Chat Energiesparen Meldung

Lothar Beckmann, Energieexperte der Zeitschrift test

Gehen Energiesparlampen durch häufiges An- und Ausschalten kaputt? Gibt es Dimmer für Energiesparlampen? Wie lässt sich der Standby-Verbrauch reduzieren? Die Leser von test.de chateten am 3. März 2008 mit dem test-Experten Lothar Beckmann. Thema Energiesparen. Ein heißes Thema, offenbar. Mehr als 200 Leser posteten ihre Fragen. Lesen Sie hier, was der Energieexperte rät.

test.de-Expertenchat mit Lothar Beckmann

Moderator: Herzlich willkommen zum test.de-Expertenchat rund um das Thema Energiesparen. Ihre Fragen beantwortet heute von 12 bis 13 Uhr an dieser Stelle der Stiftung-Warentest-Experte Lothar Beckmann.
Herr Beckmann, wie sieht es aus, können wir starten?

Lothar Beckmann: Können wir.

Moderator: Steigen wir gleich mit dem Thema Energiesparlampen an, die auch in der aktuellen Ausgabe von test geprüft wurden. Das Thema bewegt viele unserer Chatter.

Energiesparlampen halten länger

Gorgo: Haben günstige Glühbirnen wirklich eine geringere Laufzeit?

Lothar Beckmann: Glühbirnen haben immer eine viel geringere Laufzeit. Und zwar etwa 1000 Betriebsstunden. Bei Energiesparlampen kommen wir in der Regel auf 10 000 Betriebsstunden. Im letzten abgeschlossenen Test hatten wir sogar Energiesparlampen bis 19 000 Stunden.

Moderator: Eine Frage stellvertretend für viele weitere:

lupofunk: Lohnen sich Energiesparlampen, wenn man sie immer nur kurz an- und wieder ausschaltet? Zb. Bewegungsmelder.

Lothar Beckmann: Sie lohnen sich immer da, wo Dauerlicht gebraucht wird, weil sie da am längsten brennen. Häufiges Ein- und Ausschalten macht den neuen Produkten wenig. Produkte mit Vorheizung haben eine hohe Schaltfestigkeit. Aus der Testtabelle ist das schön zu entnehmen. Aktuell in der Märzausgabe der Zeitschrift test.

Vorhandene Dimmer funktionieren nicht

Ralf Steiner: Muss man bei Energiesparlampen auf die maximale Wattzahl die in einer Lampe angegeben ist achten?

Lothar Beckmann: Die Wattbegrenzung an der Leuchte gilt in der Regel für Glühlampen, weil die heiß werden, während Energiesparlampen nur warm werden.

Moderator: Auch diese Frage bewegt einige Chatter ...

schoener_tag: Gibt es Energiesparlampen für Dimmer? Ich habe einen ca. 10 Jahre alten, als Schalter eingebauten Dimmer für die Deckenlampe.

Lothar Beckmann: Es gibt spezielle Energiesparlampen, die gedimmt werden können. Im aktuellen Test hatten wir zwei dimmbare Modelle. Das Dimmen von normalen Energiesparlampen über einen vorhandenen Dimmer funktioniert nicht.

Ein- und Ausschalten ist kein Problem

else werner: verbraucht einmal am Tag ein- und ausschalten mehr Strom als die Energiesparlampe den ganzen Tag brennen zu lassen?

Lothar Beckmann: Das Einschalten der Energiesparlampe verursacht keinen erhöhten Stromverbrauch. Man kann bedenkenlos immer ausschalten und wieder einschalten, wenn man es braucht.

werk16: Die gestesteten Energiesparlampen wurden 2006 gekauft. Sind die Tests für heute im Handel befindliche Lampen überhaupt noch aussagekräftig?

Lothar Beckmann: Wenn die Produkte noch unter der gleichen Bezeichnung auf dem Markt sind, dann gelten auch noch die Aussagen im Test. Wir haben kurz vor Veröffentlichung des neuen Tests die Produkte im Rahmen unserer Preisabfrage geprüft, ob sie noch auf dem Markt sind.

Eine Sparlampe ersetzt 10 normale Glühbirnen

braveheart: Haben Energiesparlampen unter Berücksichtigung der wahrscheinlich aufwendigeren Produktion und Entsorgung, z.B. von Quecksilber, sowie des vermutlich höheren Rohstoffbedarfs auch noch eine positive Umweltbilanz, wenn man die ganze Herstellungskette berücksichtigt?

Lothar Beckmann: Ja, sie haben eine positive Umweltbilanz im Vergleich zu Glühlampen, das haben wir auch überprüft. Sie sparen deutlich Strom und sind deshalb umweltschonender. Das Material einer Energiesparlampe ersetzt von der Lebensdauer her das Material von 10 Glühlampen. Die Quecksilbermenge, die durch die Stromerzeugung im Kraftwerk beim Betrieb einer Glühlampe anfällt, ist meistens deutlich größer als die gesamte Quecksilbermenge, die durch Energiesparlampen verursacht wird.

Kamps: Welche Energiesparlampen eignen sich am besten für den Ersatz von Halogenlampen? Sind LED bestückte Lampen die besseren Energiesparer?

Lothar Beckmann: Momentan ist die Lichtausbeute von LED-Lampen etwas geringer als die von Energiesparlampen. Wenn die Halogenlampe eine Schraubfassung hat, kann man auch eine entsprechend helle Energiesparlampe einschrauben. Halogenlampen mit Stecksockel sind bislang nicht ersetzbar durch Sparlampen.

Keine Augenschäden

Moderator: Viele User stören sich an der Optik:

georg: Gibt es Erkenntnisse über Augenschäden bei billigen Energiesparlampen mit „grellem“ Licht?

Lothar Beckmann: Gibt es nicht und es sind auch keine Schäden zu befürchten, wenn man mit ihnen genauso umgeht wie mit anderen Leuchtmitteln. Also nicht direkt hineinschauen.

Branca: Gibt es Hallogenspots als Ernergiesparspots, die genauso gut die Objekte ausleuchten, auch farblich gesehen?

Lothar Beckmann: Es gibt Reflektionslampen als Energiesparlampen. Die waren auch im Test und haben durchschnittlich abgeschnitten.

Schaltfest durch Vorheizung

georg: Was bedeutet „Vorheizung“ und wie erkennt man solche Lampen?

Lothar Beckmann: Vorheizung bedeutet, dass die Elektroden der Energiesparlampe für ein paar Sekundenbruchteile vorgewärmt werden. Dadurch leben sie wesentlich länger und das macht die Lampe schaltfest. Man kann sie leider in der Regel nicht auf der Verpackung erkennen. Einzelne Anbieter werben aber mit einer sehr hohen Schaltfestigkeit. Diese Produkte sind dann vorgeheizt.

Moderator: Kommen wir vom Speziellen zum Allgemeinen:

dw: Wann bringen Energiesparlampen etwas, wann sind sie sinnlos?

Lothar Beckmann: Energiesparlampen bringen immer etwas, weil sie von der ersten Sekunde an Strom sparen und die Umwelt entlasten. Man kann sie besonders sinnvoll einsetzen, indem man für den jeweiligen Zweck die geeignete Lampe heraussucht. Das ist auch ein Unterschied gegenüber Glühlampen. Hinweise zur Eignung finden Sie in der Test-Tabelle im aktuellen test-Heft; Ausgabe 3/2008.

Glühbirnen sofort austauschen

Moderator: Eine schöne Übergangsfrage zum Thema Haushaltsgeräte und Energiesparen:

user: Geräte und Lampen in Sparversionen tauschen – aber sofort und die alten wegwerfen oder erst dann, wenn die alten defekt sind? Entsorgung und Herstellung kostet doch auch Energie.

Lothar Beckmann: Neukauf stellt sich immer bei größeren Reparaturen. Ein Austausch allein aus Energiespargründen empfiehlt sich meisten nicht, es sei denn, die Geräte sind älter als 15 Jahre.

Moderator: Gilt das auch für Glühbirnen?

Lothar Beckmann: Nein, da gilt das nicht. Glühbirnen kann man sofort durch Energiesparlampen ersetzen und sollte nicht darauf warten, bis sie durchgebrannt sind. Sie machen sich meist nach ein bis anderthalb Jahren bezahlt.

Was die Energieeffizienzklasse verrät

regnar: Wie kann ich feststellen, in welcher Energieeffizienzklasse sich mein Altgerät befindet? Gibt es definierte Verbrauchsbereiche, aus der sich die Effizienzklasse ablesen lässt?

Lothar Beckmann: Wenn das Gerät keine Energieklasse ausweist, dann kann sie nachträglich auch nicht ermittelt werden.

Melfi: Was bedeuten die Energieeffizienzklassen bei Haushaltsgeräten (Klasse A etc.)?

Lothar Beckmann: Grundsätzlich ist die Klasse A die energiesparendste Klasse, allerdings mit einer Ausnahme: Bei Kühl- und Gefriergeräten ist die Klasse A nur drittklassig, weil es dort noch die Klasse A+ und die Klasse A++ gibt.

Manuel: Sind die Energieeffizienzklassen nach oben offen – A ist doch das beste – was ist mit brandneuen Geräten, wie kann man da die beste Effizienzklasse erkennen?

Lothar Beckmann: Die Klassen sind nach oben offen. Es gibt Produktsegmente, wo im Lauf der Zeit fast nur noch Klasse A auf dem Markt ist. Das ist für den Käufer eine unbefriedigende Situation und wird vielleicht schon in absehbarer Zeit geändert.

Steffen Frei: Ich habe 2007 über 600 kW mehr verbraucht. Das einzige Gerät, welches ich mir neu gekauft habe, ist ein Flachbildfernseher. Verbraucht der so viel mehr?

Lothar Beckmann: Große Flachbildfernseher verbrauchen zum Teil erhebliche Mengen an Strom. Es könnte also sein, dass sich Ihr Stromverbrauch durch den Kauf erhöht hat, aber 600 kWh allein für einen Fernseher sind extrem viel.

Ralf Steiner: In welchen Bereich gibt es Energieklassen AA, A+, A++ usw. und sind „nur“ A Geräte wesentlich schlechter?

Lothar Beckmann: Bei Kühl- und Gefriergeräten gibt es die Klassen A+ und A++, bei allen anderen Geräten ist die Klasse A die beste. Zwischen A++ und A besteht ein deutlicher Unterschied im Stromverbrauch.

Effizienz nimmt ab

Moderator: Noch eine Nachfrage:

Katja: Ein Kühlschrank verliert anscheinend über die Jahre seine Energieeffizienz, ist das richtig? Oder ist es eher so, dass neue Kühlschränke einfach effizienter arbeiten?

Lothar Beckmann: Beides. Moderne Kühlschränke verbrauchen oftmals weniger als Altgeräte und ein vorhandenes Gerät hat im Laufe der Zeit einen höheren Stromverbrauch, weil z.B. durch die spröde Türdichtung Kälte verloren geht und dadurch mehr gekühlt werden muss.

Frosch: Ist es wichtig, auf Energieklasse A zu achten, obwohl die Geräte (Trockner) rund 250 Euro teurer sind? Spielen sich die Kosten wieder ein bei steigenden Strompreisen?

Lothar Beckmann: Ja, es empfiehlt sich, Klasse A zu kaufen. Berechnungen in unserem Test zeigen, dass sich die Mehrausgabe über die Zeit rentiert, weil der Stromverbrauch deutlich niedriger ist und damit auch die Stromkosten.

fuggerle: Wir haben eine Gefriertruhe, die ca. 25 Jahre alt ist. Bringt ein Bekleben mit Hartschaumplatten als zusätzliche Dämmung etwas oder geht der größere Anteil der Energie anders, z. B. durch die Motorleistung verloren?

Lothar Beckmann: Eine höhere Dämmung senkt eindeutig den Stromverbrauch. Ob aber der Elektromotor noch dem heutigen Stand der Technik entspricht und heute nicht effektiver arbeitende Motoren eingebaut werden, ist eher unwahrscheinlich. Dasselbe gilt auch für den Wärmetauscher.

Fortsetzung: test.de-Expertenchat mit Lothar Beckmann, Teil 2

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