Chat Energiesparlampen Meldung

Am 1. September trat die erste Stufe des Glühlampenverbots in Kraft. Halogen-, Energiesparlampen oder LEDs, welches ist die beste Alternative? Die test-Experten Michael Koswig und Peter Schick standen Rede und Antwort im Chat.

Im Test: Halogen-, Energiesparlampen und LEDs

Moderator: „Hamsterkäufe bei Glühbirnen“, „Krebsrisiko bei Energiesparlampen“- die Meldungen zum gestern eingeläuteten Herstellungsstopp von Glühbirnen überschlagen sich. Halogen-, Energiesparlampen und LEDs – die Stiftung Warentest hat alle Lampentypen getestet. test-Projektleiter Peter Schick und test-Redakteur Michael Koswig geben gleich ab 13 Uhr Auskunft im Chat. So, es ist 13 Uhr und unsere Experten sind auch schon hier im Chatraum eingetroffen. Wir haben sehr sehr viele Fragen unserer Chatterinnen und Chatter erhalten und wollen gleich loslegen, damit wir möglichst viele beantworten können. Erste Frage an die Gäste: Wie sieht es aus, können wir starten?

Peter Schick: Ja, einstimmig!

Achtung: Wenn Quecksilber aus berstenden Lampen tropft

Peter: Die ESL enthalten Quecksilber. Bei Bruch der Lampe ist daher erhöhte Gesundheitsgefahr gegeben. Quecksilber verdampft. Wie gefährlich ist eine zerbrochene ESL und wie muss man sich verhalten und wo ist diese zu entsorgen?

Michael Koswig: Eine Energiesparlampe enthält 1 bis 4 Milligramm Quecksilber. Das klingt sehr wenig. Trotzdem ist im Falle eines Bruchs Vorsicht angebracht, denn schädliche Quecksilberreste (meist in Form winziger Kügelchen) würden sich im Laufe der Zeit verflüchtigen und die Innenraumluft belasten. Deshalb das Fenster weit öffnen und lüften. Am besten per Durchzug. Dann alle Bruchstücke und Reste sorgfältig und vorsichtig zusammen kehren und aus der Wohnung schaffen. Am besten in einem verschlossenen Glas, das man bei einer Problemstoffsammelstelle abgibt. Oft werden die Reste in der Praxis aber auch über die Hausmülltonne entsorgt. In Anbetracht der kleinen Quecksilbermenge ist dies nicht so schlimm.

Peter Schick: Eine Extra-Autofahrt zur Problemstoffsammelstelle würde die Umwelt stärker belasten. Übrigens: Falls jemand einen Staubsauger benutzt hat, um die Splitter zu entfernen, sollte er unbedingt anschließend den Filter wechseln. Wer das Problem von vornherein vermeiden möchte, kauft sich Lampen mit Splitterschutz oder Lampen, die das Quecksilber in gebundener Form als Amalgam enthalten, das nicht verdampft.

Kaputte Energiesparlampen zur Sammelstelle bringen

Derstrom: Wo bzw. wie soll die Entsorgung der Energiesparlampen vonstatten gehen, da diese in geringen Mengen Quecksilber enthalten?

Peter Schick: Energiesparlampen gehören grundsätzlich nicht in den Hausmüll. Wir empfehlen, ausgediente Energiesparlampen immer zu sammeln und sie ebenso wie Batterien oder Elektronikschrott bei Gelegenheit zu einer Sammelstelle zu bringen. Dann kann das enthaltene Quecksilber vollständig recycelt werden.

Birne: Ist es wahr, dass Energiesparlampen im Gegensatz zu Glühlampen Geräusche machen?

Peter Schick: Geräusche sind uns aus den Tests nicht bekannt. Es kann sein, dass durch das bei hoher Frequenz betriebene Vorschaltgerät bei Lampen am Ende ihrer Lebensdauer mal ein Brummen auftritt. Das ist uns aber bisher nur aus zwei Leserbriefen bekannt. In unseren Tests haben wir das bisher noch nie selbst gehört.

Wenn Lampen nur kurz eingeschaltet werden

Moderator: Im Vorfeld des Chats konnten die Nutzer auch abstimmen, welche Fragen sie besonders interessieren. Diese war darunter:

Anonym: Wir haben viele Glühbirnen im Haus- und Kellerflur. Dort wird das Licht jedoch meist nur kurz an- und sofort wieder ausgeschaltet. Ist eine Energiesparlampe dort nicht Unsinn, weil Sie Ihre Vorteile erst im Dauerbetrieb entfaltet?

Michael Koswig: Wo Lampen nur selten eingeschaltet werden, fällt die Stromersparnis kaum ins Gewicht. Hier können Sie bedenkenlos restliche Glühlampen „aufbrauchen“. Wo aber die Lampe oft eingeschaltet wird, lohnt sich der gezielte Kauf von schaltfesten Energiesparlampen. Im Test haben die besten Lampen 210.000 Schaltzyklen überlebt. Im Laden erkennt man schaltfeste Lampen an einem entsprechenden Hinweis auf der Verpackung. Oft steht dort auch der Hinweis „mit Vorheizung“.

Energiesparlampen sind bis zu fünfmal besser als Glühlampen

Ranger: Ist die Gesamtenergiebilanz einer Energiesparlampe (Aufwand, Produktionsenergie, Abfallbeseitigung, Problemstoffe) tatsächlich weniger umweltbelastend als bei einer herkömmlichen Glühlampe?

Peter Schick: Ja, es ist deutlich weniger umweltbelastend, weil die Lampen den Großteil ihrer Energie über die Lebenszeit während ihres Betriebes benötigen. Und hier sind die Energiesparlampen etwa vier- bis fünfmal besser als die Glühlampen.

Michael Koswig: Hinzu kommt, dass die Energiesparlampen wesentlich länger leben. Eine einzige Energiesparlampe kann zehn oder sogar fünfzehn Glühbirnen ersetzen. Deshalb fällt der etwas höhere Herstellungsaufwand einer einzelnen Energiesparlampe gegenüber einer Glühlampe unter dem Strich nicht stark ins Gewicht.

Volle Helligkeit erst nach über einer Minute erreicht

Forscher: Einschaltverzögerung: Bitte klären Sie auf! Stand der Technik? Wie lang ist die normale, durchschnittliche Verzögerungszeit? Sind Lampen mit kurzer Zeit teurer?

Michael Koswig: Die Startzeit, bis die Lampe nach dem Einschalten aufleuchtet, liegt bei den meisten zwischen einer halben und einer Sekunde. Bis die volle Helligkeit erreicht ist, vergehen etwa eine Minute bis anderthalb Minuten. Die Lampen, die praktisch sofort angehen, sind in der Regel diejenigen ohne Vorheizung und deshalb leider meist weniger schaltfest. Sie sind meistens auch billiger, weil sie die einfacheren Modelle sind.

KeineLeuchte: Was mache ich, wenn ich Leuchten habe, die Halogenlampen mit hoher Wattage benötigen? Dafür gibt es doch noch keine Alternative, muss ich jetzt hamstern?

Peter Schick: eigentlich kann man, bei egal wie viel Watt, Glühlampen durch ggf. eine etwas größere Anzahl an Energiesparlampen ersetzen (bezogen auf die Helligkeit). Spezielle Leuchten wie Deckenfluter mit zweiseitig gesockelten Halogenlampen können derzeit nicht mit entsprechenden Energiesparlampen bestückt werden.

Ökotest untersuchte Billiglampen mit weniger Prüfpunkten

3go: Vor kurzem untersuchte die Zeitschrift Ökotest Energiesparlampen und ermittelte vollkommen andere Ergebnisse als die bisher positiven Untersuchungsreihen von Stiftung Warentest. Wie erklären Sie sich das vernichtende Urteil der Zeitschrift Ökotest?

Michael Koswig: Auch wir haben durchaus bei unseren langjährigen Tests Unterschiede bei der Qualität von Energiesparlampen festgestellt. Unterschiedlich scheint die Produktauswahl zu sein. Während Ökotest relativ viele Billiglampen einbezogen hat, orientiert sich unsere Marktauswahl an der Verkaufshäufigkeit. Dabei spielt die von den Verbrauchern stark nachgefragte Markenware von Osram, Philips und Megaman eine größere Rolle. Ein zweiter Unterschied lag in der Prüfmethodik. Wir hatten mehr Prüfpunkte und haben länger und mit mehr Exemplaren getestet.

Wenn der Farbton kälter wird

Peter: Obwohl ESL als warmweiß deklariert sind, erscheinen sie mir in einem kälteren Farbton als herkömmliche Glühlampen. Welcher Farbton würde der alten Glühlampe entsprechen?

Peter Schick: Die normale Glühlampe hat eine Farbtemperatur von 2700 Kelvin. Wenn die Kelvin-Zahl auf der Lampenverpackung nicht angegeben ist, dann steht ersatzweise manchmal ein umgangssprachlicher Begriff wie „warmweiß“.

Mehr_wissen: Lichtqualität: Welche Energiesparlampen haben dasselbe Spektrum und dieselbe empfundene Lichtqualität wie Glühlampen ?

Michael Koswig: Energiesparlampen haben wegen ihrer anderen Technik immer ein anderes Spektrum. Bei der empfundenen Lichtqualität der modernen Energiesparlampen gibt es zur Glühlampe kaum einen Unterschied, wenn der Verbraucher gezielt Lampen kauft, die als „warmweiß“ deklariert sind.

LED-Lampen manchmal dunkler als Halogen-Leuchten

???: Was sind die Stärken, was die Schwächen von LED-Lampen? Sind diese als Schreibtischlampe, Zimmer(decken)lampe oder Deckenfluter geeignet?

Peter Schick: Sie kommen grundsätzlich für alle Anwendungsbereiche in Frage. Aber Vorsicht: Manche einzelne LED-Lampen sind noch nicht hell genug, um eine Halogen-Lampe zu ersetzen. Man muss dann mehrere dieser LED-Lampen kaufen, um auf die selbe Helligkeit zu kommen. Grundsätzlich haben die LED-Lampen verschiedene Vorteile: Erstens versprechen sie eine sehr lange Lebensdauer. Zweitens lassen sie sich wegen ihrer kompakten Bauweise für vielfältige Zwecke einsetzen. Drittens sind sie bei niedrigen Temperaturen zum Beispiel gut im Außenbereich einzusetzen und viertens – das ist entscheidend – haben zumindest die technisch ausgereifteren Modelle eine sehr hohe Lichtausbeute. Im Hinblick auf den Einsatz für Reflektoren – also Spots – sind die LED-Lampen teilweise sogar schon effizienter als Energiespar-Reflektorlampen.

traut: Kann man den Verpackungsangaben glauben? Wer steht für die Lumen- und Stunden-Angaben gerade? (Vgl. Test 2009–02 mit der Falschdeklaration der Halogenlampen im E27-Sockel, die sich oft als Alternative anbieten würden)

Michael Koswig: In der Tat haben wir schon mehrfach Lampen wegen unzureichender Deklarationen abgewertet. Für den Verbraucher ist das sehr ärgerlich. Deswegen schenken wir diesem Punkt in unseren Untersuchungen auch besondere Aufmerksamkeit. Für die Angaben steht selbstverständlich der Anbieter gerade. Es ist zu erwarten, dass sich die Deklaration allgemein im Zuge der neuen EU-Vorschriften verbessert.

Hamsterkäufe sind völlig unbegründet

birne: Besteht die Gefahr, dass sich ein Glühlampenschwarzmarkt ausbildet, um Restlampen verkaufen zu können?

Michael Koswig: Die Gefahr besteht schon deshalb nicht, weil der Verbotskatalog stufenweise in Kraft tritt und auch Restbestände abverkauft werden können. Zu Hamsterkäufen besteht ohnehin kein Anlass. Über den Sinn von Verboten kann man grundsätzlich unterschiedlicher Meinung sein. In diesem Fall besteht der Vorteil für die Verbraucher vor allem darin, dass der Druck auf Hersteller und Handel erhöht wird, in der nächsten Zeit optimale Lösungen für alle Beleuchtungszwecke zu entwickeln und diese Lampen dann auch in den Regalen zu präsentieren.

Elektromagnetische Strahlung unbedenklich

AB: Mein Kopf befindet sich täglich über mehrere Stunden in geringem Abstand zu eingeschalteten Kompaktleuchtstofflampen, da ich solche sowohl als Schreibtisch- als auch als (Pendel-)Esstischleuchte verwende. Ist eine solche intensive elektromagnetische Bestrahlung gesundheitsgefährdend?

Peter Schick: Wir haben in unseren Tests die elektromagnetischen Wechselfelder stets mit geprüft. Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Belege für Gesundheitsbeeinträchtigungen. Die geforderten Grenzwerte für Haushaltslampen wurden in allen Fällen unterschritten. Auch das Bundesamt für Strahlenschutz hat in einer aktuellen Studie bestätigt, dass es gegen den Einsatz von Energiesparlampen im Haushalt keine Bedenken gibt.

Tuelli68: Wenn Glühlampen langsam verschwinden, wie sieht es dann mit den Spezial-Glühlampen (für Kühlschrank, Herd, Rotlichtlampen usw.) aus? Eine Energiesparlampe passt ja nicht in den Herd!

Michael Koswig: Kleine Glühlampen mit geringer Helligkeit mit weniger als 60 Lumen sind vom Glühlampenverbot völlig ausgenommen. Sie werden auch in Zukunft verkauft. Allerdings zeichnet sich insbesondere bei Kühlgeräten ab, dass die Hersteller auf moderne LED-Technik umsteigen. Die nimmt weniger Platz in Anspruch. Außerdem erzeugen Glühlampen unnötig viel Wärme, die dann mit zusätzlichem Energieaufwand weggekühlt werden muss.

Energiesparlampen jetzt im Discounter

Ranger: Ist zu erwarten, dass die ESL durch die höheren Produktionszahlen in absehbarer Zeit billiger werden?

Michael Koswig: Das könnte möglich sein. Auffällig ist schon, dass auch Discounter Energiesparlampen verstärkt anbieten. Aktuell gibt es sie zum Beispiel als Aktionsware bei Aldi und Lidl. Kleiner Hinweis: Die von Aldi haben wir bereits als Schnelltest veröffentlicht und sie haben sich trotz relativ moderatem Preis als ganz gut erwiesen. Die Lidl-Ergebnisse stehen noch aus und werden am kommenden Montag auf test.de präsentiert.

birne: Können Energiesparlampen explodieren, wenn man bspw. in den Urlaub fährt und vergisst, das Licht auszuschalten?

Peter Schick: Nein.

Paul: Welche der neuen Energiesparlampen bringt nach dem Einschalten genauso viel Helligkeit wie die herkömmliche Glühbirne? Habe vor einiger Zeit in meinem Flur die Lampen umgestellt, nun muss ich erst zwei Minuten warten oder im Halbdunkel durch den Flur mit Treppen laufen. Deswegen brennen bei uns jetzt die ganze Zeit die Lampen, Einsparung adieu!

Peter Schick: Eigentlich ist das kein Grund, die Lampen dauernd brennen zu lassen. Man könnte erst einmal auf Energiesparlampen höherer Wattage umsteigen, denn diese sind dann auch schon nach dem Einschalten etwas heller als die Energiesparlampen mit geringerer Wattage. Dennoch haben sie keinen nennenswert höheren Stromverbrauch. Eine Alternative kann hier auch die LED-Lampen-Technik sein. Außerdem besteht die Möglichkeit, Lampen jeder Bauart im Flurbereich über einen Bewegungsmelder zu steuern.

Nicht alle Energiesparlampen können gedimmt werden

Sparer: Welche der neuen Leuchtmittel können gedimmt werden?

Peter Schick: Halogenglühlampen sind immer problemlos dimmbar. Bei den Energiesparlampen gibt es einzelne Modelle, die dimmbar sind. Entsprechende Hinweise stehen auf der Verpackung. Allerdings lassen sie sich in der Regel nicht mit den üblichen Drehdimmern regeln, sondern sie funktionieren z.B. stufenweise durch mehrfaches Betätigen des Ein-Aus-Schalters. LED-Lampen sind auch wie Halogenlampen immer dimmbar.

FUX: Verkürzen häufige Schaltvorgänge die Lebensdauer einer Energiesparlampe?

Michael Koswig: Nicht immer. Es gibt Lampen mit Vorheizung, die in der Regel sehr, sehr schaltfest sind. In unseren Tests haben solche Lampen bis zum Testende 210.000 Schaltzyklen überlebt. Die ohne Vorheizung halten oft „nur“ drei- bis zehntausend Schaltzyklen aus.

Neue Energiesparlampen flimmern nicht mehr

Ranger: Es war zu lesen, dass das Flimmern der ESL über die Augen zu Irritationen führen soll. Richtig oder falsch?

Peter Schick: Das ist von uns in unseren Untersuchungen noch nie festgestellt worden. Unseres Erachtens handelt es sich hierbei um ein Vorurteil aus den Anfangstagen der Energiesparlampe. Die modernen Energiesparlampen aus unseren Tests werden mit einem elektronischen Vorschaltgerät betrieben, das bei so hohen Frequenzen arbeitet und wo das menschliche Auge keinerlei Flimmern mehr wahrnehmen kann.

Stuelpner: Bei www.ard.de findet sich eine Dokumentation, wonach die Spektralanalyse von Glühlampen und ESL doch sehr unterschiedlich sind und dies der Grund der gefühlten Abneigung ist. Ihr Statement dazu war dazu sehr allgemein.

Peter Schick: Tatsächlich ist das Lichtspektrum der unterschiedlichen Lampentechniken wie Energiesparlampen, Glühlampen oder LED-Lampen immer sehr unterschiedlich. Der empfundene Lichteindruck hängt damit aber nur sehr wenig zusammen. Vielmehr mit der Lichtfarbe, die bei Energiesparlampen z.B. durch die verwendeten Leuchtstoffe beeinflusst werden kann. Grundsätzlich bieten die verschiedenen Lichtspektren der Leuchtstoff- und Energiesparlampen sogar große Chancen für den Verbraucher. Denn er kann das Licht sehr gezielt je nach Bedarf einsetzen. Zum Beispiel indem man warmweiße Lampen für den Wohnbereich wählt. Zum Beispiel aber auch durch Verwendung der eher bläulichen, aktivierenden Tageslichtlampen für den Arbeitsbereich. Es gibt sogar Lampen, die speziell zur Bekämpfung der Winterdepression angeboten werden.

Entwarnung: Energiesparlampen haben nur wenig UV-Licht

perseida: Stimmt es, dass man von Energiesparlampen einen Sonnenbrand bekommen kann?

Peter Schick: Nein. Auch Energiesparlampen haben wie Glühlampen nur einen vernachlässigbaren UV-Anteil in ihrem Spektrum. Mehrere Stunden unter Lampenlicht verursachen etwa die gleiche UV-Belastung wie wenige Minuten in der Sommersonne. Energiesparlampen sind also hinsichtlich des UV-Lichtes völlig unkritisch. Leider kursieren immer wieder anderslautende Gerüchte.

chjb: Gibt es adäquaten Ersatz für Glühlampen in Reflektorleuchten?

Michael Koswig: Meist werden für diesen Zweck Halogenlampen eingesetzt. Auch diese haben wir getestet und die Ergebnisse in unserem Sonderheft test-Spezial „Energie“ veröffentlicht. Dabei zeigen sich große Unterschiede. Am ehesten zu empfehlen sind die Halogenlampen mit spezieller Energiespartechnik. Die 12-Volt-Lampen verbrauchen rund drei Viertel des Stroms von 230-Volt-Glühlampen. Als echte Alternative für Reflektoren und Spots mit stromzehrender Glühlampentechnik kommen vor allem LED-Lampen in Frage. Im Zweifelsfall muss man derzeit davon aber noch einige mehr einsetzen, um ausreichende Helligkeit zu erzielen. Inzwischen gibt es auch vermehrt Energiesparreflektorlampen mit GU10-Sockeln für 230-Volt, wie sie früher nur für Halogenlampen vorkamen.

Nur jede zehnte Energiesparlampe wird korrekt entsorgt

haribo: Wäre es nicht sinnvoll, wenn der Handel ein Rücknahmesystem (ähnlich wie bei Batterien) aufbauen müsste, damit nicht so viele Energiesparlampen im Müll landen? Außerdem ist es nicht unbedingt umweltfreundlich, zehn Kilometer zum Recyclinghof zu fahren, um Energiesparlampen abzugeben.

Peter Schick: Ich finde den Vorschlag sehr gut. Momentan werden nur 10% der Energiesparlampen korrekt entsorgt. Der Anteil sollte auf jeden Fall erhöht werden. Dies sollte am besten durch aufgeklärte Verbraucher erfolgen. Sollte der Anteil dennoch so niedrig bleiben, wäre ein Pfandsystem eine mögliche Lösung.

WinnieTheAxe: Eine persönliche Frage: Empfinden Sie als Technik-Fachmänner beim Aus für diese bahnbrechende Erfindung eine gewisse Sentimentalität? Technikhistorisch jetzt...

Michael Koswig: Die Technik bleibt uns in Spezialgebieten ja immer noch sehr lange erhalten, wie z.B. relativ kleine oder sehr, sehr lichtstarke Glühlampen. Im öffentlichen Bereich und in kleinen Haushaltsanwendungen gibt es die Technik nach wie vor. Als Technikfachleute begeistern wir uns natürlich auch für neue und innovative Technologien wie Energiespar- oder LED-Lampen.

Mit Strom heizen ist die teuerste Methode

akkst: Macht es wirklich Sinn, die Glühlampe zu ersetzen? Der Wirkungsgrad ist zwar schlecht, aber im Sommer ist es sehr lange hell, weshalb kein künstliches Licht benötigt wird und im Winter muss man heizen; da ist es doch egal, ob die Wärme von der Glühbirne oder von der eventuell elektrischen Heizung kommt.

Michael Koswig: Die Heizung mit Strom ist die teuerste Methode, um eine Wohnung zu erwärmen und außerdem ist diese Variante nicht besonders umweltschonend. Sie ist sogar wesentlich umweltbelastender, kostet dreimal so viel und außerdem wird auch dann Wärme erzeugt, wenn es gar nicht notwendig ist (im Sommer z.B.).

Energieeffizienz von LED-Lampen sehr unterschiedlich

KAM: Ist eine LED-Lampe energiesparender und umweltfreundlicher als eine Energiesparlampe und worauf muss ich beim Kauf einer LED-Lampe achten?

Peter Schick: Die Energieeffizienz von LED-Lampen ist noch sehr unterschiedlich und liegt zwischen den Halogenlampen und den Energiesparlampen. Im test-Spezial „Energie 2009“ haben wir Testergebnisse zu LED-Lampen veröffentlicht, die dies zeigen. Die Produkte auf dem Markt ändern sich zur Zeit noch sehr schnell. Deswegen werden wir dies auch in der nächsten Zukunft mit Untersuchungen begleiten. siehe Produktfinder Lampen im Test

Ranger: Weiter zur Frage von haribo: Könnte nicht auch das Duale System für die Entsorgung genutzt werden? Der Inhalt des Gelben Sacks muss ja auch erst sortiert werden.

Michael Koswig: Dabei besteht die Gefahr, dass die Lampen beim Transport kaputtgehen und das Quecksilber dann doch in die Umwelt entweicht.

Energiesparlampen sind günstiger für die Umwelt

G. Barth: Der Zwang zur ESL – ein Coup einer Industrie-Lobby? Ein ehrlicher Vergleich wäre interessant: Wie stellen sich die Umweltbilanzen von Glühlampe/ESL über den gesamten Lebenszyklus ab der Produktion bis zur Entsorgung dar, eingerechnet das Verhalten bei häufig nur kurzer Einschaltdauer? Und wie das gesamte Kosten-/Nutzen-Verhältnis für den Endverbraucher, einschließlich des für unser menschliches Auge eher unangenehmen Spektrums?

Peter Schick: Über den Lebenszyklus hinweg gesehen machen Produktion und Entsorgung bei energiebetriebenen Produkten wie der Energiesparlampe nur wenige Prozent bei der gesamten Energiebilanz aus. Der Großteil an Emissionen und Umweltbelastungen wird durch den Stromverbrauch im Betrieb erzeugt. Die Verbesserung der Umweltbilanz hat der Verbraucher zu einem gewissen Teil mit in der Hand, indem er für die ordnungsgemäße Entsorgung nach dem Ende der Lebensdauer sorgt. Schon heute ist aber die Bilanz unterm Strich bei den Energiesparlampen günstiger für die Umwelt als bei den Glühlampen. Dies gilt insbesondere für die Produkte, die in unseren Tests ein gutes Qualitätsurteil erzielen und damit unter Beweis gestellt haben, dass sie eine lange Lebensdauer haben und gleichzeitig pro Watt viel Helligkeit erzeugen.

lia49: Gibt es Energiesparlampen, die nicht Quecksilber enthalten?

Michael Koswig: Nein, gibt es nicht. Energiesparlampen sind kleine Leuchtstoffröhren, die zu ihrer Funktionsweise bisher eine – wenn auch kleine – Menge Quecksilber unbedingt benötigen. Im Laufe der Jahre wurde diese bereits minimiert und liegt heute bei einem halben bis vier Milligramm bei den üblichen Haushaltslampen.

Am Christbaum hängt eine LED-Lichterkette

renate30435: Womit beleuchte ich in diesem Jahr meinen Weihnachtsbaum?

Peter Schick: Natürlich mit einer LED-Lichterkette, aber auch gegen echte Bienenwachskerzen ist nichts Ernsthaftes einzuwenden – solange der Brandschutz gewährleistet ist.

Moderator: Das waren knapp 60 Minuten test.de-Expertenchat zum Thema Energiesparlampen. Vielen Dank an unsere Experten für die kompetenten Antworten und vielen Dank auch an unsere Chatterinnen und Chatter für die rege Beteiligung. Das Transkript dieses Chats können Sie in Kürze auf test.de nachlesen. Das Chat-Team wünscht allen Beteiligten noch einen schönen sonnigen Tag.

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