Wäsche waschen: Fressen Waschmaschinen Socken?

Das kennt jeder: Die Bluse ist nach der Wäsche fleckig, das weiße Hand­tuch hängt vergraut am Haken und das Sport­hemd müffelt immer noch vor sich hin. Hat das Wasch­mittel versagt? Oder die Wasch­maschine? Oder der Hausmann oder die Hausfrau? Wie wird die Wäsche richtig sauber – die Experten von test haben auf Ihre Fragen geant­wortet. Hier das Protokoll des Chats.

Die Top 3-Fragen

Chat: Wäsche waschen Meldung

Die test-Experten Brigitte Kluth-Kosnik (links) und Dr. Konrad Giers­dorf.

Moderator: So, es ist jetzt 13 Uhr. Hier im Chat begrüße ich jetzt Brigitte Kluth-Kosnik und Dr. Konrad Giers­dorf. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und die Fragen unserer Chatte­rinnen und Chatter beant­worten. Gleich die erste Frage an unsere Gäste: Wie sieht es aus, wollen wir starten?

Brigitte Kluth-Kosnik: Wir freuen uns über die große Resonanz, die dieser Chat gefunden hat. Das hätten wir eigentlich so nicht erwartet. Wir können starten.

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die TOP 1 Frage aus dem Pre-Chat:

Kühl­walda: Warum miefen manche Kleidungs­stücke nach der Wäsche immer noch – man merkt es nicht sofort, aber wenn man sie trägt, fangen sie an zu stinken, so, also ob sie lange feucht rumlagen, was aber nicht der Fall war. Ich schmeiße solche Kleidungs­stücke dann immer weg, weil nämlich auch Desinfektions­spülung nicht hilft. Ist das materialbe­dingt?

Dr. Konrad Giers­dorf: Moderne Wasch­mittel ( zu den Tests Waschmittel) loben häufig nied­rige Temperaturen aus, bis hin zur Kalt­wäsche – bei gleichen Wasch­ergeb­nissen. Das kann in der Wasch­maschine zu Rück­ständen führen, die Bakterien enthalten. Was in der Folge zu negativen Gerüchen führt, sowohl in der Maschine als auch im Kleidungs­stück. Deshalb sollte man mindestens einmal im Monat unter Verwendung eines pulverförmigen Voll­wasch­mittels waschen. Kleidungs­stücke, die mit schlechtem Geruch behaftet sind, müssen also nicht weggeworfen werden. Wir empfehlen eine Wäsche mit einem Voll­wasch­mittel oder dem Zusatz einer Flüssigbleiche und eine möglichst hohe Temperatur und (!) keinen Kurz­wasch­gang. Wenn das nicht hilft, dann kann man auch mal versuchen die Kleidungs­stücke in einer 5%igen Zitronen- oder Essig­säurelösung zu baden – und dann noch einmal, wie gerade beschrieben, zu waschen.

Brigitte Kluth-Kosnik: Um von vorn­herein schlechte Gerüche der Maschine zu verhindern, sollte man nicht nur regel­mäßig bei 60 Grad waschen, sondern die Maschinentür und die Dosierkammer offen­stehen lassen und regel­mäßig sauber machen.

Moderator: Hier die TOP 2 Frage aus dem Pre-Chat:

Christine R.: In T-Shirts entdecke ich immer mal kleine Löcher. An der Wasch­maschine kann es eigentlich nicht liegen, denn die ist erst 2 Jahre alt, von Miele und hat eine sehr glatte Trommel mit nur kleinen Löchern. Auch mit einem Damen­strumpf bin ich in der Trommel auf die Suche nach scharfen Graten gegangen. Fehl­anzeige. Sind das Material­fehler?

Dr. Konrad Giers­dorf: Das Auftreten von Textilschäden beim Waschen kann verschiedene Ursachen haben. Wobei Material­fehler ein Grund sein können. Schäden können aber auch durch mecha­nische Einwirkung im Gebrauch entstehen, die vor der Wäsche optisch nicht sicht­bar sind und durch den Wasch­vorgang erst sicht­bar gemacht werden. Löcher können auch dadurch entstehen, dass ich die Sachen mit anderen scharfkantigen Textilien waschen, zum Beispiel mit einer Textilie mit einem Reiß­verschluss und diesen nicht schließen vor dem Wasch­vorgang.

Brigitte Kluth-Kosnik: Auch Nieten, Nägel, Münzen oder vergessene Nagelfeilen können andere Textilien schädigen.

Moderator: Hier die TOP 3 Frage aus dem Pre-Chat:

Christine R.: Die Verkäuferin unserer Miele-Maschine (von 2010) sagte uns ausdrück­lich, wir sollten die Trommel schließen, wenn wir die Maschine nicht benutzen. Ich dachte immer, man soll das Bull­auge offen lassen. Was ist richtig?

Brigitte Kluth-Kosnik: Also diese Empfehlung, die Tür und die Dosierkammer offen­stehen zu lassen, gilt natürlich für alle Maschinen – egal von welchem Anbieter – also auch für die Miele-Maschine. Früher war das nicht so nötig, weil eben doch häufiger bei 60 Grad gewaschen wurde. Durch die modernen Wasch­mittel verliert die 60-Grad-Wäsche immer mehr an Bedeutung und das Problem taucht immer öfter auf.

Dr. Konrad Giers­dorf: Wenn man zur Kalt­wäsche übergehen würde, würde es noch häufiger werden, weil Temperaturen unter 30 Grad hygie­nische Probleme mit sich bringen könnten.

Wäsche richtig sortieren

D.F.: Meine Frau verlangt, dass die Wäsche in 60°C bunt, 60°C hell/weiß, 30/40°C hell/weiß, 30/40°C bunt und 30/40°C dunkel/schwarz sortiert wird. Ist das über­trieben oder eine sinn­volle Aufteilung?

Dr. Konrad Giers­dorf: Eine Trennung der Wäsche nach Farbe – also zumindest in weiß und farbige Textilien – ist sinn­voll. Bei der Temperatur ist darauf zu achten, was die Pflegekenn­zeichnung als Maximalkenn­wert vorgibt. Es kann selbst­verständlich auch bei nied­rigeren Temperaturen gewaschen werden. Sehr wichtig ist auch die Sortierung nach Programmen. Manche Textilien müssen separat gewaschen werden, z.B. im Pflegeleicht-Programm (z.B. Oberhemden) oder im Synthetik-Programm (z.B. Gardinen). Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass sehr stark verschmutzte Textilien nicht unbe­dingt mit empfindlichen kaum verschmutzten Textilien zusammen gewaschen werden sollten.

Brigitte Kluth-Kosnik: Um noch einmal auf die konkrete Frage einzugehen, über­trieben ist das Vorgehen ihrer Frau nicht. Sondern sinn­voll, um für jedes Textil das optimale Programm zu finden. Problem ist immer genügend Wäsche für das einzelne Programm zusammen­zubekommen. Dabei muss man allerdings bedenken, dass gerade Pflegeleicht-Programme nie mit der maximalen Beladung gefahren werden, sondern mit der Hälfte, also z.B. mit maximal 3 Kilogramm.

Probleme mit Gerüchen

Claudia0572: Wie bekommt man Schweiß­geruch aus der Kleidung? Schon vieles versucht: mehr Wasch­pulver, weniger gefüllte Trommel, längeres Wasch­programm, Desinfektions­mittel, Wasch­soda, Wäsche zuvor mit Wasch­mittel einweichen – nichts nützt. Ich dusche täglich, rasiere die Achseln und benutze Deo. Trotzdem müffelt es aus der Achselregion, kurz nachdem ich ein frisch gewaschenes Shirt anziehe. Meine Achseln selber riechen nicht, sondern der alte Schweiß­geruch scheint in den Fasern zu kleben. Was tun?

Brigitte Kluth-Kosnik: Also wenn sich Schweiß­geruch schon sehr intensiv in die Textilie fest­gesetzt hat, ist es häufig sehr schwierig, diesen wieder heraus­zubekommen. Besser wäre es präventiv vorzugehen, also am besten mit bleichehaltigem Voll­wasch­mittel waschen, sofern das Textil dieses auch erlaubt mit möglichst hoher Temperatur und einem langen Wasch­programm. Man kann versuchen mit einer 5%igen Zitronensäure den Schweiß­geruch heraus­zubekommen, ob das gelingt ist allerdings fraglich.

Dr. Konrad Giers­dorf: Es sollte auf jeden Fall ein pulverförmiges Voll­wasch­mittel sein, da flüssige Universal- oder Voll­wasch­mittel bzw. Color-Wasch­mittel keine Bleiche enthalten. Sollte trotzdem ein Color-Wasch­mittel zum Einsatz kommen, empfiehlt sich der Zusatz einer Flüssigbleiche.

Brigitte Kluth-Kosnik: Ich hätte dann noch einen ganz praktischen Tipp: Das Problem taucht ja häufig bei Sport­bekleidung auf, da ist es sehr ungünstig wenn die Sport­bekleidung stunden­lang in der Sport­tasche im Kofferraum vor sich hin müffelt, vielleicht noch sehr feucht, und dann abends irgend­wann in der Dreck­wäsche weitermüffelt – also solche Kleidung am besten möglichst schnell waschen.

Moderator: Dazu eine weitere Frage:

Wuppsi: Wie bekommt man Deo- und/oder Schweiß­flecken am besten wieder aus der Wäsche? Meine Erfahrung ist leider, dass die üblichen Wasch­mittel hier über­haupt nicht helfen.

Dr. Konrad Giers­dorf: Eine Kombination von Deo-Inhalts­stoffen mit Schweiß kann zur Erzeugung von gelben hartnä­ckigen sehr schwer zu entfernenden Flecken im Bereich der Achselhöhle führen. Es gibt bislang keine speziellen Wasch­mittel, die diese Problematik bekämpfen können. Die Hersteller von Deos arbeiten an diesem Problem, in dem sie versuchen die Komponenten aus den Deos heraus­zunehmen, die zu dieser Flecken­bildung führen.

Brigitte Kluth-Kosnik: Es gibt inzwischen auch schon Deos, die das speziell ausloben.

Dr. Konrad Giers­dorf: Und als Tipp, wenn sie diese Probleme bereits haben, könnten sie mit Flüssigbleiche versuchen diese Flecken heraus­zubekommen.

Reinigung der Wasch­maschine

Moderator: Hier eine aktuelle Nach­frage:

Wasch­monster: Zitat: „... Maschinentür und die Dosierkammer offen­stehen lassen und regel­mäßig sauber machen ...“ Womit saubermachen?

Brigitte Kluth-Kosnik: Mit einem Lappen und ein biss­chen Spül­mittel.

Jojo: Kann der Geruch nicht möglicher­weise aus der Maschine kommen?

Dr. Konrad Giers­dorf: In dem Laugensumpf können sich bei nied­rigen Temperaturen Bakterien bilden, die diesen Geruch in der Maschine erzeugen – dieser über­trägt sich dann auf die Wäsche. Deshalb muss auch die Maschine gepflegt werden.

Moderator: Eine aktuelle Frage:

GuteFrage: Wodurch entstehen bei Wasch­maschinen, trotz Dosierung nach Herstel­ler­angaben, schmierige Ablagerungen an der Dichtung und schwarze Ablagerungen in der Einspülkammer?

Brigitte Kluth-Kosnik: Hier bedarf die Wasch­maschine offensicht­lich ein wenig Pflege. An diesen Gummi­bullaugendichtungen können sich Schmutz und Wasch­mittel­reste fest­setzen, das sollte man regel­mäßig abwischen. Auch die Dosierkammern müssen regel­mäßig ausgewaschen werden bzw. abge­spült werden. Dazu kann man die Dosierkammern auch heraus­ziehen und einfach unter den Wasser­hahn halten. Die kleinen engen Stellen bekommt man sehr gut mit einer Babyflaschenbürste oder einer Zahnbürste sauber.

Weiße Wäsche waschen

Lorinda: Wie bekommt man Grau­schleier aus weißer Wäsche?

Dr. Konrad Giers­dorf: Ein Grau­schleier entsteht, wenn das Wasch­mittel den von der Wäsche abge­lösten Schmutz nicht in der Wasch­lösung hält und dieser sich wieder auf die Wäsche absetzt und verteilt.

Brigitte Kluth-Kosnik: Ist das einmal passiert, ist es sehr schwer den Grau­schleier wieder heraus­zubekommen.

Dr. Konrad Giers­dorf: Deswegen sollte präventiv vorgegangen werden: Benutzen Sie ein pulverförmiges, gutes Voll­wasch­mittel.

Brigitte Kluth-Kosnik:Unsere letzten Waschmitteltests Tests haben gezeigt, dass die pulverförmigen Voll­wasch­mittel besser in der Lage sind Grau­schleier zu verhindern als flüssige Voll­wasch­mittel, die generell zum Vergrauen tendieren. Ganz schlecht ist es auch, wenn man weiße Textilien mit einem Color-Wasch­mittel wäscht ( zum Test Colorwaschmittel), weil das noch eher zum Vergrauen führt und möglicher­weise sich auch farbiges auf dem weißen absetzt.

Moderator: Eine weitere aktuelle Frage aus dem Chat:

Neurouser: Wie bekomme ich hartnä­ckige Flecken (Beeren, Wein usw.) aus der Kleidung?

Dr. Konrad Giers­dorf: Durch Verwendung eines pulverförmigen und bleich­mittel­haltigen Voll­wasch­mittels...

Brigitte Kluth-Kosnik: ...und einer möglichst hohen Temperatur und einem langen Wasch­gang.

Dr. Konrad Giers­dorf: Flüssig­wasch­mittel jeglicher Art, auch Voll­wasch­mittel, können diese Art von Problemen nicht beseitigen.

Brigitte Kluth-Kosnik: Noch ein Tipp zum Grau­schleier und auch zu den Flecken: Früher haben unsere Mütter in der Sonne gebleicht – auch das könnte man versuchen.

Die verschiedenen Wasch­mittel­sorten

Wasch­monster: Ist es sinn­voll, Voll-, Color- und Fein­wasch­mittel neben­einander (nicht gleich­zeitig) zu verwenden?

Dr. Konrad Giers­dorf: In jedem Haushalt sollten eigentlich nur drei Wasch­mittel vorhanden sein: Ein Voll­wasch­mittel­pulver für weiße Wäsche und hartnä­ckige Flecken, ein Color-Wasch­mittel für buntes und farbiges und ein Woll­wasch­mittel für Wolle und Seide.

Brigitte Kluth-Kosnik: Ein spezielles Fein­wasch­mittel braucht man eigentlich nicht.

Dr. Konrad Giers­dorf: Schon gar nicht Spezial­wasch­mittel, die nur für bestimmte Farben und Textilarten angeboten werden.

Moderator: Eine aktuelle Frage:

Wasch­noob: Wie bleibt schwarze Wäsche möglichst lange schwarz? Lohnen spezielle Wasch­mittel für schwarze Kleidung?

Dr. Konrad Giers­dorf: Also schwarze Wäsche sollte wie jede bunte Wäsche mit einem Color-Wasch­mittel gewaschen werden. Damit die Farbe erhalten bleibt, sollte nie mit einem Voll­wasch­mittel gewaschen werden.

Brigitte Kluth-Kosnik: Speziell für schwarz ausgelobte Wasch­mittel haben nach unserer bisherigen Erfahrung keinen besseren Farb­schutz als normale Color-Wasch­mittel. Dann noch ein Hinweis: Wenn schwarzes sehr schnell ausbleicht, muss das auch nicht unbe­dingt am Wasch­mittel liegen, sondern kann von vorn­herein an der Qualität der Textilfarbe liegen. Auch das kann der Verbraucher leider beim Kauf noch nicht erkennen.

Putzteufel: Verwendung von Flüssig­wasch­mittel: Ist es egal, wann ich es in die Spülkammer gebe? Oder erst, wenn das Fach für den Haupt­wasch­gang geleert wird?

Dr. Konrad Giers­dorf: Reste von diesen Flüssig­wasch­mitteln bleiben oft als Rück­stände in den Kammern hängen. Deshalb muss regel­mäßig ausgespült werden. Diese Kammer kann man rausziehen und unter den Wasser­hahn gehalten werden.

Brigitte Kluth-Kosnik: Das Flüssig­wasch­mittel sollte vor dem Start des Programms einge­füllt werden.

Klapper­strauss: Können die viel gepriesenen Wasch­nüsse aus Reformhäusern tatsäch­lich ein konventionelles chemisches Wasch­mittel ersetzen oder muss man hier Abstriche in Kauf nehmen?

Dr. Konrad Giers­dorf: Wir haben in der Vergangenheit sowohl Waschnüsse als auch Waschkugeln untersucht. Eine Verbesserung der Wasch­leistung konnten wir nicht fest­stellen. Das heißt Wasch­kugeln sind wirkungs­los, Wasch­nüsse enthalten zwar einen geringen Anteil Tenside (das sind wasch­aktive, schmutzlösende Substanzen) – jedoch vergraute die Wäsche bei unseren Versuchen sehr stark und wurde schnell unansehnlich.

Brigitte Kluth-Kosnik: Die Wasch­wirkung kam nicht an die von herkömm­lichen Wasch­mitteln heran.

Wasch­mittel­dosierung und Temperatur

Mara: Mein Mann meint, dass man immer weniger als die Hälfte an Wasch­mittel benötige, als die Hersteller angeben, da die Angaben nur auf einen erhöhten Verbrauch und damit Absatz zielten. Ist dies richtig?

Dr. Konrad Giers­dorf: Die Dosierung sollte immer der Dosier­vorgabe für die tatsäch­liche Wäsche­verschmut­zung entsprechen, so wie auf der Rück­seite der Verpackung ausgelobt. Wenn die Wäsche nur leicht verschmutzt ist, kann der Wasch­mittel­verbrauch auch deutlich geringer sein – das steht aber auch auf der Verpackung.

Brigitte Kluth-Kosnik: Man sollte auch darauf achten, für wie viel Füll­menge der Wasch­maschine die Dosierungs­angaben sind. Häufig sind das noch 4 oder 5 Kilogramm. Moderne Wasch­maschinen fassen heut­zutage aber 7, 8 oder noch mehr Kilo – also muss ich auch entsprechend mehr Wasch­mittel nehmen.

Hausmann: Ich lese immer wieder, dass man viele Kleidungs­stücke heute auch bei nied­rigen Temperaturen waschen kann, also bei 30 oder gar 20 Grad. Wann ist dies sinn­voll, gibt es Nachteile, z.B. hygie­nischer Art?

Brigitte Kluth-Kosnik: Wenn es sich um ganz wenig verschmutzte Kleidung handelt, mag vielleicht auch ein Wasch­gang bei 20 oder 30 Grad ausreichen. Bei normal­verschmutzter Wäsche sieht es schon schwieriger aus, bei stark verschmutzter hilft es über­haupt nicht. Bleiche, die sowohl gegen Flecken als auch gegen Keime wirkt, braucht eine Mindest­temperatur um zu wirken, die liegt so ungefähr bei 50 Grad. Haupt­problem von vielen Verbrauchern ist, dass sie auch viel zu oft bei nied­rigen Temperaturen im Kurz- oder Schnell­programm waschen. Hintergrund ist dass die normalen Wasch­vorgänge heut­zutage so lange dauern und die Verbraucher entweder die Zeit nicht haben und nicht verstehen warum es so lange dauert. Aber die langen Wasch­zeiten sind nötig, um bei den nied­rigen Temperaturen auch den erwünschten Reinigungs­effekt zu erzielen.

Heizen die Wasch­maschinen ausreichend auf?

Jojo: Laut dem aktuellen Waschmaschinen-Test heizen neue Geräte nur bis ca. 40–55° C trotz einge­stellter 60° C auf. Meine Frage: Ist das nicht Verbraucher­täuschung? Bisher gibt nur Miele das in der Gebrauchs­anleitung an, andere Hersteller nicht.

Brigitte Kluth-Kosnik: Also ob sich das um Verbraucher­täuschung handelt, ist eine juristische Frage, die können wir an dieser Stelle nicht beant­worten. Dass sich viele Leute darüber ärgern, ist klar. Wir finden das auch nicht in Ordnung. Geschuldet sind diese nied­rigeren Temperaturen der Notwendig­keit Energie einzusparen und den Anforderungen des neuen Energy-Labels. Der Test ( zum Produktfinder Waschmaschinen) hat aber auch gezeigt, dass die Wäsche trotzdem sauber wird.

Moderator: Eine aktuelle Nach­frage.

Hausmann: Meine Schwester macht regel­mäßig einen Wäschegang mit 90 Grad, da dies angeblich hygie­nisch sinn­voll sei und die Maschine reinige. Ist da was dran?

Brigitte Kluth-Kosnik: Es muss keine 90-Grad-Wäsche sein, um die Maschine zu pflegen. 60-Grad-Wäsche mit Voll­wasch­mittel reicht aus. 90-Grad-Wäsche ist heut­zutage eigentlich nur noch notwendig, wenn besondere hygie­nische Anforderungen zuhause existieren. Das sind z.B. hoch­anste­ckende Krankheiten, pflegebedürftige Angehörige, Inkontinenz und ggf. für Stoff­windeln. Auch im Bereich des betreuten Wohnens sind natürlich höhere hygie­nische Anforderungen nötig, weil da ja Wäsche von verschiedenen Menschen – oft mit verschiedenen Grund­erkrankungen – zusammen­kommen.

Moderator: Und eine weitere aktuelle Frage aus dem Chat:

Jojo: Aber es werden doch keine 60° erreicht?! Bakterien werden doch erst ab ca. 58° tatsäch­lich abge­tötet, oder?

Brigitte Kluth-Kosnik: Das hängt von den Bakterien ab. Und wir sind natürlich auch der Meinung, dass in einem 60-Grad-Programm möglichst auch 60 Grad erreicht werden sollten.

Waschen bei Krankheiten

Tschepe: Was mache ich bei Fußpilz mit den Socken? Gnadenlos heiß und scharf (Voll­wasch­mittel­pulver) waschen und Vergrauung hinnehmen? Zwingend getrennt waschen? Hilft Hygienespüler? Besser gleich wegschmeißen? Oder sind alle Sporen-Sorgen unbe­gründet und Sonder­aktionen unnötig?

Dr. Konrad Giers­dorf: Bei Fußpilz­krankheiten ( zu Hinweisen und Medikamententests) sollten die betroffenen Textilien wie Socken und Hand­tücher stets getrennt von anderen Textilien und mit einem Voll­wasch­mittel bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Entsorgt müssen die Kleidungs­stücke auf jeden Fall nicht.

Brigitte Kluth-Kosnik: Von mir noch der Hinweis: Am besten geeignet sind weiße Baumwoll­socken, die können nämlich in der Regel bei 60 Grad gewaschen werden, was ja hygie­nischer ist und den Fußpilz eher beseitigt. Und ganz wichtig: Sie müssen natürlich ihren Fußpilz behandeln.

Schäden am Gewebe

Karolina: Die Gummi­bänder in Slips, Schlaf­anzug­hosen, Spann­bett­laken etc. werden oft schon nach einigen Wäschen brüchig. Ich habe schon auf Colorwaschmittel umge­stellt, weil ich dachte, es liegt am Bleich­mittel, aber das Problem tritt trotzdem auf. Woran kann es liegen?

Dr. Konrad Giers­dorf: Uns ist dieses Phänomen aus unseren Unter­suchungen auch bekannt. Hersteller empfehlen regel­mäßiges Waschen der Wäsche, da Schweiß­rück­stände die Elast­anfasern schädigen können. Hier sind natürlich die Wäsche­hersteller gemeint. Material­ermüdung tritt außerdem auf: durch Einwirkung von Weich­spüler sowie bei Bademoden durch Einwirkung von Salz und Chlor­wasser sowie Sonnen­schutz­mitteln.

Brigitte Kluth-Kosnik: Es gibt auch noch eine andere Möglich­keit warum Gummi­bänder nicht so viel aushalten: Gerade bei billigen Textilien kann es durch­aus vorkommen, dass das Material der Gummi­bänder von Hause aus nicht so optimal ist und möglicher­weise gar nicht für höhere Wasch­temperaturen ausgelegt ist. Das kann der Verbraucher aber leider nicht vorher erkennen.

Moderator: Und noch eine Frage aus dem aktuellen Chat:

Neurouser: Die Dosierkammer für Wasch­mittel hat drei Fächer. Ich benutze nur zwei: Für den Haupt­wasch­gang und den Weich­spüler. Braucht man Fach 1 (Vorwäsche)??

Brigitte Kluth-Kosnik: Wenn ich keine Vorwäsche einstelle, brauche ich das Fach natürlich nicht, denn dann brauche ich dort auch kein Wasch­mittel hinein­zugeben.

Wäsche richtig trocknen

Chinasocke: Wir waschen mit Regen­wasser, weil das angeblich so weich sein soll. Trotzdem kommen die Hand­tücher knüppelhart aus der Maschine. Was machen wir falsch?

Brigitte Kluth-Kosnik: Also Regen­wasser ist in der Tat deutlich weicher als Leitungs­wasser. Sie brauchen dann natürlich wesentlich weniger Wasch­mittel und auf keinen Fall Extra-Enthärter. Wenn die Wäsche nach dem Trocknen hart wird, dann kann das die sogenannte „Trocken­starre“ sein. Hier hilft die Wäsche vor dem Aufhängen auszuschlagen oder der Wäschetrockner ( zu den Tests Wäschetrockner).

Moderator: Dazu diese Frage:

Klaus wolf­ram: Was ist beim Trocknen im Wäschetrockner zu beachten (Temperatur, Dauer, Programme etc.) ?

Brigitte Kluth-Kosnik: Normaler­weise kann ich aus dem Etikett im Kleidungs­stück erkennen, ob das Teil trock­nertauglich ist und welche Höchst­temperatur ich benutzen darf. Aus der Anleitung des Trock­ners kann ich dann die entsprechenden Programme ablesen, wenn sie nicht auf der Bedienblende schon so ange­zeigt werden. Für sehr empfindliche Textilien sollte ich auf alle Fälle ein Schon­programm wählen.

OrvilleWilbur: Zum Energieverbrauch des Wäschetrock­ners (Kondenstrockner): Welchen Einfluß hat die Umge­bungs­temperatur und Luft­feuchtig­keit auf den Strom­verbrauch des Wäschetrock­ners. Insbesondere interes­siert mich die Frage, ob es sinn­voll ist, einen kalten Raum (Bade­zimmer) morgens durch den Trockner aufheizen zu lassen, oder ob das unterm Strich mehr Energie verbraucht, als wenn ich den Raum mittels Heizung aufheize, um dann erst zu trocknen.

Brigitte Kluth-Kosnik: Der Wäschetrockner ist keine Heizung, jedenfalls nicht für den Raum. Grund­sätzlich sollte das Bad nie der kühlste Raum in der Wohnung sein – erstens ist das ungemütlich und zweitens fördert das die Schimmel­bildung im Bade­zimmer. Verbrauchs­messungen speziell für ihr Problem haben wir bisher noch nicht gemacht. Eine Ergän­zung, was den Energieverbrauch von Wäschetrock­nern betrifft: Grund­sätzlich sind Wärmepumpentrockner am spar­samsten, Kondensations- und Abluft­trockner verbrauchen deutlich mehr.

Haus­arbeit mit vielen Fragezeichen

Moderator: Eine weitere aktuelle Frage:

Ponder: Häufig bekomme ich nur eine halbe Trommel voll und nutze dann die Wasser­spartaste. Inwieweit sollte dann auch das Wasch­mittel reduziert werden?

Brigitte Kluth-Kosnik: Auf den Wasch­mittel­verpackungen – hinten wo die Dosier­tabellen sind – steht meistens auch ein Hinweis für geringere Beladungen. Weniger Wäsche heißt natürlich auch weniger Wasch­mittel. Allerdings ist das kein lineares Verhältnis. Da sollte man auf die Verpackung gucken und den Herstel­ler­angaben folgen.

Christine R.: Wir verwenden Enthärter-Tabs und dosieren dann das Wasch­mittel dem nied­rigsten Härtegrad entsprechend. Was mich wundert, ist, dass man immer einen Tab benutzen soll, egal, ob es sich um ein Baumwoll- oder ein Hemden­programm handelt. Die Programme unterscheiden sich doch deutlich in Wäsche- und Wasser­menge. Ist das trotzdem richtig?

Dr. Konrad Giers­dorf: Enthärtertabs haben den Nachteil dass sie sich nicht flexibel dosieren lassen. Wenn Sie eine bessere Anpassung nach Härte­bereichen wünschen, verwenden Sie ein Pulverprodukt.

Brigitte Kluth-Kosnik: Und richten Sie sich nach den Angaben auf der Verpackung.

Putzteufel: Ist mein Eindruck richtig, dass die Wäsche in modernen Maschinen gar nicht in Wasser gewaschen wird, sondern nur angefeuchtet durch die Trommel wirbelt?

Brigitte Kluth-Kosnik: In der Tat ist es so, dass in den letzten Jahren die Wasch­maschinen immer spar­samer auch mit dem Wasser umgehen. Jedenfalls wenn man das pro Kilo Wäsche umrechnet. Das hat dazu geführt dass die Spül­ergeb­nisse in den letzten Wasch­maschinentests tendenziell schlechter geworden sind. Auf die Wasch­ergeb­nisse hatte das aber über­haupt keinen Einfluss. Die Hersteller haben neue Techniken entwickelt, um mit weniger Wasser genauso gut waschen zu können. Dazu gehören zum Beispiel „Wasser­duschen“ und neuartige Trommeln.

Claudia: Ist es aus Kosten- oder Wäsche­schutz­gründen tatsäch­lich sinn­voll, all die vielen Sonder­wasch­programme zu nutzen (Jeans, Outdoor, Gardinen, Oberhemden etc.)? Bei Jeans würde dann z. B. nur mit 1.200 Umdrehungen geschleudert, statt mit 1.600 – dadurch würden sie folg­lich lang­samer trocknen.

Brigitte Kluth-Kosnik: Moderne Wasch­maschinen verfügen über immer mehr verschieden­artige Programme. Das liegt daran dass es sehr einfach ist, immer neue Programme zu programmieren. Wir wissen aber aus Befragungen, dass die Verbraucher nur einige wenige Programme tatsäch­lich nutzen – allerdings benutzt jeder Benutzer andere Programme. Grund­sätzlich braucht man die Grund­programme, die Stan­dard­programme, ein Pflegeleicht, ein Schon­programm und ein Woll­programm. Was darüber hinaus­geht, ist Zusatz­nutzen. Wenn ich allerdings nicht Joggen gehe, brauche ich auch kein Programm für meine Sport­schuhe.

Moderator: So, die Chat-Zeit ist auch schon fast zu Ende: Wollen sie noch ein kurzes Schluss­wort an die User richten?

Brigitte Kluth-Kosnik: Ich möchte mich noch einmal bedanken und ich finde es sehr schade, dass wir hier nicht all die ganzen Fragen beant­worten konnten. Wir werden diese Themen auf alle Fälle weiterhin aufgreifen und freuen uns über Ihr Interesse.

Dr. Konrad Giers­dorf: Vielen Dank!

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat. Vielen Dank an die User für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beant­worten konnten. Vielen Dank auch an Brigitte Kluth-Kosnik und Dr. Konrad Giers­dorf, dass Sie sich die Zeit für die User genommen haben. Das Tran­skript dieses Chats können Sie in Kürze auf test.de nach­lesen. Das Chat-Team wünscht allen noch einen schönen Tag.

...weitere Informationen im aktuellen Special „Wäsche waschen“ aus test 08/2012.

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