Chat Energiesparen - Teil 2

Fortsetzung: Chat zum Energiesparen am 3. März 2008 mit Lothar Beckmann, Energieexperte der Zeitschrift test.

Strommessgerät zeigt Verbrauch

Dreis: Wie kann ich, ohne meinen Kühlschrank aus seiner Nische zu ziehen, erkennen, wie hoch der Stromverbrauch ist. Gibt es einen Leitfaden, wann Kühlschränke welche Energiebilanz erreichen?

Lothar Beckmann: Einziger Ausweg ist ein Strommessgerät, was zwischen Stecker und Steckdose geschaltet wird und für diesen Zweck kommt man nicht umhin, seinen Kühlschrank aus der Nische zu ziehen. Es gibt keine dementsprechenden Verbrauchslisten.

Ralf Steiner: Ich habe überall im Haus Energiesparlampen, Sparkühlschrank und Sparwaschmaschine. Auch weiß ich, dass das Dach gedämmt und die Fenster nicht ganz dicht sind. Standby ist auch bei den meisten Geräten abgeschaltet. Ich interessiere mich intensiv für das Thema Energiesparen. Frage: Bringt ein Energieberater noch viel gegenüber dem was er kostet bzw. gibt es hier Erfahrungen mit „guten“?

Lothar Beckmann: Der Energieberater macht einen anbieterneutralen Überblick über den Energieverbrauch des gesamten Gebäudes. Als erstes sind die Energieberater der Verbraucherzentrale zu nennen, die gegen eine geringe Gebühr ins Haus kommen. Außerdem gibt es eine Vielzahl von freien Energieberatern, die auf der Homepage der Deutschen Energieagentur (dena) gelistet sind.

Moselplautze: Meine Waschmaschine hat einen permanenten Strom, ca. 6W Leistungsaufnahme, auch im ausgeschalteten Zustand. Ist das normal?

Lothar Beckmann: Standby-Verbrauche bei Waschmaschinen sind nicht die Regel, aber bei größerer elektronischer Ausstattung durchaus denkbar. Deshalb in diesem Fall auch mit einer ausschaltbaren Steckdosenleiste arbeiten.

Standby-Verbrauch reduzieren

Moderator: Kommen wir damit zum Thema Standby, also Geräten, die auch ausgeschaltet etwas Strom verbrauchen:

DAug: Für Standby-Geräte werden funkgesteuerte Steckdosen angeboten. Lohnt sich das? Nirgends steht, wie viel Strom diese selbst verbrauchen.

Lothar Beckmann: Funkgesteuerte Steckdosenleisten empfehlen sich, denn man schaltet mit ihnen ja den Standby-Verbrauch von mehreren Verbrauchern aus. Es bleibt nur noch u.U. der Verbrauch der funkgesteuerten Leiste.

Rolflage: Wie viel Strom verbrauchen die Kontrolllampen – z.B. ISDN-Anschlüsse, Kontrolllampe der Steckdosen, Kontrolllampen der Drucker usw.?

Lothar Beckmann: Ein gut mit elektronischen Geräten ausgestatteter Haushalt wie z.B. mit TV, PC, Drucker, DVD-Recorder, schnurlosem Telefon, Hifi-Anlage, verbraucht im Jahr zwischen 50 bis 70 Euro allein nur für Standby-Strom. Es lohnt sich also, die Standby-Funktion nur dann zu nutzen, wenn man sie tatsächlich braucht und sonst auszuschalten, z.B. über Nacht.

Laptops sparen Strom

Moderator: Mal so zum Vergleich:

griese: Verbraucht ein Computer viel Strom, wenn man ihn 2–3mal am Tag an stellt und ihn ungefähr zwei Stunden laufen lässt?

uli: Wie viel Strom bzw. Euro braucht ein PC, der 12 Stunden lang läuft?

Lothar Beckmann: Ein PC mit allen Geräten drumherum verbraucht erheblich Strom. Um das zu vermindern, sollte man Röhrenmonitore gegen Flachbildschirme ersetzen und die Energieeinstellungen z.B. unter Windows optimieren. Laptops verbrauchen wesentlich weniger Energie als Desktopgeräte und die Stromverbräuche zwischen unterschiedlichen Produkten können erheblich sein. Das zeigen unsere Tests.

wolf-ruediger: Wenn ich nach dem täglichen Gebrauch Geräte wie Brötchentoaster, Kaffeemaschine und Wasserkocher vom Netz trenne, in dem ich den Stecker ziehe, spare ich automatisch Strom. Oder gibt es noch andere bessere Möglichkeiten?

Lothar Beckmann: Vorbildlich!

Blauer Klaus: Hallo, ich habe den letzten Test zum Thema E-Lampen gelesen und möchte gern wissen, ob es auch E-Lampen mit E14 Sockel zu kaufen gibt? Vielen Dank!

Lothar Beckmann: Acht Energiesparlampen mit E14-Sockel waren im Test.

Sparlampen, die schneller hell werden

mg16562: Mich stört die Verzögerung bei der Helligkeitsentwicklung von Energiesparlampen. Gibt es inzwischen schon Lampen, bei denen das nicht mehr auftritt?

Lothar Beckmann: Es gibt Lampen, die sehr schnell hell werden und wir haben die Zeiten im aktuellen Test angegeben. Besonders wichtig ist, darauf zu achten, wenn man Energiesparlampen an solchen Orten wie der Toilette oder dem Treppenhaus einsetzt, wo man schnell Licht haben möchte.

Moderator: Wir haben nicht genau erklärt, Entschuldigung:

motte: Was ist ein E14 Sockel?

Lothar Beckmann: E14-Sockel ist der kleinere Schraubsockel, den man von der Glühlampe kennt. Der größere Sockel wäre der E27-Sockel.

Ziegler: Frage: Mein Installateur sagt, Energiesparlampen seien nur dort sinnvoll, wo sie länger eingeschaltet seien. Anfangs verbrauchten sie mehr Energie als herkömmliche Glühbirnen. Wie ist das?

Lothar Beckmann: Das stimmt nicht!

Gesundheitsschäden nicht belegt

Espach: Ich habe gelesen, dass Energiesparlampen ein ähnliches Magnetfeld abstrahlen, wie sendende Handys und soll mindestens 50 cm, besser mehr Abstand halten. Ist trotz der Energieeinsparung die ganze Sache dann nicht kontraproduktiv, wenn ich Gesundheitsschäden befürchten muss?

Lothar Beckmann: Man muss keine Gesundheitsschäden befürchten. Energiesparlampen strahlen in zwei Frequenzbereichen elektromagnetische Wellen ab; um die Netzfrequenz herum etwa genauso viel wie jedes andere Haushaltsgerät. Zusätzlich besitzen sie ein Vorschaltgerät, das etwa bei 30 kHz betrieben wird und entsprechende elektromagnetische Wechselfelder abgibt. Diese haben wir gemessen und angegeben. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für deren Gesundheitsschädlichkeit.

pabla: Kann ich in eine Leuchte, die mit Glühbirnen z.B. bis 40 W bestückt werden darf, hellere Energiesparlampen von z.B. 11 W montieren?

Lothar Beckmann: Können Sie, wenn die Energiesparlampe in die Leuchte passt.

Eva: Wann muss endlich die Information zum Stromverbrauch allen Geräten (z.B. auch Anrufbeantwortern oder schnurlosen Telefonen) beiliegen?

Lothar Beckmann: Normalerweise wird die Leistungsaufnahme der Geräte bei den technischen Angaben aufgeführt. Geräte ohne entsprechende Angaben sollte man besser im Laden stehen lassen.

Kein Ersatz für Niedervolt-Halogenlampen

Suender: Gibt es Einsparmöglichkeiten für Halogenlampen im Niedervoltsystem?

Lothar Beckmann: Es gibt momentan keinen entsprechenden Ersatz durch Energiesparlampen. Zum Trost gilt, dass Niedervolt-Halogenlampen in der Regel energieeffizienter sind als Hochvolt-Halogenlampen und normale Glühlampen.

elfe: Sind LED noch sparsamer als Energiesparbirnen? Wenn Ja: Kann man auch mit LED eine Glühbirne von 60 W ersetzen? Oder wie weit ist die Entwicklung hier?

Lothar Beckmann: Die derzeit am Markt erhältlichen LED-Lampen sind nicht sparsamer als Energiesparlampen. Zudem erhält man sie nur in viel geringeren Leistungsklassen. Sie sind also bei Weitem nicht so hell, dass man sie als Ersatz für eine Glühlampe verwenden könnte. Die Entwicklung geht hier aber rasch voran, so dass die Situation sich in wenigen Jahren schon deutlich verbessern kann.

Großgeräte fressen Strom

Moderator: Kurz vor Schluss noch zwei sehr offene Fragen:

Moselplautze: Wo kann ich im Haus am meisten Strom sparen?

Baumi: Wo kann am meisten Energie eingespart werden?

Lothar Beckmann: Das größte Potenzial beim Stromsparen ist nicht unbedingt die Beleuchtung, sondern die so genannten Dauerläufer wie Kühl- und Gefrierschrank. Es sind vor allem die großen Haushaltsgeräte, mit denen man Strom sparen kann, z.B. die Waschmaschine und der Geschirrspüler, wenn man Sparprogramme nutzt und die Geräte nur voll beladen einschaltet.

Die absolut größte Energiemenge in einem Haus kann durch eine gute Wärmedämmung eingespart werden. Außerdem durch eine moderne Heizanlage, die diesem geringeren Wärmebedarf des Hauses angepasst ist.

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat zum Thema Energiesparen. Vielen Dank an Herrn Beckmann für die kompetenten Antworten und vielen Dank an die Chatter für die vielen Fragen. Eine Entschuldigung geht an die User, deren Fragen wir aus Zeitgründen leider nicht beantworten konnten. Das Chat-Team wünscht allen Beteiligten noch einen schönen Tag.

Erster Teil: test.de-Expertenchat mit Lothar Beckmann

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