Produkte sind noch im Handel. Sie finden hier aber wichtige grund­sätzliche Informationen. Auf was Sie achten sollten: Das Sprach­niveau muss angegeben sein. Beachten Sie die Systeman­forderungen und schauen Sie sich natürlich an, welches Leistungs­spektrum die Software verspricht. Beispiel: Wenn Sie ihre Aussprache verbessern möchten, sollten Sie darauf achten, dass das Programm eine Sprach­erkennungs­software besitzt. Viele Anbieter verfügen auch über Demo-CDs. Fragen Sie im (Buch-) Handel danach.

SKD: Sind Sprach­reise­ver­anstalter, die nicht im Fach­verband Deutscher Sprach­reise-Veranstalter e.V. (FDSV) gelistet sind, schlechter als andere? Ich habe den Eindruck, dass die Website des Fach­verbandes Deutscher Sprach­reise-Veranstalter mehr ein Promotions Tool ist als dass der Verbraucher wirk­lichen Nutzen (abge­sehen von pauschalierten Aussagen) hat. Wie lauten die Empfehlungen der Stiftung Warentest hinsicht­lich der Auswahl eines Sprach­reise­ver­anstalters?

Alrun Jappe: Da empfehlen wir vor allem diejenigen, die bei uns gut im Test abge­schnitten haben. So haben wir vor allem dieses Jahr noch Sprachreisen „Wirtschaftsenglisch“ getestet. Auch der steht heute kostenlos zur Verfügung.

Betriebs­wirt­schaft lernen

Schull: Ich habe ein geisteswissenschaftliches Studium absol­viert und möchte mir betriebs­wirt­schaftliche Kennt­nisse aneignen, da ich beruflich in einer Sack­gasse stecke. Welche Weiterbildung empfehlen Sie und wie/wo kann ich mir die oft noch fehlenden Mathematik-Kennt­nisse aneignen?

Alrun Jappe: Hier möchte ich noch einmal auf unsere Markt­über­sicht „ Betriebswirtschaftliche Abschlüsse“ verweisen. Außerdem haben wir aktuell einen Vergleich von 52 Fernunterrichtskursen zum Thema „Betriebs­wirt­schaft“ heute auch kostenlos zum Download. Kammer­eigene Abschlüsse würden sich an dieser Stelle eher weniger eignen, da diese häufig eine kauf­männische Ausbildung voraus­setzen. Informieren können Sie sich auch über den Europäischen Wirt­schafts­führer­schein, der wichtige praxis­orientierte Grund­lagen zum Thema vermittelt. Link: www.ebcl.de.

Bildungs­prämie beantragen

1904: Kann die Bildungs­prämie zur Bezahlung der Studien­gebühren für ein Zweitstudium Pharmazie Staats­examen) an der Universität Tübingen verwendet werden? Die Beratungs­stelle bei der Volks­hoch­schule Tübingen verneint dies. Stimmt das?

Dr. Michael Cordes: Es gibt eine Hotline unter www.bildungs­praemie.info. Ich würde zumindest eine zweite Meinung dort einholen und mich nicht nur auf den Berater verlassen.

Joysecond: Ich befinde mich gerade in Eltern­zeit und würde gerne eine Weiterbildung machen. Die Bildungs­prämie von 500,- Euro könnte ich also bekommen. Allerdings kostet der Kurs (1-wöchig) über 2.000,- Euro, was ich mir leider nicht leisten kann. Gibt es weitere Möglich­keiten an finanzieller Unterstüt­zung?

Dr. Michael Cordes: Sie können die Kosten natürlich steuerlich geltend machen. Ansonsten ist die Bildungs­prämie unseres Wissens nicht mit anderen Instru­menten koppel­bar. Aber je nach Wohn­ort kommen auch Länder­förderungen in Frage. Einen Über­blick gibt unser Leitfaden Weiterbildung finanzieren.

Moderator: So, das waren 60 Minuten Chat der Stiftung Warentest zum Thema Weiterbildung. Wir danken den Chatte­rinnen und Chattern für die vielen Fragen und entschuldigen uns bei den Fragestel­lern, deren Beiträge wir aus Zeitgründen leider nicht beant­worten konnten. Ein ganz besonderer Dank geht an Alrun Jappe und Dr. Michael Cordes für die Beant­wortung der Fragen. Das Chat­team wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag und ein schönes Wochen­ende! .

Dieser Artikel ist hilfreich. 410 Nutzer finden das hilfreich.