Vorerkrankungen und Alter

Moderator: Uns haben viele Fragen zum Thema Vorerkrankungen und Vertragsabschluss erreicht, dafür stellvertretend diese:

Breut: Lohnt sich eine Versicherung, wenn ich an einer chronischen Krankheit leide?

Ulrike Steckkönig: In diesem Fall werden Sie wahrscheinlich Schwierigkeiten haben, einen Vertrag zu bekommen. Die Versicherer müssen Kunden nicht annehmen, sie können sie wegen Vorerkrankungen ablehnen oder Risikozuschläge von ihnen verlangen. Welche Erkrankungen bei jedem einzelnen Versicherer zur Ablehnung führen, können wir Ihnen leider auch nicht sagen. Die Annahmerichtlinien sind Geschäftsgeheimnis der Versicherer.

Alic: Habe angeborene Hüftdysplasie und -luxation, bisher wurde von den Versicherungen bereits vorhandene Erkrankungen ausgeschlossen. Gibt es mittlerweile Angebote, welche solche Erkrankungen noch bezahlbar anbieten?

Ulrike Steckkönig: Leider können wir zu einzelnen Krankheitsbildern keine konkreten Informationen bieten. Nur so viel: Wenn Sie es schon bei mehreren Versicherern probiert haben, verschlechtert das automatisch Ihre Chancen, beim nächsten Versuch angenommen zu werden. Sie müssen nämlich auch Ablehnungen durch andere Gesellschaften im Antrag angeben.

Mmx: Ich bin 52 Jahre alt und habe z.B. Rückenprobleme. Wie gehe ich vor, um evtl. doch noch eine Zusatzversicherung zu bekommen? Eventuelle Aufschläge würde ich in Kauf nehmen.

Ulrike Steckkönig: Lassen Sie sich von einem unabhängigen Versicherungsberater oder -makler helfen und stellen Sie gleichzeitig Anträge bei mehreren Versicherern. Die Versicherer haben sehr unterschiedliche Regeln, welche Aufschläge sie für welche Erkrankungen erheben. Wichtig ist allerdings, dass Sie alle Gesundheitsfragen im Antrag vollständig und ehrlich beantworten und nichts verharmlosen.

Alfa: Gilt die Ablehnung auch für psychische Vorerkrankungen (Angsterkrankungen)?

Ulrike Steckkönig: Sie müssen alle Fragen beantworten, die der Versicherer im Antrag stellt. Falls er beispielsweise nach Behandlungen in den zurückliegenden fünf Jahren fragt, gehören auch psychotherapeutische Behandlungen dazu. Ob ein Versicherer Sie deswegen ablehnt, kann man im Voraus nicht sagen. In der privaten Vollversicherung ist es jedoch so, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen es schwer haben, einen Vertrag zu bekommen.

Bernd: Zur Angabe der Vorerkrankungen: Müssen alle Krankenhausaufenthalte im Leben aufgeführt werden? Was ist, wenn man eine lang zurückliegende Krankheit vergisst?

Ulrike Steckkönig: Sie müssen im Antrag alles angeben, wonach der Versicherer fragt. Fragt er nach allen Behandlungen lebenslang, müssen Sie alle auflisten. In der Regel beschränkt sich die Frage aber auf einen bestimmten Zeitraum. Fragen Sie noch einmal bei Ihren Ärzten nach, wenn Sie sich unsicher sind. Außerdem müssen Sie Ihre behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbinden. Der Versicherer hat also die Möglichkeit, von diesen Unterlagen anzufordern. Falls Sie etwas nicht angegeben haben, gefährden Sie Ihren Versicherungsschutz. Bei versehentlichen Falschangaben darf der Versicherer Sie nach dem neuen Versicherungsvertragsgesetz zwar nicht mehr ganz aus dem Vertrag werfen, er darf aber rückwirkend Leistungsausschlüsse oder Beitragszuschläge verhängen. Unter Umständen müssen Sie erhaltene Leistungen zurückzahlen.

Maike: Gibt es einen Weg, trotz chronischer Krankheit (Hashimotosyndrom) sowie einer Verhaltenstherapie vor sechs Jahren eine Krankenhauszusatzversicherung zu erhalten?

Ulrike Steckkönig: Da ich keine Ärztin bin, kann ich zu Ihrem konkreten Krankheitsbild keine Stellung nehmen. Insgesamt ist es jedoch für chronisch Kranke schwierig, eine private Zusatzversicherung abzuschließen – insbesondere, wenn sie wegen ihrer Erkrankung auch schon einmal im Krankenhaus behandelt wurden. Sie könnten es mit Hilfe eines unabhängigen Versicherungsberaters oder -maklers versuchen. Lassen Sie sich aber möglichst nicht auf ein Vertragsangebot mit Leistungsausschlüssen ein – wenn genau für Ihre Erkrankungen und alle denkbaren Folgen davon die Leistung ausgeschlossen ist, haben Sie nur noch wenig Nutzen von einer solchen Versicherung.

Gabriele: Meine Mutter wird im Februar 73. Da online für dieses Alter keine Berechnungen durchgeführt werden, wüsste ich gerne, wie hoch der Betrag in etwa wäre. Herzlichen Dank.

Ulrike Steckkönig: Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz dürfen die Versicherer niemanden mehr wegen seines Alters ablehnen. Allerdings ist für Menschen ab 60 ein Vertragsschluss weiterhin fast unmöglich, da sie ja auch die Gesundheitsfragen beantworten müssen. Die günstigsten Angebote in unserem Test kosten für 43-jährige Neukunden etwa 35 bis 40 Euro im Monat, ein 63-jähriger vollständig gesunder Mensch müsste schon etwa 69 bis 84 Euro im Monat zahlen. Über 70-Jährige wahrscheinlich noch deutlich mehr.

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