Chat Drucker­patronen Meldung

Wer Drucker­patronen von Fremd­her­stel­lern nutzt, kann viel Geld sparen. Dennoch schre­cken viele davor zurück und verwenden Original­patronen. Gibt es Risiken durch die Nutzung von Fremdtinten, wie ist die Qualität, wie hoch das Einspar­poten­zial? Die test-Experten Dirk Lorenz und Volker Wartmann waren im Chat. Lesen Sie hier die Antworten.

Jetzt geht's los!

Moderator: So, es ist jetzt 13 Uhr. Hier im Chat begrüße ich jetzt Dirk Lorenz und Volker Wartmann. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und die Fragen unserer Chatte­rinnen und Chatter beant­worten. Gleich die erste Frage an unsere Gäste: Wie sieht es aus, wollen wir starten?

Dirk Lorenz: Ja, kann losgehen!
Volker Wartmann: Ja, gerne.

Die Top3-Fragen

Moderator: Vor dem Chat hatten die Lese­rinnen und Leser bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die Top1-Frage aus dem Pre-Chat:

Muff­potter: Es wird immer wieder behauptet, dass billigere Nicht-Original-Patronen den Drucker nach einiger Zeit beschädigen! Stimmt das, oder ist das ein Gerücht der Original­druck­patronen-Hersteller?

Dirk Lorenz: Wir haben das 2007 im Tinten­drucker-Dauer­test ausprobiert und bei keinem der Drucker gab es Probleme, obwohl wir tausende Seiten gedruckt und lange Druck­pausen einge­legt haben.
Volker Wartmann: Insgesamt haben wir mehr als 800 Patronen von 23 Herstel­lern in 17 Druckern verdruckt. Ergebnis: Kein einziger Drucker fiel aus.

Moderator: und die Top2-Frage:

Beweba: Wie hoch muss das monatliche Druck­volumen bzw. die Druck­menge sein, damit die Tinte in den Patronen (HP 6500 und HP 8500) nicht austrocknet und die Druck­köpfe verstopft? Also ab wann sind die XL oder XXL-Patronen über­haupt sinn­voll? Vielen Dank.

Volker Wartmann: Es ist nicht sinn­voll, seinen Tinten­strahl­drucker monate­lang nicht zu benutzen. Normaler­weise reicht es aus, gelegentlich mal ein, zwei Seiten auszudrucken, damit die Druck­köpfe nicht eintrocknen.
Dirk Lorenz: Wer das beachtet, spart mit großen Patronen immer.

Moderator: und die Top3-Frage:

Digital Revolution: Seit einiger Zeit verwende ich für meinen Canon Pixma MP560 Fremd­patronen von „Digital Revolution“, die laut Anbieter Markentinte „Made in USA“ haben. Die Patronen gibt es mit oder ohne Chip, die Preise liegen bei ca. 12 bis 15 Prozent der Preise für Original­patronen. Für den „Haus­gebrauch“ (in der Regel keine Fotos) ist die Qualität meiner Einschät­zung nach in Ordnung. Wurden Patronen von „Digital Revolution“ für Canon getestet und wie ist die Bewertung? Sind sie empfehlens­wert? Besteht bei deren Nutzung Gefahr für den Drucker(kopf)?

Dirk Lorenz: Auch die Patronen von Digital Revolution testen wir, wenn diese für den von uns untersuchten Drucker angeboten werden. In unserem Test von 2009 haben wir Patronen von Digital Revolution für Ihren Drucker getestet. Fazit: Qualität war merk­lich schlechter, aber mit 60 Prozent Preis­ersparnis war es eine gute Alternative.
Volker Wartmann: In unserem aktuellen Test Drucker­patronen haben wir ebenfalls Patronen von Digital Revolution für Brother-Drucker getestet. Die Preis­ersparnis lag bei mehr als 90 Prozent.

Qualität von Fremdtinte

Printer: Ich lese immer mal wieder von Qualitäts­unterschieden der verwendeten Tinte bei Fremd­herstel­lern. Ist da was dran oder sind die Unterschiede zu vernach­lässigen?

Dirk Lorenz: In unseren Tests stellen wir Qualitäts­unterschiede fest, deshalb testen wir ja. Meist ist die Qualitäts­einbuße gegen­über der Preis­ersparnis aber vertret­bar. Hin und wieder sind Fremdtinten sogar besser als das Original.
Volker Wartmann: Leider kann man nicht bestimmte Fremd­patronen­hersteller generell empfehlen. Für manche Druckermodelle bieten sie Patronen an, die eine gute Qualität liefern und viel sparen helfen. Manchmal ist es aber auch so, dass Patronen ein und desselben Herstel­lers für andere Drucker keine oder fast keine Ersparnis bringen.

Nerdinand: Wie unterscheiden sich No-Name- und Marken-Tinten bezüglich des Verblassens? Wie kann ich das Ausbleichen verhindern?

Dirk Lorenz: Als wir mit den Tests von Fremdtinten vor etwa zehn Jahren begannen, war die Licht­beständig­keit der Alternativ­patronen noch ein großes Problem. Mitt­lerweile können auch hier die Fremd­patronen gut mit dem Original mithalten.

Qualität von Refill-Patronen

Spar­drucker: Hallo! Ich habe eine Refill-Patrone für meinen HP Deskjet F4280 gekauft. Nun sagt er aber die Patrone sei leer. Was kann man da machen? Mit freundlichen Grüßen – G.Barck

Dirk Lorenz: Wie bei allen Produkten würde ich diese Patrone einfach im Handel zurück­geben, da sie ihren Zweck nicht erfüllt. Falls eine Fremd­patrone „nur“ schlechte Qualität liefert, sollte man auch diese zusammen mit einem Probeaus­druck seinem Händler zurück­bringen.

Didiw04: Hallo. Wie sieht es denn mit den Patronen-Refill-Ketten aus? Verwenden diese zu den von Ihnen getesteten Tinten „baugleiche“ Tinten oder haben sie eigene? Wie sind diese, falls sie unterschiedlich sind, im Vergleich zu den getesteten Tinten einzustufen? Wie ist dort das Einspar­potenzial?

Dirk Lorenz: Die so genannten Tintentankstellen haben wir 2007 getestet. Das Ergebnis war recht durch­wachsen und hing stark vom einzelnen Mitarbeiter ab. Wenn die Gewähr­leistung des Druckers abge­laufen ist und er streikt, bekommt man in diesen Tinten­tank­stellen aber manchmal noch gute Hilfe und muss nicht gleich den teuren Reparatur­service des Drucker­herstel­lers in Anspruch nehmen.

Garantie und Gewähr­leistung

Bien: Ich habe mal mit der HP-Hotline telefoniert, da eine Farbe trotz voller Patrone nicht mehr gedruckt wurde. Es wurde sofort nach dem Patronen­typ gefragt und ich erhielt die Auskunft, dass es nicht unter Garantie falle, wenn Fremd­patronen verwendet werden. Ist das richtig?

Volker Wartmann: Man muss immer zwischen Garantie und Gewähr­leistung unterscheiden: Im Unterschied zur gesetzlichen Gewähr­leistung sind Garan­tien freiwil­lige vertragliche Zusagen. Nach dem Gesetz muss ein Verkäufer einem privaten Käufer gegen­über zwei Jahre lang gewähr­leisten, dass der Kauf­gegen­stand zum Kauf­zeit­punkt frei von Sachmängeln war. Tritt ein Mangel inner­halb der ersten sechs Monate auf, so wird zu Gunsten des Käufers angenommen, dass der Mangel von Anfang an bestand und damit ein Gewähr­leistungs­fall vorliegt.
Dirk Lorenz: Rein recht­lich ist derjenige für den Schaden verantwort­lich, der ihn verursacht hat. Im Falle von Fremdtinten und Druckern ist aber der Nach­weis oft schwierig. Man sollte sich jedenfalls nicht mit dem Argument wegschi­cken lassen, dass Fremdtinten die Garantie und Gewähr­leistung außer Kraft setzen. Und falls die Fremdtinte der nach­weisliche Schadens­ver­ursacher ist, muss man sich an den Fremdtinten­anbieter wenden.

CD- und Fotodruck

DerFotograf: Ich bin seit kurzem begeisterter Digitalfotograf. Bedarf es zum Bedrucken von Fotopapier (Fach­ausdruck: "Glossypaper") einer speziellen Tinten­art? Kann ich das selber machen oder sollte ich mich, wenn ordinäre Home-Printer dazu nicht taugen, doch besser an ein Foto­geschäft wenden? Danke für ihre Ratschläge.

Volker Wartmann: Das funk­tioniert mit gewöhnlichen Patronen in der Regel gut, wird aber auf Dauer ein teurer Spaß. Um Fotos in guter Qualität ausdrucken zu können, ist vor allen Dingen auch die Qualität des Druckers entscheidend. Hobby­fotografen mit weniger hohen Ansprüchen können jedoch auch mit einem güns­tigen Drucker ordentliche Ergeb­nisse erzielen. Siehe unsere Tests zu Druckern und Drucker-Scanner-Kombigeräten.

Gew: Da ich einen Drucker mit CD-Bedruck­funk­tion benötige und es nur ganz wenige Modelle mit dieser Funk­tion gibt, kann ich leider nicht auf den Tinten­preis als Komponente zur Kauf­wahl achten. Gibt es dennoch güns­tige Tinten für den Canon MG 2520, der auch CDs bedrucken kann, die ein akzeptables Druck­ergebnis auch auf bedruck­baren CDs liefern?

Dirk Lorenz: Hier möchte ich einmal allgemein antworten, dass Drucker mit Einzel­farb­patronen schon mit Original­patronen meist deutlich güns­tiger drucken und außerdem gibt es für solche Drucker oft eine bessere Auswahl an Fremd­patronen und enormes Spar­potenzial. Mit Ihrem Canon-Drucker haben Sie also schon einmal einen guten Kauf getan. Wer hingegen einen Drucker kauft, der so genannte Kombi-Patronen mit integriertem Druck­kopf (d.h. mit jedem Patronenwechsel wechselt man auch den Druck­kopf) nutzt, druckt meist teurer und hat Probleme Fremd­patronen zu finden. Wenn man über­haupt Fremd­patronen findet, haben diese eher Qualitäts­probleme und bringen auch weniger Ersparnis als die Einzel­farb­patronen.

Chipcodierte Original­patronen und Halt­barkeit

Wynn: Sie gehen in Ihrem Test mit keiner Silbe auf die Problematik der chipcodierten Original­patronen ein. Wie groß ist der Aufwand dies zu umgehen und das Risiko durch deaktivierte Füll­stands­anzeigen den Druck­kopf zu beschädigen? Es sollte klar­gestellt werden, dass man sich durch Benut­zung von Alternativtinte als Kunde einen Kleinkrieg mit den Drucker­herstel­lern liefert.

Dirk Lorenz: Genau diesen Punkt prüfen wir seit Canon seine Patronen mit einem hoch komplizierten Chip ausgestattet hat. Sie finden unsere Bewertung unter dem Punkt „Hand­habung“ – „Füll­stands­kontrolle“.

A100: Wie lange halten sich eigentlich unge­öffnete Druck­patronen? Monate? Jahre? Jahr­zehnte?

Volker Wartmann: In der Regel sind Tinten­patronen etwa zwei Jahre halt­bar. Wer wenig druckt, sollte sich darum keinen allzu großen Vorrat anlegen. Manche Hersteller geben allerdings nicht an, wie lange ihre Patronen halt­bar sind. So etwas bewerten wir negativ.

Fragen zu einzelnen Marken

Marcvan­gassen: In Ihrem Test vermisse ich die Pelikan­produkte für Canon-Drucker (z.B. Pixma-Serie). Gibt es hier eine Qualitäts-/Kosten­beurteilung?

Dirk Lorenz: Da Pelikan ein wichtiger Anbieter ist, testen wir deren Patronen, wenn sie für den entsprechenden Test-Drucker auch Patronen anbieten. Nur im aktuellen Test gab es leider keine entsprechende Pelikan­patrone für den Canon MX 340.

KSch: Nachdem ich für meine Lexmark-Drucker lange nach Fremd­patronen gesucht habe, wurde ich jetzt auch noch von der Qualität enttäuscht. Haben Sie eine Alternativ­empfehlung?

Dirk Lorenz: Da Lexmark-Drucker seltener verkauft werden und in der Vergangenheit auf Kombi-Patronen gesetzt haben, gibt es so gut wie keine Alternativ­angebote für diese Drucker. Da die leeren Original­patronen umständlich vom Markt gesammelt werden müssen, danach gereinigt und wieder befüllt werden, sind die Fremd­angebote selten, eher teuer und haben öfter mit verstopften Düsen zu kämpfen.

Hausfrau: Welcher der getesteten Patronen würden Sie mir für meinen Canon MP 600 empfehlen? Bisher habe ich immer die originalen Patronen gekauft – diese werden mir aber zu teuer!

Dirk Lorenz: Es sind sehr viele Fragen zu speziellen Druckern und Patronen­empfehlungen einge­gangen, die wir hier nicht im Einzelnen beant­worten können. Da wir jähr­lich Tinten­patronen testen, finden sich aber diesbezüglich viele Test­ergeb­nisse auf test.de. Am besten findet man seine Alternativ­patrone, wenn man in das Such­feld auf test.de die Bezeichnung der Original­patrone eingibt. Hier die Ergeb­nisse der Suche nach Tests Druckerpatronen.

Druckerkauf

Hausfrau: Welchen Drucker würden Sie mir empfehlen, wenn ich diesen nur für schu­lischen Bedarf nutze? (Schwarz-weiß-Kopien)

Volker Wartmann: Es ist empfehlens­wert, sich vor dem Druckerkauf darüber zu informieren, wie hoch die Druck­kosten sind. Das können Sie sehr gut in unseren Tests Drucker. Gerade wenn man viel druckt lohnt es sich ein paar Euro mehr für einen spar­samen Drucker auszugeben. Wer viel Text druckt, fährt auf Dauer mit einem spar­samen Schwarz-Weiß-Laser­drucker güns­tiger als mit einem Tinten­strahl­drucker.

Moderator: So, die Chat-Zeit ist auch schon fast um: Wollen sie noch ein kurzes Schluss­wort an die User richten?

Volker Wartmann: Informieren Sie sich vor dem Druckerkauf über die Folge­kosten und kaufen Sie nicht gleich das güns­tigste Schnäpp­chen. Im Laufe eines „Drucker­lebens“ entstehen die meisten Kosten durch das Drucken. Der Anschaffungs­preis ist bei Viel­druckern zwar nicht zu vernach­lässigen, spielt aber nur eine unterge­ordnete Rolle.

Dirk Lorenz: Fremd­patronen sind eine gute Alternative. Unsere Tests helfen, die Richtige zu finden.

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat. Vielen Dank an die User für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beant­worten konnten. Vielen Dank auch an Dirk Lorenz und Volker Wartmann, dass Sie sich die Zeit für die User genommen haben. Das Tran­skript dieses Chats können Sie in Kürze auf test.de nach­lesen. Das Chat-Team wünscht allen noch einen schönen Tag.

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