Chat Riester-Rentenversicherung Meldung

Riester-Rentenversicherungen sind etwas für Sparer, die den Vertrag bis zum Ende durchhalten. Die Finanztest-Experten Theo Pischke und Martin Schulz beantworten auf test.de Leserfragen rund um die Riester-Rente.

Wichtig sind garantierte Rente und Anlageerfolg

Moderator: Herzlich willkommen zum Expertenchat der Stiftung Warentest. Von 13 bis 14 Uhr beantworten heute Martin Schulz, Projektleiter bei Finanztest, und Theo Pischke, Redakteur bei Finanztest, Ihre Fragen rund um das Thema Riester-Rentenversicherung.
So, wir haben 13 Uhr. Wollen wir starten? Dann zunächst einige allgemeine Fragen zur Förderung:

Viktor: Nach welchen Kriterien soll man eine Versicherung bei einem Riester-Neuabschluss wählen, Direkt-Versicherungen (z.B. CosmosDirekt) oder lieber altbestehende Versicherungen (z.B. HUK, Volkswohl Bund)? Was sind die Vor- und Nachteile?

Theo Pischke: Das ist eigentlich nicht unser Kriterium, ob das jetzt ein Direktversicherer ist oder ein Serviceversicherer. Unsere Kriterien sind ganz klar: Wir haben drei, nämlich einmal die garantierte Rente, den Anlageerfolg des Versicherers und die Transparenz des Produktes. Wir haben im Test klassische Riester-Rentenversicherung zwei sehr gute Tarife gefunden. Der eine war von einem Direktversicherer und der andere von einem Serviceversicherer.

  • Erster Maßstab bei der Auswahl des Produktes ist die garantierte Rente, die der Versicherer bei Vertragsabschluss nennen muss.
  • Zweites Kriterium ist der Anlageerfolg, also wie hat der Versicherer in den vergangenen Jahren mit den Beiträgen der Kunden gewirtschaftet. Hat er gut gewirtschaftet, ist es sehr wahrscheinlich, dass dies auch in Zukunft so sein wird und der Kunde kann mit verhältnismäßig hohen Überschüssen rechnen.
  • Das dritte Kriterium ist die Transparenz. Da gibt es viele Dinge, auf die der Kunde achten sollte. Ich nenne mal ein Beispiel: Der Kunde sollte aus der Modellrechnung des Versicherers erfahren, wie hoch seine Rente ohne Überschüsse einschließlich der staatlichen Zulagen bei Renteneintritt sein wird. Es gibt Versicherer, die ihre Kunden darüber im Unklaren lassen. Dies sollte nicht passieren.

Welcher Riester-Vertag der richtige ist

Anonym: Welcher Riester-Vertragstyp ist der richtige für mich? Klassische Riester-Rentenversicherung, Riester-Fondssparplan oder Riester-Banksparplan?

Theo Pischke: Das hängt von zwei Gesichtspunkten ab. Ausschlaggebend ist das Alter des Riestersparers und welcher Anlegertyp oder welcher Spartyp man ist. Die klassische Riester-Rentenversicherung, die wir jetzt in unserem aktuellen Heft getestet haben, ist vor allem für Sparer zwischen 40 und 50 Jahren geeignet. Sie erfahren die Mindesthöhe ihrer Rente bereits bei Vertragsabschluss. Wichtig ist auch, den Vertrag durchzuhalten. Riester-Sparer müssen ihre Beiträge während der ganzen Sparphase regelmäßig zahlen, denn ein Ausstieg aus dem Vertrag ist mit Verlusten verbunden.
Die anderen drei Riesterprodukte haben wir diesmal nicht getestet. Riester-Banksparpläne testen wir im nächsten Heft, das am 21.10. erscheint und Riester-Fondssparpläne werden wir in diesem Jahr auch noch testen.

Martin Schulz: Fondsgebundene Rentenversicherungen sind nur für Anleger geeignet, die ihre Einzahlungen auf möglichst viele Fonds verteilen möchten und dafür die höheren Kosten in Kauf nehmen. Wir stehen einer fondsgebunden Rentenversicherung sehr kritisch gegenüber.
Riester-Fondssparpläne sind für Anleger geeignet, die nicht älter sind als 40 Jahre und die es verkraften können, wenn ihre Anlage während der Ansparphase auch mal ins Minus rutscht. Banksparpläne empfehlen wir vor allem Sparern ab 50 Jahren, die also nicht mehr viel Zeit bis zur Rente haben und für jüngere Sparer, die sichere Erträge wollen.

Vertrag wechseln ist teuer

Anonym: Wann lohnt sich noch ein Wechsel zu einem anderen Anbieter?

Theo Pischke: Das ist sehr schwierig zu beantworten und lässt sich pauschal nicht sagen. Eine Versicherung zu wechseln, ist teuer, denn die bereits bezahlten Abschlusskosten bekommt der Kunde nicht zurück. Wenn die Abschlusskosten nach fünf oder zehn Jahren komplett bezahlt sind, hat der Wechsel einer Versicherung meist keinen Sinn mehr, denn bei einem neuen Versicherer fallen wieder neue Abschlusskosten an. Nur wenn der Sparer relativ rasch nach Vertragsabschluss merkt, dass er nicht das zu seinem Alter oder Spartyp passende Produkt gewählt hat, sollte er einen Wechsel in Betracht ziehen.

beginner01: Kann ich mehrere Riester-Verträge abschließen? Wenn ja, können dann beide Verträge zu gleichen Anteilen staatlich gefördert werden oder ist die staatliche Förderung auf einen der beiden Verträge zu beschränken?

Theo Pischke: Es besteht die Möglichkeit, die staatlichen Zulagen auf maximal zwei Verträge zu verteilen. Allerdings stellt sich hier schon die Sinnfrage, weil ja bei beiden Verträgen Kosten anfallen.

Riester-Verträge nicht vererbbar

Ciara: Ist die Rente vererbbar? Wenn ja, nur an den Partner oder auch an die Kinder? Falls nicht, ist dies fair?

Theo Pischke: Bei der Riester-Rentenversicherung ist es so, dass ein Vererben des gesparten Vermögens nicht möglich ist. Meist wird aber eine Rentengarantiezeit vereinbart, in der Regel fünf bis zehn Jahre. In dieser Frist fließt die Rente weiter und zwar an die Erben. Bei Bank- und Fondssparplänen wird das Vermögen an den Ehepartner gezahlt. Gibt es keinen, geht das Geld an die kindergeldberechtigten Kinder. Gibt es auch die nicht, fließt das Restkapital an die Erben. Die müssen dann aber die staatliche Förderung zurückzahlen. Stirbt der Versicherte vor Rentenbeginn, spielt der Vertragstyp keine Rolle. Dann kann der Ehepartner das Kapital in seinen eigenen Altersvorsorgevertrag übernehmen, wenn er einen hat, oder in eine Rente umwandeln.
Ist das fair? Dazu muss man sagen, dass die Riesterrente so konzipiert ist, dass Altersvorsorge gefördert werden soll und der Staat nicht die Vererben von Vermögen fördern möchte. Es geht hier also um die eigene Altersvorsorge analog zur gesetzlichen Rente.

Cosmos und HanseMerkur sind Testsieger

Tinkerbell: Welche ist die beste Riester-Anlage?

Martin Schulz: Für die 40– bis 50-Jährigen empfehlen wir die klassische Riesterrente. Wichtig ist dabei, dass der Vertrag durchgehalten wird, d.h. er darf nicht gekündigt oder beitragsfrei gestellt werden.
Wir haben zwei Testsieger. Das sind die Cosmos und die HanseMerkur, die durch ihre Kosten und durch den Anlageerfolg hervorzuheben sind.

Michael Erns: Wie geht man sinnvoll vor, wenn man anhand der Finanztest-Vergleiche feststellt, dass sein Riester-Aktienfonds Uni Global des Anbieters Union wesentlich schlechter abschneidet als der entsprechende DWS-Fonds? Ist ein Wechsel nach mehreren Jahren noch sinnvoll? Wie hoch sind die Wechselkosten?

Martin Schulz: Der Wechsel bei Riester-Fondssparplänen ist einfacher als der Wechsel von Versicherer zu Versicherer, weil sie kostengünstiger ausfallen. Zudem haben Sie nicht das Problem, dass Sie zu viel Abschlusskosten gezahlt haben, die die Versicherer nicht mehr verrechnen.

Doppelte Kosten bei fondsgebundenen Angeboten

acant: Es gibt fondsgebundene Rentenversicherungen mit Garantieverzinsung (z.B. TwinStar von AXA), Diese Produkte scheinen mir besonders attraktiv zu sein, denn grundsätzlich hat man hier doch Renditechancen und Sicherheit. Gibt es hier (versteckte) Nachteile, insbesondere in Hinblick auf herkömmliche Produkte?

Martin Schulz: Das Produkt von AXA haben wir nicht getestet, weil es ein fondsgebundenes Produkt ist. Fondsgebundene Angebote haben wesentlich höhere Renditechancen. Die Garantien sind jedoch gering. Mit steigender Renditechance steigt auch das Risiko. Kritisch anzumerken ist bei den fondsgebundenen Versicherungen die doppelte Kostenbelastung, denn zum einen muss der Versicherer bezahlt werden und zum zweiten der Fonds.

Herwig: Lohnt es sich, eine Riester-Rentenversicherung auch ohne staatliche Zulagen fortzusetzen, wenn ich gezwungen bin, aus der Künstlersozialkasse auszutreten?

Theo Pischke: Sie können Ihren Riester-Vertrag ja weiter bedienen, wenn sie jetzt angestellt sind. Wenn Sie nicht gesetzlich versichert sind, können Sie den Riester-Vertrag nicht mehr fortführen.

Wer ins Ausland zieht, muss Förderung zurückzahlen

christian w: Ich war gerade dabei, einen Riester-Vertrag mit oeco capital abzuschließen, als ich das letzte Testergebnis in die Hände bekam. Frage: Ist das nur befriedigende Abschneiden der oeco capital bei Rentenzusage und Anlageerfolg auf die ökologische Ausrichtung zurückzuführen? Schließlich ist das der einzige Anbieter in ihrem Test, der eine eindeutige umweltfreundliche Anlage anbietet und sich daher von den anderen sehr abhebt. Dieser Aspekt stand für mich im Vordergrund. Aber jetzt bin ich wieder am Zweifeln, ob ich nicht doch einen „sehr guten“ Vertragsanbieter auswählen soll.

Martin Schulz: Entscheidend für uns waren auch die Kosten. Der von Ihnen benannte Versicherer ist teuer, was nicht unbedingt im Zusammenhang steht mit seinen ökologischen strategischen Ausrichtungen. Zudem waren die Angebote nach neuen gesetzlichen Vorgaben relativ intransparent.

qiwen: Hallo! ich hätte eine Frage: Man hat mir vor Jahren erzählt, dass die Riester-Rente komplett verfällt, wenn man ins Ausland zieht und sich dort niederlässt. Ist das immer noch so?

Theo Pischke: Nein, sie verfällt nicht. Allerdings müssen Sie, wenn Sie Ihren Hauptwohnsitz als Rentner im Ausland wählen, die Riesterförderung zurückzahlen. Der Anbieter zweigt dann von jeder Rentenzahlung 15 Prozent ab, bis alle Steuervorteile und Zulagen zurückgezahlt sind. Die Zinserträge aus der Ansparphase werden jedoch nicht angetastet. Das allein kann einen Vertrag rentabel machen. Zusätzlich entfällt mit dem Umzug ins Ausland die Besteuerung der Riester-Rente in Deutschland. Behält der Riester-Rentner einen Zweitwohnsitz in Deutschland, ändert sich nichts. Die Förderung bleibt erhalten und die Rente muss versteuert werden.

Versicherer verlangen hohe Abschlusskosten

holgi: Warum sind die Abschlusskosten eigentlich so hoch (mehrere tausend Euro zum Teil)? Wie ist das zu begründen?

Martin Schulz: Die Abschlusskosten sind so hoch, da Versicherer das vollständige Leben des Riester-Rentners durchkalkulieren und darauf auch zukünftige Ausgaben mit einbeziehen. Serviceversicherer müssen ihre Vertreter und ihre Verwaltung bezahlen. Auch bei Direktversicherern fallen Abschlusskosten an, sie sind jedoch geringer, da Provisionen nicht eingerechnet werden. Nachträglich können die Versicherer keine erhöhten Kosten mehr einrechnen.
Zudem werden einzelne Kosten wieder zurück gezahlt in Form von Überschusszuteilungen. Das wird bei Vertragsschluss aber noch nicht ausgewiesen.

Einen Monat sozialversicherungspflichtig arbeiten genügt

Bierphysik: Ich bin Promotionsstudent und erhalte ein Stipendium. Demnach kann ich nicht die staatlichen Zulagen bei der Riester-Rente bekommen. Mein Bankberater riet mir jedoch, dennoch eine Riester-Rente abzuschließen, damit ich „schon einmal jetzt“ einzahle und somit ein früheres „Startjahr“ habe. Macht es wirklich einen großen Unterschied, ob man mit 26 oder 28 anfängt?

Theo Pischke: Man sollte natürlich so früh wie möglich anfangen, aber man sollte von Beginn an die staatliche Förderung mitnehmen. Falls Studenten auch nur einen Monat im Jahr sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, erfüllen sie die Voraussetzung für die volle Förderung bei der Riester-Rente. Dann sollten sie auch eine abschließen.

Riester-Rente ist krisensicher

orbita-76: Derzeit spricht man ja von einer Finanzkrise. Wie sicher ist da eine Riester-Versicherung?

Theo Pischke: Die Beiträge sind garantiert, d.h. im Gegensatz zu einer Altersvorsorge, die nicht staatlich gefördert wird und rein auf Aktien basiert, ist eine Riester-Rente sehr sicher.

seppl: Ich lebe in einer nicht-ehelichen Gemeinschaft. Kann ich meiner Lebensgefährtin das Geld aus meinem Riestervertrag vererben?

Theo Pischke: Das geht nur, wenn Ihre Lebensgefährtin auch Ihre Erbin ist. Sie können eine Rentengarantiezeit vereinbaren. Ihre Rente wird dann nach Ihrem Tod fünf bis zehn Jahre – je nach Vereinbarung – an Ihre Lebensgefährtin weiter gezahlt, wenn Sie das im Vertrag so festlegen.

Riester- und Rürup-Förderung möglich

enddreißiger: Kann ich sowohl Riester- als auch Rürup-Förderung in Anspruch nehmen?

Theo Pischke: Das ist theoretisch möglich, ein Rürup-Vertrag wendet sich eigentlich an Selbstständige, die weder die staatliche Förderung bei der Riester-Rente noch bei der betrieblichen Altersvorsorge nutzen können. Ein solcher Rürup-Vertrag kann jedoch auch von Angestellten abgeschlossen werden. Für Angestellte ist die Riesterrente jedoch erste Wahl. Danach kommt eine Betriebsrente und erst dann, wenn es noch finanziellen Spielraum gibt, sollten Sie über eine Rürup-Rente nachdenken.

Moderator: Noch einmal eine Nachfrage zum Thema „nicht-eheliche Lebensgemeinschaft“:

seppl: Also muss ich in einem Testament meine Lebensgefährtin als Alleinerbe einsetzen?

Theo Pischke: Ja, Ihre Lebensgefährtin muss als Erbin in Ihrem Testament genannt werden oder als Bezugsberechtigte in Ihrer Riester-Rentenversicherung. Einen gravierenden Nachteil gibt es jedoch: Wenn Sie nicht verheiratet sind, muss die Lebensgefährtin Zulagen und steuerliche Förderung zurückzahlen.

Riester-Vertag mit 52 Jahren rechnet sich

roland.klein: Im Mai 2009 werde ich 52 Jahre alt. Rechnet sich für mich (ohne Kinder) überhaupt noch die Riester-Rente?

Martin Schulz: Der Vertrag lohnt sich noch. Es lassen sich sehr gute Renditen erwirtschaften. Problematisch ist jedoch, dass die absoluten Beträge nicht sehr hoch ausfallen können, da die geförderte Sparleistung nicht mehr sehr hoch sein wird. Es bleiben sehr wenige Jahre und Beiträge, um eine Rente anzusparen.

wt-ber: Lohnt sich das Riestern bei einem mittlerem Familieneinkommen (ca. 60.000 Euro netto) oder wird die jetzige Steuerersparnis bzw. Zulage durch die spätere Versteuerung der Rente wieder aufgebraucht? Wir haben noch andere Verträge laufen (z.B. Betriebsrente) und sind 40 bis 50 Jahre.

Theo Pischke: Riestern lohnt sich auch bei Ihrem Einkommen, wenn sie neben Ihrer Betriebsrente, die auf jeden Fall auch eine gute Wahl ist, vor allem wenn der Arbeitgeber zu den Beiträgen noch etwas beisteuert, eine Riester-Rente erwägen. Sie bietet eine bessere Rendite als jede andere vergleichbare Altersvorsorge.

Martin Schulz: Wir gehen davon aus, dass die Steuerbelastung im Rentenalter geringer ist als im Berufsleben. Damit lohnt es sich, die nachgelagerte Versteuerung einzubeziehen.

Jeder in Deutschland gesetzlich Versicherte kann riestern

Hans: Ich nehme in Kürze einen auf 14 Monate befristeten Berufseinsteigerjob im europäischen-nicht-EU Ausland an, Brutto ca. 2000 Euro monatlich, Sitz der Firma ist in Deutschland, der Vertrag ebenfalls mit der Personalabteilung hier in Deutschland. Kann ich die Riester-Rente beantragen, und wenn ja, lohnt sich das? Was muss ich monatlich einzahlen und was bekomme ich am Schluss? Was empfehlen Sie mir zu tun?
Theo Pischke: Wenn Sie in Deutschland gesetzlich versichert sind, haben Sie Anspruch auf die Riesterförderung. Wenn nicht, können Sie die Förderung nicht in Anspruch nehmen.
Sie sollten dann mit dem Vertrag warten, bis Sie wieder in Deutschland arbeiten.

Volle Förderung bei vier Prozent des Bruttoeinkommens

Christina: Stimmt es, dass man bei HanseMerkur einen kleineren Beitrag zahlen muss als bei anderen Versicherungen? Ich dachte, dass der Beitrag immer gleich sein muss, um eine Förderung zu erhalten.

Theo Pischke: Der Beitrag hängt nicht vom Versicherer ab, sondern ist eindeutig geregelt. Wenn Sie die volle Förderung mitnehmen wollen, müssen Sie 4 Prozent Ihres Bruttoeinkommens des Vorjahres in den Vertrag einzahlen. Sie können aber auch weniger einzahlen. Dann verringert sich die staatliche Förderung entsprechend. Fließt etwa nur die Hälfte des für die volle Förderung notwenigen Beitrags in den Riestervertrag, gibt es auch nur die Hälfte der vollen Zulage.
Beispiel:  Ein Sparer mit einem Vorjahresbruttoeinkommen von 30 000 Euro muss 1 200 Euro in diesem Jahr in den Vertrag einzahlen (4 Prozent von 30 000). 1 046 Euro davon kommen aus seiner eigenen Tasche. Hinzu kommt die staatliche Grundzulage von 154 Euro. Spart der Kunde weniger, verringert sich die Zulage. Dies ist unabhängig vom Versicherer.

seppl: Was passiert mit meinem Riester-Vertrag bei Arbeitslosigkeit?

Theo Pischke: Solange Sie vom Arbeitsamt Lohnersatzleistungen beziehen, haben Sie Anspruch auf die Förderung. Wenn Sie auch danach keine neue Arbeit finden, können Sie den Riester-Vertrag ruhen lassen. Ruht ein Vertrag das ganze Jahr, gibt es dafür keine Förderung.

Bonus von 200 Euro für junge Leute

Christina: Ich bin 24 und mache gerade meinen Bachelor-Abschluss. Nun habe ich gehört, dass man 200 Euro extra für den Riester-Vertrag bekommt, wenn man anfängt zu arbeiten. Ist das richtig und gibt es das überall?

Theo Pischke: Ja das ist richtig. Seit Jahresbeginn bekommen junge Leute, die nicht älter als 25 Jahre sind, einmalig zur Grundzulage von 154 Euro einen Bonus von 200 Euro dazu. Dies gilt auch rückwirkend. Wenn Sie also jetzt nicht älter sind als 25, aber schon mit bspw. 22 einen Riestervertrag abgeschlossen haben, bekommen sie diesen 200 Euro Bonus auch noch.

Grüni: Beim Bericht in Finanztest 10/08 haben Sie auf eine Darstellung einer fondsgebundenen Riesterrente (z.B. AXA) verzichtet. Warum? Ich interessiere mich dafür, bin aber nicht risikofreudig.

Martin Schulz: Wir haben uns auf die klassischen Produkte konzentriert. Hier ist die Rentengarantie hoch und sie wird auch in Zukunft steigen durch Überschüsse z.B. aus Kapitalanlageerfolgen.
Fondsgebundene Versicherungen benötigen ein anderes Untersuchungsdesign. Hier müssen wir die Fonds auswerten, was einen erheblichen Aufwand darstellt, dem wir uns zukünftig noch stellen werden. Einzelne Versicherer haben über 70 Fonds im Angebot, andere Portfolios oder Anlagekonzepte. Die AXA hat zum Beispiel festgelegte Anlagekonzepte und beruht zudem noch auf ausländischen neuen Innovationen, die in Deutschland eingeführt werden. Auch das werden wir testen.

Die Riester-Rente ist in der Sparphase pfändungssicher

piibesu: Ist eine Riester-Rente in jedem Fall pfändungssicher?

Theo Pischke: In der Ansparphase ist die Riester-Rente pfändungssicher. Das bedeutet, Sie können nicht gezwungen werden, den Vertrag aufzulösen und mit dem Geld Schulden zu bezahlen. Dies ist rechtlich nicht möglich. Im Rentenalter, wenn die Riester-Rente ausgezahlt wird, zählt sie jedoch zu Ihrem Einkommen und dieses kann dann bis zur Pfändungsfreigrenze gepfändet werden.
Man muss also bei dieser Frage unterscheiden zwischen der Sparphase, wo niemand an Ihr Vorsorgevermögen herankommt und der Rentenphase, wo Sie dann frei über Ihre Riester-Rente verfügen können. Dann zählt sie zum Einkommen und ein Teil des Einkommens kann gepfändet werden.

enddreißiger: Zum Start der Riesterrente hatte sie einen schlechten Ruf. Mittlerweile wird der Abschluss überwiegend empfohlen. Worin wurde nachgebessert?

Martin Schulz: Am Anfang waren die Riesterrente und die Produkte sehr komplex und kompliziert. Es waren Riesterstufen und unterschiedliche Beträge für die Anfangsjahre zur vereinbaren. Es war schwierig für Vermittler, das zu erklären. Zudem waren die Produkte nicht so transparent wie vom Gesetzgeber gewünscht. Damit der Vertrieb besser wurde, hat der Gesetzgeber neue Abschlusskostenverteilungen eingeführt. Die Produkte konnten vom Vertrieb der Versicherer besser verkauft werden. Mit dem Wegfall aller Riesterstufen und den besseren Provisionen für die Vermittler ist das Produkt nun am Markt etabliert. Die Versicherer haben auch transparentere Produkte gestaltet und können nun auf einen guten Anlageerfolg zurückblicken. Problematisch ist aber trotzdem die Einberechnung der Provisionen.
Moderator: Das waren 60 Minuten Expertenchat der Stiftung Warentest. Vielen Dank an unsere Experten Martin Schulz und Theo Pischke für die Antworten und vielen Dank an die Chatter für die vielen Fragen. Das Chatteam bittet um Verständnis bei allen, deren Fragen wir aus Zeitgründen nicht beantworten konnten und wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag.

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