Chat Handys und Tarife Meldung

Viele Handybesitzer sind laut einer test.de-Umfrage besonders unzufrieden mit Kamera und Akku. Bei den Telefonkosten gibt es die Chance zum Sparen. Alle Fragen zu Handys und Tarifen beantworten die test-Experten Sandra Müller und Michael Wolf auf test.de.

Nach günstigen Verträgen schauen

Moderator: So, unsere Gäste sind eingetroffen, gleich die erste Frage in die Runde: Können wir starten?
Sandra Müller und Michael Wolf: Ja, gern!

Dan.S: Gibt es überhaupt noch Vorteile bei einer Vertragsverlängerung? Bei meiner letzten Anfrage an meinen Provider konnte ich keine Vorteile gegenüber Neukunden entdecken, was vor einigen Monaten noch anders aussah (Gutschrift eines Gesprächsguthabens etc.). Welchen Spielraum hat der Kunde bei Vertragsverlängerungen? Kann man z.B. auch etwas am jeweiligen Tarif selbst feilen oder Ähnliches?

Sandra Müller: Das hängt ganz vom Anbieter ab, im Regelfall kann man sich ein neues Handy aussuchen (eventuell mit Zuzahlung) oder bekommt eine Gutschrift. Natürlich kann man versuchen mehr Frei-SMS oder Frei-Minuten bei der Verlängerung zu bekommen, diese Fragen lassen sich meist in einem persönlichen Gespräch mit einem Kundenberater klären. Je nach Telefonverhalten und Grundgebühr des Vertrags kann heutzutage ein Prepaid-Vertrag sowieso günstiger sein als ein Vertrag. Hilfe zum Tarifvergleich finden Sie auf test.de unter der Hitliste Handytarife.

Michael Wolf: Wenn der jetzige Vertrag seinem Ende entgegen geht, ist das eine gute Gelegenheit, sich nach günstigeren Alternativen umzusehen. Denn ein Tarif, der schon seit zwei Jahren läuft, ist heute angesichts der stetig sinkenden Mobilfunkpreise sicher nicht mehr besonders günstig. Also im Zweifelsfall lieber den Tarif oder sogar den Anbieter wechseln, anstatt zu verlängern.

Prepaid-Tarife für Wenigtelefonierer

Samir: Früher waren Verträge ja ganz gut, um immer halbwegs günstig neue Handys zu bekommen. Lohnt sich das als Wenigtelefonierer angesichts der Handyangebote ohne Bindung noch?

Wolfgang Sachs: Ich bin ein Wenigtelefonierer. Welcher Tarif ist da der beste?

Sandra Müller: Nein, denn für Wenigtelefonierer empfehlen wir schon länger Prepaid-Tarife oder Postpaid ohne Mindestvertragslaufzeit. Es gibt mittlerweile Tarife für 8 Cent pro Minute und 8 Cent pro SMS zum Beispiel bei discoTel, FlexiShop, maxxim im D1-Netz sowie auch igge&Ko und solomo im E-Plus-Netz.

Michael Wolf: Unabhängig davon ob Viel- oder Wenigtelefonierer, zahlt man meist insgesamt weniger, wenn man sich sein Wunschhandy besonders günstig, z.B. im Onlinehandel, besorgt und unabhängig davon einen möglichst günstigen Tarif ohne Handy sucht.

Shane: Wie kann ich mit einer Prepaid-Karte möglichst lange und günstig telefonieren?

Sandra Müller: Wenn man häufig kurze Telefonate führt, muss man eher auf die Taktung achten, d.h. die Art und Weise, wie der Minutenpreis auf die tatsächliche Gesprächslänge umgerechnet wird. Ob zum Beispiel sekundengenau, im Zehntelsekundentakt oder pro angebrochener Minute abgerechnet wird. Wer dagegen meistens sehr lange Gespräche hat, muss darauf nicht so sehr achten und kann dann einen Tarif mit günstigem Minutenpreis wählen.

Günstige Tarife haben mitunter teure Hotline

Florian: Welche Discounttarife, die im Postpaid-Verfahren bezahlt werden können, sind zu empfehlen? Auf was muss man bei diesen Anbietern besonders achten?

Sandra Müller: Es gibt für Wenigtelefonierer, für Normaltelefonierer und für Vieltelefonierer günstige Postpaid-Tarife, zum Beispiel den klarmobil Handy-Spar-Tarif im O2-Netz und im D1-Netz für 9 Cent /Minute und 9 Cent/SMS. Man muss allerdings bei diesen günstigen Tarifen darauf achten, dass oftmals die Hotline recht teuer ist (hier: 99 Cent/Minute) und auch Anrufe, SMS und MMS ins Ausland können teuer sein.

Kleine: Ich habe immer Probleme mit der Bezeichnung Viel- und Wenigtelefonierer. Wann gilt man als Wenigtelefonierer?

Michael Wolf: Das ist Definitionssache. Wir sind bei unseren Profilen eher konservativ. Der Wenigtelefonierer telefoniert bei unseren Profilen 30 Minuten und verschickt 14 SMS, der Vieltelefonierer telefoniert 180 Minuten und verschickt 79 SMS im Monat.

Windows-Mobile-Geräte mit Stärken und Schwächen

Dan.S: Das neue HTC Modell HD2 ist nun auf dem Markt und die Vergleiche zwischen diesem Gerät und dem iPhone reißen nicht ab. Ganz ohne Relation zum iPhone gesehen: Gibt es von Ihrer Seite eine Kaufempfehlung für das Gerät oder sollte man aus verschiedenen (schwerwiegenden) Gründen von einem Kauf absehen? (Als Negativaspekte gelten ja immer noch das OS Windows Mobile 6.5, kein OLED-Display, Akkuleistung etc.).

Michael Wolf: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich zu einem Gerät, zu dem wir noch keinen Test veröffentlicht haben, keine detaillierten Angaben machen kann. Bei diesem Gerät werden Sie erwarten können, dass es die grundsätzlichen Stärken und Schwächen von Windows-Mobile-Geräten teilt. Positiv also z.B. der große Funktionsumfang schon bei Auslieferung und die sehr umfangreiche Outlook-Synchronisation. Negativ vielleicht, dass die Benutzerführung auch unter Windows Mobile 6.5 nicht unbedingt die benutzerfreundlichste der Welt ist.

Magic: Handy, prepaid, simlockfrei, gute Kamera, ca. 100 Euro. Welche Empfehlung?

Michael Wolf: Da muss ich leider passen, Handys mit guter Kamera kosten meistens deutlich mehr als 100 Euro. Das günstigste Handy mit „guter“ Kamera im aktuellen Test ist das Samsung S7220 ultra classic für 330 Euro. Ältere Modelle gibt es sicher auch günstiger, aber gute Kamera für 100 Euro wüsste ich nicht.

Günstige Handys bei Onlinehändlern

Enners: Wo bekomme ich noch ein vertragsfreies, einfaches, günstiges Handy nur zum Telefonieren?

Michael Wolf: Grundsätzlich gibt es günstige, einfache Handys ohne Vertrag überall, wo man Handys kaufen kann. Allerdings ist das Angebot an einfachen Handys nicht besonders groß, da schon die Hersteller natürlich lieber teure Multimediahandys verkaufen. Auch werden die Mobilfunkshops der Netzbetreiber oder auch die Berater in den Elektronikmärkten grundsätzlich lieber teurere Handys und vor allem Handys in Verbindung mit einem teuren Vertrag verkaufen wollen. Daher wird man für einfache Handys ohne Vertrag leider nicht immer die optimale Beratung erwarten können. Wenn Sie sich bereits ein Gerät ausgesucht haben, das Sie haben wollen, werden Sie die günstigsten Angebote wahrscheinlich eher bei Onlinehändlern finden.

Heike: Wir bitten um eine Handy-Empfehlung im Preissegment zwischen 60 und 70 Euro. Wir waren bis Ende 2009 Kunden bei Vodafone und besitzen „alte“ Siemens Handys. Haben nun Prepaid-Karten gekauft. Zur Benutzung dieser muss die SIM von Vodafone entsperrt werden. Das ist laut Vodafone nicht möglich, da es Siemens nicht mehr gibt und somit keinen Entsperrcode. Wir sollen uns daher zwei neue Handys kaufen zwischen 60 und 70 Euro und bekommen das Geld dann erstattet. Eine Kamera muss es nicht haben und Musik auch nicht unbedingt abspielen. Hauptsache, man kann gut telefonieren und Tasten bedienen. Vielen Dank für Ihren Rat.

Michael Wolf: Im aktuellen Test in test 01/2010 haben wir drei „gute“ Einfachhandys, alle drei von Nokia: Das 2323 Classic für 55 Euro, das 2330 Classic für 59 Euro (das funktioniert auch in amerikanischen Netzen) und das wirklich sehr einfache 1661 für nur 39 Euro.

Wie Sie vorzeitig aus dem Vertrag kommen

BB: Ich habe einen Handy-Vertrag, der noch ein Jahr Laufzeit hat und mittlerweile nicht mehr so günstig ist. Gibt es Möglichkeiten so einen Vertrag früher zu kündigen?

Michael Wolf: Sie können bei Ihrem Mobilfunkanbieter nachfragen. Oft entlassen die ihre Kunden vorzeitig aus Ihren Verträgen, dafür verlangen sie allerdings eine „Abschlagszahlung“. Sie können sich erkundigen und dann durchrechnen, ob das für Sie sinnvoll wäre.

User122: Wie kann man die Kosten der Rufnummerportierung sparen?

Sandra Müller: Gar nicht. Wer seine bisherige Handyrufnummer mitnehmen möchte, sollte sich vorher informieren, ob die Rufnummermitnahme zum neuen Anbieter überhaupt möglich ist, denn der neue Anbieter ist nicht verpflichtet, die gewünschte Rufnummer zu übernehmen. Wenn er es tut, können zusätzliche Kosten entstehen. Diese entstehen aber meist nicht beim neuen, sondern beim alten Anbieter dafür, dass er die Rufnummer freigibt. Die Preise liegen ca. zwischen 20 und 30 Euro.

Mobil im Internet surfen

1pico: Ist es billiger, mit Stick und Laptop ins Internet zu gehen als über Handy und Laptop oder nur Handy allein?

Michael Wolf: Das hängt zunächst vom Tarif ab. Der Tarif bestimmt, wie viel man pro verbrauchtem Datenvolumen bezahlen muss. Dann kann es aber tatsächlich einen Unterschied machen, mit welchem Endgerät man mobil surft. Denn wenn man nur mit dem Handy surft, werden oft spezielle für Mobiltelefone aufbereitete Seiten aufgerufen, die weniger Datenverkehr verursachen, so dass man beim Surfen mit dem Handy beim selben Tarif, eventuell günstiger surfen kann, als wenn man mobil mit dem Laptop unterwegs ist. Wer wirklich sehr viel mobil surft und auch datenintensive Anwendungen wie YouTube oder Kartendienste nutzt, fährt natürlich in jedem Fall mit einem Flatrate-Tarif am besten.

BB: Lohnt es sich heutzutage überhaupt noch, einen Festnetzanschluss zu haben? Oder kann man mit günstigen Tarifen alles über das Handy laufen lassen? Auch Internet? Danke für Ihren Rat!

Michael Wolf: Prinzipiell ist das möglich. Wie gut und schnell die Internetverbindung über das Mobilfunknetz ist, hängt sehr stark vom jeweiligen Standort ab und davon, wie gut das Netz der jeweiligen Anbieter dort ausgebaut ist. Bevor man sich von seinem DSL-Anschluss verabschiedet, sollte man daher an den Orten, an denen man den mobilen Internetzugang vor allem nutzen möchte, zunächst mit einer geliehenen Mobilfunkkarte ausprobieren, wie gut die Datenverbindungen dort sind. Außerdem muss man bedenken, dass auch bei Flatrate-Tarifen für Datenverbindungen per Mobilfunk meist gewisse Einschränkungen des Datenvolumens gelten, indem zum Beispiel ab einem bestimmten verbrauchten monatlichen Datenvolumen die Verbindungsgeschwindigkeit extrem gedrosselt wird. Wer regelmäßig sehr große Datenmengen aus dem Netz herunterlädt, wird deshalb sicherlich mit DSL oder Kabel-Internet besser fahren.

Mit Prepaid-Karte das monatliche Surfvolumen testen

Kaiser F.: Ich möchte mir ein Smartphone anschaffen (für gelegentlichen Internet-Zugang). Von einem Freund habe ich gehört, dass sein iPhone ohne sein Wissen ständig Daten abfrage (zwecks Software-Update), wodurch für ihn horrende Kosten entstanden. Welches ist ein guter Tarif für Wenigtelefonierer, aber mit Daten-Flatrate (damit solche Horror-Rechnungen nicht entstehen können)?

Michael Wolf: Wenn Sie das Internet wirklich nur gelegentlich nutzen, brauchen Sie vielleicht gar keinen Flatrate-Tarif. Wahrscheinlich reicht schon ein Tarif mit einem ausreichenden monatlichen Inklusiv-Volumen, zum Beispiel von 500 MB oder ein GB.

Sandra Müller: Wenn man nicht genau weiß, wie viel man surft, würden wir dazu anraten, dass man sich zunächst eine Prepaid-Karte zum Surfen holt, um den monatlichen Volumenverbrauch zu testen. Es gibt z.B. günstige Volumentarife im E-Plus Netz von simyo, Aldi Talk, blau.de und allMobility. Allerdings sollte man beachten, dass im E-Plus-Netz nicht unbedingt der beste Netzausbau für Datenverbindungen besteht.

Michael Wolf: Wenn man sich entscheidet, keinen Flatrate-Tarif, sondern einen volumenbasierten Tarif zu nehmen, kann man unnötigen Datentransfer vermeiden, indem man datenintensive Anwendungen, wie z.B. das Herunterladen von Software, bei sich zu Hause über ein eigenes WLAN-Netz durchführt und Dienste am Handy, die automatisch Verbindungen herstellen, nach Möglichkeit deaktiviert.

Sandra Müller: Die Flatrates lohnen sich wirklich nur für den Vielnutzer, zumeist sind sie mit einer Mindestvertragslaufzeit und Grundgebühr verbunden. Wer nicht surft, zahlt also trotzdem.

Wie Sie Ihr Prepaid-Guthaben zurückfordern

Osam A.: Ist es immer noch zulässig, dass die Prepaid-Guthaben einiger Anbieter nur für eine bestimmte Dauer gültig sind und man danach niemanden mehr anrufen kann, bis erneut aufgeladen wurde?

Michael Wolf: Das ist durchaus üblich. Meist versuchen sich die Anbieter dagegen abzusichern, dass SIM-Karten ungenutzt in Schubladen herumliegen und für sie nur Kosten und keine Umsätze verursachen. Dazu nutzen sie meist einen von zwei Mechanismen: Entweder sie erheben ein Entgelt für die „Kontopflege“, wenn man für eine gewisse Zeit, z.B. für drei Monate, nicht telefoniert oder sie deaktivieren die SIM-Karte, wenn eine gewisse Zeit lang, meist ein Jahr, kein Guthaben eingezahlt wurde. Früher verfielen die verbliebenen Guthaben dann einfach, das ist heute so nicht mehr möglich, stattdessen kann man sein Guthaben nach Deaktivierung der SIM-Karte beim Anbieter zurückfordern. Das muss man allerdings selbst aktiv angehen, von sich aus wird der Anbieter kaum auf Sie zugehen.

Günny: Suche Handy mit niedrigsten Strahlungswerten und guter Kamera, Musik egal.

Michael Wolf: Im aktuellen Test in Heft 01/2010 hat das Handy mit der besten Kamera auch laut Hersteller die geringste spezifische Absorptionsrate (SAR-Wert): nämlich das Samsung Pixon12 M8910, das kostet allerdings stolze 630 Euro.

Billig ins europäische Ausland telefonieren

Lola: Ich telefoniere und simse viel ins EU Ausland. Suche nun einen günstigen Prepaid- oder Postpaid-Anbieter.

Sandra Müller: Es gibt etwa von Fonic seit Herbst letzten Jahres einen Tarif für 9 Cent pro Minute ins europäische Festnetz und 29 Cent pro Minute ins europäische Handynetz.

Aesculap: Vergleich zwischen iPhone und BlackBerry – sind sie vergleichbar? Was für Vorteile bzw. Nachteile gibt es jeweils? Welches von beiden würden Sie empfehlen?

Michael Wolf: Man merkt den Geräten auf jeden Fall an, dass sie ursprünglich aus sehr unterschiedlichen Nutzungswelten kommen. BlackBerry als klassisches Business-Handy, das jetzt im Fahrwasser des iPhone für spielfreudige Privatnutzer interessanter gemacht werden soll. Und umgekehrt das iPhone als Surf- und Multimedia-Handy, das inzwischen auch für Geschäftskunden interessanter geworden ist. Die Stärken des BlackBerry liegen dementsprechend immer noch bei der sehr guten E-Mail-Funktion, während das iPhone bei der sehr intuitiven Bedienung nicht nur, aber besonders auch beim Surfen, und bei der enormen Erweiterungsmöglichkeit durch Zusatzsoftware glänzt.

Biax: Ich suche ein Handy mit guter und komfortabler Outlook-Synchronisierung.

Michael Wolf: In unseren Tests war bisher die Outlook-Synchronisation immer noch bei Handys mit Windows Mobile-Betriebssystem am besten.

Günny: Suche Flatrate-Tarif in möglichst alle Netze für einen Wenigtelefonierer.

Michael Wolf: Ein Flatrate-Tarif macht für Wenigtelefonierer sicherlich keinen Sinn. Wer nur wenig telefoniert, fährt am besten mit einem Tarif ohne monatliche Fixkosten und mit einem möglichst geringen Minutenpreis.

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat. Vielen Dank an unsere Chatterinnen und Chatter für die vielen interessanten Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beantworten konnten. Und natürlich vielen Dank an unsere test-Experten für die kompetenten Antworten. Das Transkript dieses Chats können Sie in Kürze auf test.de nachlesen. Das Chatteam wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag!

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