Chat Versicherungs-Check Meldung

Jeder deutsche Haushalt zahlt jährlich im Schnitt 400 Euro zu viel für Versicherungen. Wenn Sie auch dazu gehören, sollten Sie überflüssige Policen kündigen. Finanztest-Experte Michael Nischalke beantwortet Leserfragen zum Thema auf test.de.

Welche Police Sie brauchen

Moderator: Hallo und herzlich willkommen zum test.de-Expertenchat zum Thema Versicherungs-Check. Wie lassen sich überflüssige Policen erkennen? Und wie kann man sie kündigen? Ihre Fragen rund um das Thema beantwortet heute der Finanztest-Experte Michael Nischalke. Die Expertin Katharina Henrich ist leider kurzfristig verhindert und kann daher nicht an dieser Runde teilnehmen. Wir freuen uns auf Ihre Fragen, die Sie gerne schon jetzt stellen können.

Moderator: Liebe Chatterinnen und Chatter, bevor der Chat startet, hier noch Antworten auf häufig an uns gestellte Fragen. Dies ist ein moderierter Chat! Ihre Fragen werden von den Moderatoren an den Gast weitergeleitet. Wir können dem Gast nicht alle stellen, dafür bitten wir um Verständnis! Wenn Sie mehrere Fragen haben, stellen Sie diese bitte einzeln nacheinander! Ganz wichtig: Präzise Fragen haben eine größere Chance, ausgewählt zu werden. Warum? Weil wir wollen, dass unsere Gäste genauso präzise antworten! :-) Wenn Sie nachhaken möchten, nennen Sie bitte auch in einem Stichwort die Frage oder die Antwort auf die Sie sich beziehen.

Moderator: So, es ist 13 Uhr – wollen wir starten, Herr Nischalke?

Michael Nischalke: Sehr gern!

Moderator: Vielleicht zum Start diese Frage, damit alle auf einem ähnlichen Stand sind: Was haben sie denn aktuell in Finanztest geprüft und welche zentralen Ergebnisse gibt es?

Michael Nischalke: Wir wollen mit unserem Versicherungs-Check eigentlich einen Überblick darüber geben, welche dieser vielen Versicherungen besonders wichtig und welche weniger wichtig sind. Das hängt häufig von der Lebenssituation der Einzelnen ab.

Wichtiger Schutz für junge Paare

Stanni78: Welche Versicherungen reichen für den Schutz eines jungen Paares aus bzw. welche Versicherungen sollte man haben?

Michael Nischalke: Grundsätzlich sind es am Ende drei Versicherungen, die für alle zwingend notwendig sind: Das ist natürlich eine Krankenversicherung, für Autofahrer die KFZ-Haftpflicht, und unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation auch die private Haftpflichtversicherung.
Für Familien wäre dann auch noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die für den Fall eintritt, dass der „Haupternährer“ berufsunfähig wird, eine Rente zahlt, und eine Risikolebensversicherung für den Fall, dass der Haupternährer stirbt, besonders wichtig.

Biax: Gibt es wirklich unabhängige Berater und wenn ja, woran kann ich das erkennen?

Michael Nischalke: Es gibt gerichtlich zugelassene unabhängige Versicherungsberater, leider nicht allzu viele. Die arbeiten provisionsunabhängig. Natürlich kann man auch zu Verbraucherzentralen und -beratungsstellen gehen. Und natürlich sollte man auch Beratungsangebote der Versicherer selbst nutzen. Aber: Bitte mehrere Versicherer fragen und sich bewusst sein, dass es sich letztendlich immer um Verkaufsgespräche handelt. Man muss sich leider informieren.

Berufsunfähigkeitsversicherung wichtiger als Unfallschutz

RSC: Ist eine Unfallversicherung sinnvoll, wenn man schon eine Berufsunfähigkeitsversicherung hat?

Michael Nischalke: Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist auf jeden Fall wichtiger, weil sie unabhängig von der Frage leistet, ob eine Krankheit oder ein Unfall zur Berufsunfähigkeit führt. Eine Unfallversicherung leistet nur bei unfallbedingten Invaliditäten. Wer sich eine Unfallversicherung finanziell leisten kann, der kann dies trotzdem tun. Anderes ist aber wichtiger.

Peter_schwarzwald: Ich habe eine Frage zu Deckungssummen für eine Betriebshaftpflicht. Aktuell habe ich eine Versicherung, die max. zwei Millionen abdeckt, andere gehen bis drei Millionen. Ist das ein entscheidendes Kriterium, die Versicherung zu wechseln?

Michael Nischalke: Vielleicht etwas genereller geantwortet: Die Deckungssummen oder Versicherungssummen sollten in allen Haftpflichtversicherungen ausreichend hoch sein.
Die besonders wichtige private Haftpflicht sollte deshalb mindestens Schutz bis zu einer Höhe von mindestens drei Millionen Euro für Sach- und Personenschäden bieten. Gerade das ist ein Problem bei älteren Verträgen, die häufig niedrigere Absicherungen bieten. Insoweit lohnt ein Blick in die Schublade auf vorhandene Verträge.

Bei Vollinvalidität 350.000 oder mehr Euro

Niami: Bei einer Unfallversicherung: Wie hoch sollte die Grundsumme, die Summe bei Vollinvalidität und die Summe bei Unfalltod gewählt werden? Gibt es hierfür eine Faustformel für die Berechnung dieser Summen?

Michael Nischalke: Wir gehen bei unserem Test immer von einer Grundsumme von 100.000 Euro aus. Das führt bei einer Vollinvalidität und der Vereinbarung eines sogenannten Progressionstarifs zu einer Kapitalleistung von 350.000 oder mehr Euro. Wichtig ist: Viele Leute haben mehrere Unfallversicherungen, z.B. über ihre Kreditkarte, deren Absicherungssumme deutlich geringer, meist sogar zu gering ist. Insoweit lieber eine gute als mehrere schlechte Unfallversicherungen.

Armin: Benötige ich eine Hausratversicherung? Wohne in Berlin, Kohleofen, keine größeren Wertgegenstände. Kostet immerhin ab 70 Euro? Danke schön :-)

Michael Nischalke: In diesem Fall wäre die Antwort eigentlich: nein. Anderes ist, wie schon geschildert, wichtiger. Natürlich sollte, wenn der Hausstand wertvoller wird (Familiengründung, etc.) über eine solche Absicherung nachgedacht werden. Leider haben aber z.B. wesentlich mehr Leute in Deutschland eine Hausrat- als eine Haftpflichtversicherung.

Selbstbehalt in der Haftpflicht nicht üblich

Dpd: Ich habe eine Privathaftpflichtversicherung mit 150 Euro Selbstbeteiligung? Wird von der Versicherung nur so angeboten! Ist das sinnvoll oder nicht gut???

Michael Nischalke: Selbstbehalte in einer privaten Haftpflichtversicherung sind eher unüblich. Sie reduzieren zwar den zu zahlenden Beitrag, führen aber auch dazu, dass ich bei der Vielzahl von kleineren Schäden jedes Mal diese Selbstbeteiligung zahlen muss. Bei Jahresbeiträgen „guter“ Haftpflichtverträge von ca. 100 Euro erscheint diese Ersparnis nicht besonders groß.

Uderzo: Nach neuem Recht können ja auch ältere Mehrjahres-Verträge (hier Haftpflicht) bereits nach drei Jahren gekündigt werden. Wie ist es aber, wenn Beginn und Ablauf des Vertrags nicht übereinstimmen, Beginn z.B. 01.05.07, Ablauf aber zum 31.12.2011. Zu welchem Termin ist in diesem Fall eine Kündigung frühestens möglich?

Michael Nischalke: Es gilt eigentlich bei einem Vertrag, dass bereits nach drei Jahren gekündigt werden kann, dies mit der normalen Kündigungsfrist von drei Monaten zum Vertragsende.

Versicherer können Antrag ablehnen

Stefan: Guten Tag, ich bin auf der Suche nach einer Krankenzusatzversicherung (stationär). Aufgrund meiner Vorerkrankung habe ich jedoch nur Ablehnungen erhalten. Gibt es hier doch noch eine Möglichkeit, diesen Versicherungsschutz zu erhalten?

Michael Nischalke: Die Antwort ist nicht so besonders schön, man muss es weiter versuchen. Hintergrund ist: Es gibt keinen Annahmezwang der Versicherer. Der Versicherer macht eine genaue Risikoanalyse von Ihnen als Versicherungsnehmer und entscheidet unter Umständen, mit Ihnen keinen Vertrag einzugehen. Insoweit hoffe ich, dass sie bei der Nachfrage bei weiteren Versicherungen Glück haben, gegebenenfalls unter Zuzahlung eines gewissen Mehrbeitrages.

Uli: Ich bin Vater zweier Kinder im Alter von drei und sechs Jahren, die ich privat krankenversichert habe. Welchen Versicherungsschutz halten Sie darüber hinaus für Kinder in diesem Alter für unbedingt erforderlich?

Michael Nischalke: Für Kinder in diesem Alter wäre an eine sogenannte Kinderinvaliditätsversicherung zu denken. Sie schützt unabhängig von der Frage, ob ein Unfall oder eine Krankheit zu einer dauerhaften Gesundheitsbeschädigung geführt haben, durch Zahlung einer Rente oder einer größeren Geldleistung. Ein anderer Punkt: Bei der privaten Haftpflichtversicherung reicht für die gesamte Familie ein Vertrag. Gerade für kleine Kinder sollte darauf geachtet werden, dass auch sogenannte „deliktunfähige“ Kinder mitversichert sind. Dieses sind Kinder unter sieben Jahren (im Straßenverkehr unter zehn Jahren). Diese Mitversicherung vermeidet etwaige Streitigkeiten mit dem Nachbarn, wenn die Kinder unabsichtlich die Scheibe eingeschlagen haben oder ähnliches.

Rechtsschutzversicherung nicht zwingend

Moderator: Unsere Chatterinnen und Chatter haben auch schon vorab Fragen gestellt und abgestimmt, welche ihnen besonders wichtig waren. Diese war darunter:

Naseweis: Braucht eine Familie eine Rechtsschutzversicherung? Wenn ja, was muss beachtet werden und was kostet sie im Jahr?

Michael Nischalke: Sie braucht sie nicht zwingend. Beispielsweise bieten Vereine oder Gewerkschaften Rechtschutz billiger an. Auf jeden Fall sind andere Versicherungen wichtiger. Beitragsmäßig müssten sich gute Angebote für eine Rechtsschutzversicherung ab 100 Euro finden lassen.

Meister: Wann rentiert sich eine Zahnzusatzversicherung? Bin in der Gesetzlichen Krankenversicherung.

Michael Nischalke: Wenn man über die Kassenleistungen hinaus eine entsprechende Absicherung wünscht. Die Regelversorgung reicht aber für viele Menschen durchaus aus. Man muss sie also nicht abschließen.

Unverheiratete Paare oftmals Ehepartnern gleichgestellt

Holby5: Sind denn alternative Familienformen (Stichwort Patchwork) hinsichtlich Verträgen und Beiträgen der klassischen Familie gleichgestellt?

Michael Nischalke: In vielen Gebieten ja. Beispiel: private Haftpflichtversicherung. Hier ist es wichtig, dass z.B. der unverheiratete Partner im Versicherungsvertrag genannt wird. Dann gilt der Schutz für den entsprechend.

Flo: Ist eine Haus-Haftpflicht-Versicherung empfehlenswert oder nur für den Versicherer gut?

Michael Nischalke: Solange ich alleine in meiner Immobilie wohne, reicht die Absicherung über die normale private Haftpflichversicherung. Erst in dem Moment, wo ich weitere Häuser vermiete oder Teile meines Hauses, sollte ich eine sogenannte Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht abschließen. Damit bin ich ausreichend geschützt.

Pat: Ist es sinnvoll, für eine Hausratversicherung eine genaue Auflistung der Wohnungsgegenstände zu erstellen und hiernach die Versicherungssumme zu ermitteln? Nach meiner Rechnung wird die Versicherung dann bedeutend günstiger als mit einer Pauschale von z.B. 500 Euro pro m².

Michael Nischalke: Es geht um das Problem der sogenannten Unterversicherung. Das heißt, wenn ich ein Hausstand mit einem Wert von 200.000 habe, aber nur 100.000 Euro versichert habe, würde ich im Schadensfall auch nur die Hälfte an Ersatz erhalten. Hierfür bieten die Versicherer eine sogenannte Pauschalregelung an, die es dem Versicherungsnehmer deutlich einfacher macht, das Problem der Unterversicherung zu umgehen.

Versicherer zahlt keinen Schaden, der bereits da ist

Moderator: Eine Nachfrage zu Zahnzusatzversicherung:

Zimi: Zahlt eine Zahnzusatzversicherung denn auch den jetzt schon vorhandenen fehlenden Backenzahn?

Michael Nischalke: Es gilt die Regel: Es kann kein Schaden versichert werden, der bereits vorhanden war. Insoweit werden auch bei solch einer Versicherung entsprechende Gesundheitsfragen gestellt bzw. ein ärztliches Gutachten erstellt.

RSC: Für wen empfiehlt sich eigentlich eine Rechtsschutzversicherung? Mit welchen Kosten muss man bei einem Rechtsstreit normalerweise rechnen, wenn man keine solche Versicherung hat?

Michael Nischalke: Es lässt sich natürlich nie sagen, wie hoch die Kosten sind. Das hängt elementar vom Streitwert ab. Und es ist misslich, wenn es zu einem Rechtsstreit kommt und man gegebenenfalls die Kosten alleine tragen müsste, also keine Rechtsschutzversicherung hat. Da aber die allermeisten Leute nur begrenzte finanzielle Mittel für ihren Versicherungsschutz besitzen, stellt sich auch hier die Frage der Prioritäten. Insoweit stehen andere Fragen wie angedeutet im Vordergrund. Derjenige, der sich dann trotzdem für eine Rechtsschutzversicherung entscheidet, könnte die Beiträge beispielsweise auch durch die Vereinbarung von Selbstbehalten reduzieren, die Jahresbeiträge sollten aber nicht deutlich über 150 Euro liegen.

Puscz: Ich bezahle für eine Unfallversicherung 1111,28 pro Halbjahr für einen Vier-Personen-Haushalt: Vater, Mutter, Tochter (29 Jahre alt), Tochter (24 Jahre alt). Ist das zu viel? Sollte ich diese Versicherung kündigen?

Michael Nischalke: Das klingt sehr viel, ja. In unseren aktuellen Test Unfallversicherung gab es gute oder sehr gute Angebote für eine Unfallversicherung, auch für die gesamte Familie zu deutlich günstigeren Preisen. Insofern hilft hier, wie auch zu allen anderen konkreten Nachfragen, auch ein Blick in unsere jeweils aktuellen Tests.

Kapital-Lebensversicherung ist überflüssig

Moderator: Eine Frage zum aktuellen Versicherungscheck im Finanztest-Heft Mai 2009:
Mark: Wieso ist eine Kapital-Lebensversicherung überflüssig und was sollte ich stattdessen abschließen, wenn ich schon einige Zeit eingezahlt habe?

Michael Nischalke: Eine bestehendeKapitallebens-Versicherung sollte eher behalten werden, nicht gekündigt werden. Sie ist deshalb eher überflüssig, weil sie eigentlich nur für Selbständige in Frage kommt, die den Sparerfreibetrag schon überschritten haben und nur einen geringen Todesfallschutz benötigen. Als reiner Todesfallschutz wäre eine günstigere Risikolebensversicherung vorzuziehen. Aber auch als reine Sparanlage gibt es bessere Alternativen, auch in diesen schwierigen Zeiten.

Carola: Ich besitze eine Unfallversicherung bei der Interrisk und zusätzlich beim ADAC eine Auslandskrankenversicherung einschließlich Unfallversicherung. Sind beide Unfallversicherungen notwendig oder ist die beim ADAC überflüssig?

Michael Nischalke: Für den Fall eines Unfalls würden sie zunächst aus beiden Verträgen Leistung erhalten, aber eine Versicherung mit ausreichenden Leistungen ist natürlich besser als zwei. Insoweit sollte man sich für die „bessere“ Absicherung entscheiden und die andere Versicherung zum nächstmöglichen Termin kündigen.

Internet-Rechner der Versicherer nutzen

Tina: Hallo, habe einen Finanz-Check bei mir durchführen lassen, da ich der Meinung bin, überversichert zu sein. Hier wurde mir ein unabhängiger Finanzoptimierer von der AWD empfohlen. Meine Frage: Mir ist diese Versicherung bzw. AWD nicht bekannt. Wie vertrauenswürdig sind solche Finanzberater? Oder ist es sinnvoll, die Verträge selber zu vergleichen und unabhängig Angebote einzuholen. Vorab vielen Dank und verbleibe mit freundlichen Grüßen.

Michael Nischalke: Letzteres ist eigentlich der Fall. Beim AWD handelt es sich um einen sogenannten Strukturvertrieb. Natürlich kann man sich auch dort beraten lassen. Leider erhalten wir aber immer wieder Nachricht von Falschberatungen oder von Fällen, wo einzelnen Kunden zu viele Versicherungen verkauft wurden. Ein relativ einfacher Weg, um sich zunächst einen Überblick zu verschaffen, bieten die Internetauftritte der einzelnen Versicherer, bei denen man unter Umständen auch Tarifbeiträge für besonders wichtige Versicherungssparten selbst berechnen kann.
Natürlich kann man sich auch mit zwei oder drei Versicherungsvertretern zusammensetzen, oder eine Beratung bei den schon erwähnten Versicherungsberatern in Anspruch nehmen. Wichtig ist einfach, dass man sich gut und ausreichend informiert. Schließlich geht auch niemand in ein Kaufhaus und kauft blind eine Waschmaschine.

Finanzkrise: Auffanggesellschaft für Versicherer

Herr Jana: Wie sicher sind eigentlich die Versicherungsunternehmen in der Finanzkrise? Ist es sinnvoll, seinen Lebensversicherer oder den für die Berufsunfähigkeit nach solchen Kriterien auszusuchen?

Michael Nischalke: Die Versicherer haben vor einigen Jahren eine Auffanggesellschaft gegründet, die in solchen Fällen einspringt. Insoweit muss man sich hierüber zumindest im Moment keine größeren Gedanken machen. Im Übrigen haben die Versicherer in den letzten Jahren den Aktienanteil ihrer Anlagen heruntergefahren, um den entsprechenden Risiken ein wenig aus dem Weg zu gehen.

Tia: Welche Grundsicherung ist für Hartz-IV-Empfänger, alleinerziehend (49) mit Kind (12), Gesamteinkommen 950 Euro, unerlässlich?

Michael Nischalke: Im Grunde genommen geht es wieder um die schon erwähnten drei absolut notwendigen Versicherungen: Krankenversicherung, KFZ-Haftpflichtversicherung (wenn Auto vorhanden), und die private Haftpflichtversicherung. Dies deshalb, weil eventuelle Schäden unter Umständen die gesamte finanzielle Existenz bedrohen. Natürlich wäre als nächstes der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu empfehlen. Der Abschluss ist aber nicht für jeden möglich (Vorerkrankung) und vor allem sind die Beiträge auf Grund einer eventuell später zu zahlenden Rente mit meist über 1000 Euro pro Jahr nicht billig.

Kündigungsfristen beachten

Will: Ich arbeite krisenbedingt nur noch Kurzzeit und möchte ein bisschen bei meinen Versicherungen sparen. Denke da an Berufsunfähigkeit und Rechtsschutz. Wie einfach sind da die Kündigungen über die Bühne zu bringen?

Michael Nischalke: Bei der Rechtsschutzversicherung gilt bei einer ordentlichen Kündigung die Frist von drei Monaten zum Vertragsende. Es gibt noch zwei Sonderregelungen im Fall der Kündigung im Schadensfall. Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung beträgt die Frist ein Monat zum Ende des Versicherungsjahres.

Thraker: Was ist denn ein „Strukturvertrieb“ und wieso ist das schlecht für mich als Kunde? Haben die schlechtere Tarife?

Michael Nischalke: Bei den Strukturverträgen geht es häufig um eine Allfinanzberatung, insoweit besteht häufig das Interesse an einer Absicherung der jeweiligen Person in allen nur erdenklichen Lebenssituationen. Die Produkte sind per se nicht schlecht, aber sie sind auch nicht zwingend die besten. Insoweit haben wir die Situation wie bei jedem anderen Versicherer auch, denn in unseren Tests schneidet nicht immer dieselbe Versicherung in allen Sparten am besten ab. Es lohnt also, in jeder einzelnen Sparte nach den vermeintlich besten oder günstigsten Angeboten Ausschau zu halten.

Doppelversicherung ist nicht nötig

Stanni78: Ich (31) und meine Frau (27) sind seit kurzem verheiratet. Ein Kind ist (noch) nicht da. Wir haben folgende Versicherungen: Haftpflicht, Hausrat, private Rentenversicherung (Mann), Kapitallebensversicherung (Mann), Unfallversicherung (Mann und Frau), private Rentenversicherung + BUZ (Frau), Krankenhaustagegeld (Frau). Bin ich überversichert? Auf welche Versicherungen könnte man verzichten (Mann arbeitet, Frau arbeitsuchend)?

Michael Nischalke: Zunächst klingt dieser Versicherungsschutz sehr umfassend. Wichtig wäre zunächst die Frage, ob eventuell noch eine Doppelversicherung dadurch vorliegt, dass Sie vor der Ehe eventuell beide einen Vertrag in einer bestimmten Sparte hatten. Dies ist nun nicht mehr nötig. Die für Sie beide vorliegende Unfallversicherung ist OK, offensichtlich ist aber nur Ihre Frau für den Fall einer Berufsunfähigkeit abgesichert. Insoweit sollte eher hier Schutz gesucht werden und auf eine Unfallversicherung gegebenenfalls verzichtet werden. Auch eine Krankenhaustagegeldversicherung ist eigentlich eher überflüssig, denn der Verdienstausfall ist bereits durch das Krankengeld der Kasse oder eine private Krankentagegeldversicherung gedeckt.

Mark: Sollte man bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gleich eine Rechtsschutzversicherung bei einem anderen Anbieter abschließen, damit man bei komplizierten Fällen (z.B. psychischer Krankheit) für einen Rechtsstreit gewappnet wäre?

Michael Nischalke: Die Idee scheint naheliegend zu sein und man sollte auch darüber nachdenken. Ob dies allerdings wiederum eine Garantie dafür ist, bei etwaigen Streitigkeiten auch tatsächlich Recht zu bekommen, ist eine ganze andere Frage. Denn zum Wesen eines Versicherungsvertrages gehören regelmäßig auch bestimmte Leistungsausschlüsse, die natürlich regelmäßig vom Einzelfall abhängig sind, aber unter Umständen eben zu keinerlei Leistung führen. Dann würde auch eine Rechtsschutzversicherung nur bedingt helfen.

Wenn Versicherer schlecht reguliert, dranbleiben

Gojko: Haben Sie allgemeine Tipps für Streitigkeiten mit Versicherungen?

Michael Nischalke: Ja. Dranbleiben! Nachfragen!
Versicherer setzten häufig auf den Faktor Zeit, gerade bei strittigen Regulierungen. Je mehr man allerdings nachfragt, manchmal auch „nervt“, desto eher besteht unserer Erfahrung nach auch die Chance, unter Umständen eine kulantere Regulierung zu erhalten. Insoweit sollte man sich nicht nur vertrösten lassen, sondern dranbleiben. Schließlich geht es um Ihr Geld. Und dass Versicherungen natürlich auch versuchen, entsprechende Ersatzleistungen zu vermeiden, liegt in der Natur der Sache.

Thraker: Mein Versicherungsberater weißt alle immer darauf hin, dass er unabhängig nach § 34 d Abs. I GewO vermittelt. Er meint, weil er mit einem großen Konzern zusammenarbeitet, könnte er mir immer das beste Angebot machen, da er ja den ganzen Markt 'scannt'. Was halten Sie davon?

Michael Nischalke: Offensichtlich handelt es sich aber ja doch nur um einen Ein-Firmen-Vertreter, der nur Angebote dieses einen Versicherers offeriert. Insoweit stellt sich die Frage, ob das Angebot dieses „großen Versicherers“ tatsächlich immer das vermeintlich beste ist. Auch hier kann bereits die Nachfrage bei zwei, drei anderen Versicherern helfen, das vermeintlich günstigere Angebot Ihres Versicherers einzuordnen.

Todesfallschutz ist generell sinnvoll

Marco: Wo ist ein Todesfallschutz sinnvoller? In einer Berufsunfähigkeits- oder Lebensversicherung? Wann ist ein Todesfallschutz überhaupt sinnvoll?

Michael Nischalke: Ein Todesfallschutz ist generell sinnvoll, wenn beispielsweise in einer Familie der Mann für alle anderen sorgt. Im Falle seines Ablebens stünde die Familie ohne entsprechende Absicherung da. Daher ist hier eine Risikolebensversicherung sehr zu empfehlen. Diese wird häufig auch in Kombination mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung angeboten (BUZ) und ist unter Umständen genauso teuer oder sogar günstiger, als eine selbständige Berufsunfähigkeitsversicherung. Deshalb wäre eine solche Absicherung besonders sinnvoll.

Felixbeck: Wo findet man Informationen über seriöse Versicherungsberater, also Honorarberater? Oder welche Gesellschaften sind empfehlenswert, die auf Honorarbasis in Versicherungsangelegenheiten gut beraten?

Michael Nischalke: Die Adressen dieser gerichtlich zugelassenen Berater findet man im Telefonbuch. Ansonsten gilt das wie bereits genannte Angebot der Verbraucherberatungen und Beratungsstellen. Auch unsere Tests können eine gute Orientierung über das aktuelle Angebot am Markt bieten. Eine Einzelberatung ist aber vor allen bei den letztgenannten zu empfehlen. Trotzdem, man sollte die Versicherungsgesellschaften genauso um Rat fragen und entsprechend fordern.

Berufsunfähigkeitsschutz in jungen Jahren abschließen

Sola: Mein Mann und ich sind 54 bzw. 55 Jahre alt, unsere Kinder studieren. Ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung in unserem Alter noch sinnvoll? Rentenansprüche sind bei mir noch gering (ca. 300 Euro), bei meinem Mann ca. 1700 Euro, falls wir jetzt ausfielen.

Michael Nischalke: Das ist im Grunde schon genau die Antwort auf die Frage. Welche weiteren finanziellen Möglichkeiten hätten Sie, für den Fall, dass sie nicht mehr arbeiten könnten. Auf der anderen Seite wird es wahrscheinlich nicht einfach werden, noch einen entsprechenden Berufsunfähigkeitsschutz zu erhalten, denn statistisch gesehen wird jeder von uns umso kränker, je älter er ist. Etwaige Vorerkrankungen spielen eine weitere Rolle. Deshalb sollte man eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst schon zu Beginn des Berufslebens abschließen, weil man in der Regel einfach gesünder ist.

Moderator: Wir sind schon kurz vor Ende unseres Chats, leider die letzte Frage für heute:
Erch: Ich habe gehört, dass sich Jennifer Lopez ihren Hintern hat versichern lassen. Wie geht denn so etwas? Es bietet doch niemand eine Hinternversicherung an.
Michael Nischalke: Ich glaube es gibt auf dieser Welt die Möglichkeit, alles zu versichern. Interessant wäre dann natürlich die Frage, was genau versichert ist und welche entsprechenden Leistungen dahinter stecken. Es handelt sich aber offensichtlich nicht um eine Police, die für eine Vielzahl interessant sein dürfte. :-)
Moderator: Das waren knapp 60 Minuten test.de-Expertenchat. Herzlichen Dank an die Chatterinnen und Chatter für die vielen Fragen und vielen Dank auch an unseren Experten Michael Nischalke für die kompetenten Antworten. Wir entschuldigen uns bei allen Fragestellern, deren Beiträge wir aus Zeitgründen leider nicht beantworten konnten. Das Chatteam wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag.

Michael Nischalke: Hat Spaß gemacht, vielen Dank!

Aktueller Test:Versicherungs-Check

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