Chat Holzpellets Meldung

Holzpelletkessel und Solaranlagen sind Investitionen in die Zukunft: Sie arbeiten umweltgerecht und nahezu klimaneutral. Doch die Anlagen sind teuer. Die Investition will gut geplant sein. Welche Technik bringt den besten Ertrag? Wie lassen sich Holz- und Sonnenenergie kombinieren? Wo gibt es Zuschüsse vom Staat? Die Energieexperten der Stiftung Warentest geben Antwort.

Experten im Chat

Die Energieexperten der Stiftung Warentest, Peter Schick und Michael Koswig, chatteten mit Lesern auf test.de. Am Mittwoch, 1. Juli 2009. Lesen Sie hier das Protokoll des moderierten Chats.

Moderator: Herzlich willkommen zum test.de-Expertenchat! Ihre Fragen rund um das Thema Holzpellet-Heizungen und Solaranlagen und das Heft test Spezial Energie beantworten heute Michael Koswig und Peter Schick, Energieexperten der Stiftung Warentest. Können wir starten?

Peter Schick und Michael Koswig: Ja!

Verbraucherzentralen helfen

brummbär: Einfamilienhaus Baujahr 1974, 240qm Wohnfläche,Ölniedertemperaturheizung, Heizkörper, Ölverbrauch von 2006–2009 zwischen 2600 bis 3000 Liter Öl. Winkelbau, Dachneigung 28°. 1.Dachfläche 19° SO, 2.Dachfläche 71° SW. Geplant Solaranlage WW und Heizungsunterstützung. VL 53° bei minus 10°. Was empfehlen Sie: Größe Kollektorfläche, Pufferspeicher, Größe Friwa, Anstellwinkel Kollektoren?

Michael Koswig: Für Bemessungen kommt man um eine Besichtigung vor Ort nicht herum – dies können wir von hier aus leider nicht seriös tun, wir bitten um Verständnis. 1. Schritt: Unabhängige Energieberatung, z.B. durch die Verbraucherzentralen oder einen BAFA-Vor-Ort-Berater.

Solaranlage liefert Warmwasser

DLKF: Wo liegen die Vorteile einer solaren Brauchwassererwärmung in Kombination Pelletheizung und ist dieses System wirtschaftlicher als eine reine Pelletheizung?

Peter Schick: Solare Trinkwassererwärmung reduziert die Anzünd- und Starthäufigkeit des Pelletkessels. Gerade dabei sind Wirkungsgrad und Emmissionen deutlich schlechter als im Dauerbetrieb bei hoher Last. Die staatlichen Zuschüsse lassen sich mit dieser Kombination optimal ausschöpfen.

de Janeiro: In ihren test Spezial ist auf Seite 85 zu lesen, dass Holzpelletkessel vor allem bei Teillast relativ ungünstige Wirkungsgrade erzielen. Lässt sich dieses Problem durch zumindest für die Sonenmonate durcheine Solarunterstützung beheben?

Peter Schick: Die Vermutung ist richtig. Eine Solarunterstützung hilft dabei, dass der Pelletkessel weniger oft in ungünstigen Teillastzuständen arbeiten muss, und damit insgesamt effektiver wird... auch die Schadstoffbelastung im Abgas geht dadurch zurück. In den Sommermonaten kann der Pelletkessel dann ganz abgeschaltet werden.

Feinstaub kein großes Problem

barheine: Wie sieht es mit der Feinstaubbelastung durch die Verbrennung von Holzpellets aus?

Peter Schick: Wir haben Gesamststaubkonzentrationen gemessen. Diese festgestellten Mengen sind zwar höher als bei Gas- oder Ölheizungen aber im Vergleich zu anderen Holzheizungen haben die Pelletkessel weniger Staub im Abgas. Pelletkessel werden auch mit dem blauen Engel gekennzeichnet, diese haben noch strengere Grenzwerte zu erfüllen. In der Gesamtstaubbilanz darf man nicht vergessen dass auch andere Quellen zur Gesamtbelastung beitragen, insbesondere Straßenverkehr.

Pelli: Auch gute Pellets führen zur Versinterung. Wie kann man dies verhindern?

Peter Schick: Versinterung passiert weder alleine aufgrund von Pelleteigenschaften, noch alleine wegen des Pelletkessels. Mehrer ungünstige Umstände müssen hier zusammentreffen. Besonders zu beachten ist die Lieferung durch einen Betrie, der für die Pelletlogistik zertifziert ist... weil dieser die vielen möglichen Verschlechterungen der Pelletqualität entlang der Lieferkette minimieren kann. Zahlreiche Tipps zu Transport und Lagerung finden Sie im test Spezial Energie. Im Test fanden wir bei keinen der geprüften DINplus-Qualitäten (Sackware, entspricht etwa loser Ware ab Werk). Anlass zur Besorgnis, ebenfalls nicht bei den geprüften Pelletkesseln.

Zuschüsse vom Staat

Theo: Wie kompliziert ist es, Zuschüsse zu beantragen?

Michael Koswig: Das ist recht einfach. Ausführliche und verständliche Informationen gibt es unter www.bafa.de sowie in unserem test Spezial Energie. Das BAFA ist das zuständige Bundesamt.

Mike: Noch sind Pellets relativ günstig. Wie wird sich der Preis entwickeln, wenn immer mehr Leute damit heizen? Gibt es in Deuts. genug Lieferanten bzw. Hersteller?

Michael Koswig: Es hat sich mittlerweise ein recht gut funktionierender europäischer Markt etabliert. Auch die Logistik ist inzwischen so weit ausgereift, dass der Markt auch bei stärkerer Nachfrage funktioniert. In Europa ist reichlich Holz vorhanden um auch eine deutlich stärkere Nachfrage als die derzeitige nachhaltig zu befriedigen. Insofern ist davon auszugehen, dass die Pelletpreise zumindest weniger anfällig für Preissteigerungen sein werden, als andere Rohstoffe, die zb überwiegend importiert werden müssen (wie Öl oder Gas). Bei diesen spielen teilweise auch politische Einflüsse eine Rolle.

Pelletkessel lohnt sich

michael: rechnet sich eine pelletsheizung für ein Einfamilienhaus mit 2500l Heizölverbrach?

Michael Koswig: Unter der Voraussetzung dass der Ölheizkessel schon einige Jahre „auf dem Buckel hat“, kann der Wechsel sehr sinnvoll sein. Insbesondere auch deshalb, weil die Zuschüsse für neue Pelletanlagen derzeit sehr attraktiv sind. Wieviel Geld sich auf Dauer sparen lässt, hängt auch stark davon ab, in welchem Maße die Ölpreise künftig steigen werden.

reno: Unsere Heizanlage wird umgestellt. Geplant ist ein Pelletkessel (5–15kW) mit Solaranlage. Wieviel Energieeinsparung bringt ein Pufferspeicher im Vergleich zu einem herkömmlichen Warmwasserspeicher (400l für 6 Personen). Was sind die Vorteile und Nachteile eines Warmwasserspeichers für die Solaranlage bzw. die eines Pufferspeichers?

Peter Schick: Eine Frischwasserstation am Pufferspeicher erhitzt das benötigte Warmwasser wie ein Durchlauferhitzer erst bei Bedarf. Der Pufferspeicher ermöglicht es dem Pelletkessel, häufiger bei Vollast zu arbeiten und minimiert die Anzahl der ungünstigen Start- und Anzündvorgänge.

Solaranlage schont die Umwelt

JoRapp: Lohnt sich eine Solaranlage in unseren Breitengraden überhaupt? Wir haben ausgerechnet, dass sich eine solche Investition erst in ca. 20 Jahren rentiert.

Peter Schick: Für die Umwelt rentiert es sich nach etwa 2 Jahren, weil dann die Solaranlage effektiv mehr Energie gewinnt, als sie bis dahin bei der Produktion verbraucht hat. Wirtschaftlich ist die Amortisationszeit länger, dies ist sehr stark abhängig von Zinssätzen, Kaufpreisen und vor allem von den Preisentwicklungen für Öl und Gas in den nächsten 20 Jahren. Dies kann niemand voraussehen.

barny: Welche Sonnenkollektoren eigenen sich besonders für den „winterbetrieb“. Die Bafa schreibt zwar einen Jahresgewinn vor, der wird aber meist im Sommer abgedeckt... Worau muss man beim Kauf achten? Gibt´s eine Kennzahl, die bei der Auswahl hilft (und die auch verfügbar ist)?

Peter Schick: Bei den Anlagen aus unserem test wurde ein ganzes Jahr Betrieb simuliert und so die entsprechenden Energieeinsparungen ermittelt. Dabei gibt es zwischen Vakuumröhren und Flachkollektoren kaum Unterschiede, weil die Energieeinsparungen vom Zusammenspiel aller Systemkomponenten abhängt. Auch vom Speicher, Regelung, nicht nur vom Kollektor alleine. Die solaren Gewinne sind auch in den Übergangszeiten noch ganz erheblich, im Winter bei kalten Außentemperaturen können die Vakuumröhren noch länger Energie gewinnen, als Flachkollektoren.

Michael Koswig: Um sowohl Flach- als auch Vakuumkollektoren im Winter zu optimieren, kann es sich lohnen, sie relativ schräg aufzustellen, damit sie die tiefstehende Wintersonne optimal einfangen können. Unter dieser schrägen Aufstellung leidet dann zwar im Sommer der Wirkungsgrad bei sehr hochstehender Sonne, dies ist aber in der Praxis unproblematisch, weil im Sommer die Anlagen ohnehin einen sehr großen Überschuss an Wärme bereitstellen. Oft schalten sich die Anlagen bereits im Laufe des Vormittags ab, weil der Speicher voll ist.

Holzpellets fast klimaneutral

horbiradio: Warum sprechen Sie bei Pelletsheizungen von „umweltfrendlich“? Dies trifft allenfalls für das CO2 erst zu, wenn ein Gleichgewicht zw. Anbau u. Ernte erreicht ist.

Peter Schick: Die Verbrennung von Holzpellets ist sehr CO2-arm und damit annähernd klimaneutral, weil das freigesetzte CO2 auch bei Verrottung des Baumes im Wald entstanden wäre. Es wird also in jedem Fall wieder soviel CO2 freigesetzt, wie der Baum in seiner Lebensphase zuvor gebunden hatte. Derzeit werden die Holzpellets überwiegend aus Sägespänen und Waldrestholz hergestellt. Nutzungskonkurrenten bestehen zb zu Spanplattenherstellern und Papierherstellern. Den europäischen und den deutschen Wäldern wird derzeit aber nicht mehr Holz entnommen, als nachwächst. Problematisch sind bei Holzfeuerungen die Abaswerte wie Kohlenmonoxid, Staub und bei unvollständiger Verbrennung entstehende Kohlenwasserstoffe in geringer Menge. Der größte Teil davon geht allerdings auf die Scheitholzverbrennung zurück, da hier viele manuelle Eingriffe und damit fehlbedienungen möglich sind von der Luftzufuhr bis zu ungeeigneten Brennstoffen. Die Emissionen der automatisch arbeitenden Pelletkessel liegen deutlich unterhalb derjenigen, die bei Scheitholzverbrennung entstehen.

Heizen und Kühlen

frank: Es gibt bereits Blockheizkraftwerke die heizen, kühlen und Strom erzeugen können, gibt es dies auch in der Kombination mit Holzpellets mit vergleichbaren Ergebnissen? Wenn ja welche Anbieter gibt es hier?

Peter Schick: Solche Miniblockheizkraftwerke in der Größenklasse von 1–2 Familienhäuser sind uns auf der Basis von Holzpellets als Brennstoff nicht bekannt, in de Regel sind die Anbieter hier noch mit großen Feldversuchen tätig. Die Mini-BHKW haben sich noch nicht weit im Markt durchgesetzt, weil sie in der Regel noch zu teuer sind.

Michael Koswig: Zum Stichwort Kühlung: Solarkollektoren können mit speziellen Montagegestellen auch an der Fassade angebracht werden, so dass sie im Sommer die darunter liegenden Fenster beschatten. Auf diese Weise kann eine Überhitzung der dahinter liegenden Räume sehr effizient verhindert werden.

Fortsetzung:  Chat Holzpellets und Solaranlagen - Teil 2

Test: Die besten Holzpelletkessel für Sie
Test: Holzpellets - Sackware mit Prädikat

Dieser Artikel ist hilfreich. 263 Nutzer finden das hilfreich.