Chat Energiewende Meldung

Die Experten der Stiftung Warentest: Claudia Till, Marion Weitemeier und Jörg Sahr (v.l.n.r.).

Die Strom­preise steigen – und die Regierung plant ein neues Gesetz, das weiteres Geld kosten soll. Verbraucher haben drei Hand­lungs­möglich­keiten: Sie können sich einen güns­tigen Strom­anbieter suchen, spar­samer mit Energie im Alltag umgehen – und eigenen Strom billiger erzeugen, als ihn der Strom­anbieter verkauft. Die Experten der Stiftung Warentest geben Antworten auf viele Nutzerfragen. Lesen Sie hier das Protokoll des Chats vom 7.5.2014.

Die Top-3-Fragen

Moderator: Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die am besten bewertete Frage aus dem Pre-Chat:

dsengsto: Welches Wind­rad für das eigene Grund­stück?

Jörg Sahr, test.de: Ich bin kein Experte für Wind­kraft­werke, weiß aber, dass die Anschaffungs­kosten im Verhältnis zur Leistung bei kleinen, privat betriebenen Anlagen sehr hoch sind. Ein wirt­schaftlicher Betrieb ist deshalb derzeit normaler­weise nicht möglich. Bei der Aufstellung von Wind­kraft­rädern in Wohn­gebieten kann es außerdem Probleme mit Nach­barn und Behörden geben.

Moderator: ... und hier die Top-2-Frage:

Paul Highnine: Darf ich zusammen mit meinem Nach­barn eine PV-Anlage inkl. Speicher­möglich­keiten und Strom­aggregat für sonnen­arme Zeiten betreiben? Wie sieht es hierbei mit Konzessions­abgabe, Mehr­wert­steuer, Netz­entgelt und EEG-Umlage usw. aus?

Jörg Sahr: Das ist möglich. Sie müssen dafür aber zusammen mit Ihrem Nach­barn eine Gesell­schaft gründen, etwa in Form einer GbR (Gesell­schaft bürgerlichen Rechts). Das wirft eine Reihe recht­licher Fragen auf: Geregelt werden muss zum Beispiel, was passiert, wenn Sie oder Ihre Nach­barn die Immobilie verkaufen. Dazu sollten Sie sich von einem Anwalt und/oder Steuerberater beraten lassen. Die Rege­lungen zur Mehr­wert­steuer (Vorsteuer-Abzug), Einspeise­vergütung und so weiter unterscheiden sich nicht grund­sätzlich von einem alleinigen Betrieb der Solar­strom­anlage.

Moderator: ... und die Top-3-Frage:

a1.buchi: Was kosten für ein Einfamilien­haus einsetz­bare Speicher und welche Nutzungs­dauer haben diese?

Jörg Sahr: Das ist sehr unterschiedlich. Der Preis hängt vor allem vom Akku-Typ (Blei oder Lithium) und von der Speicher­kapazität ab. Bei Einfamilien­häusern fängt es bei etwa 6 000 Euro an und geht bis über 15 000 Euro. Bis zu 30 % gibt es als Zuschuss von der staatlichen KfW-Bank. Blei-Akkus halten ungefähr 10 Jahre, Lithium-Akkus sollen eine Nutzungs­dauer von bis zu 20 Jahren haben – hier fehlen aber Erfahrungs­werte. Das sind außerdem nur grobe Orientierungs­werte. Zwischen den angebotenen Speichern gibt es erhebliche Unterschiede.

Strom­anbieter wechseln

Asuvedo: Das Beispiel TelDaFax machte ja bekannt­lich negative Schlagzeilen. Deswegen meine Frage: Welche wichtigen Punkte sind bei einem Wechsel zu einem anderen Strom­anbieter auf jeden Fall zu beachten?

Marion Weitemeier, test.de: Wichtig ist, erst einmal zu prüfen: Wann man aus dem Vertrag kommt; welche Kündigungs­frist es gibt. Kunden, die noch nie etwas an ihrem Vertrag geändert haben, sind in der Grund­versorgung und kommen mit einer Frist von 14 Tagen aus dem Vertrag. Wichtig sind die Vertrags­bedingungen. Wir empfehlen eine Preis­garantie, die genauso lang ist wie die Mindest­vertrags­lauf­zeit. Beim Bonus sollte man genau hinschauen: Wir empfehlen, Tarife ohne Bonus zu wählen. Wichtig ist weiterhin die Anschluss­lauf­zeit: Was passiert mit dem Vertrag im zweiten Vertrags­jahr? Es gibt dann keine Preis­garantie mehr – wir empfehlen Verträge, die sich nicht auto­matisch um 12 Monate verlängern.

Merida: Welche Platt­form eignet sich am besten um Strom­tarife zu vergleichen?

Marion Weitemeier: Wir empfehlen Platt­formen mit vielen Filter­möglich­keiten, so kann sich der Kunde die Vertrags­bedingungen seines Strom­tarifes individuell einstellen. Das ist auch in jedem Fall empfehlens­wert, denn die Rechner haben Voreinstel­lungen, die nicht für jeden Kunden­typ geeignet sind. Die Rechner Check 24 und Verivox haben eine Filter­funk­tion, mit der man Tarife finden kann, die Vertrags­kriterien haben, die von uns empfohlen werden. Diese Filter­funk­tion findet man nicht auf der Start­seite, man muss sich ein biss­chen durch das Menü klicken. (Bei Check-24 erst „Kriterien individuell anpassen“ ankli­cken, dann links „Einstel­lungen der Stiftung Warentest“. Bei Verivox links „Stiftung Warentest-Empfehlungen“ ankli­cken. Bei obigen Links sind die Filter bereits richtig gesetzt; Sie müssen nur noch Ihre individuellen Daten und Einstel­lungen ändern.) Wir haben stich­proben­artig über­prüft, ob die Tarife unseren Kriterien entsprechen und haben keine Fehler gefunden. Eine laufende Prüfung findet allerdings nicht statt.

Eradan: Muss ich zwingend jedes Jahr meinen Strom­tarif wechseln, weil man nur dann wirk­lich die Spar­angebote sinn­voll nutzen kann?

Marion Weitemeier: Wenn Sie von hohen Neukunden-Boni profitieren wollen, müssen Sie jähr­lich einen neuen Anbieter wählen. Sie sollten aber genau in den Allgemeinen Geschäfts­bedingungen (AGB) schauen, ob die Boni an Bedingungen geknüpft sind. Sinn­voll ist es auch, den neuen Anbieter zu „googeln“, um von den Erfahrungen ehemaliger Kunden zu profitieren. Wir empfehlen Anbieter, die auch ohne Neukunden-Bonus einen güns­tigen monatlichen Grund­preis und einen güns­tigen Kilowatt­stunden­preis anbieten.

Joe Berger: Welche güns­tigen Anbieter machen beim Preis keinen Unterschied zwischen Bestands­kunden und Neukunden wenn die Vertrags­verlängerung ansteht? Bei Prio-/Extra­energie ist das Angebot nach Ablauf der Lauf­zeit ca 10% höher, als für Neukunden in den Portalen ausgewiesen. Ich hatte auch bewusst keinen Bonus­tarif gewählt. Also wieder wechseln, obwohl es sonst passte?

Marion Weitemeier: Güns­tigere Preise für Neukunden sind gängige Praxis, auch bei Anbietern, die nicht mit hohen Boni locken.

Energie sparen

Asuvedo: Lohnt es sich wirk­lich bei den gängigen Haus­halts­groß­geräten, der sogenannten Weiß­ware, ein altes Gerät (z.B. eine Spül­maschine), das 10 und mehr Jahre auf dem Buckel hat, auf den Müll zu schmeißen, nur um ein energiesparendes Gerät zu kaufen? Rechnet sich das?

Claudia Till, test.de: In der Regel lohnt sich das finanziell nicht, weil die Ersparnis in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Anschaffungs­kosten steht. Das gilt allerdings nur, wenn das Gerät einwand­frei funk­tioniert. Hat ein Kühl­schrank eine defekte Dichtung, kann sich der Austausch durch ein neues Gerät durch­aus lohnen. Sie können den Strom­verbrauch Ihres Gerätes auch mit einem Strom­mess­gerät über­prüfen und selbst ausrechnen, ob sich die Neuanschaffung lohnt. Solche Mess­geräte kann man beispiels­weise bei den Verbraucherzentralen oder zum Teil auch in Biblio­theken ausleihen. Mehr Infos gibt es auf der Themenseite Energie sparen.

olihamburg: Ich wohne alleine in einer 44 qm großen Wohnung. Mein Strom­verbrauch beläuft sich auf ca. 6 000 KW/ Jahr (158 Euro im Monat). Ich habe Stromsparbirnen und schon meinen Trockner abge­schafft, meinen Stromzähler prüfen und wechseln lassen (ohne Ergebnis). Eine Stromsparberatung hat auch kein Ergebnis gebracht. Was kann ich noch machen?

Claudia Till: Im Prinzip haben Sie alles richtig gemacht. Die Kosten sind wirk­lich ungewöhnlich hoch. Erwärmen Sie Ihr Wasser elektrisch, etwa mit einem Durchlauf­er­hitzer oder einem Boiler? Sehr viel verbraucht auch das Heizen mit Strom.

olihamburg: Durchlauf­er­hitzer ja, aber dann ist alles normal. Kühl­schrank, TV, Laptop, neue Wasch­maschine. Nichts Ungewöhnliches für einen Singlehaushalt. Ich hatte mir einmal die Zeit genommen und jede Steck­dose mit den daran hängenden Strom­verbrauchern zu messen und ich kam bei weitem nicht auf den von mir veranschlagten Strom­verbrauch.

Claudia Till: Dann kann es eigentlich nur am Durchlauf­er­hitzer liegen. 2 Minuten Duschen verbraucht schon eine Kilowatt­stunde, das sind im Schnitt 28 Cent. Vielleicht ist das Gerät auch zu hoch einge­stellt? Eine nied­rigere Stufe bzw. 40 Grad Temperatur reichen aus. Ansonsten sind wir auch ratlos.

energiesparfan: @ olihamburg: Vielleicht zapft jemand anders Ihren Strom ab?

Asuvedo: Können Sie eine Rang­folge der größten Strom­fresser abgeben? Ich persönlich würde mit dem Durchlauf­er­hitzer anfangen. Würden Sie mir da zustimmen? Und wie geht’s dann weiter?

Claudia Till: Ja, eindeutig sind Durchlauf­er­hitzer oder Warm­wasser­speicher die größten Strom­fresser. Gleich danach folgt aber schon das Heizen mit Strom. Auch wenn Sie Ihre Wohnung noch mit alten Glüh­lampen erhellen, geht das sehr ins Geld. Bei den großen Haus­halts­geräten hängt der Verbrauch stark von der individuellen Nutzung ab: Wer z. B. oft bei 60 Grad Wäsche wäscht, hat höhere Strom­kosten als Leute, die das Eco-Programm nutzen oder bei 30 Grad waschen. Generell gilt: Immer, wenn Strom genutzt wird, um Wärme zu erzeugen, haut es finanziell richtig rein.

K.-H. Kotremba: Ist es sinn­voll das Koch­feld eines Küchenherdes durch ein Induktions­koch­feld zu ersetzen? In welcher Größen­ordnung bewegt sich die Strom­ersparnis?

Claudia Till: Induktions­koch­felder sind relativ teuer, die Strom­ersparnis gleicht die Mehr­kosten für die Technik in der Regel nicht aus. Ein durch­schnitt­licher Haushalt, der täglich etwa 1x kocht, verbraucht mit der Induktions­technik etwa 8 KWh, Koch­felder mit Strahlungs­behei­zung benötigen dagegen knapp 10 KWh. In Euro umge­rechnet ist der Unterschied dürftig und beträgt weniger als 10 Euro im Jahr. Aber auch hier kommt es auf die Nutzung an: Kommt bei einer Groß­familie jeden Tag ein üppiges Menü auf den Tisch, lässt sich natürlich mehr Geld sparen.

Stromsparer: Wäschetrockner der neuen Generation arbeiten mit einer Wärmepumpe. Ist es sinn­voll einen alten Wäschetrockner durch einen Wäschetrockner mit Wärmepumpe zu ersetzen?

Claudia Till: Rein finanziell lohnt sich der Tausch „Alt gegen Neu“ häufig nicht. Zwar verbrauchen Trockner mit Wärmepumpe nicht mal halb so viel Energie wie solche mit alter Technik, das macht eine Ersparnis von 60 bis 70 Euro pro Jahr aus, wenn man 3x pro Woche Wäsche trocknet. So ein neuer Trockner ist aber relativ teuer.

Selber Strom produzieren

Dorian: Wo bekomme ich Hilfe, um die Qualität einer bestimmten PV-Anlage / eines bestimmten Akkus beur­teilen zu können? Also Tests à la Stiftung Warentest? Habe den Eindruck, man verstrickt sich als Bauherr im Geflecht der Interessen.

Jörg Sahr: Sie können die Energieberatung einer Verbraucherzentrale nutzen, die Verbraucherzentralen beraten auch zu Photovoltaik-Anlagen: http://www.verbraucherzentrale-energieberatung.de/beratungsstellensuche_plz.html.

Briardwally: Nach meinen Informationen soll der Eigen­verbrauch bei Anlagen >10KW künftig besteuert werden. Lohnt sich dann eine Anlage für einen kleinen Gewerbe­betrieb über­haupt noch?

Jörg Sahr: Der private Eigen­verbrauch wird heute schon besteuert. Geplant ist, dass Betreiber neuer Anlagen >10 KW künftig auf den selbst genutzten Strom 50 % der EEG-Umlage zahlen sollen. Im Gegen­zug wird für Anlagen zwischen 10 und 40 KW Leistung die Einspeise­vergütung etwas ange­hoben. Eine Anlage kann sich für einen kleinen Gewerbe­betrieb durch­aus noch lohnen, die Rendite­aussichten sind allerdings deutlich geringer als noch vor einigen Jahren.

ABN: Mir liegt ein Angebot für eine Solar­anlage vor, die nötigen finanziellen Investitionen sind – trotz gesunkener Preise – noch immer nicht unerheblich. In welchem Zeitraum sollte sich die Anlage vernünftiger Weise amortisiert haben?

Jörg Sahr: Das kommt auf die Rendite an, die Sie mit der Anlage mindestens erzielen wollen. Für 3 % Rendite im Jahr reicht es aus, wenn Sie die Investitions­kosten nach etwa 15 Jahren durch Einspeise­vergütung und Strom­kosten­ersparnis (abzüglich laufender Kosten) wieder herein­spielen. Um mehr als 5 % zu erzielen, sollte sich die Anlage schon nach etwa 12 bis 13 Jahren amortisiert haben (ohne Berück­sichtigung kalkulatorischer Zinsen). Tipp: Einnahmen, Ausgaben und die voraus­sicht­liche Rendite Ihrer geplanten Anlage können Sie mit unserem Solarstrom-Rechner ermitteln.

Karl-Heinz Kotremba: Ist der Aufbau einer Solar­anlage zur Strom­erzeugung mit Dachneigungen in Ost- und West­richtung über­haupt noch wirt­schaftlich?

Jörg Sahr: Bei einer Dach­ausrichtung nach Osten oder Westen müssen Sie im Vergleich zu einer optimal nach Süden ausgerichteten Anlage mit Ertrags­einbußen von etwa 20 % rechnen. Das macht einen wirt­schaftlichen Betrieb der Anlage deutlich schwieriger, aber nicht unmöglich. Die Wirt­schaftlich­keit hängt ja unter anderem auch vom Stand­ort, dem Anlagen­preis und dem Anteil des Eigen­verbrauchs ab. Umfassendere Informationen zur Planung, Betrieb und Wirt­schaftlich­keit von Photovoltaik-Anlagen finden Sie in unserem Buch Photovoltaik: Solarstrom vom Dach.

Fragen zu den Tests der Stiftung Warentest

Asuvedo: Frau Till, Frau Weitemeier, Herr Sahr, ich fand diesen Chat sehr aufschluss­reich. Vielen Dank dafür! Bitte machen Sie weiter so. Und noch eine Frage zum Schluss: Kann man mit Ihnen direkt per E-Mail in Verbindung treten?

Claudia Till: Sie können gerne Fragen zu unseren Tests und Veröffent­lichungen an unseren Leserservice richten. Für eine individuelle Beratung wenden Sie sich am besten an Ihre Verbraucherzentrale.

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