Chat Krankenhaus-Zusatzversicherungen Meldung

Chefarztbehandlung und Unterbringung in einem Ein- oder Zweibettzimmer auch für Kassenpatienten. Mit einer Krankenhaus-Zusatzversicherung ist das möglich. Doch für wen lohnt sich die Police? Fragen zum Thema beantwortete die Finanztest-Expertin Ulrike Steckkönig im Chat auf test.de. Lesen Sie die Antworten.

Moderator: So, es ist 13 Uhr. Gleich die erste Frage an unsere Expertin: Können wir starten?
Ulrike Steckkönig: Ja, gerne!

Test Krankenhaus-Zusatzversicherungen

Moderator: Aus den bisher hier eingelaufenen Fragen kann man sehen, dass unsere Chatterinnen und Chatter einen sehr unterschiedlichen Wissensstand haben: Was hat denn die Stiftung Warentest aktuell an Krankenhaus-Zusatzversicherungen getestet und was waren die zentralen Ergebnisse?

Ulrike Steckkönig: Wir haben Krankenhaus-Zusatzversicherungen aller privaten Krankenversicherer getestet, die die Mehrkosten für die Unterbringung im Ein- oder Zweibettzimmer und die Chefarztbehandlung im Krankenhaus übernehmen. „Pakete“, in denen außerdem weitere Leistungen wie Heilpraktikerbehandlung oder Zahnersatz enthalten sind, haben wir nicht getestet. Drei Angebote in unserem Test haben ein Qualitätsurteil „sehr gut“ erhalten. Besonderen Wert haben wir auf das aktuelle Preis-Leistungs-Verhältnis sowie auf die Beitragsentwicklung in den letzten acht Jahren gelegt.

HB: In Versicherungsratgebern wird zwischen Restkostentarifen und Wahlleistungstarifen unterschieden. Restkostentarife würden auch höhere Tagespflegesätze erstatten und wären daher zu empfehlen. In der aktuellen Finanztest-Ausgabe wird gar nicht von diesen beiden Tarifarten gesprochen. Sind das alles Restkostentarife oder sind das nur die Tarife, die auch die Mehrkosten für allgemeine Krankenhausleistungen bei der Wahl eines anderen als auf der Einweisung genannten Krankenhauses übernehmen? Für eine Beantwortung wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Ulrike Steckkönig: In unserem Test haben wir Tarife ausgewiesen, die auch die Mehrkosten übernehmen, wenn der Versicherte ein teureres als das auf der ärztlichen Einweisung genannte Krankenhaus aufsucht. Das ist bei den meisten der „sehr gut“ oder „gut“ bewerteten Tarife der Fall. Dieser Punkt spielt jedoch keine so große Rolle mehr, weil sich die Kosten für Krankenhausbehandlungen seit der Einführung der diagnosebezogenen Fallpauschalen (DRGs) ohnehin immer mehr angleichen. Außerdem legen auch die gesetzlichen Kassen Wert darauf, dass ihre Versicherten in Krankenhäuser gehen, die für den jeweiligen Eingriff spezialisiert sind.

Günder: In Berlin ist es nicht unüblich, dass in Krankenhäusern die Betten schon auf den Gängen stehen und man in der Notaufnahme bis zu fünf Stunden wartet, bis man auch nur eine Schwester sieht. Ist Chefarztbehandlung und Einzelzimmerunterbringung in Großstädten nicht utopisch?

Ulrike Steckkönig: Wie die Realität in den Krankenhäusern aussieht, haben wir bei diesem Test nicht untersucht. Natürlich kann auch eine Zusatzversicherung nicht garantieren, dass jeder Patient sofort die erforderliche Behandlung und Aufmerksamkeit im Krankenhaus bekommt. Es erhöht sich aber sicherlich die Chance, im Krankenhausbetrieb wahrgenommen zu werden, wenn der Chefarzt ein finanzielles Interesse an der Behandlung hat. Das ist zwar nicht gerecht und medizinisch vielleicht auch nicht immer sinnvoll – aber kann möglicherweise helfen.

Michael: Meine Frau und ich wollen eine Zusatzversicherung für einen evtl. Krankenhausaufenthalt im Zweibettzimmer mit Chefarztbehandlung und eine Zusatzversicherung für Zahnerhalt abschließen. Sind beide 62 Jahre alt. Wie sicher sind die Neuanbieter? Ist es besser bei den altbewährten Anbietern zu bleiben? Ist z.B. Karstadt/Quelle genau so gut einzustufen?

Ulrike Steckkönig: Die jungen Tarife in unserem Test haben nur deswegen noch kein Qualitätsurteil von uns bekommen, weil sie noch nicht so lange auf dem Markt sind und wir daher die Beitragsentwicklung in den letzten acht Jahren nicht bewerten konnten. Über die Unternehmen, die diese Tarife anbieten, sagt das nichts aus. In jedem Versicherungsvertrag garantiert der Versicherer, dass er den Kunden nicht kündigt, und die Beiträge müssen so kalkuliert sein, dass der Versicherer auch langfristig die Verträge erfüllen kann. Tipp: Wenn Sie zwei Angebote haben, die ein gleich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben, gehen Sie lieber zu dem, der schon länger am Markt ist und dessen Beiträge in der Zeit keine ungünstige Entwicklung genommen haben.

Anbieter wechseln

Bernd: Lohnt ein Wechsel zur einer sehr guten Versicherung allein des Preises wegen oder verliert man ggf. irgendwelche Leistungsrechte aus der bisherigen Versicherung, z.B. bei der Signal Iduna?

Ulrike Steckkönig: Ein Wechsel ist nur dann interessant, wenn das neue Angebot sehr viel besser oder günstiger ist als Ihre aktuelle Versicherung. Denn die Beitragshöhe richtet sich ja nicht nur nach Ihrem – jetzt höheren – Eintrittsalter, sondern auch nach Ihrem Gesundheitszustand. Sie sollten auf jeden Fall abwarten, bis Sie einen neuen Vertrag haben, bevor Sie die alte Versicherung kündigen – für den Fall, dass der neue Versicherer Sie ablehnt.

Sibama: Ich bin 1963 geboren, weiblich und seit meinem 18. Lebensjahr zusatzversichert, d.h. Zweibettzimmer plus Chefarztbehandlung. Ich zahle dafür 32.79 EUR im Monat. Ganz taufrisch bin ich gesundheitlich nicht mehr. Bandscheibenvorfälle sind vorhanden. Lohnt sich denn ein Versicherungswechsel zu einer leistungsstärkeren Versicherung, weil ich auch evtl. an einem Upgrade zum Einbettzimmer interessiert bin? Für Ihre Antwort bedanke ich mich.

Ulrike Steckkönig: Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Sie bei einem anderen Anbieter ein günstigeres Angebot – oder ein leistungsstärkeres zum gleichen Preis bekommen. Unsere 43-jährige gesunde Modellkundin zahlt bei den günstigsten Einbettzimmertarifen etwa 35 bis 40 Euro im Monat. Mit Ihrer Vorerkrankung müssen Sie außerdem damit rechnen, dass ein anderer Versicherer Sie gar nicht oder nur mit Risikozuschlägen versichert. Auch das „Upgrade“ beim jetzigen Versicherer wäre mit einer erneuten Antragstellung – mit Gesundheitsfragen – verbunden.

Kündigung nach Leistungsfall

RRR2: Wie ist das Kündigungsverhalten der Versicherer, wenn ein Krankenhausaufenthalt notwendig war (Leistungsfall). Reagiert anschließend die Versicherung mit einer Kündigung des Vertrages (wie oft bei Rechtsschutzversicherungen) oder nicht? Welche Kündigungsrechte bestehen ?

Ulrike Steckkönig: Anders als in der Rechtsschutzversicherung haben Krankenversicherer kein Kündigungsrecht nach einem Leistungsfall. Wenn sie einen Kunden einmal angenommen haben, müssen sie ihn behalten und die vereinbarten Leistungen erbringen – vorausgesetzt, der Kunde zahlt immer seine Beiträge. Kündigen kann nur der Kunde.
Nur, wenn der Kunde Falschangaben im Antrag gemacht hat oder versucht hat, den Versicherer zu betrügen, kann dieser kündigen oder im Fall arglistiger Täuschung vom Vertrag zurücktreten.

Einbettzimmer „dazukaufen“

Alfa: Für mich wäre das Einbettzimmer der wichtigste Grund, eine solche Versicherung abzuschließen. Gibt es so etwas auch ohne Chefarztbehandlung?

Ulrike Steckkönig: Für das Ein- oder Zweibettzimmer alleine gibt es keine private Zusatzversicherung. Allerdings haben Sie auch die Möglichkeit, sich ohne Versicherung das bessere Zimmer „dazu zu kaufen“. Je nach Klinik und Abteilung liegen die Aufpreise zwischen 50 und 100 Euro pro Tag.

Sunny: Man kann auch im Krankenhaus, falls Kapazitäten vorhanden sind, noch für ein Zweibettzimmer z.B. zuzahlen. Ist das nicht preiswerter, als eine laufende Zusatzversicherung abzuschließen?

Ulrike Steckkönig: Wir empfehlen eine Krankenhaus-Zusatzversicherung ohnehin für Leute, denen es nicht nur um das Zimmer geht. In der Tat kann man das Ein- oder Zweibettzimmer auch so bekommen. Allerdings weiß niemand im voraus, wie oft und wie lange er ins Krankenhaus muss. Deshalb ist eine solche Kosten-Nutzen-Rechnung nicht möglich.

Günstige Anbieter suchen

Horst: Ich habe alle meine Zusatzversicherungen (Zahn, Krankenhaus, etc.) bei einem Anbieter. Macht das Sinn? Ich denke, wenn man die einzelnen Produkte vergleichen würde, könnte man noch Geld sparen.

Ulrike Steckkönig: Wir empfehlen tatsächlich, für jede einzelne Versicherung nach dem optimalen Angebot zu suchen – auch wenn man dadurch Verträge mit mehreren Versicherungsgesellschaften hat. Allerdings kann es sich gerade bei Verträgen, die schon länger bestehen und die damals zu sehr günstigen Konditionen abgeschlossen wurden, durchaus lohnen „dabei zu bleiben“. Außerdem geben manche Versicherer Rabatt, wenn der Kunde mehrere Verträge bei ihnen abschließt.

Versicherer zahlt nicht

Mimudo: Für meinen Sohn, der in der Ausbildung ist, haben wir eine solche Zusatzversicherung abgeschlossen. Bei ihm sollen jetzt die Weisheitszähne entfernt werden. Dies wollte er gerne in einer Klinik als „Rundumschlag“, also alle vier auf einmal, machen lassen. Die gesetzliche Krankenversicherung hat eine Extraktion im Krankenhaus abgelehnt. Der Zusatzversicherer auch, mit dem Hinweis, dass nur Zusatzleistungen bezahlt werden, wenn auch die gesetzliche Krankenversicherung die Behandlung bezahlen wird. Was macht also eine Zusatzversicherung für einen Sinn, wenn die sich gegenseitig sperren?

Ulrike Steckkönig: Das ist für Sie tatsächlich eine sehr unangenehme Situation. Allerdings „sperren“ sich die beiden Versicherungen nur in solchen Fällen, in denen strittig ist, ob eine Behandlung stationär im Krankenhaus gemacht werden muss. Bei langwierigen oder schweren Erkrankungen wird dieses Problem in aller Regel nicht auftreten. Die gesetzlichen Kassen müssen die Kranken­haus­behandlungen bezahlen, wenn diese medizinisch notwendig sind und eine ambulante Behandlung nicht in Frage kommt. Schauen Sie einmal nach, ob Ihre Zusatzversicherung die Mehrkosten übernimmt, wenn Sie den Eingriff ambulant im Krankenhaus durch einen Chefarzt machen lassen. Das würde zwar noch nicht Ihr Problem lösen, dass Sie einen stationären Aufenthalt wünschen – aber falls es Ihnen um den Arzt geht, wäre das eventuell eine Lösung.

Dieser Artikel ist hilfreich. 526 Nutzer finden das hilfreich.