Was tun, wenn dunkle Schimmelflecken die Wand bevölkern? Fenster aufreißen und frische Luft herein lassen ist die einfachste Variante. Doch das hilft nicht immer. Alle Fragen zum Pilzbefall und wie ihn Bewohner bekämpfen, beant­worten die test-Experten Michael Koswig und Peter Schick im Chat auf test.de.

Alle kalten Wände zugleich dämmen

Moderator: So, es ist jetzt 13 Uhr. Hier im Chat begrüße ich jetzt Michael Koswig und Peter Schick. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und die Fragen unserer Chatte­rinnen und Chatter beant­worten. Gleich die erste Frage an unsere Gäste: Wie sieht es aus, wollen wir starten?

Michael Koswig und Peter Schick: Einstimmiges Ja!

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die TOP 1 Frage aus dem Pre-Chat:

Catmbu: Wir haben dunkle Stellen in den Ecken zu den Außenwänden und vermuten, dass es sich um Schimmel handelt. Lüften und Heizen machen wir in ausreichendem Maß. Welche baulichen Veränderungen bieten sich innen an, um dort die Kältebrü­cken zu schließen oder zu reduzieren. Von einer Außendämmung wollen wir aus Kostengründen absehen.

Michael Koswig: Ecken sind besonders schimmelgefährdet. Sie kühlen im Winter leicht aus, weil hier einer relativ kleinen Innenfläche eine große Außenfläche gegen­über­steht. Eigentlich ist hier meist eine Außendämmung die beste Lösung. Aber auch mit einer gut gemachten Innendämmung lassen sich die Probleme in den Griff bekommen. Wichtig ist, dass alle kalten Wände gleich­zeitig gedämmt werden. Andernfalls droht an den Über­gangs­stellen zwischen gedämmten und ungedämmten Abschnitten eine „Verschlimm­besserung“. Die Innendämmung sollte mindestens etwa 6 Zenti­meter stark sein. Ganz wichtig: Für die Planung unbe­dingt fachlichen Rat einholen!

Peter Schick: Für eine dauer­hafte und bauphysika­lisch gute Lösung sollte zumindest mittel­fristig doch über eine Außendämmung nachgedacht werden. Auch im Hinblick auf die zu erwartende Energieeinsparung und den erheblich größeren Wohn­komfort mit warmen Wand­oberflächen ohne Schimmel.

Große Schimmelgefahr im Bad

Martha: Bei uns bildet sich der Schimmel in den Fugen der Fliesen, besonders in den Fugen der Bordüre. Der Pilz befindet sich ausschließ­lich im Bereich der Dusche. Wir haben eine Dusch­kabine. Nach dem Duschen lüften wir regel­mäßig, oft ist die Dusch­kabinentür aber zu. Kann es am Ausfugen liegen oder an der über­wiegend geschlossenen Dusch­kabinentür? Wie bekommt man den Schimmel dauer­haft weg in den Fugen?

Peter Schick: Bäder sind besonders gefährdet. Sowohl wegen des Wassers, das die Fliesen direkt benetzt, als auch wegen des Wassers, das hier an verschiedenen Stellen verdunstet und anschließend an kühlen Oberflächen kondensiert. In diesem Fall verschärft die geschlossene Dusch­kabinentür das Problem: Die Feuchtig­keit wird in der Kabine geradezu einge­fangen. Das verhilft den Schimmelpilzen zu idealen Wachs­tums­bedingungen. Also besser die Tür offen stehen lassen. Es ist auch nützlich, nach dem Duschen die nassen Fliesen mit einer Gummi­lippe abzu­ziehen. Das ist ein Gerät wie es professionelle Fens­terputzer benutzen. Damit lässt sich das Wasser optimal in Richtung Abfluss befördern. Außerdem am besten direkt danach einmal kurz lüften. Ganz wichtig ist auch richtiges Heizen. Bäder sollten grund­sätzlich die wärmsten Räume in der Wohnung sein. Wenn der Schimmel schon länger in den Fugen sitzt, sollte man eventuell daran denken, die Fugen zu erneuern.

Paule: Ich habe gelesen, dass viele Antischimmel­sprays giftige Stoffe enthalten. Können Sie trotzdem bestimmte Mittel empfehlen oder lehnen Sie den Einsatz solcher Sprays generell ab?

Michael Koswig: Grund­sätzlich besteht immer ein Risiko, dass chemische Substanzen, die Mikroorga­nismen töten sollen, auch für den Menschen nicht gerade gesund­heits­fördernd sind. Bei unserem letzten Test von Mitteln gegen Schimmel im Jahr 2002 waren die Umwelt- und Gesund­heits­eigenschaften der meisten Mittel weder gut noch sehr gut. Die Bekämpfung der Ursachen muss auf jeden Fall Priorität haben.

Brenn­spiritus hilft gegen akuten Schimmelbefall

Werner: Ist 70-prozentiger Alkohol wirk­samer als käuflicher Schimmel­entferner? Allerdings ist der Alkohol mit etwa 10 Euro für 200 ml in der Apotheke recht teuer. Hilft der preis­werte Isopropyl­alkohol ebenso – oder gar Spiritus?

Michael Koswig: Für die Bekämpfung eines aktuellen Schimmelbefalls eignen sich als Haus­mittel Brenn­spiritus oder Isopropyl-Alkohol. Beides war im Test sehr gut wirk­sam. Getestet haben wir beide Mittel in 70-prozentiger Konzentration. Die lässt sich zuhause durch Zugabe einer entsprechenden Menge Wasser auch selbst herstellen. Da sich der Alkohol nach der Behand­lung verflüchtigt und aus der Wohnung gelüftet werden kann, wird die Raum­luft anschließend nicht mehr belastet. Das kann im Vergleich zu anderen Mitteln ein Vorteil sein.

Moderne Wärmeschutz­verglasung dämmt gut

Mr. Bien: Wir haben das Problem, dass sich auf der Sili­konfuge, mit der die Fens­tergläser im (Holz-)Fens­terrahmen befestigt sind, Schimmel bildet. Bei starken Minus­temperaturen schlägt sich dort in der Nacht das Wasser nieder. Trotz regel­mäßigem Abwischen bildet sich dort schwarzer Schimmel. Was kann man dagegen tun?

Michael Koswig: Ursache sind wahr­scheinlich die relativ schlechten wärmetech­nischen Eigenschaften des Rahmens. Eine moderne Wärmeschutzverglasung dämmt oft recht gut. Den Schwach­punkt der Konstruktion bildet dann der Rahmen. Deshalb kondensiert am Rahmen relativ häufig Luft­feuchtig­keit. Das Beispiel zeigt, wie wichtig es beim Fens­terkauf ist, auf einen gut gedämmten Rahmen zu achten, damit die Probleme von vorn­herein vermieden werden.

Peter Schick: Ein Austausch der Fuge würde eine kurz­fristige Entlastung bringen. Aber ohne Beseitigung der Ursache ist es sehr wahr­scheinlich, dass über kurz oder lang wieder Schimmel auftaucht.

Michael Koswig: Es könnte auch sinn­voll sein, vor allem vor einem solchen feucht­gefähr­deten Fenster, keine zahlreichen Pflanzen aufzustellen. Die geben einer­seits zusätzliche Feuchtig­keit ab und verhindern außerdem den Luft­austausch an der Oberfläche des Fens­ters.

Neubauten haben mit Baufeuchte zu kämpfen

Keile: In unserer frisch sanierten und reno­vierten Wohnung bildeten sich nach ca. einem Monat in einer Schlaf­zimmer­ecke (Außenwand) und einer Wohn­zimmer­ecke kleine schwarze Stellen. Nach Entfernung der Tapete und Anwendung von 70-prozentigem Alkohol auf Wand und Tapete war für etwa zwei Wochen alles gut. Danach fing das Spiel wieder von vorne an. Kann es sein, dass der Schimmel sich in der Tapete entwickelt? Oder ist es wahr­scheinlicher, dass die Außenwände Mängel aufweisen? Gelüftet wird mehr­mals täglich.

Michael Koswig: In Neubauten und frisch sanierten Wohnungen ist oft die Baufeuchte ein großes Problem. Oft sind viele hundert Liter Wasser in einem solchen Bau verwendet worden, die erst im Laufe von Monaten oder gar Jahren aus dem Haus entweichen können. Dazu ist es wichtig, dass schon von Anfang an sehr intensiv und häufig gelüftet wird.

Peter Schick: Die Sanierung und Reno­vierung hat dann offen­bar hier in diesem Fall nicht die Außendämmung umfasst, weil damit die Wand­oberfläche wärmer und Schimmel­probleme unwahr­scheinlicher wären.

Oft Stoß­lüften hilft gegen Schimmel

Chris: Ich habe gehört, dass zu viel bzw. zu dichte Dämmung auch nicht gut sein soll. Warum eigentlich bildet sich bei unserem Haus an den Zimmer­ecken zu den Außenwänden im Winter Schimmel? Das Haus ist vor rund 40 Jahren aus Ziegeln gebaut worden und die Fenster sind neu. Sitzen der Schimmel bzw. die Sporen schon fest in den Wänden und kommen daher auto­matisch immer wieder, sobald die Temperaturen passen? Oder warum über­haupt entsteht der Schimmel?

Michael Koswig: Die Furcht vor zu dicker und dichter Dämmung ist unbe­gründet. Die Probleme in Ihrem Haus ergeben sich wahr­scheinlich aus der Kombination von ungedämmter Außenwand, aber neuen Fens­tern, die den früheren Luft­austausch durch die Ritzen der alten Fenster verhindern.

Peter Schick: Jetzt kommt es darauf an, den Luft­austausch entweder durch häufiges Stoß­lüften oder durch eine kontrollierte Wohnungs­lüftungs­anlage sicher­zustellen. Nach Einbau neuer Fenster sollte auch die Außenwand gedämmt werden.

Ursachen­forschung ist kompliziert

Jens: Gibt es Möglich­keiten fest­zustellen, ob die Schimmel­ursache in einem falschen Lüftungs- und Heiz­verhalten des Mieters oder durch bauliche Mängel begründet ist?

Peter Schick: Die Ursachen­forschung ist bei Schimmelbefall eine sehr komplizierte Angelegenheit und muss sehr gründlich und fachmän­nisch geschehen. Sonst drohen teure Fehl­investitionen. Möglich­keiten gibt es selbst­verständlich: Dazu sollte der Nutzer erst einmal seine Lüftungs­gewohn­heiten protokollieren und Feuchte- und Temperatur­messungen machen. Der Eigentümer sollte das Gebäude auf physika­lische Mängel hin begut­achten lassen.

Michael Koswig: Kalte Wintertage eignen sich optimal, um zumindest orientierend Probleme fest­zustellen. Messen Sie die Temperaturen sowohl außen im Freien als auch in der Zimmermitte und dann an der Oberfläche der kritischen Wand­bereiche. So lässt sich nach­weisen, dass trotz richtiger Heizung die Wände möglicher­weise viel zu stark abkühlen. Wenn zum Beispiel eine Außenwand auf der Zimmerseite nur etwa zehn Grad kalt ist, kondensiert dort sehr leicht Feuchtig­keit aus der Raum­luft. Auch gutes Lüften hilft da nur sehr begrenzt.

DK205: Meine Pflanzen­erde schimmelt immer wieder. Da ich in der Wohnung insgesamt Probleme mit Schimmel habe, frage ich mich, ob das etwas miteinander zu tun hat.

Peter Schick: Verschimmelte Pflanzen­erde kann ein Herd für eine zu hohe Sporenbelastung der Innenraum­luft sein. Am besten einmal jähr­lich auswechseln und die Pflanzen nicht zu oft gießen. Die Erde muss zwischen­durch auch trocknen können. Eventuell die Zahl der Pflanzen verringern.

Michael Koswig: Es gibt viele Pflanzen, die eher unter zu viel Bewässerung leiden als unter zu wenig. Anderer­seits sollte man hier auch nicht in Panik verfallen. Schimmelpilze sind auch über­all in der Natur vorhanden und begegnen uns zum Beispiel auch, wenn wir im Garten den Kompost­haufen umsetzen.

Wen Schimmel krank macht

Mojo1: Welche gesundheitlichen Folgen sind denn typisch, wenn man unter Schimmelbefall in der Wohnung leidet?

Michael Koswig: Es gibt verschiedene Studien, die auf einen Zusammen­hang von Schimmelpilzen und Atemwegs­beschwerden hinweisen. Außerdem können Schimmelpilze allergische und reizende Reaktionen beim Menschen auslösen. Gesunde Menschen sind eher wenig betroffen. Die Haupt­probleme drohen bei Personen mit geschwächtem Immun­system sowie bei Allergikern. Dieser Personen­kreis sollte zum Beispiel bei einer Schimmelbekämpfung am besten gar nicht in der Wohnung anwesend sein.

Moderator: Eine aktuelle Nach­frage:

Mandy29: Sind Schimmelsporen in der Luft, auch wenn er noch nicht sicht­bar ist?

Michael Koswig: Ja! Schimmelpilz­sporen sind über­all in unserer Umwelt vorhanden. Probleme entstehen dort, wo sich Schimmelpilze in der Wohnung massiv vermehren können. Das können sie nur dort, wo sie viel Feuchtig­keit vorfinden.

HC: Welche Mittel gegen Schimmel können benutzt werden, wenn Klein­kinder und Säuglinge im Haushalt leben?

Michael Koswig: Die Methode mit Brenn­spiritus oder Isopropyl-Alkohol kann man hier einsetzen – voraus­gesetzt man bewahrt diese Haus­mittel kinder­sicher auf.

Peter Schick: Im Hinblick auf Lang­zeit­folgen muss unbe­dingt der Schimmel grund­sätzlich entfernt werden – also seine Ursachen beseitigt werden. Aber als Zwischenlösung, bis zur Durch­führung umfang­reicherer Maßnahmen, kann der Schimmel mit den oben genannten Mitteln entfernt werden.

Wenn ich nicht ausreichend lüften kann

Moderator: Eine aktuelle Nach­frage aus dem Chat:

Axs02: Was halten Sie von Fens­tern mit Zwangs­belüftung? Einer­seits ist ein minimaler Luft­austausch gewähr­leistet, anderer­seits kühlen die Räume dadurch aus. Solche Fenster sind in unserer Wohnung (BJ 2007) vorhanden.

Peter Schick: Nichts. Unter energetischen Gesichts­punkten entspricht das einem ständigen Energieverlust. Wer aus bestimmten Gründen befürchtet, dass er nicht häufig genug manuell lüften kann, sollte über eine auto­matische Lüftungs­anlage mit Wärme­rückgewinnung nach­denken.

Michael Koswig: Solche Anlagen mit Wärme­rückgewinnung gehören in Passivhäusern heut­zutage schon zum Stand der Technik und haben sich dort bewährt.

Moderator: Noch eine aktuelle Frage aus dem Chat:

Walex2705: Kann ich jeden Schimmelpilzbefall selber entfernen oder benötige ich in bestimmten Fällen einen Fachmann zur Schimmelpilz­beseitigung (nach Abstellen von deren Ursache)?

Michael Koswig: Je größer und komplizierter der Feuchte- und Schimmelschaden ist, desto eher ist der Fachmann gefragt. Es gibt kleinere Schäden, die man recht gut selbst beheben kann und wenn die Ursachen damit beseitigt werden, kann das auch eine dauer­hafte Lösung sein. Aber insbesondere bei komplizierteren Schäden, wenn zum Beispiel der Schimmel in eine Dämmung einge­drungen ist oder sich versteckt in einer Dämmung ausbreitet, muss er von Profis beseitigt werden.

Peter Schick: Wenn der Schimmel selbst entfernt wird, auf einer kleineren Fläche zum Beispiel, dann auf jeden Fall Atem­schutz und Hand­schuhe tragen und währenddessen gut lüften.

Michael Koswig: Am besten besprüht oder bepinselt man den sicht­baren Schimmelschaden mit Alkohol und tötet ihn damit erst einmal ab. Bevor man zum Beispiel die alte Tapete entfernt.

Fliesen im Bad helfen

Moderator: Aktuelle Frage zum Sanitär­bereich:

A82b: Welche Wand- und Deckenfarbe ist im Sanitär­bereich (insbesondere über der Dusche) zu empfehlen?

Michael Koswig: Dort, wo Wasser hinspritzt, ist es sinn­voll, die Oberflächen zum Beispiel mit Fliesen gut zu versiegeln. Ansonsten kann es in Bädern und Bade­zimmern durch­aus sinn­voll sein, auch Oberflächen zu haben, die quasi als Zwischenspeicher für die Luft­feuchtig­keit dienen können. Solche Puffer geben beim anschließenden Stoß­lüften ihre Feuchtig­keit wieder ab.

Peter Schick: Gemeint sind als Puffer zum Beispiel einfach Gipsputz oder Gips­kartonplatten mit normalem diffusions­offenem Farb­anstrich.

Umweltoma: Was halten Sie von Antischimmel-Konzentrat (decotric), was man auch der Farbe beigeben kann?

Michael Koswig: Aktuelle Test­ergeb­nisse liegen uns noch nicht vor. Grund­sätzlich ist es immer sinn­voll, die Schimmel­ursachen zu beseitigen. Wenn das gelingt, ist auch keinerlei Chemie­einsatz erforderlich. Grund­sätzlich sollte man Chemikalien mit biozider Wirkung im privaten Bereich möglichst gar nicht einsetzen.

Moderator: Hier eine aktuelle Frage zur Luft­befeuchtung:

Klaus: Sind elektrische Luft­entfeuchter sinn­voll, um Schimmel zu bekämpfen?

Michael Koswig: Temporär nach einem Wasser­schaden können solche Luft­entfeuchter sinn­voll sein. Eine Dauer­lösung sind diese jedoch eher nicht und zur Schimmelbekämpfung auch nicht, da sie erst einmal nur einen aufgetretenen Schaden beseitigen, aber nicht die Ursache.

Energieberater der Verbraucherzentralen helfen weiter

Moderator: Eine Frage zu Gutachten:

Powersurfer: Wie kann ich am besten in meiner Gegend einen Gutachter bzw. Hand­werker finden, der mir helfen kann, die Ursache(n) für Schimmel zu finden und zu bearbeiten?

Peter Schick: Eine erste Anlauf­adresse kann die Energieberatung der Verbraucherzentralen sein. Dort findet man für einen geringen Betrag Fachleute, die auch für Vor-Ort-Besuche ins Haus kommen und über die Energieprobleme häufig auch mit Schimmel und Feuchtig­keit zu tun haben. Eventuell können diese Kollegen auch weitere lokale Ansprech­partner nennen. Der große Vorteil dieser Beratung besteht darin, dass sie wirk­lich unabhängig ist. Im Übrigen sollte man grund­sätzlich vor allen Aufträgen mehrere Angebote einholen und miteinander vergleichen. Möglichst vermeiden, dass Sanierungs­aufträge an Firmen gegeben werden, die zuvor auch scheinbar unabhängige Begut­achtungen vorgenommen haben.

Coach: Darf der Vermieter die Kosten der Schimmel­beseitigung einfach auf mich abwälzen? Muss ich meine „Unschuld“ am Schaden beweisen?

Michael Koswig: Nein, das darf er nicht. Wenn der Eigentümer Forderungen geltend machen will, hat er die Beweislast. Dennoch kann es in einem solchen Streitfall sinn­voll sein, auch als Mieter Argumente zu sammeln und zum Beispiel kann es sinn­voll sein, an kalten Winter­tagen nach­zuweisen, dass trotz guter Heizung und Lüftung an Problem­stellen zu nied­rige Temperaturen vorherr­schen.

So lüften sie richtig

Moderator: Jetzt kommt ein Vermieter zu Wort:

Susanne.kenfenheuer: Ich bin Vermieter einer Wohnung im 1. Geschoss. In den letzten 15 Jahren hatte ich keinerlei Probleme mit Schimmelbefall. Seit einem Jahr habe ich nun neue Mieter. In den Bereichen rund um die Fenster (keine Bade­zimmer) in drei Zimmern ist nun Schimmelbefall. Laut den Mietern stehen die Fenster in diesen Zimmern tags­über gekippt. Man heizt auch, aber mein Eindruck ist, das dies nur selten passiert. Könnte das der Grund für einen Schimmelbefall sein?

Michael Koswig: Wie man richtig lüftet, muss manchen Leuten noch vermittelt werden. Fenster ständig auf Kipp­stellung stehen zu lassen führt dazu, dass die Leibungen sehr stark auskühlen. Die Folge kann dann Kondensation von Wasser sein und die anschließende Bildung von Schimmel. Viel besser ist die Stoß­lüftung. Dabei werden die Fenster weit geöffnet und zwar möglichst an verschiedenen Stellen in der Wohnung gleich­zeitig, so dass Durch­zug entsteht. Dann reichen rund fünf Minuten für einen voll­ständigen Luft­austausch aus. Das sollte man allerdings mindestens drei bis vier Mal am Tag praktizieren. Zum Beispiel morgens, nach der Arbeit und spät­abends. Wir haben dazu ein Info-Dokument erstellt, das sich speziell den Feuchte- und Schimmel­problemen in Wohn- und Bade­zimmern zuwendet.

Lieber außen dämmen als innen

Otto: Welche Materialien sollte man für eine Innendämmung (6 cm) nehmen?

Michael Koswig: Innendämmungen gelten bei Fachleuten als kompliziert. Wichtig ist, dass zunächst einmal sicher­gestellt sein muss, dass kein Wasser von außen oder zum Beispiel durch einen Leitungs­schaden in die Wand sickert. Mit anderen Worten: Die Wand muss prinzipiell trocken sein. In diesem Fall stehen verschiedene Materialien für die Innendämmung zur Verfügung.

Peter Schick: Zum Beispiel kommen Calcium-Silikat-Platten zur Anwendung. Diese sind diffussions­offen und haben durch ihre wärmetech­nischen Eigenschaften eine ausreichend warme Oberfläche. Ohne Not sollte man aber keine Innendämmung vorsehen, wenn nicht ebenso eine Außendämmung mach­bar wäre. Solche Fälle kommen vor allem bei denkmal­geschützten Gebäuden zum Einsatz, wenn verzierte Fassaden vorhanden sind.

Michael Koswig: In jedem Fall sollte man vor einer Innendämmung den Rat von Fachleuten einholen, die werden zum Beispiel den richtigen Einbau einer Dampf­brems­folie empfehlen.

Georg: Ist bei luft­dichter Gebäudehülle die Außen-oder Innenseite der Außenwände gemeint?

Michael Koswig: Die luft­dichte Ebene wird meist auf der Innenseite eines Gebäudes hergestellt. Zum Beispiel mit Hilfe von Dampf­brems­folien. Wichtig ist, dass diese Schicht lückenlos ausgeführt wird – anderenfalls könnte feuchte Luft aus dem Innenraum entweichen, so dass Wasser in der Dämm­schicht kondensiert.

Peter Schick: Die Lage der luft­dichten Ebene kommt im Einzel­fall auf die Konstruktion der Wand an.

Michael Koswig: Auch zu Feuchteschutz und richtiger Dämmung haben wir ein Info-Dokument erstellt.

Moderator: So, die Chat-Zeit ist auch schon fast um: Wollen Sie noch ein kurzes Schluss­wort an die User richten?

Michael Koswig: Bei Schimmel­problemen sollte man grund­sätzlich nicht in Panik verfallen. Die meisten Probleme lassen sich gut lösen, wenn erst einmal die Ursachen bekannt sind.

Peter Schick: Bei auftretenden Problemen sollten die Eigentümer und die Mieter miteinander reden und gemein­sam nach Lösungen suchen. Das spart Zeit, Kosten und viel Ärger.

Michael Koswig: Viele nützliche Tipps finden sich in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift test sowie in unseren Info-Dokumenten.

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat. Vielen Dank an die User für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beant­worten konnten. Vielen Dank auch an Michael Koswig und Peter Schick, dass Sie sich die Zeit für die User genommen haben. Das Tran­skript dieses Chats können Sie in Kürze auf test.de nach­lesen. Das Chat-Team wünscht allen noch einen schönen Tag.

Infodokument: Schimmel in der Wohnung
Infodokument: Feuchte- und Schimmelprobleme im Keller
Infodokument: Feuchteschutz und richtiger Dämmung

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