Chat Schadstoffe in Spielzeug Meldung

Von 50 getesteten Spielsachen enthalten 42 Schadstoffe. Zwei Drittel des Spielzeugs im Test ist sogar stark oder sehr stark belastet. Die test-Expertinnen Renate Ehrnsperger und Nicole Merbach beantworteten zahlreiche Fragen zum Thema. Lesen Sie das Chatprotokoll.

Moderator: Hallo und herzlich willkommen zum test.de-Expertinnenchat zum Thema „Vergiftetes Kinderspielzeug“. Von 13 bis 14 Uhr beantworten die test.de-Expertinnen Renate Ehrnsperger und Nicole Merbach an dieser Stelle live Ihre Fragen rund um das Thema und den Test der Stiftung Warentest. Wir freuen uns auf Ihre Beiträge, die Sie gerne schon jetzt an uns Moderatoren senden können.

Moderator: So, es ist 13 Uhr und unsere Expertinnen sind bereits hier im Chatraum zugegen. Frau Merbach, Frau Ehrnsperger, wollen wir starten?

Renate Ehrnsperger und Nicole Merbach: Logo!

Zwei Drittel der Spielsachen stark belastet

Moderator: In den Fragen, die uns vorab erreicht haben, wird eine große Verunsicherung unserer Chatterinnen und Chatter angesichts der aktuellen Testergebnisse zur Sicherheit von Kinderspielzeug deutlich. Bevor wir in die Beantwortung der einzelnen Nutzerfragen einsteigen: Was hat die Stiftung Warentest denn aktuell getestet und was waren die zentralen Ergebnisse?

Nicole Merbach: 50 Spielzeuge haben wir getestet, alles Spielzeug für kleine Kinder unter drei Jahren, es war Holz dabei, Plastik, Babypuppen und Plüschtiere. Alarmierende Ergebnisse: Über 80 Prozent der Spielzeuge sind mit Schadstoffen belastet, zwei Drittel davon stark oder sehr stark.

Renate Ehrnsperger: Sieben Spielzeuge hätten gar nicht verkauft werden dürfen.

Jan1274: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass, wenn ein getestetes Produkt einer Spielzeugmarke mit Schadstoffen belastet ist, dies auch auf andere Produkte derselben Marke zutrifft?

Renate Ehrnsperger: Es kommt darauf an, wo der Schadstoff gefunden wurde. Wir hatten sehr viele polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) im Lack oder Plüsch gefunden. Und da kann es schon sein, dass es auch in den anderen Produkten vorkommt. Eine generelle Aussage ist schwierig, da wir es nur für die getesteten Produkte sagen können. Bei gesundheitsgefährdenden Farbstoffen ist es aber oft so, dass man sie wirklich nur bei vereinzelten Produkten findet.

Moderator: Die Frage ist gerade live hereingekommen:

Sven: Stimmt es, dass bei dem getesteten Steiff-Teddybären lediglich die abnehmbare Schleife PAK-Belastungen aufwies?

Renate Ehrnsperger: Die höchste PAK-Belastung war in der dunkelblauen Schleife des Teddys, aber auch im Plüsch waren geringe Mengen von PAK enthalten.

Nicole Merbach: Wir raten Eltern, die Schleife abzunehmen, weil die Kinder oft mit den Klettverschlüssen spielen.

Moderator: Zwei Fragen eines Nutzers gebündelt:
Helmut16: Mit welcher wissenschaftlichen Seriosität behaupten Sie eine Gefährlichkeit von Spielzeug bei einer Belastung mit Stoffen, die vor zwei Jahren nicht einmal messbar war? Welcher Wissenschaftler (Namen!) gibt seine Reputation für diese Behauptung?

Helmut16: In der Vorbesprechung zu diesem Test soll die Redaktion gefordert haben, die amtlichen Sicherheitsbestimmungen, an die sich die Hersteller halten müssen, nicht zur Grundlage ihres Tests zu machen. Trifft diese Behauptung zu?

Renate Ehrnsperger: Die von uns gefundenen Schadstoffe sind innerhalb des Europäischen Chemikalienrechts eingestuft, mit einem Verdacht oder Hinweisen auf gesundheitsgefährdendes Potential. Es gibt gesetzliche Grenzwerte aus anderen Produktbereichen. Es gibt Stellungnahmen des Instituts für Risikobewertung, die oft eine Herabsetzung der bestehenden Grenzwerte fordern und generell betonen, dass aus Vorsorgegründen, und wenn es technisch machbar ist, gesundheitsgefährdende Stoffe so wenig wie möglich in Verbraucherprodukten vorhanden sein sollen. Generell ist die Vorgehensweise der Stiftung so, dass wir gesetzliche Grenzwerte und Richtwerte zur Bewertung heranziehen, aber auch vergleichend die Produkte daraufhin betrachten, was technisch machbar ist. Danach legen wir unsere Bewertungen fest.

Samigap: Sind auch Bioprodukte getestet worden? Wie sicher ist es, Produkte von Bioherstellern wie Lana Hess Natur etc. zu kaufen? Unterliegen die strengeren Kontrollen?

Renate Ehrnsperger: Wir haben nicht explizit Ökoanbieter getestet, weil es nur sehr wenige gibt. Wir würden sie aber bei einem weiteren Test mit einbeziehen. Der Unterschied hier ist oft, dass sie unlackiertes Holz verwenden, von dem auszugehen ist, dass hier viele Schadstoffe nicht enthalten sind.

Moderator: Ein Beitrag, der uns aus dem Kommentarbereich auf test.de erreicht hat.

Astrid007: Warum wird Holzspielzeug kurz vor Weihnachten getestet? Ist es nicht sinnvoller, das Spielzeug im Sommer zu testen, so dass das Spielzeug von dem Einzelhandel und den Endverbrauchern mit ruhigem Gewissen verkauft oder gekauft werden kann. Das Spielzeug aus dem Verkehr gezogen werden muss, welches Schadstoffe enthält, ist selbstverständlich. Aber jetzt werden alle Holzspielzeuge in einen „Topf“ geworfen. Haben Sie sich einmal überlegt, was dieses für den Einzelhandel bedeutet? Gerade jetzt sind alle Bestellungen für Weihnachten (Hauptumsatzzeit für Holzspielzeug) getätigt und dann schreiben Sie diesen Artikel. Sollte man nicht den TÜV anprangern, der anscheinend seine Tests nicht richtig durchgeführt hat? Der Einzelhandel kann keine Überprüfungen der Holzspielzeuge durchführen und wird mit diesem reißerischen Titel extrem geschädigt. Vielen Dank!

Nicole Merbach: Wir vertreten die Interessen der Verbraucher und nicht die des Handels. Unsere Tests haben immer eine sehr lange Vorlaufzeit, es war nicht die Absicht, in das Weihnachtsgeschäft einzugreifen. Die Testergebnisse zeigen generell, dass die Anbieter und Hersteller in der Produktion nachbessern müssen, dass sie mehr kontrollieren müssen und dass sie nach alternativen Stoffen und Materialien suchen sollten. Beim Holzspielzeug bleibt dem Verbraucher ja die Alternative, auf unlackiertes Spielzeug oder eventuell auf gebrauchtes Spielzeug zurückzugreifen, bei dem die Schadstoffbelastung teilweise schon geringer ist.

Schadstoffe bergen langfristige Risiken

Kolli: Welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen können denn durch die von Ihnen gefundenen Schadstoffe passieren?

Renate Ehrnsperger: Wir haben Schadstoffe gefunden, die im Verdacht stehen oder bei denen es Hinweise gibt, dass sie Krebs erzeugen, die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen oder das Erbgut schädigen.

Nicole Merbach: Gesundheitliche Schäden treten nicht akut auf, sondern es ist eine langfristige Gefahr, dass Kinder im Laufe des Lebens eine Krankheit entwickeln könnten.

Renate Ehrnsperger: Aus vorbeugendem Gesundheitsschutz sollten solche Stoffe in Kleinkinderspielzeug nicht enthalten sein, weil die Wirkung sehr komplex ist, Ursache und Wirkung sind schwer zu abzuschätzen.

Nicole Merbach: Es gibt einige Stoffe, bei denen man nicht genau weiß, wie sie wirken und wie sie in Kombination wirken.

Senna: Sind die gesetzlichen Grenzwerte Ihrer Beurteilung nach o.k. oder sollten sie verschärft werden?

Renate Ehrnsperger: Die gesetzlichen Grenzwerte für Spielzeuge sind teilweise nicht vorhanden und teilweise zu hoch, das heißt nicht sicher genug. Zum Beispiel wird derzeit der Grenzwert für PAK in der Spielzeugrichtlinie als viel zu hoch diskutiert. Von Deutschland wird derzeit für bestimmte PAK in Verbraucherprodukten ein Grenzwert von 0,2 mg pro kg auf europäischer Ebene gefordert.

Fürstrene: Wie soll man mit belastetem Spielzeug verfahren, um die Sicherheit des Kindes zu gewährleisten? Auslüften bei nicht waschbaren Produkten (z.B. aus Holz)? Waschen von Plüschtieren und Plastikspielsachen? Oder einfach wegwerfen?

Renate Ehrnsperger: Bei den Produkten, die als nicht verkehrsfähig bewertet wurden, auf alle Fälle in den Handel zurückbringen, ebenso die sehr stark belasteten Produkte. Bei den Plüschtieren, die mit PAK belastet sind, öfters waschen. Man kann in geringem Maße die Konzentration durch Waschen verringern. Die gefundenen Mengen an PAK im Holzspielzeug und den Plüschtieren waren im Bereich zwischen 1 und 10 mg und liegen damit eher im unteren Bereich. Einige PAK stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen, und sollten in Kleinkinderspielzeugen nicht enthalten sein.

Sven: Was heißt in „geringem Maße“? Wäre das z.B. bei besagtem Steiff-Teddy ausreichend?

Renate Ehrnsperger: Bei dem Steiff-Teddy auf jeden Fall die Schleife abnehmen, weil hier höhere Mengen gefunden wurden, der Plüsch enthielt relativ geringe Mengen. Man kann es reduzieren, aber wahrscheinlich nicht völlig entfernen.

Moderator: Zwei Fragen zur Schadstofferkennung gebündelt:

Sepp: Gibt es Schnelltests für Schadstoffe, mit denen der engagierte Endverbraucher eigene Tests durchführen kann (z.B. auf Weichmacher)? Wäre auch interessant z.B. für Pestizide im Lebensmittelbereich.

Tapio: Kann ich selber irgendwie herausfinden, ob ein Spielzeug belastet ist – oder muss ich da gleich einen Chemiker bemühen?

Renate Ehrnsperger: Schnelltests gibt es unseres Wissens nach nicht, da die Analytik sehr aufwendig ist. Generell sollte man eher versuchen, die Schadstoffe zu vermeiden indem man z.B. unlackiertes Holzspielzeug kauft, da die Schadstoffe hauptsächlich im Lack waren. Ein auffälliger Geruch kann ein Hinweis auf Schadstoffe sein, dann nicht kaufen. Bei Kleinteilen an Spielzeug kräftig daran ziehen, diese dürfen sich nicht lösen, denn sonst könnten Kinder sie verschlucken. Noch ein Tipp: Um kleine verschluckbare Teile bei Plüschtieren für Kleinkinder zu vermeiden: Keine Plüschtiere mit Kunststoffaugen kaufen, sondern besser Plüschtiere mit aufgestickten Augen.

Fürstrene: Hat das Alter der Spielsachen einen Einfluss auf deren Schadstoffbelastung? Kann man also ältere, auch schon häufig gewaschene Plüschtiere bedenkenlos den Kindern geben? Oder waren Spielsachen vor zehn, 20, oder 30 Jahren noch höher belastet?

Renate Ehrnsperger: Ältere Spielsachen könnten weniger Schadstoffe enthalten, weil doch mit der Zeit ein Teil der Schadstoffe entweder ausgewaschen wird oder ausdünstet. Ob Spielzeuge vor zehn oder 20 Jahren weniger Schadstoffe enthielten, können wir nicht sagen, da viele Schadstoffe erst in den letzten Jahren geprüft wurden.

Nicole Merbach: Früher hätte man z.B. noch nicht nach zinnorganischen Verbindungen oder PAK in Spielzeugen gesucht. Wir wissen heute einfach viel mehr als früher und können im Labor auf viel mehr Schadstoffe untersuchen lassen.

Jenny26: Wie viel Risiko ist mein Kind ausgesetzt, wenn es mit einem der „sehr stark“ belasteten Kuscheltieren schmust? Lässt sich das ganze durch häufiges Waschen „entschärfen“? Sollte ich seinen Liebling jetzt wirklich entfernen? Woher weiß ich, dass das nächste Kuscheltier nicht noch schlimmer belastet ist?

Renate Ehrnsperger: Die Kuscheltiere waren auch hauptsächlich mit PAK belastet, mit Mengen zwischen ein und zehn mg pro kg. Die Belastung lässt sich sicher etwas durch häufiges Waschen reduzieren. Wie sehr man damit dem Kind schadet, ist schwer zu beurteilen, da diese Stoffe langfristig im Organismus wirken.

Nicole Merbach: Beim Einkauf Dinge, die stark riechen, lieber nicht mit nach Hause nehmen.

Bweltin: Können Spielzeuge aus Hartplastik (z.B. von Chicco) auch PAK enthalten?

Renate Ehrnsperger: Ja das können sie, wie unser Test gezeigt hat. Wir testeten drei Spielzeuge, die PAK enthielten, aber sechs Hartplastikspielzeuge waren nicht belastet.

Nicole Merbach: Das Hartplastikspielzeug im Test hat im Vergleich zu Holz oder Plüsch am besten abgeschnitten.

Ch-to-ma: Wie lange dauert es, bis Schadstoffe verflogen oder herausgewaschen sind?

Renate Ehrnsperger: Die gefundenen Schadstoffe dünsten eher über einen längeren Zeitraum aus, es ist schwer zu beziffern wie lange genau.

Unlackiertes Holzspielzeug als Alternative

Fluffy: Was macht man mit den Holzpuzzles? Die kann man schlecht waschen, was hilft? Nur wegschmeißen?

Renate Ehrnsperger: Aus vorsorgendem Gesundheitsschutz sollten PAK nicht enthalten sein, aber wie unser Test gezeigt hat, sind diese in zwei Drittel der Spielzeuge enthalten. Man wird kaum Spielzeug finden wo keine PAK drin sind. Hier sind die Hersteller gefordert und der Gesetzgeber, dass das Kleinkinderspielzeug PAK-frei sein sollte.

153: Ich habe einige Holzspielsachen von Selecta, die mein Sohn viel in den Mund nimmt. Ich war der Meinung, wenn es aus Deutschland (Edling) kommt, ist dieses Spielzeug ungefährlich. Was soll ich jetzt tun? Ich mache mir große Sorgen.

Nicole Merbach: Eine erschreckende Erkenntnis aus dem Test ist, dass auch Spielzeug, das in Deutschland hergestellt ist, gesundheitsgefährdende Schadstoffe enthält und nicht sicher ist. Selecta ist mit einem Holzschiebepferd besonders negativ aufgefallen, wo sich kleine verschluckbare Ohren aus Leder gelöst haben. Dies ist insofern gefährlich, da ein Kleinkind diese verschlucken kann und unter ungünstigen Umständen Erstickungsgefahr besteht.

Elmab: Lassen sich lackierte Spielsachen durch die glänzende Oberfläche immer erkennen? Oder muss man auf Hinweise am Etikett achten?

Renate Ehrnsperger: Normalerweise sieht man, ob ein Spielzeug lackiert ist, entweder durch die Farbe oder durch die spiegelnde Oberfläche. Alternativ gibt es unlackiertes Holz oder geöltes Holz.

Samigap: Holzspielzeug, das mit lebensmittelechten Farben behandelt wurde, ist das gleichzusetzen mit unlackiertem Holzspielzeug? Oder ist auch da die Gefahr der Schadstoffbelastung erhöht?

Renate Ehrnsperger: Wir können leider keine Aussage zu bemaltem Holz machen, da wir das nicht geprüft haben.

Auch Markenspielzeug nicht frei von Schadstoffen

Jomama: Müssen die Händler oder Hersteller die Spielsachen zurücknehmen? Auch nach 6 Monaten?

Renate Ehrnsperger: Bei den nicht verkehrsfähigen: Ja. Bei den sehr stark belasteten ist es die Kulanz der Händler, ob sie das Produkt zurücknehmen.

Nicole Merbach: Ein verantwortungsvoller Händler sollte es auf jeden Fall zurücknehmen. Das Umtauschrecht besteht in diesem Fall bis zu zwei Jahre.

S.kloska: Welchen Hersteller kann man noch vertrauen?

Nicole Merbach: Wie der Test zeigt, ist es zwiespältig, auch bei gestandenen Markenherstellern. Beispiel sigikid: Dieser hatte einen äußerst gefährlichen Plüschaffen, der gar nicht verkauft hätte werden dürfen. Der Affe brannte zu schnell. Auf der anderen Seite kommt von sigikid die einzige Babypuppe im Test, die nicht mit Schadstoffen belastet war. 2. Beispiel: Fisher Price: Auch hier wieder ein bedenkliches Spielzeug, die Babypuppe „Niedliche Prinzessin“ war stark mit mehreren Schadstoffen belastet, darunter ein kritischer Farbstoff. Gleichzeitig hatte Fisher Price einen Rettungshubschrauber aus Hartplastik, der nicht belastet war.

Aweckle: Gibt es denn Hersteller, die sich ausschließlich der Herstellung von schadstoffarmem Spielzeug verschrieben haben? Und wenn ja, wie heißen diese?

Renate Ehrnsperger: Es betonen viele Markenhersteller, dass sie frei von Schadstoffen produzieren. Leider hat sich dabei herausgestellt, dass dies oft nicht der Fall ist.

Nicole Merbach: Mit dem Zeichen für „Übereinstimmung mit EU-Richtlinien“ (CE-Zeichen) erklärt der Hersteller, dass er alle gesetzlichen Regelungen einhält. Dass dies nicht der Fall ist, hat unser Test gezeigt. Das CE-Zeichen ist Pflicht auf dem Spielzeug.

Eisfee5: Ich hab heute mehrere Firmen angerufen und alle haben gesagt, dass sie ihre Richtlinien eingehalten haben und mehrere Test unternommen hätten. Der Steiff Bär sei zum Beispiel seit 2007 nicht mehr im Handel und es wurde geraten, einfach das Band zu entfernen, denn nur da wäre das belastende Material drin. Alle anderen Produkte seien unbedenklich und geeignet für Kleinkinder und Babys.

Renate Ehrnsperger: Die gesetzlichen Regelungen für Spielzeug sind nicht ausreichend. Wir haben mehr als zehn Prüfmuster des Steiff-Bären von Juni bis August 2010 im Fachhandel, Kaufhäusern und Online-Shop von Steiff unter dem Namen „Victor“ eingekauft. Von daher ist „Victor“ noch im Handel erhältlich.

Ratlos: Gibt es einen Hersteller, von dem ich unbesorgt Spielzeug für meine kleine Tochter kaufen kann? Mir geht es da hauptsächlich um Schadstoffe, sich lösende Kleinteile kann ich wahrscheinlich selber als Gefahrenquelle erkennen.

Renate Ehrnsperger: Da wir nur exemplarisch einzelne Spielzeuge von Herstellern getestet haben, können wir solch eine Aussage leider nicht treffen.

Nicole Merbach: Bei potenziell verschluckbaren Kleinteilen, auf jeden Fall kräftig daran ziehen.

Marktaufsicht muss verbessert werden

Peter: Gibt es bestimmte Prüfsiegel?

Renate Ehrnsperger: Es gibt freiwillige Prüfzertifikate, zum Beispiel das Zeichen für Geprüfte Sicherheit (GS-Zeichen). Daneben gibt es private Prüfzertifikate, zum Beispiel TÜV-Rheinland, TÜV-Süd oder das Landesgewerbeanstalt (LGA). Hier gibt es unabhängige Prüfungen, allerdings hatten auch einzelne Produkte ein Prüfzeichen und waren trotzdem nicht sicher.

Nicole Merbach: Wir raten Eltern, beim Kauf trotzdem auf diese Prüfzeichen zu achten, weil diese im Unterschied zum CE-Zeichen unabhängige Kontrollen fordern.

Andreas: Zuerst einmal ein Lob dafür, dieses heiße Thema in der Deutlichkeit mal wieder in das Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Sollte es nicht eine gesetzliche Verpflichtung geben, diese gefährliche Produkte öffentlich zurückzurufen?

Renate Ehrnsperger: Ja es sollte Pflicht sein, dass Rückrufe von Spielzeugen auch auf der Homepage des Anbieters veröffentlicht werden müssen. Es wäre sicher sinnvoll, wenn ein Rückruf verpflichtend wäre, um auch die Hersteller mehr zu sensibilisieren.

Nicole Merbach: In Folge unseres Tests wurde bisher ein Spielzeug zurückgerufen, der Plüschhase von Tedi.

Uwe Dannwolf: Sehr geehrte Frau Ehrnsperger, welche Maßnahmen denken Sie, sollten ergriffen werden, um den Informationsfluss vom Produzenten über Vertrieb zum Verbraucher hin zu verbessern? Wo sind ihrer Meinung nach die besten Schnittstellen?

Renate Ehrnsperger: Auf alle Fälle mehr unabhängige Kontrollen durch die Hersteller. Dann sollten solche Test-Ergebnisse auch von den Herstellern ernst genommen werden und entsprechend reagiert werden. Zum Beispiel nicht verkehrsfähige Produkte aus dem Handel zu nehmen und auch entsprechend zu kommunizieren. Wichtig ist auch, sich nicht nur auf die lückenhaften gesetzlichen Regelungen zurückzuziehen, sondern eine aktive Rolle einzunehmen und nach unkritischen Einsatzstoffen suchen.

Montenmedio: Wie kann es sein, dass öffentliche Prüfstellen (Landesuntersuchungsämter etc.) nicht ausreichend prüfen oder, so vorhanden, ihre Prüfungen folgenlos bleiben?

Renate Ehrnsperger: Fast 15 Prozent der Spielzeuge waren nicht verkehrsfähig. Das heißt, dass die Marktaufsicht, die dafür verantwortlich ist, das diese Produkte nicht im Handel sind, das Problem nicht im Griff hat. Hier sind Verbesserungen sicher notwendig.

Moderator: Das war der test.de-Expertenchat zum Thema „Vergiftetes Kinderspielzeug“. Wir bedanken uns bei den vielen Fragestellern für Ihre Beiträge und entschuldigen uns bei den Chatterinnen und Chattern, deren Fragen wir aus Zeitgründen leider nicht beantworten konnten. Ein ganz besonderer Dank geht natürlich auch an unsere Expertinnen für die Antworten. Das Chatteam wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!

Dieser Artikel ist hilfreich. 454 Nutzer finden das hilfreich.