Flirtrevier, Ratgeberecke, Diskussionsrunde – im Internet gibt es zu jedem Thema die passende Onlinegemeinde. Doch alles glauben, was im Chat erzählt wird, sollte man besser nicht.

Lust auf einen heißen Flirt? Eine politische Debatte? Oder einfach nur einen kleinen Plausch? Im Internet ist immer jemand da. Praktisch für jede Lebenslage, jedes Hobby und jedes Alter findet sich ein virtuelles Plätzchen, an dem sich Gleichgesinnte treffen. Viele dieser Onlinegemeinschaften – Communities genannt – bieten neben Newslettern und Foren auch einen Chatraum, in dem die Besucher per Tastatur fast ohne Zeitverzögerung miteinander am Bildschirm „plaudern“ können (englisch: to chat).

Chats funktionieren im Prinzip überall gleich: In der einen Hälfte des Bildschirms erscheinen nach und nach die Kommentare der verschiedenen Teilnehmer. In der anderen Hälfte befindet sich ein Textfeld, in das jeder seine eigenen Bemerkungen eintippen und per Returntaste in die virtuelle Unterhaltung streuen kann. Persönliche Kommentare können auch an einzelne Personen verschickt werden, ohne dass die anderen mitlesen können.

Zwei Wege zum Chat: Um am Internet-Relay-Chat (IRC) teilzunehmen, muss zunächst eine Software auf dem heimischen Rechner installiert werden. Webchats dagegen können direkt über den Browser besucht werden: Einfach einen Spitznamen eingeben – und los (siehe „Webchat und IRC“). Eine Spielart der Webchats sind Grafikchats, in denen sich die Teilnehmer als Avatare – als grafische 3D-Erscheinung – in einer virtuellen Umgebung treffen.

Respekt und Höflichkeit

Geplaudert wird im Chat über alles – oft auch über nichts. Manche sind offen für Gott und die Welt, andere haben nur ein Thema. Zumindest als Flirtrevier hat der Chatraum die Kneipe bereits abgehängt, wie Umfragen zeigen – viele genießen es offenbar, anonym und ohne Äußerlichkeiten einander näher zu kommen. Wer zum ersten Mal einen Chat betritt, sollte vorher einen Blick in den Benimmkodex fürs Netz werfen, denn wie im richtigen Leben werden Höflichkeit und Respekt auch im virtuellen Gespräch erwartet. Wer sich massiv danebenbenimmt, riskiert verbannt zu werden – in jedem Chat sorgt ein so genannter Operator für Ordnung (siehe „Netiquette und Smileys“).

Die Auswahl an Chaträumen ist riesig, vor allem im IRC. Es gibt Hunderte IRC-Netze mit jeweils Tausenden Chaträumen (channels). In den größten Netzen, etwa dem Quakenet oder dem EFnet, tummeln sich täglich mehr als hunderttausend Besucher aus aller Welt. Wer einen Überblick will, kann unter http://irc.netsplit.de/channels/ rund 750 IRC-Netze per Stichwort durchsuchen, um „seinen“ Kanal zu finden. Eine Auswahl an webbasierten Chats findet sich unter www.webchat.de

Instant Messenger

Mit Webcam, Mikrofon und Kopfhörer (Headset) ausgerüstet, erlauben so genannte Instant Messenger auch Chats mit Bild und Ton. Mit diesen Programmen, über die auch Dateien ausgetauscht werden können, sind Sprach- und Videokonferenzen weltweit und in Echtzeit möglich. Damit es nicht ruckelt und stottert, sollte aber eine Breitbandverbindung (DSL) ins Internet bestehen. Die Software kann kostenlos auf den Rechner geladen werden (siehe „Linkliste“). Allerdings verstehen sich in der Regel nur Messenger eines Typs. Multi-Messenger, die mit fast allen umgehen können, unterstützen meist keine Bild- und Tonübertragung.

Wer Messenger nutzt oder im IRC chattet, sollte seinen Computer nach außen absichern. Klaffen Sicherheitslücken im eigenen PC, etwa Datei- und Druckerfreigaben, ist der Rechner angreifbar. Dateien aus fragwürdiger Quelle, die in Chats oder Foren angeboten werden, sollte man nicht öffnen. Es kursieren viele Viren, Trojaner und Dialer.

Vorsicht, Missbrauch!

Gesundes Misstrauen ist im Web durchaus angebracht. Auch im Chat sollte man nicht alles glauben, was erzählt wird. Private Daten wie Adresse und Telefonnummer sollte dort niemand preisgeben. Heimliche Treffen mit unbekannten Chatpartnern bergen Gefahren. Es ist ratsam, fürs erste Date einen öffentlichen Ort zu wählen und eine Vertrauensperson einzuweihen.

Vor allem für Kinder kann der nette Onlineplausch verhängnisvoll enden, wenn am anderen Ende der Leitung Pädokriminelle sitzen. Es kommt vor, dass Kinder im Chat belästigt werden, pornografische Bilder zugeschickt bekommen oder sogar mit sexuellen Absichten zu einem Treffen gelockt werden. Eltern sollten möglichst mit ihren Kindern gemeinsam chatten, um Missbrauch zu verhindern. Zudem gibt es Webchats speziell für Kinder (siehe „Linkliste“). Dort überwachen Moderatoren die Beiträge vor der Veröffentlichung.

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