Zusätzliche Antworten

Die Teilnahme am Chat zum Thema Krankenhaus-Zusatzversicherungen war sehr groß. Die Finanztest Expertin Ulrike Steckkönig konnte in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht alle Fragen beantworten. Sie nahm sich aber nach dem Chat noch Zeit und beantwortet an dieser Stelle weitere interessante Fragen.

Fratu: Sehr geehrte Frau Steckkönig, wir möchten für unseren Sohn, der im Januar 4 Jahre alt wird eine Zusatzversicherung abschließen. Welche Gesellschaft hat ein gutes Preis-/ Leistungsverhältnis? Herzlichen Dank im Voraus!

Ulrike Steckkönig: Sind Sie sicher, dass Sie für ein kleines Kind unbedingt eine Versicherung für Chefarztbehandlung benötigen? Als junge Familie gibt es für Sie viele Versicherungen, die wichtiger sind, zum Beispiel eine Risikolebens­versicherung für Sie als Eltern. Und es gibt eine Reihe von Ausgaben, die der Gesundheit und Bildung Ihres Sohnes unmittelbar zugute kommen, an denen sollten Sie nicht sparen. In unserem Test haben wir das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Beitragsentwicklung von Angeboten für 43-jährige Modellkunden berechnet. Über die Beiträge für Kinder lässt das keine direkten Rückschlüsse zu.

Badewanne: Ist eine Zusatzversicherung überhaupt sinnvoll, wenn man bedenkt, dass Versicherer per Saldo doch gute Gewinne machen wollen? Wenn ich es richtig weiß, ist eine Zusatzversicherung steuerlich nicht abzugsfähig, hingegen Mehraufwendungen im Krankenhaus im Rahmen der außergewöhnlichen Belastungen schon. Zahle ich nur die Zusatzversicherung, bin ich auf jeden Fall mein Geld los. Spare ich es hingegen und verwende es, für einen etwaigen Krankenhaus­aufenthalt, habe ich ein überschaubares Konto und kann von Fall zu Fall bestimmen, ob ich zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen will.

Ulrike Steckkönig: Steuerlich können Sie nur Versicherungs­beiträge im Umfang des „Grundschutzes“ geltend machen, nicht solche für Zusatzleistungen, die den Umfang der gesetzlichen Krankenversicherung übersteigen. Mehraufwendungen für Medikamente, Therapien oder Chefarzthonorare, die Sie privat bezahlen, können Sie hingegen absetzen. Allerdings können Sie mit dem Sparmodell auch an Grenzen stoßen, falls Sie innerhalb kurzer Zeit mehrmals oder für längere Zeit ins Krankenhaus müssen. In diesem Fall können unter Umständen Kosten von einigen Zehntausend Euro auf Sie zukommen, die eine Versicherung dann übernehmen würde.

werlut: Bei der ganzen Diskussion um Zusatzversicherungen vermisse ich eine genaue Beschreibung der „Mehrleistung“ durch den Chefarzt. Ein- oder Mehrbettzimmer kann man sich einfach vorstellen. Wird man ohne Chefarztbehandlung durch den Praktikanten auf eigenes Risiko behandelt, oder kann man auch hier von einer optimalen ärztlichen Versorgung sprechen?

Ulrike Steckkönig: Als gesetzlich krankenversicherter Patient behandeln Sie in der Regel die jeweils Dienst habenden Ärzte, ein Chefarzt wird nur herangezogen, wenn sein besonderes Wissen und Können medizinisch erforderlich ist. Selbstverständlich gibt es Stationsärzte und Oberärzte, die kompetent und erfahren sind – die private Zusatzversicherung ist also nicht „überlebensnotwendig“. Die Mehrleistung besteht darin, dass Chefärzte dem Patienten für jede einzelne medizinische Leistung eine Gebühr nach der privatärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) in Rechnung stellen dürfen. Je nach Schwierigkeit der Behandlung dürfen sie diese Gebühr vervielfachen, also zum Beispiel den 2,3-fachen Satz verlangen. Bei gesetzlich Krankenversicherten vergüten die Krankenkassen die gesamte Behandlung mit einer Pauschale – unabhängig davon, wie viel medizinischen Aufwand die Ärzte mit Ihnen betreiben.

ABN: Mit einer Versicherung möchte man finanzielle Risiken absichern. Wie kann ich aber mein individuelles Risiko einschätzen? Was sagen die Statistiken, wie oft und wie lange Personen eines bestimmten Alters (...) stationär im Krankenhaus behandelt werden?

Ulrike Steckkönig: Das individuelle Risiko ist sehr schwer einschätzbar. Statistisch gesehen finden im Jahr rund 17 Millionen Krankenhaus­behandlungen statt, die durchschnittliche Dauer eines Krankenhausaufenthalts beträgt 8,3 Tage. Mit zunehmendem Alter steigen Häufigkeit und Dauer der Klinikaufenthalte. Das sagt aber noch nichts darüber aus, ob und wann ein bestimmter Mensch schwer erkranken wird. Sie können sich leider nicht erst dann versichern, wenn eine Krankenhaus­behandlung wahrscheinlicher wird, da Sie dann möglicherweise keinen Vertrag mehr bekommen oder die Beiträge für Sie zu hoch sind.

kaem321: Trotz Zusatzversicherung nicht immer Einzelzimmer verfügbar. Welchen Sinn macht es dann, wenn die ZKV abgeschlossen wird? Der Ersatz-Geldbetrag bei Nichtinanspruch­nahme der Leistung ist nicht der Sinn für den Abschluss. Kann ich trotz angegebenen Platzmangel auf mein Recht im Krankenhaus bestehen?

Ulrike Steckkönig: Nein. Das Krankenhaus vergibt die Zimmer in erster Linie nach medizinischen Kriterien – so sind zumindest die Regeln – und das ist auch richtig so. Kein Krankenhaus wird Ihnen ohne Not das Einbettzimmer vorenthalten, da es ja Geld für diese „Wahlleistung“ bekommt.

Anonym: Der Versicherer muss nicht für ambulante Behandlungen im Krankenhaus leisten (Vertrag wurde vor 5 Jahren abgeschlossen). Ist es grundsätzlich möglich, diese Leistung nachträglich in den Vertrag aufzunehmen, ohne eine neuerliche Gesundheitsprüfung?

Ulrike Steckkönig: Nein. Jede zusätzliche Leistung, die in den Vertrag aufgenommen werden soll, ist juristisch gesehen wie ein neuer Vertrag. Der Versicherer darf gar nicht auf die Gesundheitsprüfung verzichten, da er die Beiträge entsprechend dem zu versichernden Risiko kalkulieren muss.

akire: Bei der Abrechnung der Wahlleistungen wurden mir von 2 Abteilungen, Anästhesie und Gynäkologie, Leistungen (vor Operationstag) in Rechnung gestellt, die nach meiner Erinnerung nur einmal ausgeführt wurden. Wie kann ich so was abklären? Gibt es eine neutrale Beratung?

Ulrike Steckkönig: Wenn Sie sich für die Wahlleistung „Chefarzt“ im Krankenhaus entschieden haben, werden alle Behandlungen und Untersuchungen von Chefärzten in Rechnung gestellt: Sie bekommen dann Rechnungen von jedem beteiligten Arzt, zu, Beispiel vom Anästhesisten für die Narkose, vom Radiologen für die Röntgenuntersuchung, usw. Wenn Sie allerdings den Eindruck haben, dass Leistungen doppelt abgerechnet wurden, ist das etwas anderes. Sie sollten dann umgehend bei den betreffenden Ärzten nachfragen, ob sie sich vielleicht geirrt haben. Eine neutrale Beratung gibt es für solche Fälle leider nicht. Manche privaten Krankenversicherer bieten jedoch an, sich direkt mit den Ärzten auseinanderzusetzen, falls es Unstimmigkeiten bei den Rechnungen gibt.

citiofnews: Meine Frau ist im 2. Monat schwanger, kann ich noch für Sie eine Krankenhauszusatzversicherung abschließen?

Ulrike Steckkönig: Für die Geburt des Kindes wird Ihnen eine solche Versicherung nichts mehr nützen. Zum einen sind „laufende Behandlungsfälle“ grundsätzlich ausgeschlossen. Zum anderen gilt bei diesen Versicherungen eine allgemeine Wartezeit von acht Monaten, bis Versicherte erstmals Leistungen in Anspruch nehmen können.

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