Chat Krankenkassen: Teil 2

Zusatzversicherungen

Kranis: Hallo, sollte ich private Zusatzversicherungen lieber bei meiner GKV oder einem Fremdanbieter abschließen? Gibt es eventuell Sonderkonditionen, wenn man bei der eigenen GKV bleibt?

Ulrike Steckkönig: In der Regel handelt es sich immer um private Zusatzversicherungen, auch wenn die gesetzliche Kasse sie Ihnen anbietet. Die gesetzliche Kasse ist nur Vermittler. Für die meisten Interessenten ist es besser, sich direkt bei den privaten Anbietern nach einer leistungsstarken (Zahn-)Zusatzversicherung umzusehen, da jede gesetzliche Kasse nur mit einem oder zwei privaten Unternehmen kooperiert und so die Chance auf ein gutes oder günstiges Angebot deutlich geringer ist. Schließt man einen solchen Vertrag über die eigene Krankenkasse ab, erhält man zwar einen kleinen Rabatt von um die 3 Prozent auf den Beitrag, das ist aber kein Vorteil, wenn man dafür einen leistungsschwachen Vertrag bekommt. Für die Zahnzusatzversicherungen haben wir dies untersucht – in der Ausgabe Finanztest 12/2008 – und haben festgestellt, dass einige große Krankenkassen Zahnzusatzversicherungen nur mit „ausreichenden“ Zahnersatzleistungen bieten. Aktuell bieten auch einzelne gesetzliche Kassen sogenannte Wahltarife für zusätzliche Leistungen an, beispielsweise Zahnersatz. Vorteil hier ist, dass gesetzliche Kassen keine Versicherten ablehnen und keine Gesundheitsprüfungen durchführen dürfen.

Beitragssätze der Krankenkassen

Emp92331: Die AOK hat in ihrer Informationsbroschüre einen Beitragssatz von 14,9 Prozent angekündigt. Ist es möglich, dass der Beitragssatz nun wieder von Krankenkasse zu Krankenkasse unterschiedlich ist?

Ulrike Steckkönig: Nein. Bei allen Krankenkassen wird zum 1.7.2009 der Beitragssatz auf 14,9 Prozent gesenkt. Beitragsunterschiede zwischen den Kassen wird es aber auch zukünftig wieder geben. Krankenkassen müssen einen Zusatzbeitrag von ihren Versicherten verlangen, wenn sie mit dem Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht hinkommen. Andere Kassen können hingegen Prämien ausschütten, wenn sie Geld übrig haben.

Sabine Baierl-Johna: Auch der einheitliche ermäßigte Beitragssatz für Versicherte ohne Krankengeldanspruch sinkt zum 1. Juli von 14,9 Prozent auf 14,3 Prozent.

S.Beck: Hallo! Gibt es Krankenkassen, die ab Juli 2009 ihre Beiträge erhöhen werden?

Ulrike Steckkönig: Meines Wissens nach noch nicht. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass im zweiten Halbjahr einige Kassen einen Zusatzbeitrag erheben werden.

Al: Bei Erhebung eines Zusatzbeitrags besteht ein Sonderkündigungsrecht, so dass man auch vor Ablauf der Frist von 18 Monaten die Krankenkasse wechseln kann. Wie sieht es aus, wenn eine Krankenkasse eine Leistung kürzt oder streicht (z.B. aufgrund einer Fusion)?

Sabine Baierl-Johna: Erhebt eine Krankenkasse einen Zusatzbeitrag, haben Sie ein Sonderkündigungsrecht, auch wenn Sie noch nicht 18 Monate lang Mitglied der Kasse waren. Sie können beim erstmaligen Fälligwerden des Zusatzbeitrages kündigen. Die Kündigungsfrist beträgt immer 2 Monate zum Monatsende. Wenn Sie wegen eines Zusatzbeitrags von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht haben, müssen Sie während der Kündigungsfrist den Zusatzbeitrag nicht bezahlen.

Ulrike Steckkönig: Ein Sonderkündigungsrecht wegen einer gestrichenen Zusatzleistung gibt es leider nicht. Auch bei einer Kassenfusion haben Versicherte nicht automatisch ein Sonderkündigungsrecht. Es sei denn, die durch Fusion neu entstandene neue Kasse hat einen Zusatzbeitrag, während die bisherige Kasse keinen hatte – oder die alte Kasse hat eine Prämie ausgeschüttet, und die neue Kasse tut dies nicht mehr.

Günter: Meine Schwester (deutscher Staatsbürger) lebte früher in Deutschland und war hier gesetzlich krankenversichert. Seit 30 Jahren lebt und arbeitet sie in den USA und ist dort krankenversichert. Nun, mit 65 Jahren, will sie nach Deutschland zurück. Sie bekommt sowohl eine US-Rente wie auch eine deutsche gesetzliche Rente. Welche Einkommen sind für den KV-Beitrag maßgebend?

Ulrike Steckkönig: Da Ihre Schwester früher gesetzlich krankenversichert war, wird sie jetzt ebenfalls versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie muss sich bei der Kasse melden, bei der sie zuletzt versichert war. Was die Beiträge angeht, wird sie jedoch wie eine freiwillig Versicherte behandelt. Das bedeutet, sämtliche Einkünfte werden bei der Beitragsbemessung berücksichtigt. Sie muss also im ungünstigsten Fall nicht nur auf ihre deutsche und ihre US-amerikanische Rente Beiträge entrichten, sondern auch auf eventuell vorhandene Kapitaleinkünfte oder Mieteinnahmen. Die Beitragsbemessungsgrenze beträgt derzeit 3675 Euro im Monat. Auf darüber liegende Einkünfte müssen keine Beiträge gezahlt werden.

Wahltarife

Monchi: Bin Student und war in den letzten 5 Jahren außer zu Kontrollterminen (beispielsweise beim Zahnarzt) bisher selten bei Arzt. Nun hab ich von diversen Wahltarifen gehört, bei denen Versicherte einen Bonus erhalten, wenn diese „Kontrolltermine“ regelmäßig wahrgenommen werden und man ansonsten kaum krank ist. Welche Krankenkassen bieten derartige Leistungen (in welcher Höhe?) und an welche Bedingungen sind diese gebunden?

Sabine Baierl-Johna: Sie müssen unterscheiden: Die meisten Kassen bieten einen Bonus für gesundheitsbewusstes Verhalten, dazu gehört auch die regelmäßige Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt oder Zahnarzt. Wer dies macht und außerdem beispielsweise zur Schutzimpfung geht, nicht raucht oder Sport treibt, kann von der Krankenkasse einen Bonus bekommen, der entweder in Form von Sachprämien oder als Geldbetrag gewährt wird.

Ulrike Steckkönig: Eine andere Möglichkeit, die viele Krankenkassen anbieten, ist der Verzicht auf medizinische Leistungen in einem Wahltarif. In einem Wahltarif mit Beitragsrückzahlung verpflichtet sich der Versicherte, außer Vorsorgeuntersuchungen keine medizinischen Leistungen in Anspruch zu nehmen. Hält er dies ein Jahr durch, bekommt er einen Teil seines Beitrages zurück.
In einem Wahltarif mit Selbstbehalt verpflichtet sich der Versicherte, Leistungen bis zu einem bestimmten Betrag aus eigener Tasche zu bezahlen. Er bekommt dafür eine Prämie. Hier geht der Versicherte immer ein finanzielles Risiko ein, denn der Selbstbehalt liegt generell höher als die Prämie. Wird er also krank, oder hat einen Unfall, zahlt er im ungünstigsten Fall drauf. Erschwerend kommt hinzu, dass Versicherte sich sowohl an Wahltarife mit Beitragsrückzahlung als auch mit Selbstbehalt für 3 Jahre binden müssen. Darüber hinaus bindet man sich auch an die Kasse selbst: Auch wenn diese einen Zusatzbeitrag verlangt, hat der Kunde dann kein Sonderkündigungsrecht. Entscheidet sich doch jemand für solch einen Tarif, sollte er auf jeden Fall die Maßnahmen für Früherkennung wahrnehmen. Einige Krankenkassen belohnen dies dann sogar mit einem Sonderbonus. Damit schützt man sich selbst auch davor, notwendige Untersuchungen und Behandlungen zu verschleppen, nur um die Prämie zu retten.

Gesetzlich oder privat

Anna: Welche Kasse bietet soviel Leistungen und Service wie eine private?

Ulrike Steckkönig: „Die“ private Krankenversicherung gibt es nicht, dort hängt der Leistungsumfang stets vom gewählten Tarif ab. Einige Angebote der privaten Krankenversicherer liegen von ihren Leistungen her sogar unter dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen. In Service und Beratung sind gesetzliche Krankenkassen den privaten Unternehmen in der Regel überlegen. Gesundheitskurse oder Mutter-Kind-Kuren oder ein so dichtes Geschäftsstellennetz wie es große gesetzliche Kassen bieten, kann ein privater Anbieter gar nicht flächendeckend bereitstellen.
Der Vorteil von leistungsstarken privaten Tarifen besteht allerdings darin, dass Ärzte und Krankenhäuser für die gleichen medizinischen Leistungen mehr Geld erhalten als über die gesetzlichen Kassen. Außerdem existieren in der Privatversicherung keine Budgets zur Leistungsbegrenzung. Daher werden Privatversicherte von Ärzten gelegentlich bevorzugt behandelt (z.B. bei der Terminvergabe). Diesen Unterschied kann keine gesetzliche Krankenkasse ausgleichen. Und auch private Zusatzversicherungen helfen nur bedingt weiter, da sie am grundsätzlichen Status des gesetzlich Krankenversicherten nichts ändern. Eine Entscheidungshilfe zur Frage „Kasse oder privat“ ist in unserem aktuell erschienenen Sonderheft enthalten: Finanztest Spezial Gesundheit.

Moderator: Das waren etwa 60 Minuten test.de-Expertenchat zum Thema Krankenkassen. Herzlichen Dank an unsere Expertinnen für die Antworten und vielen Dank an die Chatterinnen und Chatter für die vielen, vielen Fragen. Wir entschuldigen uns bei den Usern, deren Fragen wir aus Zeitgründen nicht beantworten konnten.

Ulrike Steckkönig und Sabine Baierl-Johna: Vielen Dank für Ihre Fragen!

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