Chat Krankenkassen Meldung

Einheitlicher Beitragssatz, unterschiedliche Leistungen: Bei der Auswahl einer gesetzlichen Kranken­kasse zählen vor allem Leistungs- und Service­angebote. Fragen zum Thema beantworteten die Finanztest-Expertinnen Sabine Baierl-Johna und Ulrike Steckkönig im Chat. Lesen Sie die Antworten.

Moderator: So, es ist 13 Uhr. Die erste Frage an unsere Expertinnen: Können wir starten?

Sabine Baierl-Johna und Ulrike Steckkönig: Ja, gern!

113 gesetzliche Krankenkassen im Test

Moderator: Wir haben vorab bereits sehr viele sehr spezifische Fragen zu ganz bestimmten Lebenssituationen erhalten. Bevor wir in die Beantwortung der Fragen einsteigen: Was hat die Stiftung Warentest denn aktuell getestet und was waren die zentralen Ergebnisse?

Sabine Baierl-Johna: 113 Krankenkassen haben sich an unserer Untersuchung beteiligt. Wir haben verschiedene Kriterien untersucht: Einmal den Service, Mehrleistungen, die in der Satzung geregelt werden, Gesundheitsboni und Gesundheitskurse sowie Wahltarife für besondere Versorgungsformen und solche mit dreijähriger Bindung. Die beste Krankenkasse für jeden gibt es nicht, in jedem Bereich haben bestimmte Kassen ihre Stärke. Der Versicherte muss sich zunächst selbst im Klaren sein, was für ihn am wichtigsten ist, um herauszufinden, welche Kasse für ihn das beste Angebot bietet.

Ulrike Steckkönig: Angst vor einer schweren Fehlentscheidung braucht aber niemand zu haben, der größte Teil der Leistungen gesetzlicher Krankenkassen ist bei allen Kassen gleich und wird durch gesetzliche Regelungen bestimmt.

Jennes: Haben Sie eigentlich auch getestet, wie stark die Versicherten bei einer Kasse kämpfen müssen, um die Leistungen zu bekommen?

Sabine Baierl-Johna: Unser aktueller Test ist kein Servicetest. Wir haben nur dargestellt, welche Leistungen angeboten werden. Wie die einzelnen Kassen konkret mit ihren Versicherten umgehen und wie kompetent sie sie beraten können, haben wir aktuell nicht untersucht. In einem Service- und Beratungstest von 20 Krankenkassen im Jahr 2007 haben wir allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den Kassen festgestellt. Wenn man unzufrieden mit den Leistungen der eigenen Kasse ist, sollte man über einen Wechsel der Kasse nachdenken.

Betze: Früher gab es eine Transparenz über die Beiträge. Wie kann ein Bürger die Krankenkassen für sich bewerten? Wo bekommt man eine Transparenz der Leistungen?

Sabine Baierl-Johna: Generell kann man sagen, dass der größte Teil der Leistungen, ca. 95 Prozent, der gesetzlichen Kassen gleich sind. Man muss sehr genau hinschauen um herauszufinden, bei welchen Kriterien sich die Kassen unterscheiden. Sie können gerne einen Blick auf unseren Test werfen, der die Leistungen von 113 Krankenkassen darstellt.

Die Krankenkasse wechseln

Isomag: Hallo! Welche Möglichkeiten gibt es zum Wechsel aus PKV in die GKV?

Ulrike Steckkönig: Wenige. Generell gilt: Einmal privat, immer privat. Eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse gibt es für Arbeitnehmer, die noch nicht 55 Jahre alt sind. Sie werden Pflichtmitglieder der gesetzlichen Krankenkasse, wenn ihr Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze von derzeit 4 050 Euro brutto fällt. In allen anderen Fällen ist es schwer. Besondere Ausnahme: Wird bei jemandem eine Schwerbehinderung neu festgestellt, kann er innerhalb von 3 Monaten in eine gesetzliche Kasse wechseln, diese kann aber Höchsteintritts­grenzen für das Alter festlegen.

Moderator: Hier geht es um den Wechsel einer gesetzlichen Krankenkasse:

PeterF: Guten Tag, habe ich bei einem Kassenwechsel außer dem bürokratischen Aufwand Nachteile zu befürchten wie Sperrfristen oder die Verweigerung/Verzögerung von Leistungen für Neumitglieder?

Ulrike Steckkönig: Beim Kassenwechsel entstehen keine erneuten Wartezeiten für medizinische Leistungen. Die Kassen sind auch verpflichtet, jedes Mitglied aufzunehmen, das die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt – egal wie alt oder krank jemand ist. Auch während einer laufenden Behandlung ist ein Kassenwechsel möglich, die alte und die neue Kasse teilen sich die Kosten. Bürokratischen Ärger könnte es allenfalls bei Leistungen geben, die man bei der Krankenkasse beantragen muss, z.B. teure Hilfsmittel wie ein Rollstuhl.

Pantelis: Hallo! Meine Frau verdient in Teilzeit ca. 13.000 Euro brutto im Jahr. Sie ist gesetzlich, ich bin privat versichert. Kann sie unseren 6-jährigen Sohn mit in die gesetzlich Kasse nehmen, oder muss er wie ich privat versichert werden? Vielen Dank im Voraus!

Ulrike Steckkönig: In den meisten Fällen müssen die Kinder privat oder freiwillig gesetzlich versichert werden. Die beitragsfreie Familienversicherung ist immer dann ausgeschlossen, wenn der Privatversicherte mehr verdient als der gesetzlich Versicherte, wenn er außerdem mehr verdient als die Versicherungspflichtgrenze – und das Ganze gilt nur für Ehepaare. Wenn man unverheiratet ist, dürfen die Kinder auch bei der Frau versichert sein.

Reini: Habe ich Vorteile dadurch, dass ich viele Jahre in der selben BKK bin, insbesondere als Älterer (ich bin 66 Jahre), oder sollte ich auch in meinem Alter ggf. wechseln?

Ulrike Steckkönig: Man hat da keine Vorteile – außer wenn man mit den zuständigen Sachbearbeitern gut klar kommt, die die entsprechenden Vorgänge schon kennen. Wenn Sie zufrieden sind, gibt es keinen Grund zu wechseln. Wenn Sie sich für einen Wechsel entscheiden, ist dies für Sie aber auch nicht mit Nachteilen verbunden.

Unterschiedliche Leistungsangebote

Martin: Bei welcher Krankenkasse werden Massagen aufgrund ständiger Verspannungen (berufsbedingt) übernommen?

Ulrike Steckkönig: Die Regelung für die Kostenübernahme für Massagen, Physiotherapie und andere Heilmittel sind bei allen gesetzlichen Krankenkassen gleich. Wichtig ist, dass ein Arzt die Leistung verordnet. Ab 18 Jahren ist eine Zuzahlung notwendig. Die Rechtsgrundlage sind die Heilmittelrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses. Sie legen auch die höchstmögliche Menge an Behandlungen je Verordnung fest.

Arno: Welche Kasse bietet die besten Leistungen für Zahnarztkosten, z.B. Zahnersatz oder professionelle Zahnreinigung?

Sabine Baierl-Johna: Auch hier ist es so, dass die Versicherten Anspruch auf zahnärztliche Versorgung haben, die einheitlich für alle Kassen geregelt sind. Zusatzleistungen werden unterschiedlich gehandhabt, einige Kassen haben Verträge mit Anbietern von kostengünstigem Zahnersatz, sa dass Patienten einen geringeren Eigenanteil zahlen müssen. Einige Kassen bieten auch Zuschüsse oder die Kostenübernahme für eine professionelle Zahnreinigung, z.B. als Bonus für Gesundheitsbewusstes Verhalten. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach.

Nicolekirchner: Hallo! Gibt es eine Krankenkasse, die auch Akupunktur bei allergischem Asthma übernimmt?

Ulrike Steckkönig: Nein, das darf keine gesetzliche Krankenkasse. Akupunktur ist nur bei chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule oder chronischen Schmerzen des Knies eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen. In allen anderen Fällen dürfen die Kassen nicht für Akupunktur bezahlen.

Lena: Welche gesetzliche Krankenkasse bietet eine kostenlose Hautkrebsvorsorge? Ich bin 27 Jahre alt und hatte bereits ein Melanom, deshalb ist mir diese Vorsorge am Wichtigsten. Welche Kasse empfehlen Sie mir?

Ulrike Steckkönig: Wenn Sie bereits erkrankt sind, handelt es sich gar nicht um eine Vorsorgeuntersuchung im Sinne des Gesetzes. In diesem Fall spricht einiges dafür, dass es sich um eine reguläre Maßnahme der Krankenbehandlung handelt, die zur Leistung der gesetzlichen Krankenkasse gehört und ganz normal über Ihre Chipkarte läuft. Sollte Ihr Hautarzt etwas anderes behaupten oder eine Privatabrechnung verlangen, erkundigen Sie sich ob dies korrekt ist, bzw. warum die Krankenkasse die Leistung nicht übernehmen will.

Sabine Baierl-Johna: Ab 35 Jahren ist die Hautkrebsvorsorge ohne Krankheitsverdacht Regelleistung bei allen gesetzlichen Kassen, alle zwei Jahre. Viele Kassen bieten darüber hinaus aber auch schon für jüngere Versicherte gegebenenfalls jährlich die Möglichkeit zu einem kostenlosen Hautcheck. Fragen Sie nach!

Diva4ever: Gibt es eine Krankenkasse, die die Beiträge für Weight Watchers übernimmt?

Ulrike Steckkönig: Regelmäßige Mitgliedsbeiträge in Institutionen oder Vereinen, Sportstudios etc. dürfen die Krankenkassen nicht übernehmen. Sie haben jedoch die Möglichkeit, Gesundheitskurse zu bezuschussen, unter anderem im Bereich der Ernährung. Die Anbieter müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, beispielsweise muss es sich um einen Gruppenkurs mit einer bestimmten Anzahl von Terminen handeln. Der Aufbau und die Inhalte des Kurses müssen schriftlich festgehalten sein und die Wirksamkeit des Konzeptes muss nachgewiesen sein.

Julia: Bietet eine BKK Vorteile für Mitglieder, die im jeweiligen Unternehmen angestellt sind?

Ulrike Steckkönig: Vorteile können sein: Ein Ansprechpartner in der Nähe, wenn die Krankenkasse Beratung im Betrieb anbietet, oder spezielle Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung, an denen nur Versicherte dieser Kasse teilnehmen dürfen. Bedenken Sie aber auch, dass es möglicherweise ein Datenschutzproblem gibt. Normalerweise darf ihr Arbeitgeber keinen Zugang zu Diagnosen haben, auch nicht bei einer Krankschreibung. Eventuell könnte es zu Problemen kommen, wenn Arbeitgeber und Krankenkasse so eng verflochten sind.

... weiter zum 2. Teil: Chat Krankenkassen

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